Samstag, 31. August 2013

Neben den Grünen: Grusel, Mitte Vierzig

Man sollte fair bleiben - das bislang gruseligste Wahlplakat haben nicht Die Grün_Innen auf Lager, sondern die Piraten, wenngleich ich ...
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... die anderswo (hier) bekundete Einschätzung, es rieche nach "abgestandenem Sperma", nicht teilen würde. Doch wenn wir gerade beim Thema sind: Bislang dachte ich, eine Eizelle würde nur von jeweils einer Samenzelle befruchtet, nicht von zweien. Wo aber kommen dann die zwei Väter her? Es ist schon beachtlich, wie sprachlich verludert manche Zeitgenossen daher schwafeln, die sich sonst auf ihr streng wissenschaftliches Weltbild viel einbilden. Nun ja - die Parole "Vater / Stiefvater / Kind" klänge wenig heimelig, "Elter 1 / Elter 2 / Kind" noch weniger, und weitere "Lebensmodelle" aus der soziologischen Patchwork-Geisterbahn dürften nicht viel verheißungsvoller dahertönen, würde man sie nach dem benennen, was sie eigentlich sind.
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Man achte auch auf diese entzückende Wortschöpfung "Lebensmodelle"! Das muß ja ein echt bezauberndes und menschlich nachhaltiges Miteinander sein, wenn man es hinter so einem Plastikwort versteckt! Samsung liefert den Flachbildschirm, das Auto kommt von Audi, Bauknecht schraubt den Küchenherd zusammen und Sozialingenieure das "Lebensmodell" vulgo die Beziehungskiste: Schöne neue Welt! Und wenn irgendwas eine Macke hat, dann schmeiß es weg und kauf es dir neu; Hauptsache, der Müll wird korrekt entsorgt: soviel "Verantwortung" muß schließlich sein.
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Der Rest vom Plakat ist, sit venia verbo, dann wieder Verarsche. Der steife Mittvierziger soll wahrscheinlich Seriosität vermitteln. Aber warum illustriert man ein ziemlich schwules Thema nicht in Bildern, mit denen sich die Schwulen sonst so gerne präsentieren, mit denen sie dauernd kokettieren gehen? Warum zeigt man nicht einen schrillen Paradiesvogel? Oder einen Knilch mit Hundehalsband, der auf allen Vieren von einem anderen Knilch öffentlich vorgeführt wird - ein "Lebensmodell", bei dem das Übernehmen von Verantwortung doch ganz besonders intensiv zum Ausdruck kommt, oder?
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Und wenn es schon Otto Mittvierziger sein soll ... warum muß der aussehen wie der Bonbon-Onkel vom Spielplatz? Spätestens hier ist dann doch was schief gegangen bei der Motivwahl, will ich meinen. Nebenbei: Es würde mich durchaus interessieren, ob schwule Männern in den Ländern, wo die Adoption von Kindern zwischenzeitlich freigegeben ist, eher Mädchen oder eher Jungen adoptieren ...?
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Sei's drum. Angesichts dieser Piraten-Lebensmodell-Propaganda kann ich immerhin etwas besser nachvollziehen, warum sich das Kind bei den Grün_Innen auf die Kita "freuen" könnte ...
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Freitag, 30. August 2013

Das nächste plumpe Plakat

Man sollte fair bleiben - wenn die grüne Halbspitze Katrin Göring-Eckardt über Den Kuchen neu verteilen spricht, dann ...
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... plant die oberste EKDame natürlich keineswegs, ihren Zuhörern den Anwendungshorizont zur EKDösen Familien-"Orientierungshilfe" im praktischen Beispiel zu erschließen, auch wenn ihre Ehe gerade in die Brüche gegangen ist ... wobei der nächste "Lebenspartner" bereits auf der Matte stehen soll (mutmaßlich alles irgendwie korrelativ).
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Nein! Es geht selbstverständlich ums Große und Ganze, also um irgendwas mit Gerechtigkeit: "Katrin Göring-Eckardt fordert: Eine gerechtere Gesellschaft!" Schön wär's - und noch viel schöner, würde mich die wohlfeile Parole nicht an einen fiesen Kommentar erinnern, der kürzlich im Politischen Feuilleton auf DRadio Kultur abgefunkt wurde. Sinngemäß: Gerechtigkeit zu fordern sei so ziemlich die billigste Masche, die man im Wahlkampf aufziehen könne.
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"Und Du?" Überraschung! Man mag es kaum glauben, aber eine gerechtere Gesellschaft fordere ich auch. Aber sicher nicht das, was sich die Die Grün_Innen dabei so vorstellen ...

Mittwoch, 28. August 2013

Zwei Fragen nur zum Fest

der hl. Augustinus - Pfarr- und Wallfahrtskirche
Unserer Lieben Frau zu Ehrenkirchen-Kirchhofen
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Zwei Fragen nur, die sich der hl. Augustinus eingangs in den Confessiones stellt ... Er hat sie für sich und uns in einem Gesamtwerk zu beantworten versucht, das uns Staunen läßt. Aber so imposant die Antworten auch ausfallen und so sehr wir von den Schriften dieses Heiligen uns befruchten lassen können, die beiden Fragen müssen wir, denke ich, immer wieder selbst für uns zu beantworten suchen:
Gott, was bist du mir?
Gott, was bin ich dir, daß du von mir geliebt zu werden verlangst?
Der hl. Augustinus wache, daß unser Herz von dieser Frage ruhelos brenne - bis es seine Ruhe finde und endgültige Antwort in Gott: Ora pro nobis.

Dienstag, 27. August 2013

Mosoch und Cedar

Auf einem der vielen Schlachtfelder der Lebens - Detail vom
Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof von Beitnau im Schwarzwald
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Vor Anfechtungen ist man nirgends sicher. Jüngst betete ich die Vesper, als mich plötzlich einige Gedanken überfielen ... Warum mache ich das eigentlich? Was soll das bringen? Ist das nicht alles Humbug? Selbsttäuschung? Soll es wirklich ein Gegenüber geben, das sich von diesem Blabla angesprochen fühlt? Zielt nicht alles in Leere? Und so weiter. Einflüsterungen, mit denen man sich hin und wieder herumschlagen muß; manchmal halten sie sich eher leise im Hintergrund, diesmal aber bekam ich eine geballte Ladung ins Ohr geblasen.
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Schön wäre es, hätte ich ein Plan parat, wie man solcher Augenblicke Herr wird. Doch da ist bereits der erste Haken dran: Aus eigener Kraft geht da wenig. Hätten so viele unzählige Martyrer so viele unzählige Qualen erdulden können, ganz aus sich allein heraus und ohne zu wanken, ohne zu fallen? Sicher nicht - es hat schon seinen Grund, warum uns manches Zeugnis des Blutes übermenschlich scheint. 
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Ich will hier nicht die Teufeleien des Zweifels auf eine Stufe stellen mit dem Zeugnis, das die Martyrer ablegten. Aber in beiden Fällen können nicht wir die Fäden ziehen, sind nicht wir die Herren der Herausforderungen, sondern wir sind auf die Hilfe eines ganz anderen Herrn angewiesen: des Kyrios Jesus Christus.
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Zur Hilfe kam er mir durch einen Psalm der Gebetshore, der die aktuelle Stimmungslage auf- und abfing. Es war Psalm 119:
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Zum Herrn rief ich, als ich gedroschen ward,
und er erhörte mich.
Rette, Herr, meine Seele vor falscher Lippe,
vor trügerischer Zunge!
Was soll ich dir antun, was dir zufügen,
trügerische Zunge?
Geschärfte Pfeile des Kriegers
und glühende Ginsterkohlen!
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Wehe mir, der ich in Mosoch weile
und wohne in den Zelten von Cedar!
Zu lange schon haust meine Seele mit denen,
die den Frieden hassen,
denn wenn ich vom Frieden rede,
so rüsten sie zum Krieg.
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Mit einem Mal schien mir der Glaube weit weniger unwirtlich als der Alltag, der mich umgab: Mosoch ... Cedar ... später habe ich in einem Kommentar nachgeblättert, was hinter diesen Namen stecke? Orte der Verbannung, Orte, in denen man sich nicht beheimaten kann: Wild die Moscher zwischen dem Schwarzem und dem Kaspischem Meer, wüst die Gefilde der Nachkommen Ismaels in Cedar, feindlich die einen wie die anderen.
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Damit sei nicht der Weltverdrossenheit das Wort geredet. Aber es gibt vieles um uns herum und an uns selbst, was nicht so ist, wie es sein sollte. Und manchmal stürmt dies geradezu feindlich auf uns ein, wendet sich gegen uns selbst: Mosoch und Cedar.
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Zum Herrn rief ich, als ich gedroschen ward,
und er erhörte mich ...

Sagenhaft!

Die Sühnekreuze (hier) zu Kiechlinsbergen ließen mich nach einem Buch fahnden, welches ich in jungen Jahren schier verschlungen hatte. Heute war's in der Post; der Preis (5 Euro) scheint gut investiert, zumal es unzählige Ausflugstipps enthält, wie zum Beispiel am Mummelsee Drachen (leider schon tot) besuchen - bisher dachte ich, dort wohnten nur die üblichen Seegeister (vgl. hier) ...
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Montag, 26. August 2013

Standpunkte statt Blog?

Traditionsfrohe Katholiken springen aktuell in jenem Maß genervt auf das Wort "Dialog" an, wie sie sonst freudig die Lehre der Kirche bekennen. "Dialog" ist verbrannte Erde. Ludwig Ring-Eifel von der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) will uns dieses Ödland im jüngsten und bekundet letzten Beitrag auf dem blog von katholisch.de womöglich dennoch schmackhaft machen, indem er die Kuh vom Eis holt. Oder benennt er sie nur um? "Wir sollten mehr Debatte wagen! Es lohnt sich", so der Journalist (hier).
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Worum gehts? Die Macher von katholisch.de ersetzen den bisherigen blog durch eine neue Rubrik Standpunkte, die ab kommender Woche für größere Meinungsvielfalt sorgen soll als der bislang auf einige schier handverlesene Zuträger beschränkte blog . Überdies will man sich eine Scheibe von der angelsächsischen Debattenkultur abschneiden zum Nutz und Frommen aller - derer, die ihren Standpunkt darlegen und derer, die ihn sich zu Gemüte führen. Ein "ehrliches verbales Werben", so Ring-Eifel, "um Zustimmung für den je eigenen Standpunkt" soll "einem wechselseitigen Sich-Belauern der unterschiedlichen Lager" Abhilfe schaffen, "seien es nun liberale oder konservative" Lager, die sich im Visier haben.
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Das ist gut und schön. Der konservative Katholik sollte diesem mit Engelszungen vorgetragenen Ansinnen aber nicht zu rasch auf den Leim gehen. Um es deutlich zu sagen: Es gibt Fakten, die nicht verhandelbar sind, die sich nicht in der Dialog-Mühle zermahlen lassen und die nicht einfach per Debatte in Frage gestellt werden können! Sie sind nicht der Ort, um sich in angelsächsischer Beredsamkeit zu üben, nicht im Spiel und im Ernstfall schon garnicht.
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Um es an einem aktuell virulenten Dauerbrenner reformtoller Kreise dingfest zu machen: Eine Positionierung gegen die Weihe von Frauen zu Priestern ist nicht einfach ein "point of view", auch wenn sich Ring-Eifel von einer damit verbundenen Selbstrelativierung der einzelnen Meinungen einen netteren Umgang in der Kirche versprechen mag - in der derselben Kirche, wohlgemerkt, in der diese Frage ein für allemal beantwortet worden ist. Und in derselben Kirche, in der man zehn Pferde darauf wetten kann, daß dieser Punkt trotzdem von den Reformtruppen angeschleppt werden wird. Wir dürfen gespannt sein, wie lange es dauert, bis das Thema die neuen Standpunkt-Rubrik erreicht ...
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Man merkt: Das neue Konzept überzeugt mich nicht so ganz. Nicht, daß ich es fürchten müßte. Aber da ist noch eine andere Sache, die man stets im Auge behalten sollte, wenn man mit dieser einen gewissen Gegenseite redet. Diese hat sich nämlich manch Talent auf der Klaviatur diverser Sozialwissenschaften angeeignet. Wo es dienlich ist, werden die entsprechenden Töne auch gerne angeschlagen - wird hermeneutisch getrickst, semantisch hin- und hergebogen, sophistisch ausgeholt und obendrein ein gutes Stück psychologisiert, gelegentlich auch pathologisiert. Rasch rennen konservative Katholiken ihrem Gegenüber unvorsichtig ins Messer. Man wird sehen, was dran sein wird am "Kampf um die Köpfe mit offenem Visier", den Ring-Eifel postuliert.
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Natürlich ahnt der KNA-Chef, daß sich die konservativ gefestigte Seite nicht so einfach auf den Relativismus des liberalen Lagers einlassen will und ruft dazu auf, zu "lernen, mehr zu trennen zwischen Fragen des Dogmas und Fragen der kirchlichen Ordnung, zwischen Wahrheit und Klugheit, zwischen Theologie und Kirchenpolitik".
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Ob die neue Rubrik bei katholisch.de im Vorfeld schon die Punkte so trennt, daß keine Mißverständnisse auftreten, etwa bei Fragen des Dogmas und Fragen der kirchlichen Ordnung? Ich bin gespannt.
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Sollte diese neue Rubrik Standpunkte die nötige Trennschärfe nicht aufweisen, so steht jedenfalls die Frage im Raum, ob es angelegen sein kann, die Lehre der Kirche in einem - ja immerhin offiziell kirchlichen! - Forum auszubreiten, in welchem eben diese Lehre zumindest qua Konzept als Verhandlungsmasse präsentiert wird.

Sonntag, 25. August 2013

¶ Sententiæ XXXVIII

Wir müßten uns nach einem Sonntag fragen: Bin ich mir der Herrlichkeit in Jesus Christus bewußt geworden? (...) Jeder Sonntag weist zurück auf die Auferstehung des Herrn und weist voraus auf das Kommen des Herrn. (...) Herrentag ist erst dann, wenn das Bewußtsein unserer Herrlichkeit in Christus, die Sehnsucht nach der Vollendung und Offenbarung dieser Herrlichkeit in uns lebendig wird (Johannes Pinsk).

Das BamS!

Heute als kleiner Nachtrag zum gestrigen Fest des hl. Bartholomäus, dessen Fürsprache uns in diesen Zeiten eine dicke Haut verschaffe. Der Hochaltar der Kirche St. Bartholomäus im badischen Ettenheim und den Schluß der fünften Lesung aus den Metten im Breviarium Romanum zum Fest dieses Apostels:
... Sie hetzten Astyages, den Bruder des Königs Polymius, so gegen den Apostel auf, daß dieser in grausamer Weise Bartholomäus bei lebendigem Leibe die Haut abziehen und ihn enthaupten ließ. Bei diesem Martyrium gab er Gott seine Seele zurück.

Samstag, 24. August 2013

Zu Ida Friederike Görres

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Wie schon gesagt, (be-) suchte ich gestern das Grab der katholischen Publizistin Ida Friederike Görres auf dem Freiburger Bergäcker-Friedhof (bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens auch das Grab von Gustav Siewerth gesichtet). Die ganze Sache hatte Elsa, genau genommen, nicht erst hier angekurbelt (nun auch hier), sondern bereits durch ihren Artikel im Vatican magazin vom Mai dieses Jahres (S. 60 f.) sozusagen vorbereitet, in welchem sie im Rahmen der Reihe "Geistliche Paare" über die Korrespondenz zwischen der Grande Dame des deutschen Katholizismus und dem damaligen Tübinger Theologen Joseph Ratzinger schrieb. Dieser Beitrag nun half mir von einem gewissen Vorbehalt, den ich zuvor gegen die Görres hegte, die mir - ein ohnehin recht verengter Blickwinkel - zu sehr ein Kind der Konzilszeit zu sein schien mit all der damit verbundenen Aufbruchs-Empathie, die uns heute so oft fad und fragwürdig ankommt. Nun aber las ich bei Elsa:
Das Zweite Vatikanische Konzil machte sie zunächst - wie viele - äußerst hoffnungsfroh und erwartungsvoll. Doch wenige Jahre später stellte sie in einem Aufsatz mit dem gleichnamigen Titel ernüchtert fest, dass ein "Abbruchkommando in der Kirche" am Werke sei: "Das Konzil war große, verheißungsvolle Aussaat - jetzt sehen wir viel Bestürzendes aufwachsen, Giftiges, das die erste Frucht zu ersticken droht".
Bemerkenswert auch die Würdigung, die Joseph Ratzinger nach ihrem Tod entfaltete. Wieder aus dem Artikel von Elsa:
In seiner Gedenkrede beim Requiem für Ida Friederike Görres im Freiburger Münster am 19. Mai 1971 stellte Ratzinger (...) die Frage, ob es möglich sei, in dieser schweren Stunde zu danken, weil uns "mitten in der Wüste von Konformismus und verlegenem Schweigen eine Stimme genommen worden ist, die in dieser Situation der Kirche unersetzlich scheint?" Ausführlich zitiert er zu diesem Anlass aus ihrem kurz zuvor erschienenen Buch "Im Winter wächst das Brot", würdigt ihre tiefe Gläubigkeit, aber auch ihr Fragen und Ringen um die Wirklichkeit der Kirche, das vielleicht in nicht wenigen Teilen sogar seinem eigenen ähnlich war. (...) Die Rede schließt: "Wir können danken - zutiefst weil wir wissen, dass sie uns gar nicht genommen ist, nur gleichsam ihre Stelle gewechselt hat in der Communio sanctorum, in jener alle Zeiten umspannenden und über alle Grenzen hinweg lebendigen Kirche, an die sie geglaubt und für die sie gelebt hat".
Der Grabstein von Ida Friederike Görres zeigt einen Engel mit einem Schwert in der Hand, womöglich der hl. Erzenegel Michael, darüber der alte Sinnspruch Cave Adsum - "Hüte dich! Ich bin hier". Es wäre interessant zu wissen, ob diese Gestaltung im Leben der Görres irgendwo konkret rückgebunden ist oder was die Nachgeborenen zu diesem Stein bewogen haben mag. Ich fand mich an das responsoriale Offertorium der Totenmesse (Domine Jesu Christe) erinnert, das leider nach dem Konzil entsorgt wurde. Nachdem zuerst in manigfachen und mächtigen Bildern die Gefährdungen imaginiert werden, die der Seele des Verstorbenen drohen und vor denen der "König der Herrlichkeit" sie bewahre, heißt es über die Seele:
Nun aber geleite sie dein Bannerherr, der heilige Michael, und stelle sie in das heilige Licht!
"Hüte dich! Ich bin hier" - eine Warnung, die uns Verheißung ist.
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Himbeer-Brombeer *reinleg*

Ich oute mich mal als Neo-Partiell-Öko-ohne-Veggieday ... den Aufstrich habe ich heute Morgen auf dem Bauernmarkt beim Weckleholen gekauft, perfekt süß-sauer-fruchtig! Und bei der Milch geht die Tendenz zur lokalen Frischmilch von Demeter - die hält zwar nur wenige Tage und nicht vier Wochen, schmeckt aber wie Milch früher eben so schmeckte.
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Kleines fieses Update: Die Demeter-Milch habe ich bisher nur in den Alnatura-Märkten gefunden. Einige Beobachtungen dort lassen als einen ersten Schluß zu, daß deren Kunden mitunter (ab-) gehoben anstrengend sein könnten ... ;-)
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Freitag, 23. August 2013

Gang über den Bergäcker

Ein Ansinnen von Elsa, das ich mir zu eigen gemacht hatte (hier), ließ das Wochenende auf dem Freiburger Bergäcker-Friedhof beginnen, wo ich ein kleines Rosenstöcklein auf das Grab von Ida Friederike Görres gesetzt habe. Bei dieser Gelegenheit habe ich noch einige andere Eindrücke eingefangen ...
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Donnerstag, 22. August 2013

Wie lange, Herr ...?

Fortitudo - Starkmut: Detail der allegorischen Darstellung der vier
Kardinaltugenden im Sitzungssaal des Erzbischöflichen
Ordinariates Freiburg
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Leider bin ich zu spät nach Hause gekommen, um heute endlich noch ein Geläute zum Gedächtnis unserer so schwer angefochtenen Schwestern und Brüder in Ägypten einzubauen; wie bei so vielen anderen Mitchristen - nicht zuletzt die Blogozese zeugt davon - wandern aber in diesen Tagen die Gedanken immer wieder zu Papst Tawadros II. und seiner Herde und natürlich auch zu den anderen Christen verschiedenster Bekenntnisse - nicht zuletzt zu jenen, die uns in der Einheit mit dem Stuhl des Petrus ganz besonders verbunden sind. 
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Leider sind es oft die schlechten Nachrichten, welche die Gedanken wandern lassen: Hier wieder gepeinigte und getötete Christen, dort wieder niedergebrannte Kirchen ... und hinter all dem diese "Religion des Friedens", deren Vertreter sich zumeist nicht in der Lage sehen, dem Treiben der "Muslimbrüder" Einhalt zu gebieten oder zumindest eine deutliche und glaubhafte Geste des Bedauerns zuwege zu bringen. 
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In der Komplet vom Dienstag findet sich Psalm 12 - in dieser Woche war das für mich der Hilferuf der äyptischen Christenheit und das Gebet für unsere Schwestern und Brüder:
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Wie lange, Herr?
Willst du mich ganz und gar vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz noch vor mir?
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Wie lange soll ich Schmerzen tragen in meiner Seele,
Trauer in meinem Herzen, Tag um Tag?
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Wie lange darf mein Feind sich über mich erheben?
Schau her! Erhöre mich, Herr, mein Gott!
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Mach hell meine Augen,
damit ich nicht im Tod entschlafe,
damit nicht mein Feind sich rühmt:
"Bezwungen habe ich ihn",
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damit nicht meine Gegner jubeln, weil ich gestürzt ...
derweil ich auf dein Erbarmen doch mein Hoffen setzte.
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Jubeln möchte mein Herz über deine Hilfe,
singen wollte ich dem Herrn, 
der mir Gutes zuteil werden ließ.

Dienstag, 20. August 2013

Nur meckern gilt nicht

Adobe-Einband, Dünndruck-Einlauf, Karikatöse Reinfälle - das neue Gotteslob ist zwar noch nicht in den Läden, wirft aber schon Probleme auf. Da lobe ich mir heute in Sachen Stimmungsmache Beiboot Petri (hier), auch wenn ich deren Freude über die Deutsche-"Schubert"-Messe nur mit einigen Abstrichen teile (das wird schon seinen tieferen Sinn haben, warum das Ding mit den Worten "Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken" anhebt).
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Aber nehmen wir den Faden auf ... so freue ich mich auf das neue Buch, weil dann eine deutsche Version des folgenden Liedes enthalten sein wird. Hier das englische Original ...

Montag, 19. August 2013

Feierabendromantik im Industriegebiet

Denk- und merkwürdige Angebote

Manchmal hängen seltsame Sachen in der Landschaft herum ... zum Beispiel diese höchst beredte Werbung für ein Buch, das mein Leben radikal auf den Kopf stellen soll und mit dem ich obendrein mehrere Oscars gewinnen könnte, entschlösse ich mich denn, es zu verfilmen:
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Einige Tage später kamen mir die folgenden kryptischen Hinweise bezüglich gewisser Irregularitäten am Freiburger Amtsgericht unter die Augen ... keine Ahnung, um was es in der Grauzone von Legalität und Recht genau geht, aber wußten wir es nicht schon immer?
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Ich muß zugeben: Treten solche Aushänge gehäuft auf, dann könnte das auf höchst überraschende Ereignisse in naher Zukunft deuten. Ich sage nur ... Nostradamus geht um. Und die Außerirdischen. 9/11 rückt näher. Claudia Roth. Das Monster von Loch Ness. Und dergleichen mehr. So gesehen ist es höchst beruhigend, auch auf normale Angebote zu stoßen:
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Nett, daß der potentielle Vermieter gleich Alter samt Körperdaten rausrückt und bis 24 Uhr erreichbar ist. Wahrscheinlich können potentielle weibliche Mitbewohnerinnen selbst zur Geisterstunde noch zu einer Beschau vorbeikommen und sich von der Naturverbundenheit des Anwesens Anbieters überzeugen. Der Mietzins scheint mir - angesichts der nicht geraden zentralen Stadtlage - jedoch überraschend üppig; dürfte aber, wenn hinreichend Bereitschaft vorhanden ist, sich locker zu machen, mutmaßlich verhandelbar sein ...

Sonntag, 18. August 2013

Communio

Der Getaufte ist ein geheiligter Tempel, eine Stätte des liturgischen Opfers: "Heilig ist der Tempel Gottes, und der seid ihr" (1 Kor 3, 17). In diesem Tempel schlägt der allmächtige, der dreifaltige Gott seinen Wohnsitz auf: "Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen" (Joh 14, 23). Und die Kommunion bringt das Opfer, das geschlachtete Lamm, das sich von neuem opfert und mit seinem Opfer das Opfer der Seele vereinigen will, die kommuniziert. "Die christliche Seele", sagt Origenes, "ist ein ständiger Altar, wo sich das Opfer Tag und Nacht fortsetzt" ... Die Kommunion setzt die Seele instand, in ihrem Heiligtum das Opfer der triumphierenden und streitenden Kirche zu feiern: dasselbe Opfer bietet sich in ihr demselben Gott in derselben Lobpreisung dar.
M. Vincent Bernadot: Eucharistiebüchlein. München 1927. S. 205 f.

Das BamS!

Ein Schnappschuss, heute rasch an der Basler Mustermesse getan - und dazu einige kryptische Verse aus dem Buch Ezechiel (4, 2 f.) ...
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Mach einen Wall um sie!
Bau einen Turm dawider!
Schütt einen Damm dagegen
und stell dawider Heere!
Laß ringsum Sturmböcke angreifen!
Dann hol dir eine Eisenpfanne,
stell sie als Eisenwand
so zwischen dich und diese Stadt
und richt genau dein Antitz gegen sie,
als wär sie in Belagerung
und du wärst ihr Belagerer!
Ein Zeichen sei dies für das Haus Israel!
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Freitag, 16. August 2013

Vorvater im Glauben

Der hl. Joachim ad thronum gratiæ - Marienaltar
der Kirche St. Johannes Baptist, Forchheim
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Wie lebendig und aktuell die Gebete des Alten Bundes auch für uns sind, ist mir heute während der Vesper vom Fest des heiligen Joachim wieder besonders bewußt geworden; höchst treffend charakterisieren Worte aus dem 111. Psalm diesen Vorvater im Glauben - und zugleich schauen wir die Erfüllung seiner Berufung in der Ekklesia:
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Selig der Mann, der fürchtet den Herrn,
sich ehrlich freut an seinen Geboten.
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Mächtig auf Erden werden seine Nachkommen sein,
gesegnet das Geschlecht der Rechtschaffenen.
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Vermögen und Reichtum füllen sein Haus,
ewig wird währen seine Freigiebigkeit.
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Im Dunkel erstrahlt er als Licht den Redlichen,
gnädig, barmherzig, gerecht.
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Dazu die Antiphon, die heute dem Benedictus in den Laudes und dem Magnificat der Vesper gemeinsam ist:
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Laßt uns loben 
den glorreichen Mann in seinem Geschlecht,
denn den Segen aller Völker vertaute ihm der Herr an
und über dessen Haupt
hat er bestätigt seinen Bund.

Grüße aus Yach

... nebst den Grüßen dient dieser Eintrag vor allem dem Test der Blogger-App ... im Bild: die Heilige Familie vom Seitenaltar der Pfarrkirche.

Donnerstag, 15. August 2013

Aufnahme

Unsere Liebe Frau - Figur einer ehem.
Kreuzigungsgruppe in der Pfarrkirche
St. Johannes Baptist, Forchheim
In der Pfarrkirche von Forchheim fiel mir vor einigen Tagen die nebenstehende Darstellung Mariens auf. Die Haltung (und ein am Pfeiler gegenüber aufgestellter Johannes gleicher Provenienz) weisen diese Figur als Bestandteil einer Kreuzigungsgruppe aus. Was fehlte, war der Crucifixus - zumindest der passende. 
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Man könnte nun die beiden Bildwerke auf das Kreuz über dem Chorbogen beziehen oder auf den Altar als Ort des eucharistischen Mysteriums; sieht man aber davon ab, schaut man die Darstellung isoliert, so scheint mir deren Pathos deutungsoffen und wir könnten in dieser Madonna, die wir noch gerade als die schmerzensreiche Mutter, als Mater Dolorosa identifiziert haben, ebenso gut die beatissima Virgo, die seligste Jungfrau erkennen, wie sie etwa, das Evangelium der heutigen Festmesse weiß davon, das Magnificat anstimmt: Meine Seele preist die Größe des Herrn! Mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes ... Großes hat mir getan der Allmächtige!
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Maria ist dabei ganz die Empfangende, was uns auch die ausgestreckten und geöffneten Hände dieser Virgo Mater bedeuten können. Wenn wir heute von der assumptio Mariens sprechen, von der Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit, die der Mutter des Herrn zuteil geworden ist, dann schwingt darin auch das vorgängig liegende Verb assumere in seiner grundlegenden aktiven Bedeutung "aufnehmen / annehmen" mit. 
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Maria hat den Ruf Gottes, den Logos aufgenommen, hat Gottes Sohn getragen und geboren und dessen Leben geteilt bis unter das Kreuz, wo er, der Kyrios, den Tod auf sich genommen hat. Odo Casel OSB hat im Blick auf die Assumptio Mariæ einmal darauf hingewiesen, daß etwa in einer frühen Leidensankündigung bei Lukas ebenfalls von "Aufnahme" die Rede ist: dum complerentur dies assumptionis eius ... "während der Tag seiner Aufnahme herannahte" (Lk 9, 51). Sterben heißt Auf- und Entgegennehmen - für uns quasi die letzte assumptio unsererseits, damit Gott an uns sein Heilswerk vollende. Auch Maria wird ihren Tod aus der Hand Gottes aufgenommen haben: um darin mit ihrem Sohn vereint zu sein! Denn ihr Tod war nicht, wie bei uns, Folge der Sünde, sondern letztes Zeichen der bedingungs- wie makellosen Liebe der Mutter zu ihrem Sohn und der Endpunkt jenes schmerzhaften Weges, der unter dem Kreuz zum Höhepunkt der Bitterkeit führte. Ihr geheiligter Leib aber wurde, wie zum Beispiel der hl. Johannes von Damaskus betont, nicht der Verwesung als einer natürlichen Folge des Todes - und damit als einer übernatürlichen Folge der Sünde - anheim gegeben.
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Gott seinerseits hat das Leben dieser Mater Virgo voll und ganz angenommen - und in dieser Annahme hat er sie voll und ganz in seine Herrlichkeit aufgenommen, mit Leib und Seele: gaudent Angeli, laudantes benedicunt Dominum.

Devotio im Einzelhandel (mit Werbung!)

Inhabergeführte Fachgeschäfte sind auch in Freiburgs Mitte seit Jahren auf dem Rückzug - aktuell machen sich bei Leerstand vor allem Modeketten oder Showrooms diverser Marken breit, was im Vergleich zur vorgängigen Inflation der Mobilfunkgeschäfte fast schon begrüßenswert scheint - ganz zu schweigen von den Ein-Euro-Läden, die eine Weile lang auch an jeder Ecke zu eröffnen schienen. Um der zeitweiligen Spielhallenflut Einhalt zu Gebieten, hat die Stadt die Baubauungspläne für Freiburgs gute Stube fies modifiziert.
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Bis vor zwei, drei Jahren gab es noch ein Geschäft, dessen Schwerpunkt auf Haushalts-Tuchwaren lag - seit 1492! Da blutet schon ein wenig das Herz, wenn sowas von der Bildfläche verschwindet. Der Abgang mitunter alteingesessener Familienbetriebe hat aber auch praktische Folgen - immer weniger Geschäfte, deren Zentralen über ihre eigene Corporate Identity nicht rausschauen können, beteiligen sich etwa noch an der Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung. Und auch das Schmücken an kirchlichen Feiertagen wie Fronleichnam oder Mariä Himmelfahrt (immerhin Münster-Patrozinium) läßt immer mehr nach.
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Umso erfreuter war ich, als mir heute das unter die Augen kam:
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Sollte ich mir mal eine Rolex (oder eine der anderen Edeluhren, die da in der Auslage ruhen) zulegen können, dann kaufe ich sie bei Juwelier Kühn auf der Kaiserstraße!

Mutter des Lebens

Unserer Lieben Frau Aufnahme in den Himmel - Münster
St. Jakobus, Neustadt im Schwarzwald
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Die Gottesgebärerin,
die als Fürbitterin nicht entschlafen kann,
und die Hoffnung,
die aus ihrem Amt als Schirmherrin nicht auswandert,
sind von Grab und Tod nicht besiegt worden.
Da sie des Lebens Mutter ist,
hat der sie zum Leben hinübergeführt,
der ihren immerjungfräulichen Schoß zur Wohnung hatte.
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Ostkirchliches Kontakion (Hymnus zum Fest) für das hohe Fest der Entschlafung Mariens am 15. August.

Mittwoch, 14. August 2013

Kreuz and Crime

Heute kam ich in Kiechlinsbergen, einem Dorf im Kaiserstuhl, an gleich drei Sühnekreuzen vorbei. 
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Sühnekreuze in Kiechlinsbergen
Es war - zum Glück - am hellichten Tag. Nachts aber muß man sich hüten, wenn man an diesen uralten Kreuzen vorübergeht, die von unsäglichen Verbrechen zeugen, die vor langer Zeit geschahen. Weh dem, der dann nicht selbst ein Kreuz schlägt und für die ruhelose Seele betet, die im Finstern am alten Stein seufzt - sei es nun die Seele eines Gemeuchelten, der ohne den Losspruch des Priesters starb und plötzlich neben einem schreitet, sei es nun die Seele seines Mörders, die seither am Kreuz umgeht und den Wanderer als Irrlicht mit ins Verderben zu reißen sucht.
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Genug gespukt. Früher haben mich solche Sagen ungemein fasziniert, vor allem, nachdem mir ... wie alt war ich da, 12 Lenze? ... der "Regional-Klassiker" Schwarzwald-Sagen von Johannes Künzig in die Hände gefallen war; doch zurück zu den Sühnekreuzen von Kiechlinsbergen.
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Tote gab's tatsächlich in deren Vorfeld. Sühnekreuze zählen zu den mittelalterlichen Rechtsdenkmälern und wurden seitens eines Täters in Absprache mit den Hinterbliebenen eines Opfers zur Wiedergutmachung gesetzt - in der Regel war all dem ein Totschlag im Affekt oder im Rahmen einer Fehde vorangegangen; gemeiner Mord hatte hingegen die Todesstrafe zur  Das Kreuz selbst sollte die Vorübergehenden zum Gebet für das Opfer und dessen Seelenheil ermuntern. Gegebenenfalls hatte der Täter auch eine Meßstiftung zu fianzieren oder unternahm eine Wallfahrt. Die unter Kaiser Karl V. erlassene Halsgerichtsordnung setzte ab 1533 diesen privaten Absprachen weitestgehend ein Ende.
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Die Kreuze selbst sind in der Regel niedrig und robust behauen. Fehlstellen rühren nicht nur von Verwitterung und Alter her, sondern auch von der Annahme, daß der "Kreuzstaub" hilfreich gegen allerhand Zauber sei; bei Bedarf wurde er von manch Altvorderen den Kreuzen abgeschabt. Einziger Schmuck sind mitunter eingemeißelte Symbole, die auf die Tatwaffe oder den Beruf des Opfers schließen lassen. Bei einem der Kiechlinsberger Sühnekreuzen ist ein Rebmesser zu erkennen, bei einem weiteren eine Rebschere - wahrscheinlich war das jeweilige Opfer ein Weinbauer.

Dienstag, 13. August 2013

Schmucke Neoromanik auf dem Land

Hin und wieder bin ich überrascht, auf was für Schmuckstücke man in der Kategorie "Landpfarrkirchen" stoßen kann - wie heute etwa mit Blick auf St. Johannes Baptist im badischen Forchheim. 
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Gediegene Neoromanik der Jahre 1906/1907 mit einem etwas gedrungenen Turm aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Architekt war Raimund Jeblinger, damals Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes, der kurz zuvor das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg (vgl. hier) und bald danach meine Pfarrkirche errichtete. Während letzteres Gotteshaus erst in den 1950er-Jahren (natürlich deutlich abweichend vom historistischen Konzept) auf die ursprünglich geplante Größe erweitert und bald nach dem Konzil tiefgreifend verwüstet wurde, zeigt sich die Forchheimer Pfarrkirche annähernd im Urzustand - sieht man von den nachkonziliaren Einbauten einmal ab, in deren Zuge Kommunionsbank und Kanzel verschwunden sein dürften. Von den farbigen Motivfenstern haben sich durch Kriegseinwirkung leider nur vier erhalten, so daß die Kirche heute heller wirkt als zur Zeit ihrer Entstehung ...
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Bemerkenswert ist auch die Orgel - sie wurde 1891 von der englischen Orgelbaufirma Forster & Andrews für eine zwischenzeitlich aufgelassene schottische Kirche gebaut und kam mit ihren 19 Registern vor zwei Jahren nach Forchheim. Da die Kirche - vor allem durch den geraden Chorabschluß - ohnehin etwas "britisch" anmutet, fügt sich das Instrument wunderbar in den Raum ein.
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Un'eco dal mondo cieco ...

Verweilen wir, obwohl's nicht wirklich schön ist, noch ein wenig bei der Werbung zu Wahl. Warum nur mußte ich angesichts dieses Plakats ...
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... sofort an die Oper Mefistofele von Arrigo Boito denken? Also noch nicht einmal vornweg an unser aller Goethe samt Faust oder gar das Puppenspiel vom Doktor Faust oder meinethalben an Gounods Margarethe, sondern gleich an diesen nun doch recht abgelegenen (wenngleich hörenswerten) italienischen Aufguß Mefistofele ...?!?
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Ob das was mit den Seifenopern zu tun hat, die die Sozen regelmäßig abnudeln? Welche Rolle mag unbewußt die Toskana-Fraktion gespielt haben? Keine Ahnung ... fest steht aber, daß der gepflegte Tradi besonders auf den Prolog ("im Himmel") dieser Oper abfährt. Hymnisch wird auch die Himmelkönigin gegrüßt, der Chor der Büßer darf einige Verslein besteuern und singt irgendwas über ...
un'eco dal mondo cieco
... also von einem "Widerhall der blinden Welt". Soll nun jeder selbst entscheiden, was das nun wieder mit der anstehenden Wahl im Allgemeinen und den Sozen im Besonderen zu tun haben mag ...
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PS Aus der Scala gibts diese Passage hier - am Anfang ist das Szenario vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber im letzten Drittel kann auch der Tradi mit Rumhimmeln anfangen ...

Montag, 12. August 2013

Grüner Kindesmißbrauch mal anders

Jetzt hängen sie wieder an den Laternen: unsere Politiker. Ich kann mir nicht helfen, aber von Wahl zu Wahl kommt mir dieser Zirkus fratzenhafter vor - diese Inszenierungen von Freundlichkeit, Verlässlichkeit, Seriosität, Ehrlichkeit ... all diese Abziehbilder eben, die jetzt wieder um Stimmen buhlen. Vertreten fühle ich mich von keiner dieser Gestalten. Was mir wichtig ist, hat selbst die Union längst entrümpelt (und dabei die Dreistigkeit besessen, dies anfangs auch noch als "geistig-moralische Wende" zu verkaufen), von den weiteren linksgrünliberalen Pappkameraden ganz zu schweigen.
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Und dann kommt mir auch noch das unter die Augen ...
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Auch eine Art von Kindesmißbrauch - und das nicht nur, weil einem die Kleine leid tun kann, für so einen Schwachsinn Modell stehen zu müssen und dabei so ins Bild gerückt zu werden. Es lohnt sich aber, die Ikonographie dieses Plakates näher unter die Lupe zu nehmen.
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Diese ist erstens verlogen. Ehrlich wäre, einen Säugling abzubilden. Das offenkundig bereits sehr selbstbewußt auftretende Mädchen würde man hingegen in einem der traditionell üblichen Kindergärten verorten. Jetzt stelle man sich aber einen Säugling vor und dazu das Motto "Hello Kita" - man ahnt, warum man das dann doch nicht ins Bild setzen würde. Denn so rasch konnten auch die Grünen die tief verwurzelte Empfindung, daß ein Kleinkind zu seiner Mutter gehöre, nicht um- und wegerziehen.
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Das Plakat verrät auch, wie sich die Grünen Kinder offenbar vorstellen: Als kleine individuelle, selbstbewußte und quasi autonome Persönlichkeiten. Mimik und Körperhaltung des Mädchens wirken auf den Betrachter renitent herausfordernd, die Kameraperspektive unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich. Nun ist zuerst einmal nichts gegen individuelle, selbstbewußte und quasi autonome Kinder einzuwenden; alle drei Aspekte spielen eine Rolle in der Heranbildung einer in sich runden Persönlichkeit - solange man diese Werte nicht absolut setzt. Vier Jahrzehnte alternativer Experimentalpädagogik lassen freilich nichts Gutes ahnen. Wem das als Argument noch nicht reicht, der werfe einen Blick auf die Grüne Jugend und die dort immer wieder grassierenden (prä-) faschistoiden Einstellungen.
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Das Motiv birgt aber auch ein Defizit, das Grund genug wäre, die verantwortliche Werbeagentur in die Wüste zu schicken. Preisfrage: Sieht hier irgendjemand ein glückliches Kind? Also ich nicht. Man beachte einmal, wie die Falten um den Mund ... ja, "spielen" wird man das kaum nennen mögen ... also: wie die Falten fallen. Und dazu die zugekniffenen Augen. Das alles ist nicht neckisch und nicht vorwitzig, sondern eher kurz vor'm Heulkrampf. Spaß an und in der Kita scheint die Kleine jedenfalls nur sehr eingeschränkt zu empfinden. Wenigstens hier ist das Plakat ehrlich, wenngleich unfreiwillig.
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Bemerkenswert ist nicht zuletzt das Motto "Hello Kita" - ich vermute, daß sich dies als Anspielung auf das vor allem bei kleinen Mädchen beliebte "Hello Kitty"-Gerümpel versteht. "Ich sag: Hello Kita" scheint dann auch gut ins linksgrüne Weltbild zu passen: Weg von "Geschlechterrollen" prägendem Spielkram hin zu renitenten Besser-Kindern, die zwar keine Kinder mehr sein dürfen, aber als Krippeninsassen die Klientel von Morgen bilden sollen.
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Und sei's um den Preis - schauen wir uns das Mädchen nochmal genau an - einer geraubten Kindheit. Grüner Kindesmißbrauch mal anders ...

Sonntag, 11. August 2013

Der Christ in der Welt

Einige grundsätzliche Gedanken zu Stellung und Aufgabe des Christen in der Welt - ein Auszug aus einem Vortrag über das Sakrament der Firmung von Alfred Delp SJ, der mir auch heute sehr aktuell scheint. Eigentlich müßte man diesen Text hören, von einer Kanzel etwa, um nicht nur den Anspruch der Aussage zu erfassen, sondern auch der Intensität der Sprache gewahr zu werden. Zur Sache:
Es hängt für uns Christen viel, ja fast alles davon ab, daß wir mit unserem Christentum zurechtkommen in der Welt, in der wir leben, in der Wirklichkeit, wie wir sie erleben. Daß wir uns durch unsere Religiosität, unsere Frömmigkeit nicht in ein Ghetto des Daseins verdrücken und erschrecken lassen und flüchten. 
Es hängt für uns wirklich fast alles davon ab, daß wir das alte Bewußtsein wieder gewinnen von dem, was wir sind, daß wir wieder ernst nehmen die Worte Gottes, die an uns ergangen sind, und die Taten Gottes, die an uns geschehen sind, damit wir in der Welt uns nicht fremder fühlen, als wir sein müssen; und damit wir in der Welt und im brausenden Geschehen des Lebens nicht klein uns fühlen oder gar klein sind, da wir doch groß sind; daß man uns doch anspürt, daß wir wissen und glauben und daran halten, daß Christus das große und endgültige Wort ist aus dem Herzen Gottes in die Welt hinein und daß wir Repräsentanten sind; daß wir deswegen im Leben zu stehen haben als die Erfüllten, als die Sicheren, als die Menschen, die innerlich gegründet sind und um ihren Grund auch wissen; als die Menschen, die auch dann noch stehen, wenn ringsum alles nach Halt greift und ins Wanken gerät.
Wenn wir hier sprechen von einer siebenfachen Not der Welt und des Lebens, dann ist das keine Schlechtmacherei des Daseins oder Kritisiererei am Leben. Es ist einfach ein Spüren und Einsehen, daß alles, was wirklich ist, heim will zur Heimat des Wirklichen und daß es diese Heimat nicht in sich findet und daß deswegen der letzte Herzschlag alles dessen, was lebt, Frage ist und Suchen ist und daß wir dastehen sollen als die Träger der Antwort, als die Menschen, die durch ihr Dasein Antwort sind.
Alfred Delp SJ: Zwischen Welt und Gott [Sammlung verschiedener Text herausgegeben durch Paul Bolkovac SJ]. Frankfurt am Main 1957. S. 122.

Das BamS!

Heuer wieder eine aktuelle Aufnahme, gestern am Fest des hl. Laurentius geschossen - aus gegebenem Anlaß ein Blick auf das südliche romanische Querschiff des Freiburger Münsters samt Renaissance-Vorhalle und grünen Flachpfeifenpalmen im Horizont zu einer ... 
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... nachhaltig nicht-vegetarischen Bratwurst!
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Samstag, 10. August 2013

Wer und wo sind die Armen?

der hl. Laurentius - Teil eines 
oberrheinischen Flügelalters aus
dem Umkreis des Meisters H.L.
(um 1530); Augustiner-Museum,
Freiburg
Der Diakon verteilte all das ihm anvertraute Geld und zog mit den Armen vor den Thron Valerians, um dem Kaiser den geforderten Schatz der Ekklesia zu bringen. Valerian, der bereits Papst Sixtus hatte enthaupten lassen, ließ daraufhin den römischen Diakon Laurentius auf einem glühenden Rost zu Tod foltern. Daran können wir heute am hohen Fest dieses Heiligen denken - an die Armen als den Schatz der Ekklesia.
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Immer wieder ist in diesen Tagen von den Armen die Rede. Die Elendsviertel Lateinamerikas, die er als Kardinal von Buenos Aires immer wieder besucht hatte, vor Augen, ermahnt Papst Franziskus die Ekklesia, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Ich fürchte allerdings, daß die Mahnung des Heiligen Vaters in der hiesigen Ortskirche auch dazu führen könnte, daß man sich zufrieden den Bauch streicht - endlich ein Thema, bei dem man mit dem Papst voll und ganz d'accord ist! - und auf die zahllosen kirchlichen Einrichtungen verweist, die im In- und Ausland aktiv sind. Deren Arbeit soll nun nicht kleingeredet werden - aber meint Papst Franziskus nicht mehr, als es der Betrieb institutionalisierer Fürsorge samt bürokratischem Hinterbau hergeben kann?
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Institutionalisierung ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist sie sinnvoll, um die vorhandenen Mittel zielgerichtet und bestmöglich einzusetzen. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, daß sich das dahinter liegende System rasch selbst genügt und den eigentlichen Beweggrund aller caritas aus dem Blick verliert. Zudem verführt Institutionalisierung dazu, unangenehme Begegnungen an die passende Stelle zu delegieren und sich "die Armen" so vom Leib zu halten - schließlich beschäftigt man ein Heer kirchlicher Sozialarbeiter. Was meine ich? Ein Beispiel: Bislang versorgten die Freiburger Franziskaner jeden Mittag einige Obdachlose mit einer warmen Mahlzeit - klassische kirchliche Armenpflege, sprichwörtlich mit Tuchfühlung. Die Franziskaner werden Freiburg verlassen. Für den leiblichen Hunger gibt es Alternativen - aber ob das Alternativen für den ganzen Menschen sind, für die hungrigen Mäuler und die erstickten Seelen?
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Eine andere Frage steht ebenfalls im Raum: Wer sind eigentlich "die Armen"? Ich meine jetzt nicht jene in Lateinamerika oder Afrika, sondern "die Armen" hierzulande. Und: Ist Armut, ob nah oder fern, nur eine Frage materieller Versorgung? Müßte die "Kirche vor Ort", also hier in Deutschland, wo Armut häufig im Vergleich zum durchschnittlichen Lebensstandard definiert wird und in der Regel nicht zwingend etwas mit hungrigem Magen oder mangelndem Obdach zu tun hat, müßte die Kirche hier nicht umso mehr alsdann die geistliche und seelische Not der Menschen umtreiben?
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Wenn wir in die Evangelien schauen, dann sehen wir immer wieder, daß Christus den ganzen Menschen in den Blick nimmt, wenn er heilt und hilft. Jedes Wunder des Kyrios ist auch immer ein Zeichen Gottes - ein Zeichen von Gott und eine Zeichen auf Gott hin.
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Oder werfen wir ein Auge auf das Geschehen am Jakobsbrunnen: Jesus weiß, was es heißt, körperlich durstig zu sein. Ermüdet durch die Wanderung von Judäa nach Galiläa bittet er die Samariterin um Wasser. Es entwickelt sich ein kleiner Disput, an dessen Ende wir erfahren, daß es ein Wasser gibt, das weit kostbarer ist als alle Wasser, mit denen wir nur den Durst des Leibes stillen können. Christus weiß aus eigener Erfahrung, wie notwendig wir Wasser für unsere leibliche Existenz brauchen. Aber er sagt uns, daß wir uns nicht damit zufrieden geben sollen, nur den Durst des Augenblicks zu stillen:
Wenn du die Gabe Gottes kenntest und den, der zu dir spricht: "Gib mir zu trinken!" - so würdest du ihn bitten, er möge dir lebendiges Wasser geben ... Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht mehr dürsten. Vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einem Quell, der fortströmt ins ewige Leben (Joh 4, 10; 13 f.).
Wie viele Menschen, die dieses Wasser nie wirklich gekostet haben, mag es in unserem Land geben? Wie vielen Menschen wird der Weg zu diesem Wasser des Erlösers verdunkelt, verbaut, verstellt, von uns selbst und von kirchlichen Vertretern? Wie viele Menschen müssten "von den Rändern" der Gesellschaft des Glaubens, sozusagen vom Rand der communio sanctorum abgeholt und zu diesem Brunnen geführt werden? 
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Das hier zutage tretende Problem scheint mir aktuell weniger darin zu liegen, daß unsere Ortskirche zu wenig für die leibliche Notdurft der Armen unternimmt, sondern daß sie - von einer ausgedünnten Verkündigung einmal abgesehen, die aber über weltlichen Fragen hinaus kaum eine überzeugende Perspektive aufzeigt - zu wenig angesichts der geistlichen Not der Menschen aufbietet. Doch auch diese Armen sind ein Schatz der Ekklesia - aber einer, den sie zuerst einmal heben müßte - dabei helfe mit seiner Fürsprache der hl. Laurentius: Ora pro nobis!