Freitag, 21. März 2014

Zum Welttag der Poesie

Heute stehe, das Radio hat es mir vorhin verraten, der Welttag der Poesie auf dem Programm. Das erinnert mich an ein Sonett von William Shakespeare: Tired with all these, for restful death I cry. Es ist mir dieser Tage auf den Seiten von Michael Klonovsky unter die Augen gekommen, der es in einer Nachdichtung von Günter Zehm zitiert; daß Zehms Variante seinem "Augenblicksgefühl", wie Klonovsky schreibt, sehr nahe komme, kann ich bestens nachvollziehen ...
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... dennoch greife ich mal ins eigene Regal und damit zu einer Nachdichtung von Karl Kraus:
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Den Tod ersehn' ich, müd, es anzusehn:
wie sich Verdienst verhüllt im Bettlerkleide
und hohles Nichts sich darf im Prunke blähn
und Treue wird verkauft durch falsche Eide,
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wie Würde trägt der ausgepichte Wicht
und keusche Sittlichkeit verfällt in Schande
und echte Ehre lebt im Gunstverzicht
und Majestät im schlotternden Gewande,
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wie Kunst verstummen muß vor Büttels Macht
und Geist entsagt für die gelehrten Narren
und Wahrheit wird als Torheit ausgelacht
und Güte muß des Winks der Bosheit harren.
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All dessen müd, hielt' ich den Tod für Glück,
blieb' meine Liebe einsam nicht zurück.
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Die Zehm'sche Nachdichtung mag man hier lesen (ggf. bis zum Eintrag vom 18. März scrollen).

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