Freitag, 6. Juni 2014

Vertrauen zur Kirche?

Auf Windlicht erschienen dieser Tage lesenswerte Auszüge aus einer Rede zum Thema Vertrauen zur Kirche von Ida Friederike Görres, welche die Autorin 1970 unter dem Titel Im Winter wächst das Brot - Sechs Versuche über die Kirche in einem kleinen Sammelband veröffentlichte. Zuerst werden dunkle Szenarien prognostiziert, welche Görres zu ihrer Zeit bereits heraufziehen sah und die heute Wirklichkeit zu werden scheinen - sofern sie es nicht bereits geworden sind (hier). In einem zweiten Beitrag kann man auf Windlicht die Gründe nachlesen, welche die bedeutende katholische Publizistin anführte, derentwegen wir dennoch "Vertrauen zur Kirche" hegen sollen, hegen dürfen (hier).
.
Flurkreuz bei der Kirche von
Feldkirch im Breisgau
Diese Gründe würde ich um einen Aspekt ergänzen, da ich - nicht zuletzt an mir selbst - immer wieder beobachte, daß wir vielleicht ja alle generell dazu neigen, "die Kirche" recht exklusiv auf deren zeitliche Komponente und unseren Durchschnitts-Horizont zu reduzieren. Womöglich ist es in unserem Glaubensbewußtsein nicht hinreichend verankert, daß die Ekklesia nicht allein aus uns und unseresgleichen in streitender Bewährung (Schwächen, Irrungen und eine Niederlage im Bösen inbegriffen) besteht (Ecclesia militans), sondern nicht minder die Heiligen des Himmels (Ecclesia triumphans) und die Seelen im Stand der Läuterung (Ecclesia patiens) einbegreift. 
.
Die abschmelzende Glaubenssubstanz, derer wir in Teilen unserer streitenden Ekklesia gewahr werden, mag uns verstören und das "Vertrauen zur Kirche" schwächen. Gerade deswegen müssten wir doch umso mehr unseren Glauben dagegen setzen - ein Glaube, der jene Fülle im Auge behält, die sich uns im Mysterium der Ekklesia auch in unserer Zeit und über unsere Zeit hinaus darbietet. Stellen sich - so gesehen - nicht doch einige Phänomene, um die wir uns heute sorgen mögen, ein wenig anders dar?

Kommentare:

Windlicht hat gesagt…

Ich glaube auch, Andreas, daß die Phänomene der innerkirchlichen Glaubensschmelze relativiert werden, wenn wir die Kirche als den Zeit und Raum überschreitenden Corpus Christi mysticum begreifen, oder besser glauben. Diesen Horizont vermag nur, wie Sie es ja formulieren, das Pneuma eröffnen. - Das ist das Tröstliche und Frohe des morgigen Festtages. "Er wird mich verherrlichen." - Mehr brauchen wir nicht. Gesegnete Pfingsten im Breisgau! Windlicht.

Windlicht hat gesagt…

Frohe Pfingsten in den Breisgau, wüsnche ich. Offenbar ist mein Kommentar von gestern Nacht nicht angekommen.Wollte nur danken für die Links und das Weiterdenken bzgl. Vertrauen zur Kirche....und daß ich es auch als große Entlastung empfinde, die Kirche in diesem allumfassenden und Raum und Zeit sprengenden Sinne zu betrachten. Die heutige Verherrlichung des Pneumas wird uns die Augen dafür öffnen! Gruß. Windlicht.

Andreas hat gesagt…

Upps, es kam alles an, nur habe ich's nicht rechtzeitig gesehen - vielen Dank für die Pfingstgrüße; sie seien von Herzen erwidert!