Donnerstag, 17. April 2014

Angst

Christus im Garten Gethesami - Detail einer Ölbergsgruppe in der
Pfarrkirche St. Laurentius in Kenzingen
Und er geriet in Todesangst.
Und noch ausdauernder betete er. 
Und es wurde sein Schweiß:
wie Blutstropfen, die zur Erde fallen.
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So ist uns nach Lukas (22, 44) überliefert. Es muß nun nicht unbedingt die Erfahrung von Todesangst sein. Aber wem das Leben irgendwann einmal regelrecht entgleist ist, wer sich plötzlich in einer Lage befand, in der vieles, was zuvor sicher schien und Sicherheit gegeben hat, plötzlich in Trümmer sank ... wem sich da die Brust zusammenzog, wem die Atemzüge kurz wurden, wem jedes Wort auf der Zunge zu zerbrechen schien, jede Wahrnehmung zerfaserte ... wer die Erfahrung gemacht hat, wie Beklemmung jeden Gedanken und jeden Schritt begleitet und Angst vor dem, was ist und was nun als nächstes kommen kann, das Herz erfasst, das Gemüt gefangen nimmt, jede Kraft und allen Mut aufzufressen scheint - der wird vielleicht mitempfinden können, ein Stück weit zumindest, was das heißt: Am Abend vor seinem Leiden ...
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Der Abend davor führt Christus unter die Ölbäume von Gethsemani - schwacher Nachhall des Gartens Eden. Es ist der konkrete Schritt in die Passion. Keine Stunde, kein anderes Geschehen mehr trennt den Kyrios von dem, was ihm nun bevorsteht. Nichts bietet mehr Aufschub. Nichts verschafft erneut Zeit, um noch einmal durchatmen zu können, um jene kleinen Gefälligkeiten des Lebens zu genießen, mit denen zumindest wir uns von widrigen Herausforderungen, die wir auf uns zukommen sehen, womöglich nochmals ablenken lassen. Hier aber geht es nicht um Widrigkeiten. Hier geht es um die kommenden Stunden mit Verrat und Verhören, Verhöhnung und Folter. Um Stunden bohrender Schmerzen, die im Tod erst aufhören werden - den Leib auf ein Kreuz genagelt.
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Und er geriet in Todesangst.
Und noch ausdauernder betete er. 
Und es wurde sein Schweiß:
wie Blutstropfen, die zur Erde fallen.
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Jesus bittet drei seiner Jünger, in der Nähe zu bleiben und zu beten: Petrus, Jakobus und Johannes. Jene Jünger, welche die Herrlichkeit des Kyrios bereits auf dem Tabor geschaut haben. Sie bleiben - und schlafen ein. Haben sie nichts verstanden? Lukas schreibt, sie hätten ob ihrer Trübsal geschlafen. Auch Evangelisten scheinen geneigt zu sein, verschämte Momente zu mildern. Kann man in einer solchen Stunde schlafen? Andererseits: Lehrt uns nicht die Erfahrung, daß man es kann?
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Was auch immer sie schlafen läßt - die Jünger beurteilen die Lage anders als Jesus oder hören schlicht nicht auf ihn; auch eine dreimalige Ermahnung öffnet ihnen nicht die Augen. Ihr Verhalten macht sie hier im Garten mehr als nur sprichwörtlich teilnahmslos an dem, was Gott in seinem Sohn in den kommenden Stunden tun wird und was ihnen Christus zuletzt immer wieder nahezubringen versucht hat.
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Und er geriet in Todesangst.
Und noch ausdauernder betete er. 
Und es wurde sein Schweiß:
wie Blutstropfen, die zur Erde fallen.
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Vielleicht können wir in diesen drei Jüngern uns selbst erkennen, die wir auf unsere Weise die Herrlichkeit des Kyrios bereits verkosten durften: In den Sakramenten - vor allem im eucharistischen Mysterium. Wie oft ist es uns schon zur Taborstunde geworden. Und wie oft schlafen wir, wenn Christus uns mahnt, wach zu sein ...

1 Kommentar:

Simplicius hat gesagt…

"...dadurch wird für uns deutlich, dass nun die Erfüllung dessen, worum er gebeten hatte, eintritt: Er sollte ja mit seinem Blut den Glauben der Jünger, den noch die irdische Schwäche bedrohte, reinigen.", schreibt Beda.

Vielen Dank für Deine Gedanken!