Donnerstag, 13. Februar 2014

Synodeskes - kalte Dusche als Buch

Den Gedanken habe ich hier bereits das ein oder andere Mal geäußert, aber weil ich die Sache spannend finde, komme ich heute erneut darauf zurück. Wie früher schon verraten, drücke ich mich regelmäßig in einem Sozialladen der Diakonie herum, vor allem zwischen den Bücherregalen.
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Das Sortiment ändert sich schnell und schwankend. Was der Laden anbietet, stammt überwiegend aus Wohnungsauflösungen und Nachlässen; doch finden sich immer wieder Schwerpunkte im Angebot, die auf den "Erblasser" ein wenig schließen lassen. Welcher Mensch mag einst dieses Buch gekauft, in jenes die Nase gehalten haben? Wo mag sich dieser Mensch geistig oder auch geistlich heimisch gefühlt haben? Auch: Wie er wohl ausgesehen haben mag? Wie könnte es um sein Wesen bestellt gewesen sein? Das sind alles interessante Fragen, die für mich an manchen Büchern kleben. Bücher haben ihre Schicksale!
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Im Bereich geistlicher Literatur fluteten zum Beispiel zeitweilig auffällig viele evangelikale Kleinschriften die Abteilung für mehr oder minder fromme Hinterlassenschaften (konkret: drei Regalböden "Religion") - offenbar war den Protestanten also eine Seele entkommen, und ein Alte-Messe-Molch, wie ich einer bin, hofft gerne, daß Gott sie gerecht gemacht habe. Das wünsche ich natürlich auch jenem konzilsbewegten Ex-Zeitgenossen, auf dessen Tod und Scheiden einige progressivere Hinterlassenschaften schließen lassen:
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Ich weiß zwar nicht genau, was ich mit diesen Brummern konkret anfangen sollte, und womöglich habe ich sie nur gekauft, weil sie billig zu haben waren (eine Schwäche von mir) ... allein der Titel der zugehörigen Monographie Das deutsche Konzil wirkt bereits wie eine kalte Dusche in der aktuellen Eiszeit des hiesigen Katholizismus ...
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In dem gelben Teil, welches auf gut 900 Seiten den Ertrag dieses "deutschen Konzils" zusammenfaßt, lassen sich so reizvolle Sätze lesen wie etwa im Beschluss "Räte und Verbände" zum Start des Abschnitts 3.4.2 (auf S. 671):
Der Katholikenrat der Diözese ist der Zusammenschluß von Vertretern des Laienapostolats aus den Komitees bzw. sonstigen Gremien der mittleren Ebene und der Katholischen Verbände sowie von weiteren Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft.
"Vertreter" - "Komitee" - "Gremium" - "mittlere Ebene" - "Verbände" - alles drin! Ich bin unumwunden begeistert! 
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Aber es gab auch wirklich interessante Entdeckungen ... etwa Das Neue Testament in der Übersetzung von Fridolin Stier - ein schöner Zuwachs für meinen kleinen Hort verschiedener Ausgaben der Heiligen Schrift!

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Wenn man lange genug sucht findet man selbst in den Texten der „gemeinsamen Synode“ wahre Perlen.

Irgendwann hatte ich dazu schonmal gebloggt, aber das war noch in dem alten Blog und ist inzwischen in den Tiefen des Internets verschwunden.

sophophilo hat gesagt…

Die Akten der Würzburger Synode sind für den Theologiestudenten immer wieder interessant. Ich habe die Bände auch nur, weil ich sie mal in der Kiste in der Wiehre fand... Geld würd ich dafür nich ausgeben.

Severus hat gesagt…

Ein Hoch auf den deutschen Sowjet-Katholizismus! - Du musst aber noch viel Platz in Deinem Bücherschrank haben ...:-)

thysus hat gesagt…

Der "Stier" ist eine Entdeckung wert!
Die (behaupte ich mal) einzige Übersetzung, die z.B. den Römerbrief les- und verstehbar macht!
Gruss thysus