Dienstag, 28. Januar 2014

Abgrenzung auf Grün

Zuweilen wähnt man, ein unholder Geist behellige den nach billiger Erholung seufzenden Leib vor der Glotze, sobald man den Finger am Abzug Pardon! an der Fernbedienung habe. Gestern Abend hatte ich alsdann unversehens die österreichische Nachrichtensendung Zeit im Bild (ZIB) auf dem Schirm und die Österreichische Grünen-Frontfrau Dr. Eva Glawischnig vor Augen. Was war passiert?
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Während des Wiener Akademikerballs am vergangenen Freitag, in dessen Rahmen rechtsorientierte Freiheitliche von der FPÖ in der Wiener Hofburg rechtsorientierte Verbindungsstudenten und rechte Freunde rechtsorientierter europäischer Rechtsparteien im rechten Walzertakt das Tanzbein rechts und links schwingen ließen, zogen linke Gegner draußen eine Art Ton-Steine-Scherben-Programm ab, schwangen Mollis und Steine und lieferten sich Scharmützel und Schlimmeres mit der Polizei, gewaltbereite und gewaltige Randale inbegriffen. Sozusagen die Erfüllung des linken Traums, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.
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Zu diesem Tanz hatten die Gegner im Internet mobilisiert - auf einer Seite, welche Ihnen von den Jungen Grünen zur Verfügung gestellt wurde und auf der dem Ball ohne Punkt und Komma "Unseren Hass den könnt ihr haben!" angekündigt wurde. Daß Jugendorganisationen gewisser Parteien vor Verstrickungen in linksradikale Zirkel nicht zurückschrecken, kennt man hierzulande hinlänglich, wobei das selbstverständlich immer irgendwie irgendetwas mit dem staatlich geförderten und gefütterten "Aufstand der Anständigen" zu tun und darum über allen Zweifel erhaben zu sein hat. 
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Angesichts der Gewaltorgie rund um die Hofburg bringt ähnlich' Techtelmechtel die österreichischen Grünen aber in die Bredouille; die Europawahl naht und Bilder roter Fahnen und aufmarschierender Antifaschisten in verwüsteten Straßenzügen kommen ungelegen - die Alten riefen die Jungen zur Ordnung, die Jungen maulten und motzen in der Tat und fügten sich in Worten und angeblich könne nun keine Rede von einer Zusammenarbeit mit gewalttätigen Linksextremisten sein und das auch künftig sicher nicht: Die Grünen haben die Demokratie gerettet. Daß sie diese vor sich selbst retten mußten, möchten sie aber nicht laut sagen müssen. Und auf der Seite der Grünen Jugend bedanken sich derweil noch immer die Organisatoren des Hasses für den "Support bei der Demo gestern Abend". Klarer kann man sich nicht abgrenzen, zweifelsohne! (nähere Angaben und Screenshots hier beim Bellfrell).
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Ehe nun Frau Dr. Glawischnig gestern Abend in der ZIB auch nur auf eine der Fragen zu all diesen Vorgängen einzugehen gewillt war, versuchte sie die Vorwürfe mittels einer Art "Heiligsprechung durch die Hintertür" zu marginalisieren: Es sei ja heute, so die Frau Doktor, der Tag der Befreiung von Auschwitz und das gelte es zu betonen und .... 
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Immerhin ließ sich der Moderator die Führung des Gesprächs nicht ganz so leicht aus der Hand nehmen. Doch trotz des Hinweises, das Gedenken werde in der ZIB noch thematisiert, ließ die Grüne nicht locker und versuchte wiederholt, den Gedenktag in den Vordergrund zu rücken, den Fragen zur eigentlichen Sache aber auszuweichen beziehungsweise die sich ergebenden Fragen zu relativieren. Es muß offenkundig eine ziemliche Zumutung sein, sich an einem solchen Tag kritischen Fragen bezüglich des Verhältnisses zwischen der - im "Kampf gegen Rechts" offenbar zu allem und allzeit bereiten - eigenen Parteijugend und linksradikalen Gewalttätern ausgesetzt zu sehen. Da hilft wohl nur noch der Griff zur Notbremse ...
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Auch eine Art, Auschwitz und die Opfer des Nationalsozialismus für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren und auszubeuten ... und die Frau Dr. Glawischnig wurde noch nicht einmal rot dabei. Bemerkenswert.