Samstag, 21. Juni 2014

Von der Rettung eines Heiligen vor seiner Verehrung

Der hl. Aloisius (links) und der hl. Stanislaus Kostka verehren das Herz Jesu;
Altarblatt von Simon Göser im Augustiner-Museum, Freiburg
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Den Italienern geht der Name vielleicht etwas leichter über die Zunge ... Luigi. Wer aber hierzulande nennt heute ein Kind noch Aloysius? Oder Alois? Wieviele Katholiken verbinden noch etwas mit den sechs "aloysischen Sonntagen", an denen sich die Altvorderen - entsprechend der sechs Ordensjahre des Aloysius - am Vorbild des Heiligen befleißigen wollten, die heilige Kommunion empfingen und einen vollkommenen Ablass gewinnen konnten? Nun denn - letztgenannter Brauch wird mit der Ermunterung zum allgemein öfteren Empfang des Altarsakramentes untergegangen sein; aber auch sonst ist der hl. Aloysius aus der Kirche verschwunden, gemessen an der Popularität, die er einst genossen hatte.
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Natürlich gibt es sein Fest noch immer, heute wird es gefeiert. Das Breviarium Romanum bietet seit der letzten Brevierreform eine zusammengestutze Lesung zum Leben des Heiligen - wirft man einen Blick in die ehemals drei umfangreicheren und teils weit blumigeren Lektionen, dann ahnt man, warum Aloysius aus der Mode gekommen sein könnte: 
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Heilig zu leben scheint ja keine schwere Sache zu sein, wenn man sozusagen bereits als Heiliger vom Himmel gefallen scheint. Allzu liebliche und weit verbreitete Gipsfiguren eines bleichgesichtigen Heiligen, der an Blutarmut zu leiden schien, gaben dem Kult vielleicht den Rest; da half es auch nicht viel, daß 1926 das Jugendpatronat des Heiligen nochmals ausdrücklich bestätigt wurde. Mit dem Bild eines auf kleinbürgerlichen Anstand, Sittsamkeit und Wohlverhalten domestizierten Heiligen ließen sich die ganz anderen Leit- und Zerrbilder, mit denen der Zeitgeist die Jugend lockte, nicht mehr einholen. In der zweiten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche liest sich das am Ende (der 1950er-Jahre) dann so: "Seine Gestalt, oft verzeichnet, erweist sich bes. seit Herausgabe seiner Briefe u.a. Schr. (...) als auch heute noch gültiges Vorbild" - die Rettung des einst populären Heiligen aus Formen seiner früheren Verehrung ist deutlich heraus zu hören.
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Bei diesem Heiligen möchte man wirklich rufen: Weg mit dem ganzen alten Gerümpel! Was bleibt dann übrig? Ein junger Adeliger, dem Aufgrund guter Beziehungen seiner Familie eine glänzende Karriere in der Kirche oder in der Welt hätte bevorstehen können, hätte er dies nicht ausgeschlagen, um sich dem jungen und für die Ekklesia in den Stürmen der Zeit kämpfenden Orden der Jesuiten anzuschließen, in die Fußstapfen des ehemaligen Offiziers Ignatius von Loyola tretend. Es bleibt ein Heiliger, der sich schon vor seinem Ordenseintritt zusammengerissen hat angesichts möglicher sexueller Eskapaden, die sich ein Adeliger seiner Zeit durchaus hätte leisten können, zumal in jungen Jahren. Es bleibt ein junger Mann von asketischer Natur, der seine Kräfte zuletzt in der Pflege von Pestkranken aufzehrt, ehe er selbst an der Pest stirbt. Das ist Aloysius, der Heilige, dessen Fürsprache uns helfe in Zucht an uns selbst und im Dienst an den anderen ... ora pro nobis!
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Es ist besser, ein Kind Gottes zu sein
als König der gesamten Welt (St. Aloysius von Gonzaga).

Kommentare:

Nikodemus hat gesagt…

Ein sehr erfrischender Text! Danke!

aloysius hat gesagt…

vergelt's Gott!
Und um auf den zweiten Satz Ihres Artikels zu antworten: Seit letztem Jahr darf ich den Namen Aloysius Maria tragen!

Weiterhin Gottes Segen,
Fr. Aloysius Maria

Simplicius hat gesagt…

Mit dem hl. Aloysius und ähnlichen Heiligen hatte ich auch mal so meine Schwierigkeiten - bis ich ein klein wenig besser verstanden habe, dass alle Heiligkeit nur vom Himmel fällt.

Andreas hat gesagt…

Besten Dank für die Segenswünsche - es gibt also doch noch Kinder (Gottes), die Aloysius gerufen werden ... ;-)

Heiligkeit nun, werter Simplicius, fällt gewiß vom Himmel, aber nicht der Heilige ... so von wegen der Himmel gibt seinen Segen und die Erde ihre Frucht (oder auch nicht) ... ;-)