Mittwoch, 23. April 2014

Weh meiner Zeit und mir, der sie beendet!

Sankt Georg im Kampf mit dem Drachen - Prozessionsfahne in
der Pfarrkirche St. Georg, Kirchhofen-Ehrenkirchen
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Auf den heiligen Soldaten und Blutzeugen Georg, dessen die Ekkelsia heute gedenkt, schrieb Reinhold Schneider einst ein Sonett - und wie bei so vielen Sonetten Schneiders hört man meines Ermessens den zeitlichen Hintergrund deutlich heraus. Die Gestalt des Heiligen rückt dabei in den Hintergrund, während das Bild eines christlichen Streiters immer klarer aufscheint, dem die Anfechtungen durch das Böse zu keiner Zeit erspart bleiben, auch wenn sich deren Erscheinungsformen wandeln. Der Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen mag Legende oder Mythe sein, die innere Wahrheit dieser Überlieferung bleibt aber stets aktuell - und koste sie gar das Leben: "Ich bin dir tödlich, ob ich an dir sterbe" stellt den Martyrer in die unmittelbare Nachfolge des Kyrios, der selbst den Tod durch den Tod besiegt und die Macht des Bösen gebrochen hat. 
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Daß wir den mannigfachen Anfechtungen in dieser Welt, den kleinen wie den großen, tapfer widerstehen (wie oft erliegen wir bereits den kleinen!), dazu verhelfe uns Sankt Georg durch seine Fürsprache ... ora pro nobis!
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Update ... Das Sonett trägt eine Widmung an Karl Ludwig von Guttenberg, die ich zuerst nicht besonders beachtet hatte - nun habe ich aber doch nachgeschlagen, wer das genau sei: Guttenberg war Mitglied des Widerstands vom 20. Juli 1944 rund um Stauffenberg, dessen Attentat auf Hitler freilich scheiterte. Es dürfte für das historische Verständnis dieses Sonetts nicht unwichtig sein, diese Widmung bei der Lektüre zu beachten ...
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St. Georg
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Mit dir möcht' ich nicht streiten, Ungestalt!
Dein Atem widert mich, die leere Brunst
Unsteten Blickes, deines Blutes Dunst,
Die Tücke, die aus kaltem Herzen wallt.
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Weh, daß an dich gefallen die Gewalt!
An dich des Schwertes ritterliche Kunst,
Der reichen Erde tausendfältige Gunst,
Und daß mein Schmerz aus solchem Grabe schallt!
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Doch muß es sein. Es ist ein Strahl gesendet
Von oben, der dein schmählich Reich zerbricht:
Ich bin dir tödlich, ob ich an dir sterbe.
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Weh meiner Zeit und mir, der sie beendet!
Erbarme, Gott, dich meiner im Gericht,
Und heilig-reine Jugend sei mein Erbe!
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 113.

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