Montag, 17. März 2014

Der Dolch im Gewande

Vor einiger Zeit hatte ich mir überlegt, auf polemische Streitereien angesichts aktueller Kirchenthemen weitestgehend zu verzichten. Die Gefahr, sich dabei im Ton zu vergreifen, ist nicht von der Hand zu weisen. 
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Unser Glaube soll voller Hoffnung und in Liebe auf Christus, den Kyrios, zuschreiten und sich nicht vom Hickhack rechts und links dieses Weges ablenken lassen – soweit die Theorie. Praktische Erfahrungen schlagen mir aber zeitweilig auf den Magen, denn was am Wegesrand wächst und wuchert, lässt sich nicht einfach ausblenden – vor allem, wenn es bereits in den Weg hineinwächst. Ständig gilt es aufzupassen, daß man nicht darüber stolpere und zu Fall komme; vom wachsenden Verdruß über diese (ich sage jetzt doch einmal:) Sumpfblüten ganz zu schweigen.
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Am Wochenende ist mir erneut der Fehler unterlaufen, einige "katholische" blogs in Augenschein zu nehmen, die nicht auf meiner Leseliste stehen (oder die ich zwischenzeitlich wegen deutlicher Sympathie für Ansichten, die sich gegen den katholischen Glauben wenden, entfernt habe).
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Was auf solchen Seite auffällt: Es ist häufig die Rede von Liebe und Achtsamkeit und Respekt und Dialog und vom befreienden und zärtlichen Handeln, das Jesus an den Tag gelegt haben mag ...
  • Dazu passt allerdings nicht die Häme, mit der "Dunkelkatholiken" immer wieder überzogen werden. 
  • Dazu passt nicht, dass konservative katholische Blogger in "die intelligenteren" und den Rest unterschieden werden (wobei selbst das Zuerkennen einer gewissen Intelligenz noch abwertend klingt). 
  • Dazu passt nicht das ausdauernde Psychologisieren und Pathologisieren der anderen Seite.
  • Dazu passt nicht, wenn Dinge plötzlich beschworen werden, die man selbst fortgesetzt ignoriert – etwa das Kirchenrecht. 
  • Dazu passt nicht das eigene rhetorische Austeilen und Rumkeulen, während man sehr empfindlich reagiert, fühlt man sich unangemessen angegriffen. 
  • Dazu passt nicht, dass man der Gegenseite auf eine zumeist nicht offene, sondern sublim verpackte Weise authentisches und verantwortetes Christsein abspricht, indem man sich selbst in die Nachfolge des Jesus von Nazareth (dar-) stellt, während man der Gegenseite zu verstehen gibt, sie habe sich in hinfälligen, historisch gewachsenen Strukturen verfangen und versteinert und den Anschluss an diesen Jesus längst verloren. 
Um ehrlich zu sein – mir sind "Dunkelkatholiken", auch wenn sie hier und da schimpfen mögen und in allem freimütigen Wort daneben hauen, weitaus lieber als diese aus dem Hinterhalt und mit Arglist agierenden Kirchenreformer. 
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Zumal man nicht vergessen sollte: Es sind nicht die "Dunkelkatholiken", die regelmäßig Verwirrung, Unruhe, Rebellion und Spaltung in die Ekklesia hineintragen. Wenn alsdann gekämpft werden muss, dann aber ist in Sprache, Satz und Ton das offen gezogene Schwert ehrlicher als der gezückte Dolch im Gewande.

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