Freitag, 7. März 2014

Unnütze Knechte

Zwei Sätze sind mir gestern Abend beim hl. Hieronymus in den Lesungen der Matutin zum heutigen Tag aufgefallen. Einmal ...
Viele werten die Gebote Gottes nach ihrer eigenen Schwäche, nicht nach der Kraft der Heiligen, und halten das Befohlene für unmöglich.
Und das hier:
Nicht also die Tugend, sondern der Beweggrund der Tugend wird von Gott belohnt.
Athanasius Wintersig OSB, der die Edition dieser Lektionen verantwortet, in die ich aktuell vor dem Wegschlummern (eine Art geistliches Betthupferl) einen Blick werfe, weist in einer Anmerkung darauf hin, mit besagter "Kraft der Heiligen" sei die "Kraft, die man als Heiliger, d. i. als Getaufter hat" (Die Väterlesungen des Breviers II, Freiburg 1928, S. 13) gemeint. 
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Beim ersten Satz mußte ich prompt an unseren deutschen "Reform"-Katholizismus denken, und das ist sicher nicht falsch, aber irgendwie doch zu kurz gesprungen. Denn daß mich dieser Satz ganz konkret auch selbst betreffen könnte, kam mir erst viel später in den Sinn, obgleich auch ich dazu neige, mir Gottes Gebote gerne mal nach eigenem Gutdünken zurecht zu biegen. Wenigstens hat mich dann der zweite Satz recht rasch auf den Boden des unmittelbar Tatsächlichen zurückgeholt: Wie mag es um die (eigene) "Tugend" bestellt sein, legt man sie vornehmlich als Maßstab an "die Anderen" an? 
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Und: Sollte man sich - auf frischer Tat ertappt - nicht viel eher fragen, wie viel Eitelkeit und Selbstverliebtheit aktuell in einem steckt? Gerade auch, wenn man über das schreibt, was einem wichtig ist im Glauben und was man mit anderen teilen und wofür man andere begeistern möchte? Die Gefahr, dabei auf mannigfache Art zum Pharisäer zu werden, läßt sich offenkundig nicht immer von der Hand weisen ...
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Vielleicht kann man sich an diesem Punkt mit dem ersten Satz des heiligen Hieronymus geradezu trösten - denn in der Feststellung des Kirchenvaters steckt ja auch die Zuversicht, daß Gott uns als Getauften aufhilft und seine Kraft schenkt, seine Gebote zu halten: Auch jenes, unseren Glauben nicht hartherzig und selbstbezogen vor uns her zu tragen ... sondern authentisch und mit Freude deutlich Zeugnis von ihm zu geben, stets im Wissen auch um unsere Grenzen: "Wir sind armselige Knechte und haben nur unsere Schuldigkeit getan" (Lk 17, 10).

Kommentare:

Gorgasal hat gesagt…

"Kechte" im Titel? Fehlt da nicht was? ;-)

remmimartin hat gesagt…

Andreas, ja, wir unnützen Knechte. Stoße ich auch immer wieder drauf, wenn ich Bilanz ziehe. Ich glaube es ist eine große Barmherzigkeit Gottes, dass er uns diese Armseligkeit nicht im vollen Ausmaß zeigt, d.h., dass wir sehen würden, was möglich gewesen wäre (Papst hat vor kurzem das bekannte Leon Bloy-Wort zitiert, es gebe nur eine Traurigkeit, nämlich kein Heiliger zu sein). - Dennoch. Es bleibt auch das Wort bei Johannes gültig, dass Christus uns doch Freunde nennt! Und das hilft über die Traurigkeit hinweg.
Dass wir gerne die Heilgikeitsideale an unseren 'Standard' anpassen...dahinter steht letztlich die große Urversuchung, Gott auf unsere Ebene herabziehen zu wollen, um ihn im Griff zu haben...Ok, genug gepredigt. Gesegneten Ersten Fastensonntag wünsch' ich! Windlicht

Andreas hat gesagt…

Vielen Dank für die nützlichen bzw. bedenkenswerten Rückmeldungen!

Andreas hat gesagt…

@Windlicht ...

Christus nennt uns in der Tat "Freunde" und "nicht mehr Knechte" ... dieser Adel scheint mir freilich nichts an unserer Provenienz zu ändern. Aber das sind Details angesichts der Tatsache, daß jeder wahrscheinlich weiß, welchen besonderen Aspekt im letztlich Gemeinsamen der andere noch zur Sprache bringen wollte ...