Donnerstag, 10. Juli 2014

"Entfreundet"

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Es gibt diese Tage, die gut anfangen, bis man eine heftig mit Vorwürfen gespickte Mail bekommt ... plötzlich liegt der Tag in Trümmern. Man steht dann etwas ratlos da. Offenbar hat man einen anderen Menschen schwer enttäuscht und das nicht bemerkt - aber hätte man es merken können? Merken müssen? Ist man nun "schuld" - oder der Mensch gegenüber "zu empfindlich" ... gab es Anzeichen für diese Verstimmung ... ja ... nein ... vielleicht? Man schreibt eine Mail zurück - wie man es wahrscheinlich (gerade aus dem Augenblick heraus) nicht tun sollte: sofort. Aber die Frage findet keine Ruhe - klar, weil einem die Sache innerlich aufscheucht und man nicht jene Nacht darüber schlafen kann, die vielleicht ratsam wäre. Man wägt, erwidert, setzt sich mit den Anwürfen auseinander, widerspricht, hinterfragt. Oder sollte man nur schreiben: "Recht hast Du", auch wenn es nicht wahr wäre, wenn das Herz gegen die schnelle, einfache Lösung klopft, die einen faulen Frieden in Aussicht stellt? Abends schaut man auf Facebook vorbei und stellt fest, daß man dort bereits "entfreundet" worden ist: Das fühlt sich an wie ein Tritt in den - sorry, aber anders mag ich es hier nicht sagen - Arsch.
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Eigentlich wollte ich heute Abend ein paar Zeilen über den hl. Ulrich von Zell schreiben, dessen Fest heute im Breisgau gefeiert wird und dessen Leib im oberen Tal der Möhlin ruht. Es bleibt bei dem Bild, vielleicht ja auch passender Art, darauf verschiedene Heilungswunder des hl. Ulrich zu sehen sind, im Vordergrund die Heilung eines gelähmten Kindes. Auch wir laufen immer wieder mit verkrümmten Beinen und gebeugten Gliedern durch dieses Leben ... und mit verkrümmten und gebeugten Herzen samt Narben, die aus Wunden rühren, die wir uns gegenseitig schlagen, ob nun mit oder ohne böse Absicht: Der Schmerz ist real, auf der anderen wie auf eigener Seite, so oder so. Hilf auch uns, heiliger Ulrich, durch deine Fürbitte ... ora pro nobis!
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Bild: Der heilige Ulrich heilt Kranke - Ausschnitt aus dem Altarblatt am Ulrichsaltar der ehem. Klosterkirche St. Ulrich im Schwarzwald.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Virtuelle Welten! - Wie schwierig ist es doch manchmal, seinem täglichen Gegenüber wahrhaftig und respektvoll seine Meinung zu sagen und, auch wenn diese überhaupt nicht verstanden wird. Von Angesicht zu Angesicht ist manches leichter oder schwerer? Die allermeisten Menschen, die einen Blog lesen oder über fb "befreundet" sind, sind einem doch in Wirklichkeit völlig unbekannt. Virtuelle Welten eben. Vielleicht ist der Post gut dazu geeignet, zu hinterfragen, was "ich" von fb und Blog wirklich erwarten kann und darf.
Gott befohlen!

Andreas hat gesagt…

Vergelts Gott für die Aufmunterung. Natürlich mögen das, wie man Neudeutsch so sagt, andere "Beziehungskisten" sein, in denen man sich hierbei befindet. Freilich steht auch im Netz in der Regel ein Mensch hinter dem Avatar und Co. Es stimmt natürlich - viele kennt man nicht, aber mit dem einen oder der anderen hat man sich womöglich auch zuweilen im Chat unterhalten, ein Bild gewonnen und dieses schätzen gelernt hat - das kann dann auch im Einzelfall zu einem höheren Grad der Bekanntheit und einer gewissen Vertrautheit (nicht im nur informellen, sondern in ganz menschlichem Sinn) führen, vielleicht ähnlich dem, was früher als "Brieffreundschaften" gepflegt wurde.

Auch die Intensität der Vorwürfe, die einem plötzlich begegnen, deuten darauf hin, daß man aneinander mehr hatte, als eine reich virtuelle "Bekanntschaft" sonst hergeben mag.

Nun denn - manche Dinge kann nur Gott gerade rücken. Und auch das, je nach Mitwirkung der Beteiligten, erst in der Ewigkeit.