Mittwoch, 12. März 2014

Von den Sakramenten der Toten und der Lebenden

Zur Frage, ob geschiedene und wiederverheiratete Menschen die hl. Kommunion empfangen können, streunt in diesen Tagen vermehrt ein Argument herum und sucht, ob's nicht einer schlucken möchte. Gesagt wird, die Eucharistie sei ja auch ein Heilmittel für die Seele und dürfe gerade deswegen den Betroffenen nicht verweigert werden.
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Eine Gefahr dieser Aussage liegt darin, daß sie grundsätzlich nicht falsch ist. Schließlich ist jedes Sakrament generell mit dem Geschenk der heiligmachenden Gnade (gratia sanctificans) verbunden, welche den Menschen der Gewalt des Bösen entreißt und zu einem wahren Kind Gottes erhebt. Die Sakramente werden hierbei jedoch in zwei Gruppen unterschieden: Die Sakramente der einen Gruppe verleihen diese Gnade, jene der anderen vermehren sie. 
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Zur ersteren Gruppe zählen Taufe und Buße, weswegen die Ekklesia diese beiden Sakramente auch die "Sakramente der Toten" (sacramenta mortuorum) nennt - denn in der Taufe wird die heiligmachende Gnade zum ersten Mal überhaupt verliehen und im Bußsakrament nach einem möglichen Verlust durch eine schwere Sünde wieder restituiert.
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Zur zweiten Gruppe zählen alle anderen Sakramente, denn deren Empfang setzt den Gnadenstand (der durch die Taufe begründet und die Buße ggf. wiederhergestellt wird) voraus und vermehrt auf dieser Grundlage die bereits vorhandene heiligmachende Gnade. Deswegen spricht die Ekklesia hier von den "Sakramenten der Lebenden" (sacramenta vivorum). 
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Statt von Sakramenten der Toten und der Lebenden könnte man auch von Sakramenten der Heilung und solchen der Heiligung reden. Ist von der Eucharistie als "Heilmittel" oder auch "Arzei für die Seelen" die Rede, so sollte man diese Unterscheidung im Hinterkopf behalten. Nebenbei bemerkt: Mit dem Empfang eines jeden Sakramentes können auch nicht-schwere, also die sogenannten "lässlichen" Sünden vergeben werden. Schwere Sünden können hingegen nur durch die Beichte - das Bußsakrament - getilgt werden.
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Lebt aber ein Getaufter im Zustand der schweren Sünde, und dies womöglich fortgesetzt, so kann er - pneumatisch gesehen ein "Toter" - zwar die "Sakramente der Lebenden" empfangen, die an ihm auch gültig vollzogen werden, er empfängt aber nicht die mit den Sakramenten verknüpften Gnaden, denn es wird weder jene Gnade mitgeteilt, die dem jeweiligen Sakrament spezifisch verbunden ist, noch wird die oben erwähnte heiligmachende Gnade generell vermehrt. Das gilt auch für die Eucharistie - deren Empfang bleibt in diesem Fall fruchtlos, das "Heilmittel" unwirksam; denn wo die heiligmachende Gnade nicht vorhanden ist, läßt sie sich auch nicht vermehren. Das einzige Sakrament, welches dieser Getaufte fruchtbringend empfangen kann, ist das Bußsakrament - verbunden mit der Reue und dem festen Willen, sich künftig von der (schweren) Sünde abzukehren.

Kommentare:

Jorge hat gesagt…

Grds. ist das sehr gut und in vollem Einklang mit der trad. sakramententheol. Logik richtig dargestellt.

Die eigtl. Frage bleibt aber unberührt. Es ist eben überhaupt nicht klar, ob geschiedene und wiederverheiratete Menschen sich (allein deswegen) in einer schweren unbereuten Sünde befinden oder nicht. Das wird ja in den entsprechenden Dokumenten auch unumwunden eingeräumt. Deshalb hat die Kirche extra eine Norm eingeführt (c. 915), die solchen Leuten ganz unabhängig vom tatsächlichen Gnadenstand den Empfang der Sakramente untersagt, und zwar unschönerweise nicht nur der Kommunion, sondern auch der Buße. Das bedeutet, ganz unabhängig davon, ob überhaupt eine schwere Sünde vorliegt, können z.B. andere, wirkliche Sünden, die eine solche Person bereut und beichten will, nicht sakramental vergeben werden.

Diese etwas gestelzte Lösung (man nimmt an, es könnte sich um Sünder handeln, und lässt sie deswegen und weil man einen "Skandal" befürchtet rein vorsorglich nicht zu den Sakramenten zu) steht in einem deutlichen Konflikt zum Heilsauftrag der Kirche (wonach es einen Ausschluss von den Sakramenten grundsätzlich nicht geben darf, insbesondere nicht von den sog. Sakramenten der Toten).

Eigentlich müsste man (und das passiert in der Praxis ja auch, jdfs. im Hinblick auf die Komm.) umgekehrt vorgehen und so viele Sakramente spenden wie möglich, auch auf die Gefahr hin, dass sie in manchen Fällen nicht wirken, weil die Disposition fehlt. Es ist nämlich schlimmer, einen einzigen wirklich Unschuldigen oder Bußfertigen ungerechtfertigterweise von den Sakramenten fernzuhalten, als viele nicht Disponierte fruchtlos zu beglücken.

Das einzige, was dagg. spricht, ist die unter Strenggläubigen verbreitete Angst vor dem "Sakrileg". Hier ist Aufklärung nötig, weil ein mangels Disposition ungültiger Kommunionempfang eben kein Sakrileg ist, und zwar nicht erst nach "moderner" Lehre, sondern nach derselben neuscholastischen Handbüchern, denen auch Deine Darstellung entnommen ist.

Andreas hat gesagt…

Danke zuerst einmal für die Einrede ... ich hatte eigentlich schon eine Antwort entworfen, die ich hier aber noch nicht veröffentliche, weil sie noch nicht ganz reif ist. In einigen Tagen, so Gott will, mehr in einem eigenen Post zum Thema.