Donnerstag, 13. März 2014

Die Schönheit der kanaanäischen Frau

Das Evangelium am Donnerstag nach dem ersten Fastensonntag (Mt 15, 21-28berichtet, daß sich der Kyrios vor einigen Nachstellungen der Pharisäer und Schriftgelehrten gen Tyros und Sidon zurückzog:
Und da! Eine kanaanäische Frau kam aus jenem Gebiet gelaufen, schrie und sagte: Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Abergeist übel besessen. Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger heran, baten ihn und sagten: Entlaß sie, sie schreit ja nur hinter uns her! Er aber hob an und sprach: Gesandt bin ich nur zu den zugrunde gegangenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam heran, verneigte sich tief vor ihm und sagte: Herr, hilf mir! Er aber hob an und sprach: Es ist nicht recht, das Brot der Kinder wegzunehmen und es den Hündlein hinzuwerfen. Sie sprach: Ja doch, Herr! Denn auch die Hündlein essen von den Bröseln, die von den Tischen ihrer Herren fallen. Darauf hin hob Jesus an und sprach zu ihr: O Frau, groß ist dein Glaube! Es geschehe dir, wie die willst. Und geheilt war ihre Tochter seit jener Stunde.
Dazu habe ich heute einige schöne Überlegungen von Aemiliana Löhr OSB gelesen; die Hersteller Benediktinerin nimmt darin Bezug auf den Introitus der heutigen Fastenmesse, welcher - zur Eucharistia hielt man statio in St. Laurentius in Paneperna - mit dem Introitus der Festmesse vom hl. Laurentius identisch ist. Darin wird von "Demut" (confessio) und "Schönheit" (pulchritudo) gesungen, die sich vor dem Angesicht Gottes zeigen ...
Man muß sich frühmittelalterliche Miniaturen dieser evangelischen Begebenheit vergegenwärtigen, um ihre Bedeutung ganz zu erfassen - die vor Christus hingeworfene, nach ihm sich ausstreckende Frau, die nur von der Inbrunst des christlichen gläubigen Herzens ganz nachzufühlende Linie des gebeugten Rückens: "Venit et adoravit eum - sie kam und huldigte ihm". Sie macht sich völlig zunichte, sie setzt sich den Hunden gleich. Sie erkennt und bekennt sich als Heidin, als dem erwählten Judenvolke weit nachstehend; sie erkennt diese Gnadenordnung Gottes ohne Murren an, obwohl sie dabei die Benachteiligte ist. Sie versucht weder sich in die Gnadenrechte anderer einzudrängen, noch pocht sie auf das natürliche Recht aller Menschen und auf natürliche Vorzüge der Heiden.
Sie sieht nur zweierlei: Gott, der seinen Messias zuerst den Juden gesandt hat, und sich, die Heidin, die dennoch an dem Heile Anteil zu erhalten hofft; nicht, weil sie irgend etwas zu ihren Gunsten anführen könnte, nein einfach, weil sie der Agape Gottes in ihrer allumfassenden Weite glaubt.
Wie schön ist dieses Weib in seiner Demut und in seinem Glauben - wahrhaft "confessio" und "pulchritudo" vor dem Antlitz Gottes! Ihr Glaube rettet sie und sonst nichts: "O Weib, dein Glaube ist groß: dir geschehe nach deinem Verlangen!" Die Armut, die sich der Agape Gottes hinwirft, gewinnt Anteil am Reichtum dieser Liebe, und sie, die sich ganz hingab, wird Erfüllerin ihrer eigenen Wünsche: "Es geschehe dir, wie du willst!" (...)
Jetzt gilt es, mit der Kanaanäerin, mit dem heiligen Martyrer [Laurentius], mit Christus, dem Urmartyrer, der auf den bekennenden Lippen dieser beiden ist, die "confessio", den Lobpreis der Liebe und das Bekenntnis des eigenen Nichts, demütig auszusprechen. Auszusprechen weniger mit Worten als durch dieses inbrünstige Sichhineinwerfen vor Gott, durch das Einmündenlassen unseres Fastenopfers (...) in das große Christusopfer, damit wir durch dieses gemeinsame Opfer und Bekenntnis heil werden, damit auch unsere "confessio" mit der des heiligen Martyrers in der "pulchritudo" des ewigen Lebens ende, damit auch wir - die Ekklesia - das Wort des Herrn vernehmen: "O Weib, dein Glaube ist groß: dir geschehe nach deinem Verlangen".
Aemiliana Löhr OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. Erster Band. Regensburg (4) 1941. S. 240 f.

Keine Kommentare: