Donnerstag, 30. Januar 2014

Wiedersehen mit Waldkapelle

Gestern und vorgestern überraschte Sonnenschein die Freiburger, und alldieweil die Woche eher ruhig läuft und ich irgendwo aufgeschnappt hatte, dieser Donnerstag gewönne sich ebenfalls wärmende Temperaturen, investierte ich spontan zwei Urlaubstage. Den gleichen Gedanken muß nun Frau Sonne gehegt haben - die ließ sich heute nämlich nicht sehen: 's ist trüb, 's ist trist, aber wenigstens bliebs trocken.
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Ich bin ein Stück aus der Stadt raus nach Waltershofen gefahren und zur Waldkapelle spaziert - in jüngeren Jahres hatte ich dahin einige Male Radtouren unternommen. Das Kirchlein "wacht" quasi über eine etwas schärfere Kurve an der Landstraße zwischen Waltershofen und Umkirch. Bereits für die Zeit vor 1685 ist eine Kapelle an dieser Stelle bezeugt, 1896-1898 errichtete man einen Neubau mit gotischen Formen. Noch bis in die 1950er-Jahre gab es eine Wallfahrt zur Schmerzhaften Gottesmutter; das gotische Vesperbild, in welchem früher Unsere Liebe Frau verehrt wurde, hat man zwischenzeitlich allerdings in Sicherheit gebracht. Es befindet sich heute in der Pfarrkirche.
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Die Kapelle war früher, also zu Beginn der 1980er-Jahre, in einem recht verwahrlosten Zustand. Wind und Wetter pfiffen durch die eingeschlagenen Fenster, alles war verstaubt und angeschmuddelt und im Chörlein residierten drei ramponierte Gipsfiguren. Einmal hatte ich versucht, dem Herz-Jesu-Bild den abgefallenen Gipskopf mit einer Tesafilmbandage anzukleben; beim nächsten Besuch lag der Kopf jedoch wieder neben der Statue. Viele Jahre war ich nun nicht mehr dort, aber irgendwann hat man das kleine Gotteshaus hergerichtet und ein neues Bild der Schmerzhaften Mutter aufgestellt. Weiland hatte ich gern und lang am Glockenstrang gezogen, der von der Decke baumelte. Heute ist er am Chorgitter festgeknotet, "aufgeräumt" - irgendwie schien mir das ein Zeichen, man solle die Finger davon lassen. Vielleicht hätte ich ja doch ...
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Vor diesem Vesperbild kam mir die Ansprache von Benedikt XVI. im Rahmen der Marianischen Vesper zu Etzelsbach im September 2011 in den Sinn; damals wies der Heilige Vater auf die Nähe der Herzen Jesu und Mariä beim Etzelsbacher Gnadenbild hin. "Physiologisch", sozusagen, ist die Pietà in der Waldkapelle zwar ganz anders gestaltet, doch scheinen mir auch hier die Wort Benedikts naheliegend, wenn er sagt, ...
... die Herzen kommen einander nahe. Sie tauschen einander ihre Liebe aus. Wir wissen, daß das Herz auch das Organ der tiefsten Sensibilität für den anderen wie des innigsten Mitgefühls ist. Im Herzen Marias ist Platz für die Liebe, die ihr göttlicher Sohn der Welt schenken will.
Die Marienverehrung konzentriert sich auf die Betrachtung der Beziehung zwischen der Mutter und ihrem göttlichen Sohn. Die Gläubigen haben betend, leidend, dankend und freudig immer wieder neue Aspekte und Attribute gefunden, die uns dieses Geheimnis besser erschließen können, zum Beispiel im Bild des Unbefleckten Herzens Marias als Symbol der tiefen und der vorbehaltlosen Einheit der Liebe mit Christus. Nicht die Selbstverwirklichung, das sich selber Haben- und Machen-Wollen schafft die wahre Entfaltung des Menschen, wie es heute als Leitbild modernen Lebens propagiert wird, das leicht zu einem verfeinerten Egoismus umschlägt. Vielmehr ist es die Haltung der Hingabe, des sich Weggebens, die auf das Herz Marias und damit auf das Herz Christi ausgerichtet ist und auf den Nächsten ausgerichtet ist und so uns erst uns selber finden läßt.

Kommentare:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Danke für den Tipp. Ich hoffe, ich kann im Laufe des Jahres (bei schönerem Wetter und angenehmeren Temperaturen) darauf zurückkommen und mir das Kapellchen anschauen.

martina hat gesagt…

Das war eine mystische spaziergang........