Dienstag, 29. Juli 2014

Land des Glaubens, deutsches Land

Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt ... auf Fratzbuch rückte sich soeben die alte DDR-Hymne in mein Blickfeld - die ich übrigens ganz gerne hören mag; durchaus ansprechend im Text, durch das leicht rabiate Wechselbad aus hymnisch breitem Pathos und zum Klassenkampf stachelnden Marschtakten zudem auch musikalisch nicht ganz uninteressant.
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Das erinnerte mich alsdann an jene Hymne an Deutschland, die womöglich in der Bundesrepublik zur Nationalhymne avanciert wäre, hätte nicht ausgerechnet Adenauer letztlich die dritte Strophe des Deutschlandliedes gegen den vom Bundespräsidenten Theodor Heuss bei Rudolf Alexander Schröder in Auftrag gegebenen Text durchgedrückt:
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Schade, daß sich Heuss mit Schröder-Reutter nicht durchgesetzt hat ...

Kommentare:

F. M. hat gesagt…

Eine würdige Hymne für einen protestantischen Präsidenten eines evangelischen Gottesstaates.
Leider haben, wie Sie schon geschrieben haben, die Umstände das verhindert.
Genauer gesagt, der römisch-katholische Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Als man ihm die mangelnde Kirchenfreundlichkeit des Kandidaten Heuss referierte, hat Adenauer geantwortet: "Aber er hat eine sehr fromme Frau, das genügt!"

Wie die Geschichte lehrt, genügte dies eben nicht. Aber Adenauer irrte ja nicht nur hier, sehr zum Nachteil der römisch-katholischen Kirche.
Es ging ja mit den Protestanten munter weiter. Nur zwei von zehn Amtsinhabern im Schloss Bellevue waren katholisch und heute sind beide Spitzenposten der Republik von ostdeutschen Protestanten besetzt. Der höchste gar von einer Frau.
Das wird nix mehr mit der Glaubenshymne oder gar einem ordentlichen katholischen, oder auch nur christlichen Staat. Der Untergang naht! Das hat auch Kardinal Lehmann gerade wieder festgestellt: die Zahlen der Kirchenaustritte sind erschreckend hoch.

Andreas hat gesagt…

Jetzt sind Sie doch glatt meiner Omega3-Fettsäuren-Verschwörung haarscharf auf die Schliche gekommen, werter Herr F.M.

Jetzt muß ich den ganzen Plan ändern. Mist.

Sursum corda hat gesagt…

Hm, "Onkel Theos Nachtlied" ist ja ganz nett, aber als Nationalhymne finde ich es ein wenig zu getragen. Biederer protestantischer Pietismus. Für mich ist das eher als Miltärchoral zu gebrauchen, ähnlich wie z.B. "Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten".
Auch das Deutschlandlied wird übrigens oft viel zu langsam gespielt. Da kommt dann ungewollt immer "Gott erhalte, Gott beschütze, unsern Kaiser, unser Land" dabei heraus.

F. M. hat gesagt…

Verschwörung? Ich habe doch nur gewagt, ein paar Fakten deutscher Geschichte aufzuzählen. Aber wenn Sie mit Wissen und Wirklichkeit weniger einverstanden sind, bleibt Ihnen ja immer noch Ihr Glauben. Viel Glück!

Andreas hat gesagt…

Nicht irgendeine Verschwörung, werter Herr F.M., sondern "die" Verschwörung ... die - pssst - Omega3-Fettsäuren-Verschwörung!

Den Sturm und Drang der Marseillaise, lieber Sursum Corda, verbreitet diese Hymne in der Tat nicht unbedingt. Aber gerade nach der "tausendjährigen" Verfinsterung wäre es ein angemessener Neuanfang gewesen, der von Habitus und Faktur her auch heute noch tragen könnte.

Geistbraus hat gesagt…

hm... *räusper*

da hat Adenauer ja wohl nochmal das schlimmste abgewendet!

also pardon, die Melodie ist ja mal richtig schlecht. Wie soll man die auswendig behalten? Alle zwei Takte ne neue Idee...

Und der Text, da haben sursum corda recht, ist wirklich zahnlos und bieder.

Da sing ich lieber das Ding von Haydn und Fallersleben, auch wenn das Wort Glauben nicht drin vorkommt!

Andreas hat gesagt…

Es ist bemerkenswert, daß die Reaktionen (etwa auch auf Fratzbuch) aus der Blogozese auf diese Hymne eher verhaltend bis ablehnend sind. Woran mag das liegen, sofern man voraussetzen mag, daß Text und Musik nun doch nicht total daneben sind ...? Sicher nicht am (textlich) Besseren, welches unschlagbar zu Gebote stünde.

Die Melodieführung ist tatsächlich nicht sofort eingängig, aber durchaus rasch erlernbar und reizvoll.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Ne, also das ist doch badische Rührseligkeit nach dem achten Viertele Wein!

Andreas hat gesagt…

Nach zwei Litern sieht die badische Rührseligkeit dann doch ganz anders aus ... ;-)