Montag, 31. März 2014

Hunger - und man wird nicht satt

Der Prophet Amos - Pfarrkirche St.
Georg, Ehrenstetten
Die Gedächtnistage der Propheten des Alten Bundes spielen im Kirchenjahr keine besonders große Rolle. Meist gehen diese Tage unbemerkt vorüber. Ein Blick in ein etwas ausführlicheres Kalendarium hat mich nun doch darauf aufmerksam gemacht, daß heute des Propheten Amos erinnert wird. 
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Das Buch Amos ist nicht leicht zu verdauen; Strafgerichte, Drohreden, Klagen und bedrohliche Gesichte gegen ein treuloses Gottesvolk prägen die Predigt dieses frühen Propheten, ehe die Schrift im neunten und letzten Kapitel den Geläuterten Heil in Aussicht stellt. So manches Wort, das der Prophet dem Volk Israel mahnend entgegen schleudert, könnte auch auf unsere Zeit verdächtig konkret zutreffen - unser Leben direkt tangieren.
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Eine Stelle möchte ich aufgreifen, weil sie nicht unsere gängige Ansicht stützen mag, wir könnten tun und treiben, was immer wir wollten, denn hinter der nächsten Ecke warte ja sofort und stets der liebevolle Gott und schütte über alles Verständnis und Erbarmen und Vergebung. Es liegt auf der Hand, daß ich Gottes Liebe nicht beschneiden möchte - aber er kann uns auch zappeln lassen, sich von uns zurückziehen. Er ist nicht einfach verfügbar, nur weil wir plötzlich die Grenzen unseres Mensch-Seins gewahren und uns nun zeitweilig ambitioniert fühlen, Frömmigkeit an den Tag zu legen; vielleicht haben wir ja alle schon einmal dieses - auf seine Weise fast schon wieder beredte - Schweigen Gottes erfahren ...
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Ich wandle eure Feste um in Trauer,
in Totenklage alle eure Lieder
und gürte um alle Hüften Bußgewänder,
mach kahl geschoren jedes Haupt,
mach's so, wie bei der Trauer um den Lieblingssohn.
Und alles endet, wie ein bittrer Tag.
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Fürwahr, es kommen Tage,
Spruch des Herrn, des Herrn,
wo ich ins Land will Hunger senden,
doch Hunger nicht nach Brot,
nicht Durst nach Wasser,
vielmehr danach, das Wort des Herrn zu hören.
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Sie wandern dann von Süden bis nach Westen,
von Mitternacht bis Sonnenaufgang hin.
So irren sie umher, ein Herrenwort zu suchen;
sie finden keines.
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(Amos 8, 10-12).

1 Kommentar:

Huppicke hat gesagt…

Beeindruckende Worte.