Donnerstag, 6. März 2014

Kostet und seht

Vor noch nicht langer Zeit hörten wir in der Epistel am Sonntag Septuagesima, die Kinder Israels hätten auf ihrer Wanderschaft durch die Wüste "alle denselben pneumatischen Trank gekostet - sie tranken nämlich von dem pneumatischen Felsen, der sie begleitete", ein Felsen, von dem der hl. Paulus sagt: "der Felsen aber war Christus" (1 Kor 10, 3).
.
In einer wunderbaren eucharistischen præfatio für den Beginn der Fastenzeit (in der Sprache des Missale Gothicum, dem der Text entnommen ist: Immolatio Missæ in initium Quadragesimæstellt uns die betende Ekklesia vor Augen, wie bereits Moses erstarkte und in Herrlichkeit gesetzt wurde durch Christus, den Logos des Vaters, der sich auch uns heute im eucharistischen Opfermysterium schenkt und uns nährt. Vielleicht kann uns der Text ein wenig anstecken, des Reichtums der vor uns liegenden Zeit gewahr zu werden ... "Kostet und seht, wie gut der Herr" (Ps 33, 9).

Vere dignum et iustum
Wahrhaft würdig ist es und recht,
est, æquum et salutare 
angemessen und heilsam,
nos tibi gratias agere
daß wir dir Dank sagen,
Domine,
Herr,
sancte Pater,
heiliger Vater,
omnipotens æterne Deus
allmächtiger, ewiger Gott:
per Christum Dominum nostrum.
Durch Christus, unseren Kyrios.
.
Qui est filius tuus unigenitus,
Er ist dein eingeborener Sohn,
manens in gloria tua,
der in deiner Lichtherrlichkeit west,
in quo ieiunantium
in ihm wird der Fastenden
fides alitur,
Glaube genährt,
spes provehitur,
Hoffnung beflügelt
caritas roboratur.
Liebe stark gemacht.
.
Ipse est enim panis vivus et verus,
Er ist das lebendige und wahre Brot,
qui de cælo descendit,
das vom Himmel hernieder stieg
et habitat semper in cælo;
und immer im Himmel wohnt.
qui est substantia æternitatis
Er ist die Nahrung zu ewigem Leben
et esca virtutis.
und die Speise aller Kraft.
.
Verbum enim tuum, per quod facta est omnia,
Denn dein Logos, durch den alles erschaffen worden,
non solum humanarum mentium,
ist nicht nur der menschlichen Herzen,
sed ipsorum quoque panis est angelorum.
sondern selbst der Engel Brot.
.
Huius panis alimento
Von diesem Brot genährt,
Moyses tuus famulus quadraginta diebus et noctibus
fastete dein Diener Moses vierzig Tage und Nächte,
legem suscipiens ieiunavit
während er das Gesetz empfing.
et a carnalibus cibis,
Er enthielt sich fleischlicher Speise,
ut tuæ suavitatis capacior esset, abstinuit
damit er umso mehr deine Lieblichkeit verkoste,
de verbo tuo vivens.
da aus deinem Logos er lebte,
Cuius et dulcedinem videbat in spiritu,
dessen Schönheit er im Geiste schaute
et lucem accipiebat in vultu,
und dessen Licht ihm aufstrahlte im Antlitz.
.
Unde nec famen corporis sensit,
So empfand er keinen leiblichen Hunger
et terrenarum est oblitus escarum,
und vergaß der irdischen Speise:
quia illum et gloriæ tuæ clarificabat aspectus et,
Denn die Schau deiner Herrlichkeit übergoß ihn mit Lichtglanz
influente Spiritu,
und im einströmenden Pneuma
Dei sermo pascebat.
nährte ihn das Wort Gottes.
.
Hunc panem, 
Dieses Brot reiche uns,
Domine,
Herr,
nobis per hos quadraginta dies,
während der vierzig Tage,
in quibus hodie
in die heute wir eintreten,
quadragesimalis macerationem abstinentiæ inchoantes
und beginnen, uns in fastender Enthaltung aufzubrechen.
ingredimur, ministrare digneris,
Dieses Brot reiche uns, nach dem du
quem ut sitiamus indesinenter hortaris.
uns unablässig zu begehren mahnst.
.
Cuius carne a te ipso sanctificata dum pascimur,
Essen wir von seinem Fleisch, das du geheiligt hast,
roboramur
so werden wir stark,
et sanguine, dum hausto sitienter potamur,
und in seinem Blut, das wir dürstend trinken,
abluimur.
werden wir rein.
.
Der lateinische Text und die deutsche Übertragung von Sr. Sophronia Feldhohn OSB sind - mit leichten Änderungen und Retuschen - entnommen aus: Vom heiligen Pascha. Ein Osterbuch. Herausgegeben von der Abtei vom Heiligen Kreuz Herstelle. Paderborn 1950. S. 28 ff.

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