Sonntag, 25. Mai 2014

Bibel zum Gernhaben: Das Alte Testament, deutsch von Paul Rießler

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Hinter dem Beitrag über Fridolin Stier und dessen Übersetzung des Neuen Testaments (hier) rührt sich ein Gedanke, der jüngst noch nicht zur Sprache kam. Denn damit wollte ich eine kleine Reihe starten, in der es einerseits darum gehen sollte, zu welchen Ausgaben der Heiligen Schrift ich aus diesem oder jenem Grund besonders gerne greife, andererseits sollte hierdurch auch der ein oder andere Mitblogger angespitzt werden, eigene Präferenzen in dieser Frage zu verraten. Was meine Mitmenschen an segensreichen Büchern horten, weckt immer wieder meine Wissbegier - so daß ich schon in Versuchung stand, unter dem Motto Blogget eure Bücher eine Los Wochos-Aktion auszurufen. Wer dies nun in Punkto "Bibel" möchte, tue sich keinen Zwang an ...
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Zwar sammele ich keine Bibelausgaben im strengen Sinn; kommt mir aber irgendwo eine wohlfeil unter, greife ich gerne zu - am liebsten natürlich bei kirchlich approbierten Ausgaben. Was mir allerdings nicht ins Haus kommt - um es gleich vorneweg zu sagen -, sind Ausgaben "in heutigem Deutsch" oder edelverfederte Mode-Editionen von Walter Jens oder Jörg Zink; auch von einer Anselm-Grün-Bibel würde ich Abstand nehmen, sollte das irgendwann auf uns zukommen. Mag sein, daß da noch immer ein Rest traditionsfroher Snobismus irrlichtert, aber ich finde bei solchen Ausgaben schlicht keinen Punkt, an dem sich Interesse festmachen ließe. Von der Einheitsübersetzung steht natürlich ein Exemplar zum Einstauben herum. Von den jüngeren Übersetzungen habe ich sonst nur die reformierte Zürcher Bibel, in die ich gelegentlich die Nase halte.
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Genug der Vorrede. Heute geht es um Die heilige Schrift des Alten Bundes, aus dem hebräischen "Grundtext" übersetzt von Paul Rießler. Die beiden Bände sind erstmals 1929 erschienen; später wurde Rießlers Text mit dem von Ruppert Storr verdeutschten Neuen Testament zusammengefasst und vom katholisch ausgerichteten Mainzer Grünewald-Verlag als Rießler-Storr-Bibel bis in die 1960er-Jahre vertrieben. Auch von dieser Ausgabe habe ich ein Exemplar - für das Alte Testament greife ich aber gerne auf die zweibändige Originalausgabe von Rießler zurück.
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Einerseits ist es - trotz seines Alters - ein wunderschönes Leseexemplar. Ich mag die alte Frakturschrift und schätze es ohnehin, wenn das Wort Gottes in einem angemessenen Rahmen daherkommt. Wie bereits bei Stier - wenn auch aus anderen Gründen - kommt der Rießler'sche Text manchmal etwas kantig daher, vor allem, weil Rießler Psalmtexte, Weisheits- und Prophetenbücher nicht in Prosa wiedergibt, sondern weitestgehend eine metrische Übersetzung bietet. Darüber hinaus offeriert meine zweibändige Ausgabe diese Texte nicht in Spalten oder im Blocksatz, sondern in Sinnzeilen (für die damalige Zeit eine echte Neuerung!), bei den übrigen Schriften des Alten Testaments ist zumindest das Druckbild schön gestaltet. Wem nun dieser - zugeben - etwas ästhetische Zugang leicht suspekt scheint, den möge ein Wort des hl. Augustinus versöhnen, welches Rießler, wenngleich mit einer etwas anderen Stoßrichtung, am Schluß seines Vorworts zitiert:
Eine wunderbare Tiefe ist in den Hl. Schriften. Doch freundlich lockt ihre Oberfläche uns Kleine an; aber wunderbar fürwahr, mein Gott, wunderbar ist ihre Tiefe. Schauerlich ist es, in sie einzudringen; Schauder der Ehrfurcht und Angst der Liebe befällt dabei den Geist.
Stolpert man alsdann beim Lesen dieser schönen Edition über Worte und Wendungen, so empfinde ich das, wie bereits bei der Fassung von Stier, als hilfreich, um nicht über allzu Vertrautes hinüber zu lesen (wobei man natürlich die Frage stellen kann, inwiefern einem weite Teile des Alten Testaments überhaupt "vertraut" sind). Deswegen greife ich gerne bei der geistlichen Schriftlesung zu dieser Ausgabe; daß wenige Anmerkungen nur sehr sparsam und im Angang erscheinen - ist in diesem Fall kein Schaden; bei der Herder-Ausgabe mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel verfange ich mich zum Beispiel andauernd in den umfangreichen Erläuterungen direkt unter dem Schrifttext; letztendlich verdient das dann bestenfalls den Namen geistliche Kommentarlesung ...
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Demnächst: Warum ich zwar alte Bibelausgaben schätze, aber auch als Alte-Messe-Molch keine Allioli-Bibel kaufe ... ;-)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Würde mich sehr interessieren - als Nicht- Alte -Messe- Molch und trotzdem gerne Leser Ihres Blogs, lieber Organistenkollege,--
was Sie von der recht jungen "Neuen Genfer Übersetzung" der Bibel halten.(NGÜ) Erst kürzlich darauf gestoßen finde ich eine gewisse Faszination damit... Übrigens im Internet, kostenfrei, die Psalmen als MP3 zu einem Spottpreis. MAnchem aber sicher zu "modern"

Tarquinius hat gesagt…

Jetzt bist Du mir doch tatsächlich mit der "Bücher-Bloggen"-Idee zuvorgekommen! Wollte schon seit Tagen eine neue "Buch des Monats"-Kategorie einführen. Aber das lasse ich mir nun auch nicht nehmen! ;-)

Wie dem auch sei, ein kleiner Bibel-Beitrag kommt in Kürze...

Andreas hat gesagt…

NGÜ - mhh, ich hatte einen Auszug davon ... "Genfer Psalter" sage ich mal ;-) ... in einer Buchhandlung in der Hand, und in der Tat hatte das Büchlein einen gewissen Reiz. Das ist aber auch schon alles, was ich dazu sagen kann, denn gekauft habe ich es dann doch nicht. Ich werde mir das beizeiten mal online ein wenig anschauen - mal sehen, ob man sich so einen vertretbaren Eindruck gewinnen kann. Allemal Danke für den Hinweis, vielleicht mache ich auch mal einen Eintrag, welche Psalmübersetzungen ich so mag.

Was Du, werter Tarqinius, da Monat um Monat vorstellen magst, dessen läßt's mich jetzt schon unter Spannung harren ... :-)

sophophilo hat gesagt…

hihi

Ich habe die zweibändige Rießler-Ausgabe vor ein paar Jahren in "wie neu"-Zustand beim alten Kaufhaus für n Abbel und n Ei erstanden, und nehme sie auch gerne zur Hand... Schönes Schriftbild, angenehme Papierfarbe und -textur, hübscher Einband und v.a. eine sehr lesenswerte und zugleich anspruchsvolle Übersetzung des biblischen Textes! Ich habe auf meinem Blog auch schon zweimal Texte daraus zitiert und explizit auf den Übersetzer verwiesen.

Ich besitze übrigens auch eine Allioli (bzw.Arndt) Bibel in drei schönen alten Lederbänden... weil ich die am gleichen Ort sehr günsitg erstehen konnte. Die ist auch manchmal hilfreich, aber so richtig Geld würd ich dafür auch nich ausgeben. ;)

Andreas hat gesagt…

Fies ... wenn ich beim Alten Kaufhaus rumstöbere, finde ich fast nie was *rumneid* ;-)

sophophilo hat gesagt…

Sagt grad der Richtige... wie war das noch mit etwaigen Klöstern und deren Veräußerungen??!!... ;)

bonner hat gesagt…

Handelt es sich um ein vollständiges Altes Testament oder enthält es nur die Bücher der Hebräischen Bibel?

Andreas hat gesagt…

Sofern die Frage darauf zielt, ob der Ausgabe der von der Ekklesia geordnete Kanon zugrunde liegt: Dem ist so. Und trotz der Nähe zum hebräischen Text werden auch die Namen nach der Schreibung der Vulgata wiedergegeben.