Dienstag, 8. April 2014

Prägende Bücher: "Im Herrn" von Otto Pies SJ

Zum Erscheinen des neuen Gotteslob habe ich mir gedacht, in nächster Zeit kurz einige Gebetbücher und Bibelausgaben vorzustellen, die in meinem Leben einen Platz gefunden haben ... den Auftakt mache ich mit dem Gebetbuch Im Herrn, das von Otto Pies SJ herausgegeben wurde.
.
Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1957. Erstmals erschienen ist das Bändchen, so vermute ich, während des Zweiten Weltkriegs: "Seinem Herausgeber stellte es sich erstmals im KZ vor" schreibt der Jesuit Pies, der von 1941 bis 1945 in Dachau interniert war, im Vorwort zur fünften Auflage (1952). Und weiter: "Vielen unserer Soldaten gab es Glaubenskraft und Hoffnung. In manchen Gefangenenlagern nach dem Krieg ging es von Hand zu Hand".
.
Prägend sind für das Buch zum einen Texte aus der Heiligen Schrift, die teils zu Gebeten umgeformt wurden, teils unmittelbar den Psalmen entnommen sind, dann Gebete und Hymnen aus der Heiligen Liturgie und aus der Feder von Heiligen und glaubensstarken Persönlichkeiten; der feste Stamm gängiger Gebete und Litaneien - nenne wir es schlicht "Traditionsgut" - fehlt natürlich auch nicht. Entfaltet wird das alles in mehreren Themenkreisen, die das Leben des katholischen Christen sowohl sakramental als auch vom Dienst vor Gott und in Kirche und Welt her erfassen.
.
Der Wert vom Im Herrn läßt sich vor allem dann ermessen, wenn man es mit anderen Andachtsbüchern jener Zeit vergleicht, die oft und gern noch auf einer eher empfindsamen und subjektiv getönten, wenn nicht gar sentimentalen Linie lagen, welche noch aus dem 19. Jahrhundert rührte. Vieles, was uns heute selbstverständlich erscheinen mag, etwa das Psalmengebet oder die Teilhabe an liturgischen Texten, dürfte sich damals durch Bücher wie Im Herrn weiteren Kreisen unter den Gläubigen überhaupt erst erschlossen haben - man darf nicht vergessen: Es war eher eine Minderheit, die ein Volksmessbuch zur Hand nahm, und auch die Diözesangesangbücher aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts boten im Bereich der angesprochenen Texte eher wenig. Nicht zuletzt spricht für das kleine Andachtsbuch, daß es bis heute - das finde ich jedenfalls - keineswegs überholt ist. Ich greife immer wieder gerne danach ...

Keine Kommentare: