Mittwoch, 7. Mai 2014

Der feurige Busch

Der brennende Busch, Sené, ist Gleichnis und Vorbild der Gottesoffenbarung am Sinai, wo dann "der ganze Berg raucht, weil der HERR auf ihn herabgefahren ist mit Feuer" ([Ex] 19, 18) "und das Ansehen der Herrlichkeit des HERRN wie ein verzehrendes Feuer auf der Spitze des Berges vor den Augen der Kinder Israels ist" (24, 17).
(...) Es ist nicht die Glut des eigenen Herzens, die Mose treibt, seine Brüder zu erlösen, eine unendlich heißere Leidenschaft, die sich nicht selbst verzehrt, "der Eifer des HERRN der Heerscharen" (Jes. 9, 6) befiehlt ihm jetzt: "Führe mein Volk, die Kinder Israels, aus Ägypten!" Der Mann, der einst die feurige Kraft seines Herzens in den Dienst der Befreiung seiner Volksgenossen stellen wollte, sträubt sich jetzt bis zum äußersten dagegen, den heiligen Aufruhr in Ägypten zu entzünden. "Mein Herr, ich kann nicht", sagt er, "sende, wen du willst" (4, 13). Aber er muß, weil Gott es will, weil Gott alle Fremdherrschaft auf Erden stürzen und sein Reich aufrichten will, die Alleinherrschaft seines Willens.
"Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, als daß es schon brennte!" (Lk 12, 49).
Wilhelm Vischer: Das Christuszeugnis des Alten Testaments. Erster Teil. Das Gesetz. Zollikon-Zürich (6) 1943. S. 207 f.

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