Samstag, 15. Februar 2014

Über alle Welt hinaus

Zur Zeit beschäftigt mich immer wieder die Frage, was ich eigentlich tue, wenn ich "glaube", wo dieses "glauben" für mich mit Schwierigkeiten verbunden ist und was es von mir einfordert, nämlich das totale Vertrauen, daß dieser Gott tatsächlich so ist und jener Gott ist, wie er sich in der Heiligen Schrift und in der Überlieferung der Ekklesia gemäß seinem Wort kund tut ...
.
... also das alte Lied: Pascals "Gott der Philosophen und Gelehrten" mag man beweisen können, dem "Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs" kann man nur vertrauen, und das ist, so geht es mir jedenfalls, die größte Herausforderung dieses Glaubens - in allen Anfechtungen oder bei all den Sinn verheißenden Alternativen, die einem über den Weg laufen, und die oft bequemer scheinen und einleuchtender dazu. Um das Vertrauen, das all dem zum Trotz den Glauben aufschließt, muß man immer wieder ringen, ich zumindest.
.
Bei den Laudes heute morgen ist mir das wieder hochgekommen, beim Gedanken des letzten Verses aus dem 63. Psalm, der eigentlich bereits von der Antiphon vorbereitet war - wie auch von der vorangehenden Psalmodie dieser Gebetshore mit ihrem deutlichen Kräftespiel aus glaubensfroher Zuversicht und Bedrohungen eben dieses Glaubens:
.
Lætatur iustus in Domino et confugit ad eum, *
et gloriantur omnes recti corde.
.
Der Gerechte freut sich im Herrn 
und nimmt seine Zuflucht bei ihm, *
und alle, die redlichen Herzens sind, dürfen sich rühmen.
.
Zuflucht nehmen ... da tönen die Gefährdungen des Glaubens mit hinein, denn der Akt setzt etwas voraus, wovor man flieht. Im Psalm sind es hinterlistige Feinde, die weniger mit dem Schwert, als mit Worten kämpfen: Aber mit einer Zunge, die gewetzt ist wie ein Schwert. Ich höre darin von all jenen all das, was mich vom Glauben abbringen möchte: es raunen Psychologen, Soziologen, Biologen, Philosophen und auch Theologen - ein erfülltes Leben sei einfacher zu haben und ehrlicher obendrein, unabhängig, emanzipiert, humanistisch sinnreich ausgefüllt, im Hier und Jetzt und ohne ein Jenseits, das ich mir einreden ließe.
.
Und doch glaube ich - glaube, daß Gottes Verheißung wahr ist, daß nichts passiert, bei dem Gott nicht seine Finger mit im Spiel hat, daß alles, was mir widerfährt, ganz gleich, ob sich darin der unmittelbare Wille Gottes manifestiert oder ob es eine Folge der Sünde, meiner Sünde ist, daß all dies von Gott zum Segen ausgebreitet oder gewandelt wird, wenn ich ihm nur vertraue, auch wenn es manchmal in meinem Horizont eine regelrechte Zumutung ist. Gott stärke mein und unser aller Vertrauen in seinen Weg und Rat und führe uns über alle Welt hinaus zum Ziel!
.
Der Gerechte freut sich im Herrn 
und nimmt seine Zuflucht bei ihm, *
und alle, die redlichen Herzens sind, dürfen sich rühmen.

1 Kommentar:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Irgendwann vor langen, langen Jahren, als ich viel, viel jünger war, trieben mich ähnlich trübe Gedanken um. Eines schönen Tages in jener Zeit habe ich dann den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ad acta gelegt und mich auf den Drei-Einen volloffenbarten Gott des Neuen Testamentes verlassen und bis heute nicht bereut.

Die Bücher der Deutschen Bischofssynode, ebenso die Guardinis, Rahners und eines gewissen Odos habe ich als Grillanzünder für den Holzkohlegrill zur Verfügung gestellt.