Dienstag, 11. Februar 2014

Durch Maria zu Christus

Madonna in der Lourdes-
grotte bei der Pfarrkirche 
im badischen Forchheim
Schöne Eigentexte prägen das Fest der Erscheinung der unbefleckt empfangenen Jungfrau in der Eucharistia und im Stundengebet. Bei der Reform der Rubriken zu Beginn der 1960er-Jahre behielt man daher im Breviarium Romanum die hohe Ordnung für die Laudes und Vesper bei, obschon der Anlass selbst als Fest dritter Klasse eingestuft wurde - ein Ausnahmeregelung, die sonst eigentlich nur bei Eigentexten besonders alter Heiligenoffizien zu finden ist.
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Im Introitus der eucharistischen Mysterienfeier sehen wir das himmlische Jerusalem zu uns hinabsteigen (Offb 21, 2):
Vidi civitatem sanctam Jerusalem novam, descendentem de cælo a Deo, paratam sicut sponsam ornatam viro suo.
Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, herabsteigen aus dem Himmel von Gott her, bereitet wie eine Braut, geschmückt ihrem Bräutigam.
Ebenfalls auf die Schauung des Johannes greift die Lesung zurück:
Da ward geöffnet Gottes Tempel im Himmel und zu sehen war in seinem Tempel die Lade seines Bundes. Und da entstanden Blitze und Stimmen und Donner und Beben und gewaltiger Hagel. Und ein gewaltiges Zeichen ließ sich sehen am Himmel: Eine Frau, gewandet mit der Sonne und unter ihren Füßen der Mond und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Und ich hörte eine gewaltige Stimme im Himmel sagen: Nun ist geworden die Rettung und die Kraft und das Königtum unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten (Offb 9, 19 / 12, 1 und 1o).
Die heilige Liturgie ist hier einerseits Zuchtmeisterin aller Marienfrömmigkeit und streckt andererseits jenen Skeptikern die Hand entgegen, welche die Verehrung Unserer Lieben Frau beargwöhnen: Denn wo wir Maria sehen und ehren, da sehen und ehren wir den Kyrios in der Herrlichkeit. Wo sich Maria uns zuwendet, da wissen wir: Es ist der Kyrios, der uns Maria zur Mutter geben hat und der sie uns geschenkt hat, sie zu uns sendet: Er ist es, der durch sie wirkt, wie er auch durch die Ekklesia wirkt, deren Urbild Maria ebenfalls ist.
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Ein Gedanke von Benedikt XVI., der seine Schriften immer wieder durchzieht, mag das noch ein wenig veranschaulichen: Das Wort, mit dem der Engel bei Lukas die Jungfrau anspreche (was wir im Evangelium des heutigen Festes wieder hören und erleben), dieses Wort ...
... lehnt sich eng an den Gruß an, mit dem der Prophet Sophonias das gerettete Israel der Endzeit grüßt (Soph 3, 14 ff.), und es nimmt zugleich die Segenworte auf, mit denen man die großen Frauen Israels gepriesen hatte (Ri 5, 24; Jdt 13, 18 f.). So wird Maria als der heilige Rest Israels, als das wahre Sion gekennzeichnet (...) Mit ihr beginnt nach dem Text des Lukas das neue Israel, nein: es beginnt nicht bloß mit ihr, sie ist es, die heile "Tochter Sion", in der Gott den neuen Beginn setzt.
Das andere Bild unseres Textes - die "Überschattung mit der Kraft des Höchsten" - verweist auf den Tempel Israels und auf das heilige Zelt in der Wüste, wo sich Gottes Gegenwart in der Wolke anzeigte, die seine Herrlichkeit ebenso verbirgt wie offenbart (Ex 40, 43; 3 Kg 8, 11). Wie Maria voher als das neue Israel, als die wahre "Tochter Sion" geschildert worden war, so erscheint sie nun als der Tempel, auf den sich die Wolke herabsenkt, in der Gott mitten in die Geschichte eintritt (Einführung in das Christentum. Augsburg (10) 2000. S. 256 f.).
Mit ihrer Fürsprache helfe uns Maria, Gott in unserer Geschichte entgegen zu gehen ... ora pro nobis!

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