Sonntag, 12. Januar 2014

Elf Fragen

Mein Lieblings-Lutheraner Wolfram hat mir (da) ein Stöckchen zugeworfen, daran elf Fragen gebunden, die zu beantworten ich mich nun ermuntert sehe. (Was protestantische Pastoren so alles wissen wollen! Und vor allem: Welche Schlüsse ziehen die da draus?) Also los ...
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1. Englischer Rasen, Obstwiese oder Gemüsebeet?
Ganz klar: Obstwiese! Scheint mir der biblischen Imagination des Garten Eden am nächsten. Den englischen Rasen haben die Menschen angelegt, um sich von den Gemüsebeeten zu erholen, die wiederum eine Folge des Sündenfalls sein dürften.
2. Wenn du für ein Vierteljahr ins Mittelalter geschickt würdest, um am Leben einer Burg teilzunehmen, für welche Rolle würdest du dich bewerben? Vom Burgherrn bis zum Latrinenknecht, alles ist möglich.
Bei Burgritterspielen nahm ich bereits in jungen Jahren die Rolle des Burgkaplans für mich in Anspruch. An eines dieser Spiele bei einem Schulausflug auf eine Burgruine kann ich mich noch gut erinnern. Ich erklärte eine Ecke mit einer Art Steintisch zur Burgkapelle und zelebrierte versus Deum. Mehr mag ich jetzt aber nicht verraten ...
3. Nicht jeder Mensch fühlt sich im Burgleben wohl. Wenn du durch die Zeit reisen könntest, welches Land zu welcher Zeit würdest du gern kennenlernen, und welche Rolle würdest du in dieser Zeit ausfüllen?
Da ich kein Abenteurer bin, aber schon immer wissen wollte, wie Freiburg vor der Zerstörung am 27. November 1944 ausgesehen hat, würde ich tatsächlich gerne in die Jahre zuvor zurückreisen, um mir etwa die zerstörte barocke Ausstattung der heute strunzhäßlichen Universitätskirche anzuschauen oder um auf der verbrannten großen Merklin-Orgel der Martinskirche zu spielen oder um meine nach dem Konzil restlos verunstaltete Pfarrkirche im Originalzustand zu erleben und Pfarrer Carl Kistner zu treffen, der ungemein viel für die Menschen hier im Stadtteil (das "rote Haslach") unternommen hat. Womöglich könnte ich zudem einen Blick in das Leben meiner Altvorderen werfen? Und meinem Vater zur Erstkommunion (das müsste so 1943/44 gewesen sein) einen Fußball schenken, der vielleicht etwas länger gehalten hätte als das offenbar schlecht verarbeitete Kriegsmodell, das er damals geschenkt bekam. In welcher Rolle? Gehen wir mal vom Burgkaplan aus ... dann also: Pfarrherr irgendwo im nahen Umland. Das schüfe auch die Gelegenheit, mir selbst eine Editio Lacensis des Missale Romanum zu beschaffen (und den Fußball, aber den brächte ich vielleicht besser aus dem Heute mit).
4. Welches Haustier teilt dein Leben?
Spinnen. Also keine, die ich extra in Terrarien halte, sondern solche, die meine Gesellschaft einfach so in Anspruch nehmen. Solange sie ein gewisses Maß nicht überschreiten. Sind sie zu groß und fett, fange ich sie ein und setze sie draußen aus. Dann gibt es noch Grusula, die Taube, die regelmäßig mit ihrem Gatten vor meinem Küchenfenster aufkreuzt. Die beiden haben zwischenzeitlich kapiert, daß sie auf dem Fensterbrett nicht gerne gesehen sind, sich aber bei der Dachrinne unterhalb des Mansardendaches aufhalten dürfen und gelegentlich sogar etwas zu fressen bekommen. Wenngleich keine Haustiere im strengen Sinn, werden sie aufgrund ihrer (hin und wieder etwas nervigen) Anhänglichkeit zwischenzeitlich dem Hausstand zugehörig gezählt.
5. Kannst du dir vorstellen, tägliche Wegstrecken mit dem Fahrrad zurückzulegen?
Ja. Schließlich habe ich mich eckig genug angestellt, bis ich Fahrrad fahren konnte. Selbst die Stützräder, die mir mein Vater an das Kinderrad montierte, waren mir suspekt. Die mithin doch erworbene Fähigkeit sollte man also eigentlich nutzen; eigentlich ... denn derzeit habe ich kein Fahrrad.
6. Wohne am Meer – oder doch lieber im Gebirge? Oder ganz woanders?
Da ich bereits für "Obstwiese" gestimmt habe, liegt mir das Gebirge näher. Am Meer finden sich wahrscheinlich eher Salzwiesen. Ergo: Gebirge passt. 
7. Und wo machst du Urlaub?
Ich war schon lang nicht mehr am Meer ... ein Globetrotter bin ich ohnehin nicht. Eine schöne Landschaft (mit Gebirge) habe ich vor der Haustür. Wenn ich (selten) verreise, dann meist im Rahmen von Städtetouren, zuletzt stand Berlin auf dem Programm. Aber das ist auch schon eine Weile her.
8. In welcher Sprache (oder welchen Sprachen) denkst du?
In den Obliegenheiten des Alltags: in Deutsch. Darüber hinaus versuche ich mit Gottes Hilfe und mehr oder minder großem Erfolg, die Sprache von 1 Kor 13,1 zu üben; oft komme ich über das Buchstabieren leider nicht hinaus. 
9. Falls du in mehreren Sprachen denkst: in welcher Sprache rechnest du?
(hoffentlich in einer, die mir im Gericht gut angerechnet wird ...)
10. Kreuzfahrtschiff mit 1000 Passagieren – oder einsame Insel?
Hängt von der Dauer der Kreuzfahrt ab ... im Zweifelsfall also eher die einsame Insel. Schon Seneca riet: Meide die Menge! 
11. Nenne eine Eigenschaft, die keinem Menschen fehlen sollte.
Die Sehnsucht nach Gott - ein Anfang ...
Nun denn, vielleicht will ja noch jemand sonst Wolframs Fragen aufgreifen ... 

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Was ist Editio Lacensis?
Ausgabe von ...? Merci!
Das Stöcken greife ich gerne auf. Mal sehen, was dabei rauskommt.

Andreas hat gesagt…

Eine sehr hochwertige und schön gestaltete Ausgabe des Missale Romanum aus der Abtei Maria Laach.

Jeistbroos hat gesagt…

nee Junge, warum sachter aber ooch nich bescheid wenn er nu nach Balin kommt??

Andreas hat gesagt…

Sagen wir so: Damals war eher der Bebelplatz Baustelle und nicht die Staatsoper, derweil ich da drin saß und Anna Netrebko die Manon sang ... also schon eine ganze längere Weile her ...
Sollte ich aber wieder mal hinfahren, würde ich mich natürlich gerne bebrausen lassen!

Eugenie Roth hat gesagt…

(((-; Soso, der Herr Pro Spree Salutis möchte mal wieder nach Berlin? Wird aber Zeit! ;-)))

Wolfram hat gesagt…

Verwechsle nicht Pfarrer und Psychoanalytiker; die Schlüsse... ergeben lediglich ein paar neue Facetten eines geschätzten Menschen.

Die Obstwiese weist nicht zwingend aufs Gebirge; Obstplantagen gibt es nicht nur auf der Reichenau, sondern beispielsweise auch im Alten Land - sehr flach und fast schon in Seewindreichweite. ;)

Andreas hat gesagt…

Die letzte wunderschöne Obstwiese, die ich gesehen habe, war halt eingebetet in die sanft geschwungene Landschaft des Schwarzwald-Vorgebirgs ... (ich habe noch überlegt, ob ich ein Bild dazu stellen sollte, nebst einem von Grusula).