Samstag, 28. Juni 2014

Brot des Lebens selber backen

Ich muß gestehen, daß ich zu jenen Zeitgenossen zähle, die zwar gerne Kochbücher anschauen und zuweilen hochambitioniert erwerben, um sich zuletzt und -allermeist entweder bekochen zu lassen oder aber irgendwas mit Knorr- und Maggi-Tüten zusammenzurühren; freilich verfüge ich auch nicht über einen edelstahlbewehrten Cook-and-Show-Room mit hydraulisch regulierter Food-Station und eingebautem Schaumschläger - alles Dinge, deren definitive Nichtnutzung eine Haltung auf Hochglanz ohnehin erleichtert. Aber zurück zu den Kochbüchern ... die heutige Heimsuchung des gern freqentierten Diakonie-Wohttatladens verleitete mich erneut zu einem kleinen Schnappschuss:
.
.
Daß in einem Umfeld, welches der Qualifizierung von nicht immer überüppig bildungsnahen Mitmenschen für den ersten Arbeitsmarkt dient, nicht jedes Buch seinen allzeit passenden Platz im richtigen Regal findet, läßt sich öfter feststellen und ist nicht weiter schlimm. Natürlich frommt ein Ratgeber zu Testament und Erbrecht buchstäblich auch dann nicht, wenn er - wie schon festgestellt - bei "Religion" verräumt wird: mutmaßlich, weil dort sowieso immer wieder Bücher auftauchen, die sich Altes bzw. Neues Testament nennen. 
.
Ähnlich verhält es sich mit dem "Brot-Buch" oben: Ich würde zwar mitnichten ausschließen wollen, daß da auch eine Anleitung zum Brotbacken drinsteht, aufs Ganze gesehen dürfte der kulinarisch-praktische Wert dieser Publikation für Menschen, die ihre Küche nicht nur anschauen, sondern auch benutzen wollen, eher gering sein. Wo es steht, gehört es jedenfalls so wenig hin wie Grütze in den Sauerbraten.
.
Freilich verspüre ich nun keine Neigung, dem kleinen fauxpas beim Einsortieren dennoch eine geistliche Deutung unterzuschieben, wie etwa vor einigen Tagen bei den Müllsäcken des hl. Johannes Nepomuk - so von wegen: Das mag uns daran erinnern, daß uns die wahre Vollwertkost für das ewige Leben in der Eucharistie geschenkt werde.
.
Und also hört der Spaß langsam auf ... Worum es wirklich und wesenhaft geht, erschließt sich hier schlicht und einfach kaum. Man sieht einen knusprigen Laib Brot auf dem Umschlag, liest irgendwas vom Brot im Titel, übersieht das Klein(er)gedruckte ... e voilà: das muß ein Kochbuch sein! Und jetzt wechseln wir kurz das Szenario, raus aus dem Diakonie-Laden, rein in die kirchliche Realität: Man hört von "heiligem Brot", das manche Kirchenleute am liebsten jedem in die Hand drücken würden, der es haben möchte, Brot, das uns an Jesus erinnert, Brot, das Gemeinschaft stiftet zwischen uns und uns und zwischen uns und Gott, wenn wir davon essen, Brot, mit dem wir auf dem Weg sind, Brot, mit dem Gott mit uns auf dem Weg ist, Brot des Lebens, Brot vom Tisch Gottes, Brot für dich und Brot für mich ... ei, was wird das anderes sein als ... Brot!?!

Unversehens gerinnen die Ergebnisse der aktuell allzu üblichen Katechese über das Altarsakrament zu dieser Momentaufnahme, verdichten sich die Fragwürdigkeiten jener Unterweisung geradezu emblematisch oben im Schnappschuss. Würde man die Sache beim Namen nennen, hätte man statt Brot des Lebens etwa "Leib Christi" auf den Titel gedruckt und statt eines Bauernbrots eine Hostie abgelichtet ... wetten, dieses Buch wäre richtig einsortiert worden? Sollte nun im Großen besser laufen, was im Kleinen so anschaulich falsch gelaufen ist?
.
Einer unserer fortschrittlich-gewieften Kleriker meinte einmal zu mir, die Rede vom "heiligen Brot" sei ja nicht falsch und schließlich sei auch in der kirchlichen Tradition oftmals vom "Brot" die Rede - habe denn nicht etwa Thomas von Aquin das Wort vom "Brot, das lebt und Leben spendet" geprägt, fragte er alsdann, auf die Sequenz der Fronleichnams-Messe anspielend (panis vivus et vitalis), die ihm immerhin geläufig war.
.
Was hierbei unbedacht blieb: Es kommt stets darauf an, aus welchem übergeordneten Volltext heraus solche Ausdeutungen des eucharistischen Mysteriums formuliert, entsprechende Bilder geprägt und wiederum kontextualisiert werden. Wenn auf der Packung dick und deutlich "Leib Christi" steht, dann kann man quasi im Beipackzettel gewiß auch vom "Brot des Lebens" reden und vom "heiligen Brot" meinethalben auch. Wenn sich hingegen das über die Eucharistie am höchsten Aussagbare in Begriffen wie "Brot des Lebens" zu konzentrieren oder gar zu erschöpfen scheint, dann läuft doch gewaltig etwas schief ...

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Brot?

Brot!

-> http://1.bp.blogspot.com/-OzTQE5T4h28/U6f9eHzvDBI/AAAAAAAAB2w/DcY35uKur-4/s1600/GroundMissbrauchKlein.jpg

Andreas hat gesagt…

Ich frage mich immer, (an) was Zelebranten da eigentlich glauben - und möchte es doch eigentlich besser nicht wissen. :-(

Eugenie Roth hat gesagt…

Wär doch schön, wenn ein Käufer dieses Buches dann vom Brotbacken - zum Leib des Herrn käme! - aber wohl eher unwahrscheinlich ....