Sonntag, 1. Juni 2014

Drei Jungfrauen und eine selige Eich

.
Nicht weit von Basel wölbt sich, auf deutscher Seite am Hochrhein gelegen, der Dinkelberg mit dem Dorf Obereichsel. Mit der dortigen Pfarrkirche St. Gallus ist eine alte Wallfahrt zu den Drei heiligen Jungfrauen von Eichsel verknüpft: Kunigundis, Mechtundis und Wibranda zählt die Legende der Gefolgschaft der hl. Ursula zu. Spärliche, aber verlässlichere Informationen verweisen hingegen in die Zeit der Karolinger; die Verehrung der drei Frauen ist bereits früh bezeugt und dürfte - jenseits aller Legenden - nicht grundlos aufgekommen sein. Ihr Fest wird jeweils am 3. Julisonntag mit einer Prozession, dem "Eichsler Umgang" gefeiert. 1504 wurden die Gebeine durch den päpstlichen Legaten Raimund Kardinal Peraudi erhoben und die Verehrung von Kundigundis, Mechtundis und Wibranda als Heilige der Ekklesia offiziell bestätigt. Heute birgt der rechte Seitenaltar deren Reliquien:
.
.
Eine ganze Reihe wundersamer Legenden rankte der Volksglaube um die Drei heiligen Jungfrauen - Überlieferungen, die sich etwa auch in den Akten der Untersuchung von 1504 findenSo wird erzählt, unterwegs auf einem Gang etwa ...
... habe die einte einen starken Durst gehabt und ihren Stecken, den sie in der Hand getragen, ein wenig in den Boden gesteckt. Da sei ein Brunnen entsprungen, der seit dem Tag der Jungfrauen Brunnen genennet werde. Der Weg, den sie gegangen, habe noch immerdar den Namen behalten: der Heiligen Jungfrauen Weg. Andere kannten dafür die Namen: Mägdebrunnen und Mägdeweg. 
Höchst Wunderbares wußte Rudolf Ryat, Kaplan beim Stift Basel, der früher als Pfarrer von Hauingen öfters nach Eichsel gekommen war, von dem Brunnen zu berichten: Alters seien bei dem Jungfrauenbrunnen allerhand giftige Würm gewesen und niemand habe sich selbiger Orten gern finden lassen. Nachdem aber die heiligen Jungfrauen dahin kommen, seien die Würm aus der Kraft Gottes in Stein verändert worden, wie man am selbigen Brunnen dann noch Stein gesehen von unterschiedlichen Formen der Würmen.
Das Begräbnis der Jungfrauen erzählt Murer, Helvetia Sancta (1751) auf folgende Weise: Wie die Jungfrauen bei Lebzeiten gewünscht hatten, legte man ihre Leiber auf einen Ochsenkarren und wollte es den Engeln überlassen, die Tiere zu leiten. Die Ochsen gingen nun einer hohen und großen Eiche zu, die tat sich voneinander und empfing die heiligen Leiber. Da hat man hernach eine schöne Kirche über ihre Gräber gebaut, und Gott hat große Wunder durch der heiligen Jungfrauen Verdienst gewirkt. Der Ort erhielt von der Eiche seinen Namen und wurde Eichsel genannt, d. i. quercus salutis, selige Eich (Johannes Künzig (Hg.): Schwarzwald-Sagen. (2) 1930. S. 206 f.).

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Andreas-Unterwegs fördert immer wieder die schönste Dinge zu Tage. Danke dafür!

Andreas hat gesagt…

Allerdings gehen mir - zumindest in der allernächst näheren Umgebung - langsam die Kirchen aus ... (zumindest die sehenswerten und nicht dauerverrammelt- und verriegelten) :-)