Dienstag, 10. Juni 2014

Unpässlich ... mit vielen Klammern

So manches, was aus Rom (bisweilen auch aus Flugzeugen oder aus dem Mund des einen oder anderen Kardinals) in letzter Zeit zu hören war, beunruhigt mich (um es einmal gelinde auszudrücken) und bohrt in Wunden, die ich halbwegs verheilt glaubte (so war mein Verhältnis zu Franziskus' Vorvorgänger nach den Vorkommnisses von Assisi ziemlich zerrüttet; ich mag in solchen Fragen keine Sachen, die auch nur dem Hauch einer Zweideutigkeit anheim fallen könnten). Außerdem bin ich der dauernden Bäumchen-Pflanzerei (egal von wem, mit wem und wozu auch immer) überdrüssig, denn diese Symbolpolitik ist ohnehin für die Katz' (ich sage nur: Kratzbaum!). Nun kam mir am Wochenende ein Zitat unter die Augen, und normalerweise hätte ich es unkommentiert unter das Label Sententiæ gepackt - aber es trifft meine aktuelle Stimmungslage (auch wenn es nur einen Teil meiner Unpässlichkeiten abfängt) und stammt aus der Feder des französischen Autors Henri Ghéon, Verfassers mehrerer Heiligenbiographien und einiger Mysterienspiele (Ghéon bekehrte sich während des Ersten Weltkriegs zum Katholizismus):
Die Liebe Christi ist hart. Sie streckt die Hand entgegen, zeigt aber das Schwert. Über all zu vielem Reden von der Barmherzigkeit vergißt man, daß die Wahrheit unerbittlich ist.
In wenigen Tagen, am 13. Juni, jährt sich Ghéons Todestag zum siebzigsten Mal.

Kommentare:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Kopf hoch! Es wird noch schlimmer kommen.
Also rüste Dich mit den Waffen, die der Heilige Paulus nennt

Windlicht hat gesagt…

Die Bibliothek hier hat die Biographien über Therese von Lisieux und die heilige Klara im Bestand, das werde ich mir mal anläßlich des 70. Todestages von Gheon ausleihen. Habe noch nie etwas von ihm gehört. Daher erst recht neugierig, lieber Andreas.

Die Quittung für die römische Pfingstshow ist ja offenbar ausgehändigt worden - was nur g e r e c h t war. Vielleicht reicht ja ein Imam, um in Zukunft einen mit Barmherzigkeit getarnten Synkretismus bzw. Irenismus zu unterlassen oder zumindest zu entlarven.

Ja, der Kaschber, was soll man sagen? Irgendwie hat er die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Gottes Barmherzigkeit und die Erlangung eines 'gnädigen' Gotte ist für die meisten, die ich treffe, so wieso kein Thema. Wer so verkündet, leistet ja eher noch einen verstärkten Beitrag dazu, daß die Menschen Gott nicht mehr ernst nehmen. - Das Ergebnis ist, daß alle (Hirten wie Herde) faul und träge werden und sich in den Kissen einer Gottesvorstellung ausruhen, nach der Gott ja gar nicht anders kann...und darf! - Welches Hypnoticum hat uns da der Satan verabreicht! Es wird in der Tat ein böses Erwachen geben - da kann ich Gheon und Frau Dr.von Huflattich;-) nur recht geben. Auch bzgl. der Garderobenempfehlung des Apostels nach Epheser 6!

Andreas hat gesagt…

Das Wort stammt aus dem Vorwort der Biographie über die hl. Klara, ist dort aber ein Zitat aus der der Lebensbeschreibuung des hl. Vinzenz Ferrier ...

Was das Barmherzigkeitsgerede betrifft: In manchen Fällen werde ich den Verdacht nicht los, es sei nur eine billige und allzu bequeme Seelsorgestrategie mancher Pfarrer, um sich nicht mit steinigen Herausforderungen herumschlagen zu müssen.

Windlicht hat gesagt…

Du hast es, wie immer, erfasst. Vor allem sich nicht herumschlagen müssen mit der Herausforderung, Gott Gott sein zu lassen. "Laßt Gott groß sein und betet Ihn an." - Immer dieses zu uns herabbiegen wollen - darauf läuft's halt meist hinaus. Ich klopfe auch an meine eigene Brust :-( .

Andreas hat gesagt…

Danke für das Lob - meine Auffassunggabe würde ich, reine Selbsterfahrung, dann aber doch um einiges tiefer ansetzen.

Gäbe es die Gnade nicht, wir wären alle - jeder auf seinem Posten - Versager angesichts des Anspruches, der sich ergibt, betrachtet man Größe des Auftraggebers und des Auftrages. Was könnte uns da schon gelingen, gerade auch bei all den Defiziten, die wir hervorbringen ... würde ER uns nicht beispringen?

So bleibt nur Lk 17, 10 - doch wenn wir da strebend hingekommen sind und ehrlich hinkommen wollen, gibt ER das Gelingen: zu unserem und der Welt Heil.

viasvitae hat gesagt…

Es freut mich sehr, hier das Postulat als Tenor herauszulesen, Gott wieder Gott sein zu lassen. Auch finde ich es wichtig, die mangelnde Ehrfurcht, die sich aus dem "Herunterbiegen" Gottes ergibt, zu bemerken. Gleichzeitig freut es mich aber sehr, dass im Zuge der Kommentarentwicklung am Schluss nun die Gnade Gottes steht. Dies ist nun einmal die Spannung, in der wir leben: unsere zur Sünde veranlagte Natur und Gottes Gnade, die wir niemals gänzlich aus uns "erarbeiten" könnten.

Andreas hat gesagt…

Das ist der Trost in allen Unpässlichkeiten: Daß wir zwar alle einige armselige Fäden in der Hand haben, an denen wir mehr oder minder glücklich herumzupfen, Gott aber die letzte große Strippe zieht. Da müssen wir anknüpfen!