Montag, 21. April 2014

Verdrossene Jünger

Das Mahl mit den Jüngern in Emmaus - Antependium am Hochaltar
der Klosterkirche zu Friedenweiler im Schwarzwald
Er sprach zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr da im Gehen miteinander wechselt? Da blieben sie stehen, verdrossen dreinblickend (Lk 24, 17).
Früher habe ich bei der Emmaus-Geschichte immer nur halb hingehört (womöglich hat man mir den Bericht im Rahmen kindgerechter Katechese anfangs auch nur unvollständig-irreführend nahegebracht). Was blieb hängen? Durch den Tod Jesu deprimierte Jünger gehen einige Tage nach der Kreuzigung von Jerusalem nach Emmaus. Die Jünger sind traurig, weil Christus am Kreuz gestorben ist. Jesus gesellt sich zu ihnen, die Jünger aber erkennen ihn nicht; erst beim Mahl geht ihnen ein Licht auf - und es ward den Jüngern Ostern.
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Das ist schön, aber nicht ganz richtig. Die Frauen hatten ihnen bereits vom leeren Grab erzählt und von den Engeln, "die sagen, er lebe" (Lk 24, 23). Wir haben es hier also nicht mit tod-traurigen Jüngern zu tun, sondern mit, sagen wir mal - ziemlich zweifelnden: "Aber ihre Augen waren gehalten, daß sie ihn nicht erkannten" (Lk 24, 16); und dies mutmaßlich nicht erst, als der vermeintliche Fremde nun ihren Weg kreuzt. Womöglich war ihnen die Gestalt Jesu auch vor seinem Tod letztlich fremd geblieben, denn weder die Ankündigung seines Todes mit der Verheißung seiner Auferstehung, noch die Zeichen des Ostermorgens stießen auf vertrauensvollen Glauben. Sie streiten sich vielmehr über das, "was in diesen Tagen" zu Jerusalem "geschehen ist". 
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Und sie sind "verdrossen".
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Wir heute mögen manchmal aus anderen Gründen verdrossen sein - etwa im Blick auf mannigfache Turbulenzen in der Ekklesia und der Welt drumherum. Ich denke, man sollte diese Verdrossenheit keineswegs einfach vom Tisch wischen mit dem Hinweis, der Kyrios werde - er hat es schließlich verheißen - sowieso alles zum Guten wenden und beschließen. In der Verdrossenheit kann auch ein Stachel stecken, der uns zur Verteidigung unseres Glaubens anspornt. Freilich steht dabei stets die Gefahr im Raum, daß wir den Kyrios und seinen Auftrag verfehlen, weil der Frust das (Leit-) Bild Christi längst überwuchert hat. 
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Ein selbstkritischer Blick mit denJüngern von Emmaus kann nicht schaden ... wie offen sind unsere Augen? Und: Erkennen wir Christus, unseren Kyrios, wenigstens (wie die beiden Jünger), wenn er Mahl mit uns hält? Oder tragen wir selbst dann all unsere Verdrossenheit noch mit uns herum?

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