Montag, 10. März 2014

Vier Bedeutungen

Was mag wohl Bischof Vitus Huonder von Chur aktuell in seinem Fastenhirtenbrief schreiben? Diese Frage kam mir heute irgendwann in den Sinn. Nun denn - leider nichts, da die Schweizer Bischöfe in diesem Jahr ein gemeinsames Hirtenwort veröffentlicht haben. Dafür kam mir unter dem Titel Was erbittest du von der Kirche Gottes? ein Hirtenbrief Huonders zur Fastenzeit 2013 auf den Schirm, ein Wort über das Mysterium der Taufe. Der Text kommt fast wie eine kleine mystagogische Katechese daher, welche ich nunmehr - mangels Alternativen - aktuell einfach als Fastenhirtenwort hernehme ...
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Aus diesem Schreiben hier einige Erwägungen über den Glauben:
Der Ausdruck glauben hat für uns Christen mehrere Nuancen. Ich möchte hier auf vier Bedeutungen aufmerksam machen. 
Glauben heißt zunächst, Gottes Existenz bejahen. Durch die Vernunft geleitet, kann der Mensch Gott als den Schöpfer der Welt und den Herrn über alles Sein erkennen und ihm in Ehrfurcht begegnen: "Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit" (Röm 1, 20). 
Bischof Vitus Huonder von Chur
Glauben bedeutet alsdann, die Offenbarung Gottes annehmen, sich auf die Offenbarung Gottes einlassen. In der (...) Lesung aus dem Brief an die Römer sagt es der heilige Paulus zusammenfassend so: "Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: 'Jesus ist der Herr' und in deinem Herzen glaubst 'Gott hat ihn von den Toten auferweckt', so wirst du gerettet werden" (Röm 10, 8-9). Gott hat sich immer wieder offenbart, in Jesus Christus aber hat er sich endgültig offenbart. In Jesus Christus erreicht Gottes Offenbarung ihren Höhepunkt.
Die ganze Weite und Breite von Gottes Offenbarung, das heißt des Glaubensreichtums der Kirche, ist uns im Wort Gottes der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung erhalten: "Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen Schatz des Wortes Gottes" (Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum 10), lehrt uns das Zweite Vatikanum und bestätigt damit, was die Kirche schon immer lehrte. Der Taufkandidat möchte diesen Glauben empfangen, in diesem Glauben unterwiesen und auf diesen Glauben getauft werden. Er möchte in den Glaubensreichtum von Gottes Offenbarung eingeführt werden und davon leben. Dies ist sein Wunsch, dies ist sein Recht. 
Glauben bedeutet weiter, auf Gott vertrauen. Gerade dieser Aspekt des Glaubens ist für unser Leben im Alltag wichtig. Ohne Gottvertrauen wird das Leben schwer, oft unerträglich. Gottes Handeln in der Heilsgeschichte und Jesu Wirken in seinem irdischen Leben festigen uns in diesem Vertrauen. Viele Worte aus der Heiligen Schrift bestärken uns darin, auch das Wort der (...) Lesung aus dem Buch Deuteronomium: "Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis" (Dtn 26, 6-7).
Schließlich bedeutet glauben, sein Leben mit Blick auf Gott gestalten, gläubig leben. Das Leben eines Getauften muss immer ein Glaubenszeugnis sein: ein Glaubenszeugnis gegenüber allen, die nicht oder noch nicht an Christus glauben, ein Glaubenszeugnis der Eltern gegenüber den Kindern, ein Glaubenszeugnis der Erzieher gegenüber den jungen Menschen, ein Glaubenszeugnis der politisch verantwortlichen Christen gegenüber dem Volk. Dieses Glaubenszeugnis kann so weit reichen, dass wir für den Glauben auch den Blutzoll bezahlen würden und nicht vor dem Martyrium zurückweichen dürfen. 
Was diesbezüglich bei uns Gesprächs- und Schreibstoff darstellt, ist in vielen Ländern der Welt Wirklichkeit. Das Konzil sagt dazu: "Wenn es auch wenigen gegeben wird, so müssen doch alle bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen" (Lumen gentium 42).
Der ganze Text ist hier zu finden.

Kommentare:

ankerperlenfrau hat gesagt…

SCHÖN!

Das "Bischofs - bashing" muß aufhören!
Und zwar von ALLEN Seiten!
Es ist unwürdig und zudem meist auch unerträglich in Form und Inhalt.

So seh' ich das.

Andreas hat gesagt…

Nun ja, Ankerperlenfrau, mit dem Wort von den "mangelnden Akternativen" konnte ich mir u.a. einen kleinen Seitenhieb auf den hiesigen Apostolischen Administrator nicht verkneifen ... ;-)

Anonym hat gesagt…

Bischof Huonder ist klasse!

@ankerperlenfrau
Ich kann nicht erkennen, wo hier "Bischofs - bashing" betrieben wird. Warum immer so negativ, ankerperlenfrau?

Andreas hat gesagt…

@Anonym ...

Da Ankerperlenfrau zuerst einmal "Schön" darüber geschrieben hat, dürfte Sie mit dem Bashing nicht den Eintrag hier meinen ...

Und ich denke, wenn man einen Blick auf ihren Rosenkranz-Blog wirft, dann wird man nicht sagen mögen, es sei alles "so negativ" ;-)

Anonym hat gesagt…

Okay, nur 50% negativ. ;-)