Mittwoch, 30. Juli 2014

In einer Reihe mit Abel

Das Opfer Abels - St. Johann, Freiburg
Einen großen Bogen heilsgeschichtlicher Kontinuität zeigen die Propria auf, welche am vergangenen siebten Sonntag nach Pfingsten die Zurüstung der Gaben umrahmten. Da ist einmal das abschließende Gebet über die Opfergaben:
.
Deus,
qui legalium differentiam hostiarum 
unius sacrificii perfectione sanxisti:
.
accipe sacrificium 
a devotis tibi famulis,
et pari benedictione, 
sicut munera Abel sanctifica;
.
ut, quod singuli obtulerunt 
ad maiestatis tuæ honorem,
cunctis proficiat ad salutem.
.
Gott,
du hast die vielen Opfer des Gesetzes
durch die Vollkommenheit des einen Opfers geheiligt.
.
Nimm an die Opfergabe 
deiner dir ergebenen Diener -
und mit gleichem Segen heilige sie
wie die Gaben Abels:
.
Und so gereiche, was jeder (Einzelne)
zu deiner erhabenen Ehre darbringt,
allen zum Heil.
.
Diese Oratio vollendet sozusagen den Gedanken der Antiphona ad Offertorium (Dan 3, 40):
.
Sicut in holocaustis arietum et taurorum,
et sicut in millibus agnorum pinguium:
sic fiat sacrificium nostrum
in conspectu tuo hodie, ut placeat tibi:
quia non est confusio confitentibus in te,
Domine.
.
Wie die Brandopfer von Widdern und Stieren
und unzähliger fettsatter Lämmer:
So werde unser Opfer
heute vor deinem Angesicht, auf daß es dir gefalle:
denn nicht zu Schanden werden, die auf dich hoffen,
Herr.
.
Die betende Ekklesia weiß, daß es nur ein Opfer gibt, welches vor Gott Bestand haben kann: die Hingabe seines Sohnes, des Kyrios Jesus Christus, im Tod am Kreuz. Sie weiß aber auch, daß die Opfer des Alten Bundes (wie auch das, was sie selbst in Gaben und Zeichen zum Altar trägt) in sich zwar keinen Wert haben, aber Wert gewinnen, wenn sie auf das Kreuzesopfer hin gesehen werden: denn durch dieses vollkommene Opfer wird jede Opfergabe geheiligt, sofern dargebracht in lauterem Geist der Hingabe und Liebe. Sinn und Möglichkeit solchen Opferns samt dessen Rahmen umreißt der Kyrios in der Bergpredigt:
Wenn du also deine Gabe zum Opferaltar bringst und dort dich erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, laß dort deine Gabe vor dem Opferaltar, und geh - erst versöhne dich mit deinem Bruder, Und dann komm, und bring deine Gabe dar (Mt 5, 23 f.).
Abel ist in zweifacher Weise Vorbild: zum einen Typos des Kyrios im Tod von Bruderhand des Opfers wegen, zugleich auch Bild des Menschen, der sein Opfer in Lauterkeit darbringt, weswegen es Gott - im Gegensatz zur dezidiert thematisierten überfinsterten Gabe Kains - annimmt:
Nun begab es sich nach Verlauf geraumer Zeit, daß Kain dem Herrn eine Opfergabe von den Früchten des Ackers darbrachte; und auch Abel opferte von den Erstgeburten seiner Herde, und zwar von ihren Fettstücken. Da schaute der Herr auf Abel und seine Opfergabe; aber Kain und seine Gabe sah er nicht an. Darüber geriet Kain in heftige Erregung, so daß sein Angesicht sich finster senkte. Da sagte der Herr zu Kain: "Warum bist du erregt geworden, und warum hat dein Angesicht sich finster gesenkt? Wird nicht, wenn du recht handelst, dein Opfer angenommen? Lauert nicht, wenn du böse handelst, die Sünde vor der Tür als ein Feind, dessen Verlangen auf dich gerichtet ist, den du aber bezwingen sollst?" Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: "Laß uns aufs Feld gehen!" Und als sie auf dem Felde waren, fiel Kain über seinen Bruder Abel her und schlug ihn tot. (Gen 4, 3-8).
Wenn wir uns zur heiligen Eucharistia um den Altar versammeln, so stehen wir in einer Reihe mit dem opfernden Abel und den Gaben dieses "gerechten Dieners", mit - wie im Canon Missæ weiter formuliert - dem "Opfer unseres Patriarchen Abraham"; wir sehen "das heilige Opfer und die makellose Gabe", welche der "Hohepriester Melchisedech dargebracht hat". Wir vereinen uns mit den Tränen, die David seiner Sünde wegen opferte. Wir dürfen das Opfer des Propheten Elias zugegen denken, das Gott selbst entzündet hatte zur Schmach der Baals-Priester:
.
... So werde unser Opfer
heute vor deinem Angesicht, auf daß es dir gefalle:
denn nicht zu Schanden werden, die auf dich hoffen,
Herr.
.
All das geschieht in der Liturgie im ewigen Heute Gottes (in conspectu tuo hodie), all das ereignet sich in der Gegenwart des Kreuzesopfers neu, und in all das gaben und geben die Gerechten im ersten Advent und die Gläubigen im zweiten Advent ihre eigenen Opfergaben hinein, waren es einst Widder, Stiere und Lämmer im Alten Bund, waren es die Früchte und Essensgaben, die man in der Alten Kirche zum Altar trug für die Priesterschaft und für die Armen, sei es jetzt die prosaische Münze in der Kollekte - vor allem aber muß eines dabei sein: unser Herz und unsere lautere Hingabe - so wie es einst war, als Gott geschaut hat auf die Gaben Abels. So gehen alle Opfer letztlich ein in das Opfer der Ekklesia, das ...
... im Einklang mit dem Opfer des Logos dargebracht, zu einer wahren logikè thysía, einem Opfer im Geiste [wird]. Es ist kein bloß äußerliches Tun; es wird vielmehr tief verankert in geistiger Erkenntnis und Beschauung. Deshalb nennt der hl. Justinus Martyr die Eucharistia mit einem unübersetzbaren Worte einen euchês lógos, einen Gebetslogos; und die Väter, angefangen mit den Apologeten, ja vielleicht schon früher, erklären die christliche Eucharistie als die einzig wahre logikè thysía, als geistiges Opfer. Hier erfüllte sich das Wort des Herrn von der Anbetung im Geiste und in der Wahrheit. Denn der sich opferte, war das menschgewordene göttliche Wort; und die Kirche konnte sich dieser göttlichen Tat nur anschließen durch ein Mitleben mit Christus im Geiste und in der Wahrheit (Odo Casel OSB).
So denn bitten wir:
... Nimm an die Opfergabe
deiner dir ergebenen Diener -
und mit gleichem Segen heilige sie
wie die Gaben Abels:
.
Und so gereiche, was jeder (Einzelne)
zu deiner erhabenen Ehre darbringt,
allen zum Heil.
.
Bild: Das Opfer Abels - Relief in der Mensa des Hochaltars der Kirche St. Johann in Freiburg. Das Zitat von Odo Casel ist entnommen dessen Schrift Das Gedächtnis des Herrn in der altchristlichen Liturgie (Ecclesia orans Band 2) Freiburg (7-8) 1922. S. 49 f.

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Gleichsam ist auch das Opfer Abels in besondere Weise ein Vorausblick auf unsere Gabe - er opferte die Erstlinge seiner Herde, uns wird das Lamm Gottes, der Erstgeborenen der ganzen Schöpfung zum erlösenden Opfer.