Freitag, 25. April 2014

Die Mienen der Madonnen

Es war eine große Statue, über zwei Meter hoch, ein Ding schwer wie Blei. Eine große Statue, aus bemaltem Ton, in so scheußlichen Farben, daß einem die Augen weh taten ...
... Im August aber, am Tag der großen Prozession, wenn man die "Madonna brutta" aus der Seitenkapelle herausholte und auf einem Traggestell durch die Straßen des Dorfes trug, wurde sein Leiden akut. Vom Schatten der Seitenkapelle befreit, traten die Gesichtszüge der Madonna in der stechenden Sonne noch weitaus schärfer hervor. Es war ein häßliches, es war aber auch vor allem ein böses Gesicht. Ein Gesicht mit groben Zügen. Da waren Triefaugen, alles eher als ekstatisch ...
Manche Madonnen gucken, das fiel mir bei diversen Streifzügen durch unsere Kirchen auf, ziemlich gruselig und mürrisch aus der Wäsche - und schon manchmal mußte ich dann an die Madonna brutta, an die "häßliche Madonna" denken, die dem armen Don Camillo das Leben einsäuerte (bis er ihren wahren Wert erkannte, aber da lag die arme Madonna brutta bereits in Scherben, alles nachzulesen bei Guareschi).
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Ich komme heute drauf, weil ich, nein: keiner Madonna brutta über den Weg gelaufen bin. Ganz im Gegenteil: Die Filialkirche St. Martin in Biederbach birgt ein Bild Unserer Lieben Frau, welches gewiß nicht die Höhe der abendländischen Plastik repräsentiert, das aber bei all erkennbarer Unzulänglichkeit mit gewinnend-einladenden Gesichtszügen aufwartet ... etwas täppisch vielleicht, aber sympathisch allemal ...
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Nos cum prole pia
benedicat Virgo Maria!

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Hier mal der eigentlich ständig angebrachte Dank für das immer so ansprechende und exklusive Bildmaterial! Das allen ist schon Grund genug, den Blog regelmäßig zu besuchen - aber auch die Textelemente sind ja nicht so verkehrt. ;-)