Dienstag, 22. Juli 2014

Rabbuni!

... Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen? Sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni - das heißt: Meister ... (Joh 20, 11-16)
Tränen können den Blick trüben. Wie oft stehen wir mit Maria von Magdala vor einem der Gräber unseres Alltags und weinen in uns hinein, weil wir mit der Situation überfordert sind? Weil wieder, weil nochmal alles anders gekommen, womöglich viel schlimmer, als wir es uns erwartet haben? Vielleicht wollten wir sogar alles richtig machen und stellen fest, daß wir trotzdem das Ziel verfehlt haben ... und doch waren wir uns unserer Sache so sicher, gingen mit guter Absicht ans Werk.
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Gott seine Sache richten zu lassen und zu wissen, daß er sie richten wird - ihm zu vertrauen und die Hoffnung in jenen Weg zu setzen, den er vor uns auftut, auch wenn wir diesen Gottesweg nicht überblicken können und der Ansicht sind, ein zielführender Weg müsste doch ganz anders verlaufen: Auch das klingt vielleicht mit im Wort, das der auferstandene Kyrios an Maria von Magdala richtet: "Halte mich nicht" (Joh 20, 17) - nicht mit deinen Erwartungen, deinen Vorstellungen, deinen Plänen, deinen Wünschen, deiner menschlichen Einschätzung. Würden wir wirklich unsere Augen öffnen und aus ganzem Herzen alles, was Gott in der großen Geschichte (und in unserem kleinen Leben darin) plant und auf den Weg bringt, könnten wir das wirklich im Vertrauen auf ihn annehmen und im Glauben erkennen, so wie Maria das - nach der Katastrophe der Passion - Unvorstellbare erkannt hat, den lebendigen Christus am Ostermorgen ... wie neu und echt könnten wir dann mit Maria sprechen: Rabbuni! Meister!
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Die heilige Maria Magdalena, erste Zeugin des Auferstandenen, deren Fest die Ekklesia heute feiert, Zeugin eines Lebens jenseits unserer Vorstellungkraft: Sie helfe uns mit ihrer Fürsprache, wenn Gott uns in der Tiefe der Nacht bei unserem Namen ruft ... ora pro nobis!
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Bild: Die hl. Maria Magdalena begegnet dem Kyrios am Morgen der Auferstehung. Glasfenster aus dem Chorumgang des Freiburger Münsters (Original zwischenzeitlich im Augustiner Museum Freiburg).

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