Dienstag, 25. März 2014

Herausgerufen

"Nimm auf das Wort, Jungfrau Maria" - Verkündigungsszene
in der Stadtkapelle von Waldkirch im Elztal
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Das im vorgängigen Eintrag vorgestellte Responsorium Suscipe verbum aus dem Breviarium Romanum lohnt, daß man ein wenig dabei verweile.
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Man könnte verschiedene Aspekte näher betrachten, etwa das hintergründige Spiel mit Bedeutungen, welches sich in diesem Text aus der Verwendung der Worte paries - "du wirst gebären", non patieris - "du wirst nicht leiden" und zudem pariter - "in gleicher Weise" ergeben mag, sofern man hinter das je unmittelbar Ausgesagte blicken möchte.
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Oder man verweilt etwas bei der Doppeldeutigkeit der Wendung Suscipe verbum - "Nimm auf das Wort", in der nicht nur die Aufforderung steckt, dem Wort Gottes, das der Engelbote überbringt, das Ohr zu leihen, sondern bereits die Bitte herausgehört werden kann, Maria möge den Logos Gottes selbst aufnehmen, auf daß er durch sie Mensch werde.
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Besonders bemerkenswert finde ich den mehrfach wiederholten Vers Ut benedicta dicaris inter omnes mulieres - man denkt dabei zuerst an jene Zeile des englischen Grußes Benedicta tu in mulieribus - "Gesegnet bist du unter den Frauen" (Lk 1, 28 Vulg.), mit der wir Tag für Tag Unsere Liebe Frau grüßen. Die betende Ekklesia übernimmt nun nicht einfach diese biblische Wendung, sondern erweitert sie: Ut benedicta dicaris inter omnes mulieres - "auf daß du Gesegnete genannt seist unter allen Frauen". Nun steckt in benedicere bereits das Ausgesagte und das Sagen selbst darin: die benedicta ist jene Frau, über welche "gut" (bene) "gesprochen" (dicta) ist, was wir gemeinhin mit "Gesegnete" übersetzen. Benedicta dicaris ist also eine Doppelung, eine die angesprochene Jungfrau geradezu drängende Intensivierung, weshalb ich den Vers mit "Auf daß als Gesegnete du hervorgerufen seist unter allen Frauen" zu übersetzen versucht habe.
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Als ganz besonders Herausgerufene erweist die Liturgie Maria an dieser Stelle, als die Jungfrau, die hören und das Wort Gottes, den Logos aufnehmen soll: Suscipe Verbum, Virgo Maria!
Eva, die ihr Ohr der Botschaft der Schlange lieh, der Einflüsterung des Feindes lauschte und in ihrem Urteil von der Verlockung lügenhafter und trügerischer Lust bezaubert wurde, empfängt als Strafe Trauer und Plage, wird den Schmerzen der Geburt unterworfen, wird mit Adam zum Tod verurteilt und in die Tiefe des Hades verbannt.
Doch die wahrhaft allselige Maria, die dem Worte Gottes ihr Ohr neigte, die von der Kraft des Pneumas erfüllt wurde, die durch eines Erzengels Vermittlung das Wohlwollen des Vaters erfuhr, die die Person des göttlichen Logos, die das All erfüllt, ohne Lust und Beischlaf empfing und ohne die daraus erwachsenden Schmerzen gebar, die ganz mit Gott verbunden war, wie sollte der Tod sie verschlingen? (...) 
Wahrhaft selig bist du, Allerseligste! 
(aus der zweiten Predigt auf die Entschlafung Mariens des hl. Johannes von Damaskus).

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