Dienstag, 6. Mai 2014

Der Herrscher aus dem Stamme Juda

Die größte Überraschung der letzten Worte Jakobs bringt der Spruch über Juda.
"Juda,
dir jubeln deine Brüder zu.
Nicht weicht von Juda das Szepter,
nicht zwischen seinen Füßen der Richtstab,
bis daß sein Herrscher kommt,
dem die Völker huldigen.
Er bindet seinen Esel an den Weinstock
und an die Purpurrebe 
das Füllen seiner Eselin.
Er wäscht im Wein sein Gewand,
und im Blut der Trauben seinen Mantel,
die Augen funkelnd von Wein,
die Zähne schimmernd von Milch".
Wird in den anderen Sprüchen je einem der Stämme sein Anteil am gelobten Land zugesprochen, so kündigt der Spruch für Juda die Herrlichkeit des Reiches an, ganz deutlich mit dem messianischen Ziel. Daß wirklich der von Gott gesalbte Heilskönig gemeint ist,
"erkennt man nicht nur 1. an der eschatologischen Zeitgrenze (die Bestimmung "am Ende der Tage" in Vers 1 bezieht sich hauptsächlich auf diesen Spruch), sondern 2. an dem Umfang des Reiches: der Messias unterwirft die Völker der Welt. Dazu gesellt sich als dritter Grund die paradiesische Fruchtbarkeit: Wein ist so reichlich vorhanden, daß der König seine Kleider darin wäscht und den Esel, sein königliches Reittier, an die sonst sorglich gehüteten Rebstöcke bindet" (Hugo Greßmann, Der Messias, S. 223).
Wir sehen wohl die gesegneten Rebberge im Herzen des judäischen Berglandes; zugleich öffnet sich aber ein Blick auf
"die wunderbar erneuerte Erde, auf der das Volk der Auserwählten inmitten der friedlich und glücklich vereinigten anderen Völker einst leben wird" (Karl Barth, Vorlesung Dogmatik II). 
(...) Im Stamm Juda wird die Dynastie der Statthalter des Heilandkönigs, das Herrscherhaus aufgerichtet, aus dem durch die Jahrhunderte hindurch kraft der Treue Gottes die Reihe der fortlaufenden Chalifen des Messias kommt. In diesem Spruch wird die monarchische Spitze der Heilsverheißung offenbar. Das erwählte Volk wird ein erwähltes Herrscherhaus haben, aus welchem der Fürst hervorgeht, in dessen Hand der Vollzug des dem Abraham verliehenen Segens liegt. Einer aufmerksamen Betrachtung kann diese messianische Spitze schon in den Worten, die Gott in dem gnadenvollen Fluch nach dem Sündenfall sprach, und nachher in den Worten vom "Samen" Abrahams nicht verborgen bleiben. In den Worten des sterbenden Jakob aber wird sie ganz deutlich. Im letzten der Bileamsprüche blitzt sie dann wieder auf in dem Wort vom "Stern aus Jakob" (4 Mose 24, 17) und später (um nur die hervorstechendsten Stellen zu erwähnen) im Danklied der Hanna 1. Sam. 2, in dem Versprechen Gottes für David 2. Sam. 7, 12 bis 16, in den letzten Worten Davids 2. Sam 23, 1-7, in Psalm 2 und Psalm 110 und Psalm 72, in Jesajas Ankündigung der Geburt des Immanuel, der Rute aus dem Stamm Isais Jes. 7-11, in Micha 5, 1-5, in Amos 9, 11-15, in den Verheißungen des guten Hirten der Art Davids Jer. 23, 1-8; 30, 28-21; 33, 14-17; Hes. 34, 23 f.; 17, 22-24, in den Liedern vom leidenden Knecht des HERRN Psalm 22, Jes. 42; 49; 50; 53, in den Prophetien Haggais und Sacharjas Hag. 2, 20-23; Sach. 3, 1-9; 4, 1-14; 6, 9-15; 9, 9 f.; 12, 9-14; Maleachi 3 und endlich in der Ankündigung des Menschensohns in Daniel 7. (...)
Die messianische Weissagung ist durchaus nicht auf die sogenannten messianischen Stellen beschränkt. Das Aufrichten des messianischen Thrones im Hause Davids ist auch der Blickpunkt des großen Geschichtswerks, das die Bücher Mose, Josua, Richter, Samuel und Könige umfaßt.
Wilhelm Vischer: Das Christuszeugnis des Alten Testaments. Erster Teil. Das Gesetz. Zollikon-Zürich (6) 1943. S. 197 ff.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Bibel zitiert ohne Stellenangabe? Bitte nachholen! Merci!

Andreas hat gesagt…

Um die Lektüre doch etwas anzuspornen, nenne ich jetzt nicht exakt die Verslein, sondern sage nur: Irgendwo zwischen Kapitel 47, 27 und dem Ende des Buches Genesis ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

"...das Gewünschte werde ich hier auch nicht beitragen können."

Nun also doch? ;-)

Andreas hat gesagt…

Alle Weisheit, alles Wissen und jede Einsicht unserer Theologen (zumindest jener von früher) dürfte nicht hinreichen, das auszuloten, was der auferstandene Kyrios auf dem Weg nach Emmaus den Jüngern erläutert hat ... ;-)