Mittwoch, 31. Juli 2013

Entfrömmelt euch!

der hl. Ignatius von Loyola - in der ehem. Abteikirche
St. Maria, Gengenbach im Schwarzwald
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Was mir gerade noch gefehlt hat: Ein Heiliger, der einen Orden gründet, der bewußt auf das Chorgebet verzichtet - Jesuita non cantat, ein Jesuit singe nicht, so sagt man. Der mitunter kaum zu übersehenden Zweckorientierung der ignatianischen Frömmigkeit stehe ich manchmal etwas skeptisch gegenüber - andererseits kann sie sehr hilfreich sein, manche im Lauf der Zeit eingefrömmelten Bahnen, die zum Selbstzweck zu werden drohen, umzugraben und auf das Wesentliche zurückzuführen: Omnia ad majorem Dei gloriam, alles zur höheren Ehre Gottes ...
Sodann beginne ich die Betrachtung, sei es daß ich knie oder mich auf den Boden niederwerfe; auch rücklings liegend mit dem Gesicht nach oben sitzend oder stehend läßt sich betrachten. Dieses oder jenes soll dem Zweck dienen, den man verfolgt.
Geht es kniend gut, so soll man diese Haltung beibehalten; ist es der Andacht förderlich, sich auf den Boden hingestreckt zu halten, so bleibe man. Dasselbe gilt von den anderen Haltungen (aus den Briefen des hl. Ignatius).
Soweit nur ein kleines Beispiel. Der hl. Ignatius helfe uns mit seiner Fürsprache, im geistlichen Leben zur Freiheit vor Gott zu finden, und die Grenzen unserer Freiheit nie aus dem Auge zu verlieren: Ora pro nobis!

Dienstag, 30. Juli 2013

Kommt und seht und sucht das Weite!

Wenn ich mir die folgenden Bildchen anschaue, die einem Youtube-Video entstammen, dann weiß ich nicht recht, ob ich mich mit sowas wie einer von Papst Franziskus angeregten "Theologie der Frau" beschäftigen wollte - auch wenn das außen vor bleiben soll ...
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Den offen zutage tretenden Mangel an Empfinden für das Sakramentale des Tuns kann ich noch gut wegstecken, schließlich ist der ganze Mummenschanz ohnehin bedeutungslos. Aber kann mal einer was gegen diesen ganzen miesen post-bourgeoisen Rahmen unternehmen? Kein Wunder, daß man diese Weibsen nicht ernst nehmen kann ...
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Wer sich das Video antun möchte: hier.

Montag, 29. Juli 2013

Das aktuelle Opferlicht-Lamento ...

... hat heuer unsere Braut des Lammes angestimmt (hier). Mutmaßlich wurden für die Berliner Hedwigskathedrale einige tausend tote rote Teelichter mit Muster bestellt, welche in bräutliche Ungnade gefallen sind ob Ausschau und Verarbeitung. Noch nicht lang ist's her, da hatte ich (wenngleich mit etwas anderem Schwerpunkt; hier) ebenfalls über das Opferlichtwesen in unseren Kirchen herumgejammert - daher glaube ich den Verdruß nachvollziehen zu können, zumal das kahle Gestrüpp, welches man Unserer Lieben Frau zu Berlin obendrein um die Säule gebunden hat, nur in sehr gewisser Hinsicht erlesen daherkommt. Soll heißen: Wie aufgelesen aus der Müllmulde (Botanischer Garten, Abteilung Busch, Savanne, Trockenhölzer). Sowas würde man nicht mal auf den Friedhof tragen, ohne sich dabei und damit zu schämen.
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Zurück zu den Opferlichtern. Daß es auch anders geht, konnte ich neulich in der Kapelle der hl. Ursula zu St. Peter im Schwarzwald sehen ...
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Sonntag, 28. Juli 2013

Von den Katakombenheiligen

St. Candida - ehem. Klosterkirche St. Fides und Markus, Sölden
Kostbar sei in den Augen des Herrn, so heißt es in den Psalmen, der Tod seiner Heiligen. Im Stundengebet zur Prim leitet dieser Vers die Bitte um die Fürsprache Unserer Lieben Frau und aller Heiligen nach der Verlesung des Martyrologiums ein. Dieser kostbare Tod der Heiligen wurde im Barock geradezu inszeniert - davon zeugen nicht wenige Schreine mit Gebeinen, die in jener Zeit sprichwörtlich "zur Ehre der Altäre" erhoben und zentral über der Mensa platziert wurden. Es handelt sich hierbei um sog. Katakombenheilige. Bei meinen Rundgängen durch die Kirchen meiner Heimat bin ich hier und dort auf solche Gebeine gestoßen. Was aber hat es mit den Katakombenheiligen auf sich?
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St. Demetrius - Pfarrkirche St. Michael, Löffingen
Die Geschichte beginnt 1578 mit der Wiederentdeckung der römischen Katakomben. Da man damals in den dort bestatteten Toten fast ausnahmslos Martyrer der christlichen Frühzeit zu erblicken glaubte, wurden den Grabstätten immer wieder Gebeine als Reliquien entnommen. Die Auswahl war keineswegs gering. Eine "Inventur" kommt 1589 auf die stattliche Zahl von rund 174.000 Toten im Sebastians-Zömetrium und den Calixtus-Katakomben, darunter 46 Päpste. Diese Hinterlassenschaften fanden nicht zuletzt im süddeutschen Raum dankbare Abnehmer; das 17. und 18. Jahrhundert zählt zu den Hochzeiten des Martyrerkultes um diese Heiligen. 
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Man investierte nicht wenig in die entsprechenden Leiber. Kosten fielen etwa für die Beurkundung der Authentizität an und für den Transport samt einer mitunter höchst aufwendigen und schmuckvollen Zurichtung der Gebeine, was in der Regel den Schwestern lokaler Klöster anvertraut wurde. Heute ist man geneigt, all dies als tumben Mummenschanz der Altvorderen abzutun und zu belächeln, wenngleich ...
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St. Felix - ehem. Klosterkirche St. Johannes Baptist, Friedenweiler
... in diesem Prozedere ein deutlicher Modernisierungsschub der frühen Neuzeit an den Tag tritt. Denn man muß sich erstens vor Augen führen, daß es - im Vergleich zum wild wuchernden Reliquienwesen des Mittelalters - nun möglich wurde, an Reliquien zu kommen, deren Herkunft beglaubigt war. Heute würden wir sagen: Diese Reliquien waren "zertifiziert". Und zweitens: Dieses Zertifizierungsverfahren war mit nachvollziehbaren Regeln ausgestattet - etwa wurde darauf geachtet, ob der Verschluß der Grabstätte mit einem christlichen Symbol (Taube, Ölzweig, Christusmonogramm) oder einer entsprechenden Inschrift versehen war.  Ein bis heute besonders bekanntes Beispiel hierfür gibt zum Beispiel die hl. Philomena ab, deren in drei Teile zerbrochene Verschlußplatte zusammengesetzt die Inschrift Pax tecum Philumena entbarg - was auf das Grab einer Christin zu deuten schien.
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Was sagt uns das? Nicht mehr und nicht weniger, als daß man trotz der (zugegebenermaßen irrigen) Annahme, die in den Katakomben bestatteten Toten seien fast ausschließlich Martyrer gewesen, nach weiteren Indizien fahndete, um sich wirklich sicher sein zu können, "echte"Reliquien christlicher Blutzeugen vor sich zu haben. 
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St. Justina - ebenfalls in Friedenweiler
Als Echtheitsindiz konnten zum Beispiel auch Gefäße gelten, die wahrscheinlich einmal Duftessenzen enthielten, Jahrhunderte später aber als Behältnis für Blutreste des Martyriums angesehen wurden. Anhand von Kleidungsfragmenten und Beigaben versuchte man überdies den Stand der Toten zu bestimmen. Oft schwierig, aber für die "Echtheit" ohnehin nicht von Belang, war die Zuweisung eines Namens. Insofern wurde erst im Rahmen der "Zertifizierung" so mancher Katakombenheilige "namhaft" - er bekam einen Namen verliehen.
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Es gilt also festzuhalten, daß die menschlichen Überreste der Katakombenheiligen einem nach Wissen und Möglichkeiten der damaligen Zeit durchaus rationalen Verfahren unterworfen wurden, ehe deren "Echtheit" bestätigt wurde. 
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St. Constantius - ehem. Klosterkirche St. Märgen
Wie nun können wir uns heute diesen "Reliquien" nähern? Vielleicht so: Der Umstand, daß nicht alle in den Katakomben bestatteten Toten ihr Leben im Martyrium für Christus eingesetzt haben, bedeutet noch lange nicht, daß keiner der dort Geborgenen ein Martyrer gewesen sei. Die Lebensgeschichten und Legenden, die jeweils lokal erzählt werden, rühren freilich zumeist davon, daß man den jeweiligen Heiligen mit einem bekannteren Namensgenossen identifiziert hatte. Sie sagen also sehr wenig bis nichts über die Personen aus, deren Überresten wir uns gegenüber sehen. Deren Leben ist verborgen in Gott - so möchte man aus der Not heraus sagen und sagt damit doch das Wesentlichste, was man über einen Heiligen nur sagen kann.
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Insofern hat jener Katakombenheilige, dessen Schrein ich in Kenzingen fand, einen sehr hohen Verweischarakter auf das verborgene Leben in Gott. Nirgendwo konnte ich einen Namen dieses Heiligen ausfindig machen. So ruht er in der Mensa eines kleinen, etwas verstaubten Altars abseits des Kirchenschiffs. Nichts weist auf ihn hin. Er kommt mir fast ein wenig wie "der unbekannte Soldat" unter den Katakombenheiligen vor - und gerade dadurch verrät er - durch die Nachlässigkeit der Gegenwart meinethalben unfreiwillig - viel über all diese "heiligen Gebeine" in unseren Kirchen ...
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"Namenloser" Katakombenheiliger - Pfarrkirche St. Laurentius, Kenzingen  
So ehren wir denn die Heiligen nicht um ihrer selbst willen, sondern wir ehren in ihnen Gott und preisen seine Herrlichkeit, die sich immer wieder wunderbar in den Menschen zeigt. Was die Hersteller Benediktinerin Ämiliana Löhr mit Blick auf die gesamte Ekklesia einst geschrieben hat, kann auch hier gesagt werden:
Die Heiligkeit der (christlichen) Heiligen ist die Heiligkeit Gottes. Auf dem Weg des Christustodes, den sie im Taufsakrament sterben, ...
und das ist, möchte man hinzufügen, unser aller "Martyrium", das allein schon den Himmel zu öffnen vermag ...
... gewinnt sie Raum in ihnen und begründet als vielfältiger Widerschein des "Allein Heiligen" die "Gemeinschaft der Heiligen": die "una sancta" als geschöpfliche Spiegelung des "solus sanctus".
Wenn wir uns auf diese hinter all diesen "Reliquien" aufscheinende Botschaft einlassen, so können uns unsere Katakombenheiligen (selbst wenn man hinter deren Provenienz hier und da ein Fragezeichen setzen möchte) gewiß den einen oder anderen Strahl des vielfältigen Widerscheins des "Allein Heiligen" vermitteln - und das nicht nur, weil sie so prachtvoll ausstaffiert in ihren Schreinen ruhen bis zur Auferstehung des Fleisches am Jüngsten Tag.

Das BamS!

Heute stammt Das Bild am Sonntag aus Ringsheim in Baden, wohin es mich gestern noch verschlagen hatte, nachdem ich in Ettenheim bei einer Trauung mit dabei war. Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof steht ein barockes Gottesacker-Kreuz. Es kann auch daran erinnern, daß es trotz der aktuell schier unerträglichen Temperaturen ...
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... Schlimmeres gibt als die stechende Sonne.
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Samstag, 27. Juli 2013

Geben wir dem jüngsten Kunstdisput ...

... in der Blogozese doch noch ein wenig Zunder:
Nimmt man den letzten Absatz der Erläuterung beim Wort, so scheint es mir eigentlich ziemlich sinnfrei, diese nach Friedenweiler verbrachte Monstranz in einer konsekrierten Kirche aufzustellen ... selbst die gewöhnlich weiße Wand, die man durch das leere Ostensorium sieht, ist heilig - und das keineswegs, weil man sie im Durchblick erst auf Gott beziehen müßte.

Liturgische Aktualisierung

In einem lesenswerten Text auf Frischer Wind (hier) beschäftigt sich P. Bernward Deneke FSSP mit dem Begriff der participatio actuosa in der Heiligen Liturgie. Aus diesem Anlass möchte ich hier noch einige Gedanken von Odo Casel OSB in den Raum stellen, die dieses Thema ebenfalls aufgreifen. Ich steige an einem Punkt ein, bei dem Casel auf die participatio actuosa der streitenden Kirche zu sprechen kommt und die gemeinsame Aufgabe in unterschiedlichen Abstufungen erläutert:
Odo Casel OSB
Die gottgesetzte und geweihte Hierarchie stellt autoritativ und unmittelbar Christus als den Wirker des Mysteriums, den Hohenpriester, dar; die anderen Gläubigen bilden je nach ihren Ständen eine Seite der Ekklesia als der Braut des Herrn ab. Daraus geht hervor, daß die ganze Kirche, nicht bloß der Klerus, aktiv an der Liturgie mitzuwirken hat, aber jeder gemäß der heiligen Ordnung in dem ihm bestimmten Grade und Maße und an seinem Ort. Alle Glieder sind physisch-sakramental dem Haupte Christus angegliedert. Denn jeder Gläubige nimmt auf Grund des sakramentalen Tauf- und Firmungscharakters an den Priestertum Christi des Hauptes teil.
An seinem Ort nun soll der Gläubige das ihm zukommende Priestertum in der liturgischen Feier "durch persönliches Mitleben" aktualisieren:
Das besagt, daß der Laie nicht bloß mit persönlicher Andacht und eigenem Mitbeten der Liturgie der Priester beiwohnt, sondern aufgrund seiner objektiven Gliedschaft am Leibe Christi ein notwendiges und wesentliches Glied der liturgischen Gemeinde ist. Zur Vollkommenheit der Anteilnahme gehört freilich, daß dieses objektive Priestertum durch persönliches Mitleben aktualisiert und zu höchster Lebendigkeit gesteigert wird. Wie uns die Psychologie lehrt, ist das innere Leben umso stärker, je mehr der äußere, dazugehörige Akt bewußt gesetzt wird; man erlebt z.B. ein Lied durch Anhören, aber das Mitschwingen der Seele wird bei eigenem Vortrag außerordentlich gesteigert und erleichtert.
Als Möglichkeiten, die Heilige Liturgie entsprechend mitzufeiern, unterscheidet Casel einen grundlegenden Aspekt und - darauf aufbauend - eine weiterführende Aufgabe. Beides, so könnte man vielleicht sagen, steht bei Casel im Verhältnis "Pflicht" und "Kür" zueinander:
So ist bei der Liturgie das Entscheidende die innere Beteiligung, die nicht unbedingt äußerlich hervorzutreten braucht; aber sowohl zur Intensität des Mitlebens wie zur Vollendung des symbolischen Ausdrucks gehört die auch äußere Beteiligung an der liturgischen Handlung.
Zitate aus Odo Casel OSB: Das christliche Kultmysterium. Regensburg (4) 1960. S. 71 f.

Freitag, 26. Juli 2013

Wo man sich jüngst so rumtrieb ...




Gotterleuchtet und immerselig

Die hl. Mutter Anna mit Maria - Darstellung im Auszug des
Marienaltars, Pfarrkirche St. Alexius, Herbolzheim

Du hast jene empfangen,
die das Leben empfing, die reine Gottesmutter,
gotterleuchtete Anna.
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Deshalb bist du voll Freude
zum himmelischen Erbteil hinübergegangen,
wo die herrlichen Wohnungen des Frohlockens sind.
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Denen, die dich in Liebe verehren,
erbitte Vergebung der Sünden,
Immerselige!
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 Apolytikion - hymnischer Abschluß der Stundengebete - in der orientalischen Kirche zum Fest der Entschlafung Annas.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Am Jakobustag

der hl. Apostel Jakobus der Ältere -
in der Jakobskapelle am Jakobs-
weg, Himmelreich im Schwarzwald
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Unsere Wege durch diese Welt sind ungewiß - ob wir unser Ziel erreichen, liegt auch in unseren Händen. Wie wir es erreichen, entzieht sich mitunter unserem Einfluß - manchmal so radikal und gegen den Strich gebürstet, daß ein großes Fragezeichen bleibt, das sich nicht so einfach wegstecken, sozusagen "wegglauben" läßt. Und das ist auch besser so.
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Und dennoch: Je größer das Leid, desto vertrauensvoller und energischer wollen wir den Herrn bitten, er schenke auf die Fürsprache des heiligen Apostels Jakobus den Toten des Zugunglücks vor Santiago de Compostela eine neue Heimat in seiner Liebe, aus der sie nie wieder gerissen werden. Er schenke den Verletzten neue Kraft zum Leben und heile die Wunden. Er stärke die Angehörigen der Opfer und tröste alle, die einen geliebten Menschen verloren haben. 

Mittwoch, 24. Juli 2013

Der katholische Jugendliche und die katholische Jugend

Frischer Wind tat jüngst in der Tagespost den Brief eines Jugendlichen auf (hier) und Eugenie von Ut in omnibus jazzte das zu einer Art "Aufstand der katholischen Jugend" hoch (hier) - was Unsere Freche Frau fragwürdig fand (hier), der Geistbraus alsdann ein freches Haar in der Suppe sah und zu Großkalibern griff (hier). Business as usual, möchte man beinahe meinen.
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Unsere Freche Frau liegt natürlich nicht ganz daneben, wenn sie darauf hinweist, daß ein katholischer Jugendlicher noch keine katholische Jugendbewegung ist. Ein Schwalbe macht noch keinen Sommer. Selbst wenn man die Jugendlichen in den Blick nimmt, die in kirchlich-traditionsfrohen Jugendbünden organisiert sind, so wird man nur dann von der katholischen Jugendbewegung sprechen können, wenn zweifelsfrei feststeht, daß der BdkJ alles mögliche sein mag, nur nicht katholisch. Lassen wir das mal - stellen aber fest, daß es katholische Jugendbünde abseits der BdkJ-Linie gibt, die man nicht einfach unter den Teppich kehren kann, auch wenn sie an Zahl und Mitgliedern nur mit einem sehr überschaubaren Bruchteil der im BdkJ versammelten Organisationen aufwarten.
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Nebst der im benannten Scharmützel schwelenden Frage "Wer hat wieviel / wer bietet mehr?" kann man aber auch fragen "Wer arbeitet eigentlich zukunftsorientiert?" - eine Frage, die jenseits aller Zahlenspiele keine geringe Rolle spielt. Also: Wie tief konnte der Glaube durch katholische Jugendarbeit Wurzeln schlagen? Haben sie jene tieferen Schichten erreicht, die auch dann Wasser führen, wenn der Glaube sich in der Wüstenei der Welt bewähren und bezeugen soll? Oder wurden nur einige löchrige Zisternen gegraben? Um eines dabei klarzustellen: Das Ziel der katholischen Jugendarbeit kann sich nicht darin erschöpfen, sozial interessierte Zeitgenossen, Menschen mit Zivilcourage oder gute Demokraten zu formen. Katholische Jugendarbeit bedeutet zuerst einmal, darauf hinzuarbeiten, daß der Mensch auch als Erwachsener in einer engen Beziehung zu Gott und der Kirche lebt. Alles andere, so gut und so schön und so richtig es auch immer sein mag, ist davon fruchtbringend abzuleiten, die Liebe zum Mitmenschen inbegriffen.
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Stehen Gott und die Kirche im Zentrum der katholischen Jugendarbeit, dann bedarf es auch keiner Event-Gottesdienste, in denen Gott vor allem als Projektionsfläche für Hoffnungen und Wünsche vorgeführt wird. Wird das Wesentliche vermittelt, dann bedarf es all der jugendtümelnden liturgischen Verrenkungen nicht. Im Text von Odo Casel OSB, den ich erst gestern hier in Erinnerung gerufen habe, heißt es zu Recht:
... die Hingabe an Christus und die Kirche erschließen den Zugang zu den christlichen Mysterien.
Hier sind natürlich auch Katechese und Verkündigung gefragt. Wie zielorientiert wird dies angegangen und was sind die Inhalte? Ein Vergleich ... nehmen wir an, in einer Pfarrei treffen sich die Jugendlichen zur Gruppenstunde, auf dem Programm stehen die Themen Liebe und Partnerschaft und das ganze Programm würde darin bestehen, sich gemeinsam drei Folgen Verbotene Liebe anzuschauen - aus Sicht vieler Jugendlicher gewiß nicht die unattraktivste Art, die Zeit zu verbringen. Würde man das machen? Natürlich nicht. Geht es aber um die Heilige Liturgie, um die Feier des Mysteriums der Erlösung, dann ist kein Einfall zu billig und kein Witz zu banal, um die Anwesenden bei der Stange zu halten - bis sie sich von dem Ringelpiez, der ihnen in der Kirche und als Kirche vorgegaukelt wird, in der Regel irgendwann verabschieden, innerlich und manchmal auch äußerlich.
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Wie gesagt, Katechese und Verkündigung sind hier gefragt - aber man kann, um sinngemäß eine Formulierung eines weiteren Memorandums aus den Reihen des Freiburger Diözesanklerus (diesmal gegen die Neuübersetzung des Missale Romanum) aufzugreifen, eben nur vermitteln, wovon man selbst überzeugt ist. Angesichts der katholischen Jugendarbeit in Deutschland wirft das - fasst man das Wesentliche in den Blick - häufig kein günstiges Licht auf die Verantwortlichen.
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Eine Schlußnotiz noch zur Frage, ob ein katholischer Jugendlicher die katholische Jugend vertreten kann? Dies scheint mir so zutreffend oder falsch, wie meinethalben ein selbstreferenzielles Zentralkomitee für die deutschen Katholiken sprechen kann oder etwa eine selbsternannte "Kirchenvolksbewegung" für das Kirchenvolk.

Dienstag, 23. Juli 2013

Wider die liturgische Gleichmacherei

Odo Casel OSB
Nicht alles ist für alle! und nicht alles muß sofort allen offen stehen! Das Mysterium bleibt immer Mysterium! Es offenbart sich allmählich den Augen der Reinen und Demütigen. Damit predigen wir keine "Esoterik"; denn nicht intellektuelle Bildung und ästhetische Kultur, wohl aber die Demut und Reinheit des Herzens und die Hingabe an Christus und die Kirche erschließen den Zugang zu den christlichen Mysterien. Das Wesen des Mysteriums ist etwas in hohem Grade Volkstümliches, gerade weil das Volk das Konkrete liebt und zugleich das Göttliche als Geheimnis anerkennt.
Es gibt aber, wie die Väter uns lehren, Stufen der Erkenntnis; und das ist äußerlich dadurch dargestellt, daß die Priester im Sanktuarium des Altares, ihnen zunächst die Mönche und Jungfrauen, dann das heilige Volk Gottes steht. Manche Schwierigkeiten der liturgischen Erneuerung würden bei sorgfältiger Beobachtung dieser altkirchlichen Anschauung verschwinden.
Hat die Kirche nicht mit weiser Absicht den Schleier der Kultsprache über die Liturgie gebreitet, weil eben das Mysterium nicht im grellen Lichte des Alltags stehen soll? Ist es deshalb nötig, daß alle Texte verdeutscht werden, alle Riten bis ins letzte sichtbar sind? Geht damit nicht etwas Unersetzliches, eben der Schimmer der Heiligkeit, den das Volk mehr schätzt als Verständlichkeit bis ins letzte, verloren? Die sicher sehr gute Absicht, das Volk zur aktiven Teilnahme an der Liturgie zurückzuführen, darf nicht zur demokratischen Gleichmacherei ausarten (*).
Die Hierarchie, d.h. die heilige Ordnung und Würdenabstufung der Werte, muß auch in der Liturgie beibehalten werden. Dadurch entsteht erst die wahre Gemeinschaft der ganzen Ekklesia, daß jeder Stand dem anderen von seinem Besitze mitgibt. 
Gemeinschaft besteht nicht darin, daß jeder das gleiche hat, sondern daß der eine dem anderen von seiner Fülle schenkt und von der Fülle des anderen seinen Mangel ergänzt. Auf diesem gegenseitigen Schenken baut die Liebe auf. Da erfüllt sich das Wort Pauli von dem Leibe Christi, der "durch die gegenseitige unterstützende Verbindung in Kraft nach dem Maße eines jeden Gliedes das Wachstum des Leibes bewirkt zum Aufbau seiner selbst in Liebe" (Eph 4, 16).
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(*) [Verweis auf Fußnote 136] Auf dieses falsche Motiv hat mit Recht aufmerksam gemacht L. Verwilst O.P., De Stand van den Priester aan het Altaar (Lit. Tijdschr. 11 [1930] 321-327), der sich in erster Linie gegen den modernen Versuch wendet, den Altar so aufzustellen, daß er gewissermaßen im Mittelpunkt der Kirche steht, daß also ein eigenes Sanktuarium wegfällt. V. sieht darin auch eine Folge des "democratischen Tijdgeest. Het volk muot overal bij wezen, alles muot voor het volk toegangelijk zijn, open en bloot liggen ..." Die Kirche aber hat immer danach gestrebt "om het heilige te omsluieren", damit die Ehrfurcht gewahrt bleibt.
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Odo Casel OSB: Das christliche Kultmysterium. Regensburg (4) 1960. S. 72 f.

Montag, 22. Juli 2013

Ihr seid das Salz der Erde:


Da gibt man sich alle erdenkliche Mühe, greift nicht auf irgendeine Fix-ich-habe-fertig-Tüte zurück, schnippelt Zwiebeln, zerkleinert altbackene Weckle, hackt auf der Petersilie rum, raspelt Möhren rein, schlägt Eier auf, manscht alles in einer Schüssel durch, schwitzt und stöhnt (ohnehin eine absurde Idee, heute bei der Affenhitze Fleischküchle zu braten) ... und dann ist zuviel Salz dran. Viel zu viel Salz. Seufz.
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Scheint mir etwas ähnlich der Arbeit am Reich Gottes: Da hegt man manchmal auch großartige Pläne, werkelt und tut und tut am Ende des (vermeintlich) Guten zuviel. Der Mensch denkt, Gott lenkt - was aber immer noch besser zu sein scheint, als wenn man sich vom Teufel in die Suppe spucken läßt. Ist mir heute auch schon passiert. Seufz.
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Was aber mache ich jetzt mit meinen mißratenen Fleischküchle? An die Tauben verfüttern, im Sinne eines weiteren Versuchs, sie von meinem Küchenfenster künftig fern zu halten ...?!?

Durch die Liebe, unterstützt vom Glauben

Jesus und die große Sünderin - Wandfresko in der
Pfarrkirche St. Laurentius zu Kenzingen
Gloria et honor Deo,
Cuius præfert gratia
Invitanti pharisæo
Mariæ suspiria,
Cenam vitæ qui dat reo
Gratiæ post prandia.
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Ruhm und Lob dir, Gott, erschalle,
der der weinenden Marie
in des Pharisäers Halle
seine Gnade reich verlieh,
und zum Lebensmahl ruft alle,
wenn nur reu'gen Herzens sie.
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Schlußstrophe des Hymnus O Maria, noli flere von Philipp von Greve.
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In einer seiner Predigten identifiziert der hl. Gregor der Große die Sünderin, die dem Herrn mit ihren Tränen die Füße netzte, mit ihren Haaren trocknete und küßte, um sie hernach zu salben (vgl. Lk 7, 26-50), mit der hl. Maria Magdalena. Später begegnen wir ihr unter dem Kreuz und auf dem Weg zum Grab, wieder gerüstet mit Spezereien - Zeichen der Liebe, die selbst angesichts der Passion über die Ernüchterung der Gottesferne und des Todes hinausreicht und die alle - vordergründige - Enttäuschung übersteigt. Woher diese Kraft?
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Vielleicht, weil der Herr ihr "in des Pharisäers Halle" das Wesentliche ihres Tuns offenbar gemacht, sie im positiven Sinn durchschaut und damit ihren höchsten Adel hervorgehoben hat? Nicht kostbare Salben, nicht die zur Erde gebeugte Frau, nicht die Tränen geben letztlich den Ausschlag, sondern die Liebe, unterstützt vom Glauben: "Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat ... Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin in Frieden". Damit auch uns viel vergeben werde, lasse uns die Fürsprache der hl. Maria Magdalena wachsen im Glauben und in der Liebe ... Sancta Maria Magdalena, ora pro nobis!

Sonntag, 21. Juli 2013

Das Bild am Sonntag!

Heute der Start einer neuen Reihe: Immer sonntags gibt es ab sofort Das Bild am Sonntag! Heute eine Impression von ... nein, nicht von Gestern - sondern vom gestrigen Tag, eingefangen in St. Peter im Schwarzwald ...
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... der Papistenhimmel! ;-)
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Samstag, 20. Juli 2013

Der Tod der heiligen Margaretha

Die Enthauptung der hl. Margaretha von Antiochien -
Deckenbild und Abschluß eines Zyklus mit Darstellungen der 
verschiedenen Martyrien der Heiligen von Franz Bernhard 
Altenburger; Stiftkirche St. Margarethen, Waldkirch im Elztal
Zu den Vorteilen einer halbwegs gescheiten Kamera zählt, daß manches Detail im ein oder anderen Bild erst dann richtig auffällt, wenn man die Aufnahmen möglichst groß auf dem Rechner betrachten kann. Etwa bei diesem an Bewegung reichen und schön gestaffelten Deckengemälde: Während der Henkersknecht zum finalen Streich ausholt, setzt bereits die Apotheose der heiligen Margaretha ein. Die Zuschauer werden von Entsetzen und Staunen in den Bann geschlagen, alldieweil zwei Himmelsboten die Krone des Martyriums auf das Haupt der Heiligen herabsenken. Nun betrachte man (wie immer gilt: durch einen Klick aufs Bild wird es etwas größer angezeigt) den Götzen links im Bild: Der muß sich seine "Krone" selbst über die Rübe halten ...
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Daß nicht auch wir auf den Gedanken kommen, uns unsere eigenen "Kränzchen" nach Gutdünken zu flechten und aufzusetzen, sondern Gottes Siegespreis nicht aus dem Auge verlieren, dazu helfe uns die hl. Margaretha durch Ihre Fürsprache: Sancta Margareta, ora pro nobis!

Freitag, 19. Juli 2013

Gehört zusammen: Caritas und Kerygma

Der hl. Vinzenz von Paul -
Glasfenster in der Pfarrkirche
St. Etienne, Mulhouse, Elsaß
"Kommt ihr in eine Stadt und nimmt man euch auf, so esst, was euch vorgesetzt wird. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe" (Lk 10, 8 f.) - mit diesen Worten schließt das Evangelium der Messe am heutigen Fest des hl. Vinzenz von Paul, das von der Sendung der siebzig Jünger durch Jesus berichtet.
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Zwei Pole scheinen mir diese Sendung zu bestimmen: Zum einen die Caritas, die tätige Liebe: "Heilt die Kranken" - damit sind wir übrigens ganz nahe am Lebensmotto des hl. Vinzenz von Paul "Liebe handelt". Diesem nun ebenbürtig ist das Kerygma, die Verkündigung: "Das Reich Gottes ist nahe". Beides gehört bei Christus zusammen.
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Von Zeit zu Zeit hört man aus "reformbewegten" Kreisen den Vorwurf, lehramtstreue Katholiken kümmerten sich nur um Orthodoxie, Liturgie, die Sittenlehre und dergleichen mehr, während die Liebe ("soziales Engagement") auf der Strecke bleibe. Ob der Vorwurf zurecht besteht, sei dahingestellt - in diesem Punkt gelegentlich das Gewissen zu erforschen ... wird jedenfalls kein Fehler sein (daß man den Vorwurf ebenso gut umdrehen könnte, soll hier ebenso wenig tiefer erwogen werden wie der Umstand, daß einmal im Monat nach der Messe Dritte-Welt-Kaffee zu verkaufen ein soziales Engagement darstellt, das man durchaus auch steigern kann).
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Und die Verkündigung des Reiches Gottes? Das Reich Gottes, dies zu betonen ist heute leider besonders notwendig, wächst in und mit der Ekklesia, aber auf keinen Fall gegen sie oder außerhalb. Und es muß vor allem mit der Ekklesia verkündet werden! Das Evangelium deutet die Herausforderung dieser Verkündigung an: "Macht euch auf! Ich sende euch wie Lämmer unter die Wölfe!" (Lk 10, 3); das apostolische Engagement scheint nicht minder aufreibend als das soziale. Den Kopf aber sollen wir nicht hängen lassen, auch wenn die Lage manchmal schier aussichtslos scheint. Der hl. Vinzenz ermuntert uns:
Wenn ihr nicht die ganze Welt befriedigen könnt, so soll euch das keinen Kummer bereiten; denn unser Herr selbst hat es nicht getan. Wie viele haben sich gefunden und werden sich noch finden, die an seinen Worten und Werken etwas zu tadeln haben?

Einwurf ... Super-plus-gut?

Mancher linke Zeitgenosse plädiert bekanntlich dafür, die Begriffe "Vater" und "Mutter" super-plus-gut durch "Elter 1" und "Elter 2" zu ersetzen. So gesehen könnte der Satz Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir (Mt 15, 8) auch von George Orwell stammen.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Nach dem Möbelrücken

Versus was ist das denn jetzt wieder?
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Lösung: Die Maria-Magdalena-Kirche, vorbereitet für den ökumenischen Gottesdienst am kommenden Sonntag zum Stadtteilfest im Rieselfeld. Dazu hat man die mobilen Betonwände, die sonst Gottesdiensträume der Katholiken und Protestanten vom Foyer trennen, aufgeschoben - was diese reizvolle Perspektive ermöglicht:
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Der ökumenische Gottesdienst findet am Sonntag übrigens vormittags um 10 Uhr statt - nur so zur Information. Übrigens hat jemand die Bestuhlung an einer Stelle absichtsvoll zeichenhaft ein wenig verändert ...
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Ob dieses Zeichen verstanden werden wird?
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"Mir" wird nichts genommen ...

Wer Beispiele sucht, warum konservativen katholischen Bloggern zeitweilig die Haare zu Berg stehen und sie dann unfromme Beiträge vom Stapel lassen, mag sich zum Beispiel auf dem Online-Auftritt von Pater Ludin umschauen. Was las ich da jüngst?
Lieber Bruder Karl, hören sie endlich auf mit dem Unsinn, Homo-Partnerschaften anzugreifen mit dem Vorwand, die Ehe zu verteidigen. Wie sagte so schön eine französische Ministerin einem Gegner der diesbezüglichen Partnerschafts-Vorlage: "Was nehme ich Ihnen weg?"
Mit diesen Worten appellierte der Luzerner Kapuziner an den Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, nachdem dieser - angesichts der jüngsten "Orientierungshilfe" der EKD - den zwischen Katholiken und Protestanten schwindenden Konsens in ethischen Fragen beklagte.
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"Was nehme ich Ihnen weg?"
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In der Tat - mir wird vorerst nichts weggenommen, wenn Lesben und Schwule heiraten dürfen. Mir wird nichts weggenommen, wenn in einer nächsten Stufe die Adoption von Kindern durch Lesben und Schwule freigegeben wird. Mir wird nichts weggenommen, wenn Kinder nicht (wie ich) mit einem Vater und einer Mutter aufwachsen können. Mir wird nichts weggenommen, wenn sich einige Zeitgenossen (ganz gleich, welcher sexuellen Orientierung) in den Bumsbomber nach Bangkok setzen und weitestgehend ungeschoren davonkommen. Mir wird nichts weggenommen, wenn die Pädophilen-Lobby in den nächsten 30 Jahren ebenso erfolgreich durch die Institutionen marschiert, wie es die Schwulen-Lobby in den vergangenen 30 Jahren vorgemacht hat. Mir wird auch nichts weggenommen, wenn Kinder abgetrieben und mit dem überbleibenden "Humanmaterial" womöglich Kosmetik angerührt wird. 
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Da die perfide Frage jeden Ansatz einer doch sonst so hochgelobten "Nachhaltigkeit" vermissen läßt, mag auch gelten, daß mir nichts weggenommen wird, wenn Öl-Konzerne in Nigeria zum Schaden von Mensch und Umwelt Gas abfackeln, die Fische im Meer statt Plankton Plastiktüten fressen oder Regenwälder weggehauen und plattgewalzt werden; denn nach mir die Sintflut - ökologisch, ökonomisch, anthropologisch, soziologisch!
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Übrigens wird mir auch nichts genommen, wenn Ordensgeistliche, die obendrein damit kokettieren, sie wären "Journalisten" (bei bestenfalls mittelmäßiger Schreibe, sollte das blog beispielhaft sein), wenn also solche (auf ihre Weise) klerikalen Karikaturen einfach den Mund halten, sofern sie denn glauben, der Welt auf den Strich gehen zu müssen.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Zum Gedenktag des hl. Alexius

der hl. Alexius -Darstellungen in der Pfarrkirche
St. Alexius, Herbolzheim im Breisgau
Ein junger Römer, Sohn eines Senators, sucht kurz vor seiner Hochzeit das Weite. 17 Jahre bringt er in Edessa zu und bestreitet seinen Lebensunterhalt als frommer Bettler vor einer Kirche. Als seine Zeitgenossen auf den Gedanken kommen, es müsse sich um einen Heiligen handeln, kehrt er Edessa den Rücken und kehrt nach Hause zurück - wo er weitere 17 Jahre unerkannt im Hause seines Vaters lebt. Man hatte dem mittellosen Fremden gestattet, unter einer Treppe sein Lager aufzuschlagen. Als er im Sterben liegt, gibt er sich zu erkennen. Der 17. Juli 417 gilt als Geburtstag für das ewige Leben.
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Was die Legende über das Leben des hl. Alexius erzählt, hinterlässt viele Fragezeichen - vielleicht liegt das darin, daß wir bei Heiligen gerne das suchen, womit wir uns selbst identifizieren können (oder würden): die Sanftmut des einen, der Starkmut des anderen, hier die Barmherzigkeit, da die so innige Gottesminne, geistliche Weisheit und leuchtende Theologie, Opfermut, Zeugniskraft, Hingabe und so weiter. Und dann das: Ein, sit venia verbo, Penner unter der Treppe. Denn das war Alexius offenkundig - ein Penner. Und ein Heiliger. Ein heiliger Penner. 
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Wer, bitte, will sich schon so sehen - als Alexius? Dessen Legende nimmt übrigens auffallend deutlich biographische Linien vorweg, welche, dies nur am Rande bemerkt, einige Jahrhunderte später im Leben des hl. Joseph Benedikt Labre sicher verbürgt sind.
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Die fast schon beruhigende Nachricht: Wir müssen uns auch nicht so sehen. Gott geht mit uns einen je eigenen Weg, teilt Charismen aus und stellt sich immer neu auf unsere Wege ein (manchmal stellt er sich auch in den Weg). Dies bedeutet freilich, daß wir die Wege akzeptieren müssen, die Gott mit manchen Mitmenschen geht - auch, wenn wir sie nicht verstehen mögen und uns diese Wege zuwider scheinen. Noch eines mag uns der Weg des hl. Alexius vor Augen führen: Auch Penner können Heilige sein. Nur Gott sieht in die Herzen. Daß wir dies nicht vergessen, dazu helfe uns der hl. Alexius durch seine Fürsprache: Sancte Alexi, ora pro nobis!

Dienstag, 16. Juli 2013

Im Schmuck eines gnadenvollen Kleides

Unsere Liebe Frau übergibt dem hl. Simon Stock das Skapulier -
Bild im Auszug des Marienaltars der Kirche Mariä Krönung,
Oberried im Schwarzwald
Die orientalische Kirche besingt in einem Sticheron das Kleid der Gottesgebärerin. Diese Hymnenstrophe hat, zugegeben, nichts mit dem Skapulier zu tun, an welches uns das heutige Gedächtnis Unserer Lieben Frau vom Berg Karmel (Skapulierfest) erinnert; vielmehr wird dieser Gesang am Vorabend des Festes der Niederlegung des kostbaren Gewandes unserer hochheiligen Herrin, der Gottesgebärerin, in der Blachernenkirche zu Konstantinopel (2. Juli) angestimmt. Die Worte dieses Preisliedes können wir aber auch auf das Skapulier hin erwägen:
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Wie ein hellstrahlender Kranz,
ganz makellose Gottesgebärerin,
wurde dein heiliges Kleid
der Kirche Gottes aufgesetzt;
heute wurde sie mit ihm geschmückt.
Bei der Mysterienfeier, Herrin, ruft sie dir zu:
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Freue dich, ehrwürdiges Diadem
und Krone deiner göttlichen Herrlichkeit!
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Freue dich, einziger Ruhm der Geistesfülle
und ewiges Frohlocken!
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Freue dich, Hafen derer, die zu dir fliehen,
und Schutz und unsere Rettung!
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Wenn wir nun gerade bei solch geistlichen Gewändern sind, dann könnten wir auch an das Taufkleid denken, das uns einst aufgelegt worden ist - unser "Grundskapulier" sozusagen. Im Taufritus der außerordentlichen Form des römischen Ritus ist dies mit folgenden Worten verbunden:
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Empfange das weiße Kleid
und bringe es makellos
vor den Richterstuhl 
unserer Kyrios Jesus Christus,
auf daß du das ewige Leben habest.
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Das Taufkleid ist ein Zeichen jenes Gewandes der Gnade, das wir seither pneumatisch tragen - sofern wir es nicht verlumpen lassen, bis es uns in Fetzen vom Leib fällt ... gebe Gott auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau, daß wir in ihm - als einem hochzeitlichen Kleid - einmal vor den königlichen Kyrios (vgl. Mt 22, 1-14)  treten können.

Montag, 15. Juli 2013

Vor dem Empfang des Herrenmahles

Das Heilige den Heiligen!
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Dadurch nahen wir uns 
der Majestät dieser Gemeinschaft, 
in diesem Sinne 
mit diesem Opfer und 
mit diesem Bekenntnis, 
mit Furcht und
mit Liebe
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muß die heilige
und unsterbliche Speise
empfangen werden.
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In diesem Sinne antworten alle,
sobald der Priester
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das Heilige den Heiligen
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gesagt hat, und sprechen:
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Ein heiliger Vater,
ein heiliger Sohn,
ein Heiliger Geist!
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Sie bekennen, daß die
Natur wahrhaft heilig ist,
welche Vater, Sohn und Heiliger Geist ist, 
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jene Natur,
die als einzige 
von Ewigkeit existiert
und als einzige
unwandelbar ist
und als einzige
die Heiligkeit dem verleihen kann, 
dem sie will.
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Sie fügen nun an:
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Ehre sei dem Vater
und dem Sohn
und dem Heiligen Geist
in alle Ewigkeit. Amen.
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aus der zweiten Homilie über die Eucharistie (16. Homilie) des Bischofs Theodor von Mopsuestia (um 350-428), Nr. 23 in: Theodor von Mopsuestia: Katechetische Homilien. Zweiter Teilband. (Fontes Christiani 17/2). Freiburg 1995. S. 438.

Samstag, 13. Juli 2013

Zu Kult und Sprache, Liturgie und Latein

Odo Casel OSB
Zu der aus dem Wesen hervorgehenden Form gehört auch die Sprache. Sie ist nicht die Sprache des Alltags, auch nicht die gehobene Sprache des eigenen Volkes, sondern eine durch Alter, Tradition, Geschichte ehrwürdige Kultsprache, bei uns die lateinische.
Eine besondere Auszeichnung dieser Sprache besteht schon darin, daß sie über die nationalen Grenzen der Neuzeit hinweghebt und einen religiösen und kulturellen Universalismus bekennt. Sie führt uns damit in das Mittelalter zurück, wo es ein kräftiges Volkstum gab, über den völkischen Grenzen aber eine wirklich europäische Kultureinheit sich wölbte. Schon durch die eine lateinische Sprache stellte die Kirche des Abendlandes ein ins Geistige und Religiöse erhobenes Imperium Romanum dar, wie ja auch historisch der Gebrauch der kirchlichen Sprache auf der Ausdehnung des römischen Reiches beruht. Im Osten, wo die Römer auf die überlegene hellenistische Kultur stießen, hat auch die Kirche das Griechische, Syrische, Koptische beibehalten. Aber auch in diesen Teilen der Kirche wird nicht die lebende Sprache, sondern eine ältere, unveränderliche Form von ihr im Kulte gebraucht.
Der Kult, der sich an Gott wendet, Gott ehren und die Menschen zu Gott führen will, benutzt bei allen Völkern lieber über den Alltag erhobene, feststehende, vom Geheimnis umwitterte und dadurch das Ewige der Gottheit andeutende Formen. 
Das Mysterium will nicht im grellen Lichte allen sichtbar dastehen, es will seinen übernatürlichen Wert auch im kostbaren, seltenen Gewande zeigen. (*) "Cotidiana vilescunt - Das Alltägliche wird gemein", ist ein alter, wahrer Spruch. 
Zugleich bringt die fremde Sprache eine größere Ruhe in die Liturgie. Was in der eigenen Sprache grell und aufdringlich wirken könnte, das beschwichtigt sich, nimmt ruhigere und vornehmere Gebärde an durch den Edelglanz der altgeheiligten Worte. 
So dient denn auch die liturgische Sprache der von der Liturgie zu lösenden Aufgabe, zu den Menschen vom Göttlichen zu reden, sie nicht etwa über Leid und Mühe hinwegzutäuschen, sondern jene innerlich zu überwinden und die Menschen etwas von der Verklärung des Himmels, seiner Harmonie und seinem Glücke kosten zu lassen, so wie die Abendsonne mit ihrem Glühen die Stätten der Menschen die Stätten der Menschen, die tagsüber Leid und Mühe gesehen, vergoldet und verklärt.
(*) [Verweis auf Fußnote 15] Nebenbei sei bemerkt, daß unsere heutige, vom Subjektivismus zersetzte Sprache gar nicht imstande ist, ohne eine Reinigung und Erhöhung die objektiven göttlichen Werte der Liturgie auszudrücken, so wenig wie etwa unsere heutigen Gesten ohne weiteres in den Kult übernommen werden können.
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Odo Casel OSB: Aus dem Kapitel Der heilige Tag der Kirche. In: Das christliche Kultmysterium. Regensburg (4) 1960. S. 109 f.

Klarheit statt Klittern

Ausgehend von der Entscheidung des Heiligen Vaters, während des WJT in Brasilien die Heilige Messe in portugiesischer Spreche zu feiern, erwägt¡Buen Camino! Sinn und Wert der lateinischen Kultsprache. Nur Kultsprache? Eben nicht, folgte man diesen Überlegungen - auch für die Integrität der Glaubenslehre ist Latein ein hoher Garant:
Die Sprachenzersplitterung ohne den Kitt des Lateinischen war und ist gefährlich für die Gemeinschaft der Universalkirche und den Inhalt des Glaubens. Häresien wurde immer über Sprachklitterung und Ungenauigkeit salonfähig und standfest gemacht.
Nun gut, vielleicht nicht "immer", aber in unserer Zeit immer wieder gerne. Eine der Strategien, die darauf verwandt werden, greift auf semantische Sperenzchen zurück und ließ sich jüngst im Rahmen der Blogozese beobachten: 
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Erst wurde in der Botschaft vom Kyrios, der einmal kommen wird, "Gericht zu halten über die Lebenden und die Toten" (iudicare vivos et mortuos), das strenge Wort iudicare in seiner deutsche Bedeutung "richten" wiedergegeben, um es von dort aus in allerlei Fabeleien aufzulösen - wie etwa "aufrichten" etc. Deutlicher kann man, möchte man meinen, eine wiewohl unbequem dünkende, aber verbindliche Glaubenslehre nicht "hinrichten".
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Die Erwägungen von ¡Buen Camino! sind hier zu finden.

¶ Sententiæ XXXVI

Es ist der Sinn des wahren Gebetes, daß man seine enge Begrenztheit hinter sich läßt, um sich mit göttlicher Kraft erfüllen zu lassen (Odo Casel OSB).

Freitag, 12. Juli 2013

Hübsch hier! Hütten bauen?

Maria-Magdalena-Kirche Freiburg-Rieselfeld
Die Kirche der hl. Maria Magdalena im Freiburger Stadtteil Rieselfeld ist nicht gerade meine erste Wahl. Der Betonbau heizt sich im Sommer merklich auf und statt nach Weihrauch riecht es nach dem Korbgeflecht der Stühle. Das freilich sind Nebensächlichkeiten. Mehr ins Gewicht fällt, daß der Blick - mir geht es jedenfalls so - in diesem Raum keine rechte Orientierung findet und mithin nur schwer zur Ruhe kommen mag. Am besten schließt man die Augen oder schaut in ein Buch ... da es aber die einzige offene Kirche auf meinem üblichen Weg zwischen Wohnstatt und Arbeitsplatz ist, suche ich sie öfter mal auf.
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Die Sext am Freitag, ausgerechnet Psalm 83 steht auf dem Programm, ruft die Unwirtlichkeit dieses Sakralraumes irgendwie ins Gemüt: Quam dilecta habitatio tua, Domine ... "was für ein Wohlgefallen weckt dein Zuhause, Herr der Heerscharen" ... und weiter: desiderat, languens concupiscit anima mea atria domini ... "es siecht vor Sehnsucht und begehrt meine Seele nach den Vorhöfen des Herrn!" - wie wahr ...
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Will man dem Raum irgendetwas Positives ex negativo ablauschen, dann vielleicht dies - daß er einem sagen könne, dieses Aion sei nicht unser Zuhause und es seien auch unsere Kirchen, so prachtvoll sie manchmal sein mögen, nur ein Vorläufiges, nur Verweis, bestenfalls der Vorhof vom Vorhof (und dennoch ein Stück Himmel!).
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Eine Binsenweisheit? Vielleicht. Aber wie schnell sind wir dabei, es uns gemütlich zu machen, sowohl in den weltlichen Umtrieben als auch in den geistlichen Dingen: "Herr, hier ist gut sein. Wir wollen drei Hütten bauen" (Mk 9, 5). Das oben erwähnte Wohlgefallen, welches die Sehnsucht rührt, sollte nicht in ein "Hübsch hier" umschlagen, das uns dazu animiert, uns dauerhaft einzurichten und die Füße hochzulegen. 
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Psalm 83 erinnert uns schließlich daran, daß wir auf dem Weg sind:
Selig der Mann, dessen Hilfe von dir kommt, * wenn er sinnt auf heilige Wege: Im Durchgang durch das ausgetrocknete Tal läßt du Quellen diesem entspringen, * mit Segensfülle umkleidet es der Frühregen.
Und während mir das so durch den Kopf ging, zwitscherte - irgendwo draußen - ein Spatz ...

Vom Tag

... Diese Not besteht aber zu einem großen Teil darin, daß unsere Tage keine Tage mehr sind. Keine Tage mehr in dem Sinne, in dem die Heilige Schrift vom Tage spricht. 
Der Tag ist Gottes, sagt sie uns, sein Werk und darum sein Eigentum. Als erstes von den Dingen dieser Welt trat er mit dem Lichte zugleich ins Dasein: "Es ward Abend und Morgen: ein Tag" (Gen 1, 5). "Dein ist der Tag" (Ps 73, 16), bekennt darum der Psalmist, und: Ordinatione tua perseverat dies (Ps 118, 91; Vulg.). "Durch deine Ordnung dauert der Tag".
Wir aber sind aus der Ordnung Gottes herausgefallen; darum hat unser Tag keine Dauer mehr. Er rinnt uns unter den Händen weg, und am Abend ist er wie nicht gewesen. Wir haben in mechanisch in wohlgemessene, völlig gleiche Zeitstücke geteilt, und so brauchen wir ihn auf, stückweise, nach unserer Ordnung, als, als unser Eigentum, und verlieren ihn umso mehr, je besser wir ihn zu nutzen trachten; denn die Ordnung des Menschen hat keinen Bestand.
Wollten wir nicht Herr sein über den Tag und ihn regeln und verbrauchen, als wäre er unser, wollten wir ihn aus Gottes als Gottes Eigentum empfangen und Gottes Ordnung in ihm erkennen, so wäre kein Tag uns verloren: ein jeder käme und brächte uns Gaben und ließe Samen der Zukunft in uns zurück. Dann erführen wir den Reichtum des Tages, in dem der Morgen seine eigene Gnade hat, eine andere der Mittag und wiederum der Abend die seine. Dann erkennten wir, daß der Herr anders in der Frühe zu uns kommt und anders in der dritten Stunde, anders in der sechsten Stunde, anders in der neunten und wieder anders am Abend, und daß er doch zu allen Stunden der gleiche ist, ob er auch die Gestalt seines Kommens wechselt, um unseretwillen, die wir das Göttlich-Eine und Immer-Gleiche noch nicht zu ertragen vermögen; und daß keine Stunde des Tages ist, es sei die dunkelste oder die hellste, in der er nicht käme.
Aemiliana Löhr OSB: Abend und Morgen ein Tag. Die Hymnen der Herrentage und Wochentage im Stundengebet. Regensburg 1955. S. 10 f. - Bilder: Sonne und Mond als Emblemata in der Pfarrkirche St. Alexius, Herbolzheim / Baden.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Tannenbaum-Toskana

Kein Wunder, daß man kaum zum Bloggen kommt, wenn man nach des Tages Müh' um Klöster rumschleicht ... immerhin ist heute im Kalender der forma ordinaria das Fest des hl. Benedikt ... und warum überhaupt in der Ferne schweifen, alldieweil die Tannenbaum-Toskana vor der Haustüre liegt ...?
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