Mittwoch, 19. Februar 2014

Barocke Verwüstung

Heute Abend ein wenig Barockschelte - die alipianischen Marginalien mögen darüber hinwegsehen und die Geistbrauser meinethalben darob frohlocken, derweil ich mich hinter Romano Guardini verschanze. Allerdings sollte man einen Tagebucheintrag aus den 1930er Jahren, der von Gattung und Art her eher spontanes Empfinden spiegelt, nicht allzu hoch hängen ...
In Cefalù. Der Dom ragt wie eine Gottesburg empor, und die Stadt liegt zu seinen Füßen. Inwendig hat ihn das Barock verwüstet. Das Barock hat ja immer zerstört, wohin es kam. Wenn man die alten, edlen Stile liebt, die vorausgehen, möchte man es hassen, so groß seine Kunst sein mag. Und wenn man auch die Abneigung vor irgendeinem seiner Werke vergißt, so erwacht sie doch bald wieder, sobald es mit seinem Prunk neben Bauten tritt, die jene heilige Innerlichkeit haben, altchristliche, oder romanische, oder gotische.
Romano Guardini: Tagebuch - Reise nach Sizilien in: In Spiegel und Gleichnis - Bilder und Gedanken. Mainz / Paderborn (7) 1990. S. 161.

Kommentare:

Siri hat gesagt…

Zumindest diese irrlichternde Aussage des Guardini ist eindeutig häretisch!

Severus hat gesagt…

Unrecht hat er ja nicht.
Nur "Verwüstung" und "Zerstörung" darf man das doch nicht nennen !

Lena (St. Anton) hat gesagt…

Aha! Endlich einmal einer, der meine Ansicht teilt!

Alipius hat gesagt…

Wenn das Barock zerstört hat, dann nicht aus Bösartigkeit sondern aus Übermut. Denn wohin auch immer das Barock kam, dorthin kam es als Kind, das mit kindlichem Stolz aber auch kindlicher Freude gesagt hat "Guckt mal, was ich kann!"

Diese kindliche Freude gefällt mir, und ich durfte sie schon in vielen schönen Augenblicken in vielen schönen Gebäuden verspüren.

Geistbraus hat gesagt…

und nun wollt ich schon grad in Frohlockeluja ausbrechen, bleibt mirs doch im Halse stecken, als ich des Römerwächters Formulierung "alte, edle Stile" und "heilige Innerlichkeit" lese... wusste ich doch noch gar nicht, dass Suger von St. Denis auch schon Winckelmann gelesen hat! Dachte bisher, in der Gotik ginge es um die Flut des Lichts aus der Hl. Hierarchie der Herrlichkeit bis zu uns hinab, aber sieh da, es ist doch wieder nur die edle Einfalt und stille Größe...

Card. Siri hat recht: eindeutig häretisch!