Montag, 17. Februar 2014

Fundamentales - zum Geburtstag von Romano Guardini

Rund ist das Datum wirklich nicht - aber weil mir die Persönlichkeit, die heute vor 129 Jahren a.D. 1885 zur Welt kam, viel bedeutet, sei des Geburtstags von Romano Guardini erinnert. Als geistlicher Autor hat mich Guardini in jüngeren Jahren stark geprägt; daß die Lektüre seiner Schriften in mir eine gewisse Freude zum Wort und an der Sprache geweckt hat, dürfte dabei eine eher nebensächliche Selbsteinschätzung sein. Es gibt wichtigere Themen und Fragestellungen, in denen Guardini mir Orientierung geboten hat und noch heute bietet.
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Meines Ermessen rührt das daher, daß in seinen Büchern so häufig nichts "fertig" vorgestellt wird; das kommt meiner Wesensart vermutlich entgegen. Man muß nur einen Blick auf so manchen Untertitel seiner Schriften, in so manches Vorwort eines Textes werfen und sehen, wie der Autor selbst mit seinem Thema ringt und wie er Ausführungen als "Versuche" charakterisiert - wer aber diese Versuche mitvollzieht und durchschreitet, dem wird deutlich, daß der Leser hier keineswegs gnädig gestimmt werden soll, wenn etwa der Gedanke von den zu erwartenden Pfaden abweicht. Darin konnte ich mich, gerade auch im Soziotop der katholischen Tradition, verorten - mehr als in Predigten und Katechesen und überfrömmelten Umtrieben, wo mitunter und für manche Fragen recht (und zu) rasch die "passende" Lösung zur Hand scheint: Lösungen, die zwar das Problem ins Auge fassen, nicht aber jenen Menschen, der sich damit herumschlägt - der Mensch aber ist Teil des Problems, ist mit dem, was auf ihm lastet, häufig eng verwoben, und auch diese Knäuel gilt es zu lösen und zu entwirren. Guardini wußte darum.

Darüber ließe sich viel noch sagen ... mehr, als es Zeit und Form eines Blogeintrages geraten sein lassen. Ich möchte daher lieber auf ein zweites Thema kommen, das ich sozusagen Guardini verdanke: die Liebe zur Heiligen Liturgie und die Faszination daran. Ich meine, es war das Bändchen Vom Geist der Liturgie, das überhaupt das erste gewesen sei, was ich von Romano Guardini las. Von dort führte rasch ein Weg zu dem anderen Büchlein Von heiligen Zeichen und zum Taschenbuch Beten im Gottesdienst der Gemeinde, einer nachkonziliar gekürzten Neuauflage der Besinnung vor der Feier der heiligen Messe. Gerade auch der tiefe Reichtum der "alten" Messe, die ich damals bereits kennen gelernt hatte, wurde mir anhand dieser Bücher - manch andere wie die Vorschule des Betens könnten hier auch Erwähnung finden - deutlich; was kein Wunder ist, schließlich schrieb Guardini selbst auf dem Hintergrund der vorkonziliaren Liturgie. Von Guardini aus griff ich im Lauf der Jahre zu anderen Büchern, die mir erreichbar waren: Das Jahr des Heiles von Pius Parsch etwa oder die zehn Bände des Liber sacramentorum des sel. Ildefons Schuster OSB, griff zu den Erwägungen, welche die Hersteller Benediktinerin Ämiliana Löhr unter dem Titel Das Herrenjahr veröffentlicht hatte und zu den Werken ihres Spirituals, womit wir bei Odo Casel OSB angekommen sind. Und es blieb nun nicht allein beim Lesen - letztlich verführte mich Guardini auch zum Stundengebet, zur Möglichkeit, mich immer wieder an den großen, den unaufhörlichen Lobpreis der Ekklesia anzuschließen.
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In einer Zeit, in denen mein Glaube schwach und hohl und veräußerlicht war (es gab sie; auch Guardini konnte mich vor anderen Lockungen nicht immer schützen), war es - neben der Orgel, die mich band - eben jene Heilige Liturgie als Maß, Form und Gerüst, die mich doch bei der Sache hielt und so die letzte Glut hütete. Wie das ohne dieses Fundament ausgegangen wäre, welches Guardini gelegt hatte und das gewiß verschüttet war, aber mich trotzdem getragen hat - das weiß ich nicht. Doch ich habe mir den Glauben wieder lebendiger gewinnen können, vielleicht auch ein Stück gereift ... was, wie ich hoffe, ganz im Sinn Guardinis sollte liegen und sich ihm mit verdankt: Deo gratias!

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