Freitag, 17. Januar 2014

Von Fall zu Fall

Die Versuchung des hl. Antonius - Glasfenster im Chorumgang
des Freiburger Münsters (Original im Augustiner-Museum)
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Wüstenväter scheinen höchst unwirtlich. Sie entzogen sich radikal der Welt und dem damit verbundenen Alltag, weswegen sie als Vorbilder für unser so ganz anders gelagertes Leben kaum zu taugen scheinen. Die Radikalität ihrer Lehren und Ansichten befremdet zuweilen - sie auf unser Leben herunter zu brechen geht hin und wieder mit dem schalen Beigeschmack einher, man verwässerte diese so großer Entsagung entrungenen Worte. Nicht, daß die Rede der Wüstenväter von hochfeinen gedanklichen Gespinsten überzogen wäre, ganz im Gegenteil: Die Botschaften sind oft einfach, klar und eindeutig. Aber sie untergraben gerne die Sicherheiten, die wir im Leben als unabdingbar erachten.
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Wüstenväter gleichen irgendwie den anverwandten Säulenheiligen. Wir schauen zu ihnen auf, bewundern ihre geistliche Ausdauer und hoffen, in ihnen Fürsprecher zu finden. Eine ganz praktische Nachfolge dürfte für die wenigsten aus unseren Reihen in Frage kommen -zumal uns bereits eine "theoretische" Jüngerschaft überfordern könnte. Und es muß ja auch nicht jeder in die Fußstapfen der Säulensteher und der Wüstenväter treten, ganz gleich, wie man sich deren Leben ohne Abstriche ins Heute aktualisiert vorstellen mag. 
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Eine Lösung gibt es zumindest: Sich mit den Worten der Wüstenväter selbst zu beschäftigen (und sich nicht von irgendwelchen Bloggern einreden zu lassen, wie erhaben und unerreichbar das Ideal sei, für das sie eingestanden). Und siehe da - man findet mehr an geistlichem Rat, als man denkt - Worte, ganz nah an unserem Leben.
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Etwa beim heiligen Eremiten Antonius, dem Großen, dessen Fest heute gefeiert wird. Am Beginn der Philokalia, einer der Tradition der Ostkirche entsprungenen Sammlung mit Weisheiten der Väter, finden sich einige Texte, die dem heiligen Antonius zugeschrieben werden. 
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Nehmen wir etwa die folgenden Erwägungen ... wir erfahren ja immer wieder, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit in unserem Leben auseinander klaffen und wir im Hin und Her zwischen Gnade und Anfechtung und Heiligkeit und Sünde Dinge tun, die alles konterkarieren, was wir als gut und recht vor Gott erkannt haben:
Wer sich wegen der Natur seines Wesens schwertut, der soll dennoch nicht an sich verzweifeln, soll die gottgefällige und tugendliche Lebensweise weiterhin ernstnehmen und sie nicht als etwas ihm unerreichbar Fernes verachten.
Nein, er soll ständig das zu verwirklichen suchen, was ihm möglich ist, und soll für sich Sorge tragen. Denn auch wenn er nicht die höchste Tugend- und Heilsstufe erreicht, so wird er doch wegen seiner Bemühung und seines Verlangens besser oder wenigstens nicht schlechter. Und dies ist kein geringer Nutzen für die Seele.
Dieser Rat ist, meines Ermessens jedenfalls, auffallend nüchtern. Keine frömmelnde Schwärmerei, kein spirituelles Blingbling - dafür die Feststellung, daß wenigstens "nicht[s] schlechter" werde, und daß selbst das - dieses Minimum - bereits ein "Nutzen für die Seele" sei, von einem ebenso möglichen Fortschreiten ganz zu schweigen. Eine ähnliche Stoßrichtung prägt die folgende Ermunterung:
Wer klug sein will, muß sich unablässig daran erinnern, daß wir Menschen, wenn wir in diesem Leben geringe und vorübergehende Leiden ertragen, dafür nach dem Tode größte Freude und ewig Glückseligkeit genießen.
Wer mit den Leidenschaften ringt und von Gott den Siegespreis erhalten will, soll deshalb nicht verzagen, wenn er zu Fall kommt, und nicht an sich selbst verzweifeln und liegen bleiben; nein, er stehe auf und ringe von neuem und gedenke der Siegerehrung. Und bis zu seinem letzten Atemzug richte er sich von Fall zu Fall wieder auf ...
Daß wir dazu immer wieder die Kraft finden, dazu helfe uns der heilige Einsiedel Antonius mit seiner Fürsprache ... ora pro nobis!

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