Freitag, 20. Juni 2014

Wehen des Geistes

In der Sammlung mit Gebeten von Erich Przywara SJ stieß ich - auf der Suche nach Worten, die mir den Fronleichnamstag einklingen lassen könnten - vor einigen Tagen auf ein leicht irritierendes Angebot. Selbst wenn man in Abzug bringt, daß man sich bei einem ersten Darüberlesen - es ging ja zuerst nur darum, einen "passenden" Text zu finden - die Augen reibt ob der vermeintlich sehr sprunghaften Gedanken, so verweigert sich dieses Gebet auch später allzu brav-frommer "Verrichtung" - Przywara verschränkt diverse Momente und Wahrheiten des Glaubens miteinander, und man wüßte gerne, was wohl konkret Inhalt der Predigt gewesen, aus welcher heraus dieses Gebet formuliert worden ist. 
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Gedanklich umkreist dieses Gebet den Zusammenhang zwischen Eucharistie, der Umgestaltung in Christus und dem Werden der Ekklesia in dieser Umgestaltung, all das gefaßt in die Endlichkeit geschöpflicher Zeichen, die gerufen sind, alle Endlichkeit durch die Einbergung in das Heilige Pneuma zu überwinden - jenes Pneuma, in welchem Christus sich seit seinem Fortgang zum Vater uns neu schenkt, in dem der Kyrios seine Ekklesia zur Braut nimmt und heimführt. 
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"Gottes Weizen bin ich, und durch wilder Tiere Zähne werde ich gemahlen, auf daß ich als reines Brot des Christus erfunden werde" lautet ein berühmtes Zitat aus den Briefen des apostolischen Vaters Ignatius von Antiochien (An die Kirche der Römer 4), geschrieben in der Gewißheit des nahen Martyriums. Bei Przywara heißt es: "... laß uns wissen in dieser Stunde, daß wir es sind; Dein Brot und Wein im Geheimnis der Altäre bedeuten uns ... gewandelt in Fleisch und Blut unseres Gottes" - dessen Zeugen zu sein wir berufen sind.
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O Heiliger Geist, 
laß uns knien in dieser Stunde 
vor dem Geheimnis, 
darin Du die eigentliche Tiefe Deiner Weisheit, 
die Tiefe Deiner Heiligkeit, 
die Tiefe Deiner Liebe offenbarst,
vor dem Geheimnis des Fleisches und Blutes,
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vor dem Geheimnis des Fleisches und Blutes
unter den Gestalten der Erde,
unter den Gestalten
der Frucht der Ähren und
der Frucht der Trauben.
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Unter diesen Gestalten 
ist Deine Fruchtbarkeitsfülle in Jesu Christo,
in der Fruchtbarkeitsfülle der Ähren der Erde,
in der Fruchtbarkeitsfülle der Trauben der Erde.
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O Heiliger Geist,
laß uns wissen in dieser Stunde,
daß wir es sind;
Dein Brot und Wein
im Geheimnis der Altäre bedeuten uns.
Wir sind gelegt in Brot und Wein 
auf den Altar;
wir sind gewandelt 
in Brot und Wein
unter dem Hauche Deiner Liebe,
unter dem Hauche Deines Schöpfertums,
unter dem Hauche Deiner Fruchtbarkeit
sind wir gewandelt 
in Fleisch und Blut unseres Gottes.
O Heiliger Geist, 
so laß uns wissen in dieser Stunde,
wo wir beginnen,
nichts zu sein als Kirche dieser nackten und bloßen Erde.
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Heiliger Geist,
laß und glauben gegen allen Glauben,
laß uns hoffen gegen alles Hoffen,
laß uns lieben gegen all unsere Enttäuschungen,
gegen all unseren Widerstand.
Laß uns glauben, hoffen, lieben in
dieses Geheimnis hinein.
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Die Fülle Deiner Geistigkeit.
die Fülle Deiner Liebe,
die Fülle Deiner Fruchtbarkeit zu empfangen
im Geheimnis dieser nackten, bloßen, nichtigen Erde,
die Du erwählt hast,
Braut und Leib und Schoß
und Fülle und Glorie
Deiner Herrlichkeit der Liebe zu sein -
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Amen.
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Erich Przywara SJ: Auferstehung im Tod. Gebete. Zürich o.J. S. 58.

1 Kommentar:

thysus hat gesagt…

Mit dieser Betonung wirkt das Gebet gar nicht sprunghaft und die Bedeutung zeigt sich klar:

"O Heiliger Geist,
laß uns wissen in dieser Stunde,
daß WIR es sind;
Dein Brot und Wein
im Geheimnis der Altäre bedeuten UNS.
WIR sind gelegt in Brot und Wein
auf den Altar;
WIR sind gewandelt
in Brot und Wein
unter dem Hauche Deiner Liebe,
unter dem Hauche Deines Schöpfertums,
unter dem Hauche Deiner Fruchtbarkeit
sind WIR gewandelt
in Fleisch und Blut unseres Gottes."