Donnerstag, 31. Juli 2014

Nach der Zersplitterung

St. Ignatius von Loyola - Dom zu St. Blasien
Er hätte als Verteidiger von Pamplona womöglich in eine glänzende militärische Karriere starten können - aber in "einer einzigen Sekunde", so beschreibt der Dichter Reinhold Schneider den Augenblick, in dem Gottes Plan dieses Sinnen zunichte zu machen begann, in einer ...
 ... einzigen Sekunde zersplitterten die Versprechungen des Glücks: eine der ersten Kugeln zerschmetterte sein rechtes Bein; ein losgesprengtes Mauerstück zerschlug auch das linke. Noch gab er seine Hoffnungen nicht auf; und wie hätte er auf sie verzichten können? (...) So ließ er das Schienbein, das schlecht verheilt war, ein zweites Mal brechen. Als sich dennoch herausstellte, daß ein Knochen bei der Verwachsung den anderen überragte und einen häßlichen Auswuchs bildete, bat er den Arzt, das vorstehende Stück abzusägen. Bei vollem Bewußtsein, ohne sich binden zu lassen, ertrug er die Marter. Vergeblich: Das Bein blieb zu kurz. Auch die Streckversuche halfen nichts; sein ungeheurer Wille mußte das Gebrechen anerkennen.
Er hatte immer die Roman von fahrenden Rittern geliebt, auch während er langsam genas, verlangte er danach; doch auf Schloß Loyola fanden sich nur zwei Bücher. Das eine war Ludolfs von Sachen Leben Christi, das andere enthielt Heiligenbiographien. (...) Unter dem Einfluß der Bücher jedoch, die man ihm wider seinen Willen gab, und von denen er am Anfang einzig Zerstreuung und Unterhaltung erhoffte, trat die Wendung ein.
Ignatius wechselte den Feldherren. Der Schlachten, in welche dieser ihn senden wird, sind vielfältiger Art nach Innen wie nach Außen. Der Heilige wächst an Ihnen; den Kern seines Lebenswerkes fasst die Oratio zu seinem heutigen Fest zusammen:
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Deus,
qui ad maiorem tui nominis gloriam propagandam,
novo per beatum Ignatium subsidio
militantem Ecclesiam roborasti ...
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Gott,
zur Ausbreitung der höheren Ehre deines Namens
hast du durch den heiligen Ignatius die im Kampf stehende 
Ekklesia mit einem neuen Truppenverband gestärkt ...
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So manche Wege und nicht wenige Umwege führen den Heiligen zu diesem Ziel; gerade der gewonnene Elan des Bekehrten treibt, diesen Eindruck wird man nicht ganz los, bei Ignatius noch eine Weile seltsame Blüten - fast sieht es danach aus, als versuche er, die neu gewonnene Einsicht mit seinem alten Lebensentwurf auf eine allzu menschliche Weise zu verknüpfen: es scheinen die fahrenden Ritter der einst geliebten Romane vorläufig weiter durch sein Gemüt zu geistern. Vielleicht ist auch deshalb das Stück von der Unterscheidung der Geister zu einem zentralen Element der von ihm konzipierten Exerzitien geworden? Eine Unterscheidung, mit der er selbst wohl lange gerungen hat und die - wie überhaupt dieses ganze Exerzitienbuch - für uns so wertvoll sein kann, weil gerade hinter aller Spröde der Darstellung doch der lebendige Vollzug durchscheint, aus dem Ignatius schöpfen konnte.
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Seine Fürsprache helfe uns, aus den Verworrenheiten unserer Lebenskreise stets zur höheren Ehre Gottes zurückzufinden und für dessen Namen zu streiten - und sei es gegen uns selbst oder gegen diesen Aion ... ora pro nobis!
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Bild: Der hl. Ignatius von Loyola - Darstellung über dem ihm geweihten Seitenaltar im Dom zu St. Blasien im Schwarzwald. Der Text Reinhold Schneiders stammt aus dessen Werk Philipp der Zweite oder Religion und Macht. Leipzig (2) 1938. S. 120.

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