Sonntag, 19. Januar 2014

Hochzeitsstimmung

Im dreifaltigen Festmysterium der Epiphanie feiert die Ekklesia nicht nur, daß uns Christus als der Kyrios offenbar wird und offenkundig als Sohn des Gottes in unsere Geschichte tritt. Die Epiphanie ist auch das Brautfest der Ekklesia mit dem himmlischen Bräutigam; dies legt uns vor allem die Antiphon zum Benedictus in den Laudes vom 6. Januar nahe:
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Hodie cælesti sponso iuncta est Ecclesia,
quoniam in Iordane lavit Christus eius crimina;
currunt cum muneribus Magi ad regales nuptias,
et ex aqua facto vino lætantur convivæ,
alleluia.

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Heute ist dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt worden,
denn im Jordan abgewaschen hat Christus ihre Sünden;
es eilen mit Geschenken die Weisen zur königlichen Hochzeit
und durch den aus Wasser gewonnenen Wein
werden die Gäste erfreut.
Alleluia.

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Schaut man genauer hin, dann legt uns die heilige Liturgie hier einen geradezu atemberaubenden Gedanken nahe: Die drei Festmysterien - die Taufe im Jordan, die Anbetung der Weisen und die Hochzeit zu Kana - erscheinen als Entfaltungen des Vermählungsaktes zwischen dem Kyrios mit seiner Braut, der Ekklesia: Um dieser Hochzeit willen hat Christus ihre Sünden abgewaschen, zu dieser Hochzeit "eilen mit Geschenken die Weisen", im Rahmen dieser Hochzeit werden die Gäste "durch den aus Wasser gewonnenen Wein" erfreut. 
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Auch wenn es für uns in der Ecclesia militans, der streitenden Ekklesia hier in diesem Aion, nicht immer deutlich wird: "Innerhalb des Kosmos", so ein Wort von Odo Casel OSB, "ist die Ekklesia die erste Blüte, um derentwillen alles andere ins Dasein gerufen wurde" - und wir wurden berufen, daran Anteil zu nehmen ...
Welche Verkehrtheit und welcher Widerspruch ist es fürwahr, daß wir aus Wein Wasser machen, obwohl doch der Herr bei der Hochzeit aus Wasser Wein gemacht hat! Dieser geheimnisvolle Vorgang muß uns doch mahnen und lehren, beim Opfer des Herrn vielmehr Wein darzubringen. Denn weil es bei den Juden an der geistlichen Gnade gefehlt hat, fehlte es auch an Wein. Der Weinberg des Herrn der himmlischen Heerscharen ist nämlich das Haus Israel. Indem aber Christus lehrte und zeigt, daß das Volk der Heiden nachfolgt und daß wir in Zukunft durch das Verdienst des Glaubens an die Stelle gelangen würden, die die Juden verloren hatten, hat er aus Wasser Wein gemacht, das heißt: er hat gezeigt, daß zu der Hochzeit Christi und der Kirche infolge des Säumens der Juden vielmehr das Volk der Heiden zusammenströmen und sich einfinden solle. Denn daß mit dem Wasser die Völker gemeint sind, das beweist die göttliche Schrift in der Offenbarung (17, 15), indem sie sagt: "Die Gewässer, die du gesehen hast, an denen jene Buhlerin sitzt, sind Völker und Scharen und Nationen der Heiden und Sprachen". (Cyprian von Karthago, Brief 63, 12).

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