Samstag, 31. Mai 2014

Zu seiner Rechten steht die Königin

Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat - Rosenkranzfenster
in der Pfarrkirche St. Konrad und Elisabeth, Freiburg
Die Frau ist von Gott geschaffen als Symbol der Gott zugewandten Schöpfung. Sie ist bereites Gefäß, das sich der höheren Kraft hingibt und dadurch randvoll gefüllt wird. Verschließt sie sich der höheren Einwirkung, schließt sie sich selbstbewußt und töricht ab, will sie aus sich aktiv sein, wird sie unfruchtbar. Gibt sie sich aber selbst in ihrem Eigensein auf und öffnet sich der Gabe von oben, dann wird sie durch die göttliche Gabe fruchtbar und leuchtet, wie der Mond leuchtet, indem er sich der Sonne zukehrt. Dann wird ihr Wesen, zunächst weich und ungeformt und der Prägung harrend, geformt und von dem göttlichen Prägebild geprägt, so daß sie Christi Bild in dich trägt. Sie wird zu einem Spiegelbild des Logos, ein Abglanz des ewigen Lichtes, das Abbild der göttlichen Güte; sie wird zur "Sophia", zum Spiegelbild der göttlichen Weisheit.
An Maria, der Mutter Jesu, hat sich das im höchsten Maße erfüllt. Der ganze Glanz des Sohnes, des ewigen Logos und des Fürsten Christus, spiegelt sich in ihr, so daß sie als Königin und "Thron der Weisheit" neben ihm steht. Während aber der Glanz in ihrem Sohne ungebrochen leuchtet und flammt, ist er in ihr milde gebrochen; er leuchtet durch ihre Weibliche Demut und ihre innigste Liebeshingabe hindurch, die alle Ehre nur ihrem Sohne zuschreibt. Bei aller Herrlichkeit bleibt sie immer die liebende Frau und die demütige Magd. Sie will nicht an die Stelle ihres Sohnes treten, sondern weist auf ihn hin, den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. 
Als die Braut des Logos aber kündet sie von der Größe und Schönheit des Bräutigams. Je herrlicher das Abbild ist, desto mehr offenbart es ja die Schönheit des Urbildes. Der Schmuck der Königin ist die Gabe des Königs. "Zu seiner Rechten steht die Königin im golddurchwirkten Gewande" (Ps 44, 10).
Diese Königin will nicht aus sich glänzen - dann wäre sie ja ein eitles, liebloses Weib -, sondern unbewußt spiegelt sie in ihrer holden Schönheit den Glanz des Bräutigams wider, milde strahlend und sanft leuchtend durch ihre demütige Hingegebenheit, die nun wieder den Bräutigam reizt, ihr immer neue Gnade und Anmut zu schenken. "Gnadenanmut ist ausgegossen über deine Lippen, weil Gott dich gesegnet hat auf ewig" (Ps 44, 3).
Odo Casel OSB in einer Ansprache am Fest der Aufnahme Unserer Lieben Frau in den Himmel (1930). In: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 395 f.

Keine Kommentare: