Donnerstag, 17. Juli 2014

Zurücktreten können

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Die Ekklesia feiert ja gerne mehrfach - heute zum Beispiel einerseits das Fest des hl. Bekenners Alexius, der sich Christus so sehr in frei gewählter Armut zugesellte, daß er zuletzt - unerkannt - als Bettler unter einer Treppe seines eigenen Vaterhauses lebte, andererseits verzeichnet dieser Tag auch das Gedenken an die Demut Unserer Lieben Frau; ein zentrales Motiv verknüpft mithin beide Anlässe: besagte Demut.
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Was die wahre christliche Demut sei, darüber gehen die Meinungen auseinander; dies Faß will ich hier nicht aufmachen. In einigen Fällen scheint es mir ohnehin nicht hilfreich, den Begriff der Demut nach allen Seiten möglichst abschließend zu erörtern, um daraus so etwas wie ein verbindliches Leitbild zu entwickeln, da dies gerne zu sehr konkreten Verhaltensnormen führt, die es einzuhalten gelte - derweil ich meinerseits den Verdacht nicht los werde, daß sich die Demut des Einzelnen im Spannungsfeld verschiedener Faktoren (Talente, Berufung, Stellung, Aufgaben usw.) jeweils ganz unterschiedlich, womöglich ganz anders gestalte könnte als bei einem Zeitgenossen.
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Eine Herausforderung aber scheint mir allen individuellen Entfaltungsmöglichkeiten gemeinsam: Die Kunst, sich im konkreten Lebensmoment immer wieder zurücknehmen zu können, so es denn unserem geistlichen Fortkommen (und oft dann auch der Sache, für die wir einstehen) dient. Ehe wir noch überlegen, was denn christliche Demut sei, wartet diese Herausforderung bereits Tag um Tag auf uns, und wenn ich von mir auf andere schließen darf, dann würde ich sagen, daß wir uns in der Regel eher schwer damit tun, beispielswegen einfach einmal in die zweite Reihe zurückzutreten und nicht die erste Geige spielen zu wollen. Das kann schon im Supermarkt anfangen, wenn wir uns an den Kassen taktisch günstig einreihen wollen und uns ärgern, weil vor uns jemand noch schneller war (und das ist noch ein eher harmloses Beispiel).
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Unsere Liebe Frau, auf deren Niedrigkeit Gott in Gnaden geschaut hat, und der heilige Alexius mögen uns mit ihrer Fürsprache hierbei zur Hilfe kommen ... orate pro nobis!
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Bild: Unsere Liebe Frau und die Heiligen Alexius und Dominikus als Fürbitter vor Christus als dem göttlichen Richter - Deckenbild in der Pfarrkirche St. Alexius zu Herbolzheim.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Schön gesagt.
Man kann den ganzen Tag in den Büchern nach Heiligkeit suchen, dabei springen uns tausende Gelegenheiten zum guten und verdienstvollen Handeln täglich entgegen. Und die zu meistern ist vielleicht oftmals schwieriger als die frommen Übungen, mit denen wir es uns recht bequem gemacht haben.

PS: Zum Glück hat der Supermarkt meines Vertrauens meistens nur eine Kasse auf - aber auch da gibt es Gelegenheit zum Ärgern... ;-)

Andreas hat gesagt…

Tja, wenn die Supermarktkassenschlange nur unser einzigen Problem wäre, dann könnte man damit ja noch fast leben ... ;-)