Mittwoch, 26. März 2014

Schmerzfrei

Marienfenster - Kirche St.
Martin, Freiburg
Im Anschluss an den vorletzten Beitrag kam über einen Kommentar die Frage herein, wie weit es denn "verbrieft" sei, daß Maria unseren Kyrios Jesus Christus ohne Schmerzen geboren habe.
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Gute Frage! Für so etwas gibt es schließlich die sogenannten "theologischen Gewißheitsgrade", die zum Beispiel Auskunft geben, ob ein Glaubenssatz angenommen werden muß (wie etwa "dogmatische" Aussagen), oder ob ein Satz vielleicht nur Ergebnis theologischen Nachdenkens einiger Gottesgelehrter, aber nicht zwingend verbindlich ist. 
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Ich mußte tatsächlich eine Weile rumblättern, bis mir das Lehrbuch der Dogmatik von Joseph Pohle (zweiter Band, Paderborn (3) 1907) verriet, es sei ...
... der sichere Satz festzustellen, daß die Gottesmutter von Wehen und Schmerzen der Geburt verschont blieb (S. 286).
"Sicher" dürfte hierbei im Sinne einer sententia theologice certa zu verstehen sein, was bedeutet, daß es sich um eine Lehre handelt, über die sich das kirchliche Lehramt zwar noch nicht endgültig geäußert habe, deren Wahrheit aber durch einen inneren Zusammenhang mit der Offenbarungslehre verbürgt sei.
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Der Glaube, Maria habe Christus ohne Schmerzen geboren, ergibt sich aus dem Glaubenssatz, daß Maria während der Geburt Christi eine unverletzte Jungfrau geblieben ist (virginitas in partu) und stützt sich einerseits auf entsprechende Zeugnisse der Kirchenväter und auf eine entsprechende Argumentation des hl. Thomas von Aquin.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Wird die Sache wirklich mit Verweis auf die Jungfräulichkeit begründet?

Ad hoc würde ich es mit der Freiheit von der Erbsünde begründen.
Erst nach dem Fall hieß es ja: „…unter Schmerzen wirst du gebären…“

Andreas hat gesagt…

Das hätte ich zuerst einmal ebenfalls angenommen. Die Tradition betont hier aber offenbar mehr das Wunder der im Geburtsprozess gewahrten Jungfräulichkeit, als dessen Bestandteil auch die Freiheit von Schmerzen gilt, derweil (jetzt meine Sicht der Dinge) die Freiheit von der Erbschuld nicht heißen muß, daß Maria bestimmte Folgen dieser Erbschuld zwingend erspart geblieben wäre: so vertreten etwa nicht wenige Theologen die Ansicht, daß Maria vor Ihrer Aufnahme in den Himmel eines leiblichen Todes gestorben sei.

Frischer Wind hat gesagt…

Möchte in Erinnerung rufen rufen, dass die Gottesmutter zwar ohne Erbsünde empfangen, also durch das Opfer ihres Sohnes bereits vorerlöst war, ihr jedoch offensichtlich nicht, wie Du ja schon sagtest, Andreas, bestimmte Folgen dieser Erbschuld zwingend erspart geblieben sind. So sagt sie zu Jesus, als sie mit Josef den 12-jährigen im Tempel wiederfindet: "Kind, wie konntest du uns das antun? Siehe, dein Vater und ich haben diech mit Schmerzen gesucht!"

Auch sagte der greise Simeon bei der Darstellung Jesu im Tempel zur Gottesmutter Maria: " Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen", d. h. die Ankündigung, dass Maria leiden werde.

Und schließlich war auch Jesus ohne jede Sünde und trotzdem war seine menschliche Natur leidensfähig...

Allein die Freiheit von der Erbsünde wäre also noch kein zwingender Grund für die schmerzlose Geburt...

Andreas hat gesagt…

In der Tat ... vielen Dank für die Entfaltung des Gedankens!

Eugenie Roth hat gesagt…

Jedenfalls heißt es in einem Weihnachtslied: "... ein kleines Kindlein ohne Schmerzen trägt Maria unter ihrem Herzen" (Maria durch ein' Dornwald ging). Aber woher der Autor das her hat, weiß ich natürlich nicht. ...

Andreas hat gesagt…

Eugenie, wenn Maria den Kyrios ohne Schmerzen geboren hat, dann wird man auch annehmen können, daß die Schwangerschaft nicht die geringste Komplikationen mit sich gebracht hat. Das ändert aber nichts daran, daß Unsere Liebe Frau als Mit-Leidende das Erlösungswerk auf ihrer Ebene mit-getragen hat: Denke an die Kreuzigung - wie könnte das die Mutter nicht berühren?

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich hätte auch damit argumentiert, daß die zu Eva gesprochenen Worte der „neuen Eva“ (des neuen Bundes) in einzigartiger Weise nicht gelten. Allerdings hab ich immer schon gefunden, daß solche Feststellungen für mein Glaubensleben wirklich überhaupt nicht von Belang sind. Die Sache mit der jungfräulichen Geburt ist mystisch und wunderbar genug, Spekulationen darüber, wie es dabei genau herging, brauchts für mich nicht.