Sonntag, 30. Juni 2013

Dialogprozess und Freiburger Ordinariat in Bildern

Nachdem sich die ersten Jahrzehnte der 1827 gegründeten Erzdiözese Freiburg ziemlich turbulent - Stichwort Kulturkampf - gestaltet hatten, wuchs im ruhigeren Fahrwasser zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Wunsch, ein "Regierungsgebäude des Metropoliten der Oberrheinischen Kirchenprovinz" zu errichten, welches dem neu gewonnen Selbstbewußtsein der Kirche Ausdruck verleihe. Dieses Ansinnen wurde unter Federführung des Architekten Raimund Jeblinger zwischen 1903 und 1906 mit dem Bau des Erzbischöflichen Ordinariats realisiert, dessen Äußeres geradezu als Trutzburg in burgundisch-neoromanischem Stil angelegt ist.
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Innen dominiert ein mitunter prallbunter Historismus, nicht zuletzt durch die Ausmalung einiger repäsentativer Räume durch den Maler Franz Schilling - so führt das Ordinariatsgebäude Elemente verschiedenster Stile zusammen und vereint Einflüsse aus der ägyptischen, der keltischen und der byzantinischen Kunst mit Formprizipien, die teils der Romanik, teils der Beuroner Kunstschule, teils dem Jugendstil entnommen sind. 
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Hierzu einige Eindrücke von meinem heutigen Bilderbeutezug. Überraschender Weise hat man - wie aus dem letzten Photo ersichtlich - bereits vor über einhundert Jahren den Dialogprozess vorhergesehen und auch Reaktionen darauf illustriert ...
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Treppenhaus - das oberste Geschoss
Sitzungssaal des Erzbischofs und des Domkapitels































Nörbersaal nach Ordinariatserbauer Erzbischof Thomas Nörber















Nörbersaal - Blick zur Decke mit Fabelwasel















Nörbersaal - Dialogprozess (links), konservative Blogger (rechts)

Diözesantag Freiburg 2013

Kurz nach Drei tobt der Bär auf der Bühne. Und die Massen davor können sich kaum auf den Sitzen halten ...
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Stop! Das ist natürlich wieder ein oberfieser Einstieg. Also nochmal auf Start: In Freiburg stand heute der Diözesantag auf dem Programm. Es waren durchaus mehr Besucher zugegen, als das obige Bild vermuten läßt. Kurz nach Drei, zurück aus Basel, bin ich da mal kurz durchgepirscht und bekam etwas Pop auf die Ohren - was nicht weiter schlimm war, schließlich muß man sich nicht am laufenden Meter fromm beömmeln.
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Meinereiner beispielswegen hatte vor allem das Erzbischöfliche Ordinariat im Visier, in welchem die Türen zu einigen besonders prächtig ausgestatteten Repräsentationsräumen offen standen: die günstige Gelegenheit, das Bildarchiv um einige historistische Motive zu erweitern (die Bilder muß ich aber erst noch auswerten)!
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Danach bei der eucharistischen Anbetung in der Konviktskirche neben dem Ordinariat vorbeigeschaut und alsbald das Weite gesucht, als ein Dominikaner mit Gitarre und Liederbüchern in Aktion zu treten schien, obschon vor der Kirche bereits eine Klezmer-Truppe fiedelte, sprang und pfiff. Dafür lief ich alsdann dem Bischof von Ala Miliaria über den Weg:

Da dieser Bischofssitz irgendwo im nordalgerischen Wüstensand Verschutt gegangen ist, steht (Weih-) Bischof Rainer Klug dem Freiburger Erzbischof zur Seite. Letzteren hätte ich ebenfalls beinahe auch vor die Linse bekommen. Freilich nur beinahe ... aber ich hatte ja ohnehin schon sein Ölbild im Ordinariat photographiert, weil ich die Mitarbeiterin nicht enttäuschen wollte, die mich extra darauf hinwies und obendrein eine Absperrung wegräumte (bald danach ging die Akkuladung der Kamera zu Neige) ...

Samstag, 29. Juni 2013

Das walte Gott! Amen.

In meinem Bücherregal stehen auch einige wenige Werke von Karl Rahner SJ, oft schwere Kost (wenn man denn die Rübe mal reinhält), manchmal aber auch gewinnbringend und relativ unkompliziert zu lesen wie die meines Ermessens sehr packende Frühschrift Von der Not und dem Segen des Gebetes. Dieser Sammlung zählt zudem das Büchlein Gebete des Lebens zu, welches diverse Gebetstexte aus Rahners Feder versammelt und in das reinzuschauen zeitweilig geistlich anregend sein kann. Allerdings beschleicht mich bei diesen Gebete in einigen Fällen der Verdacht, daß Rahner hin und wieder seine Kritik an der Kirche in einer Form einfließen läßt, die über eine reine und lautere Klage des Betenden hinausgreift. Davon mag man nun halten, was immer man will, sofern dieser mein Eindruck überhaupt zutreffen ist. Was auf der Ebene der Kritik freilich "funktioniert", sollte erst recht auf der Ebene des Lobes möglich sein ...
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Und also danke ich heute, am Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus, dem allmächtigen Gott für die Ekklesia und nicht zuletzt für deren römische Zentrale! Seien wir froh, daß es wenigstens eine Institution gibt, die im Gewoge so vieler Meinungen und Ansichten eine sinnvolle Marschrichtung bestimmt, auf daß die Herde nicht in alle Richtungen ziellos auseinander trabe und dem Hirten entlaufe! Lassen wir uns von Dogmen und Lehrsätzen und Katechismen aufbauen, statt bei deren Demontage mitzumischen! Herr und Gott, laß uns nicht an dem Ast sägen, auf dem du uns ein Nest bereitet hast, in welchem wir sitzen und glauben und hoffen und lieben können! Seien wir dankbar, daß mitten im Hüh und Hott und Hick und Hack der Theologen Il santo padre etwas aufbieten kann, worauf wir uns - Dank jenes deiner Ekklesia verheißenen Pneumas - verlassen können, und freuen wir uns mittenmang in der Welt über die gläubige Widerständigkeit der Päpste zur Welt aus dem Geist des hl. Paulus, der sich bei all dem auch immer bewußt war, daß er in der Welt stand, Stachel inbegriffen. Bitten wir überdies Gott, er reiße uns immer wieder aus der Bequemlichkeit unserer je subjektiv dahergeschusterten Kuschelecken und Teestuben und er möge uns nicht zuletzt vor einem Erstarken gewisser "ortskirchlicher" Strukturen und der damit aktuell absehbaren Verwahrlosung des katholischen Glaubens bewahren. Und weil wir uns des Segens all dieser schönen Sachen, die wir hier erbitten, sicher sein dürfen, können wir sogar gut lutherisch drauf sagen: Das walte Gott! Und auf die Fürsprache der heiligen Apostel! Amen.

Und auf die Piusbrüder ...

... bin ich aktuell ebenfalls nicht gut zu sprechen, nachdem diese gerade drauf und dran sind, die "erklärte" Rolle rückwärts in eine ominöse Kirche des "Ewigen Rom, der Lehrerin der Weisheit und Wahrheit" (Erzbischof Marcel Lefebvre) zu vollziehen, als ob man die Ekklesia , den mystischen Leib Christi, in ihrem glaubenden - wie auch den Glauben bezeugenden - Selbstvollzug aufspalten könnte in ein konkretes gruseliges Heute und ein unkonkretes glorreiches Gestern (oder meinethalben auch Morgen). Letztlich untergräbt man, gute Absichten hin oder her, die Glaubwürdigkeit der von Christus gestifteten Institution. Es gibt keine Gleichzeitigkeit der Kirche in zwei Varianten; es kann auch keine geben: Die Catholica ist eine - heute, gestern und morgen.

Und obendrein tritt man in diesem Zusammenhang Odo Casel OSB ans Schienbein. Denn, so steht in jenem Passus dieser Erklärung aus Anlass des 25. Jahrestages der Bischofsweihen vom 30. Juni 1988 (hier), der sich mit der Liturgie beschäftigt, zu lesen, verwische und verdunkle die ordentliche Form des römischen Ritus "in der Tat ..."
... den Opfer- und Sühnegedanken des eucharistischen Opfers. Dahinter verborgen steht in diesem Ritus die neue und falsche Theorie des Ostergeheimnisses (Mysterium pascalis [sic!]). Beides zerstört die katholische Spiritualität, die auf dem Opfer unseres Herrn auf Kalvaria begründet ist. Diese Messe ist von einem ökumenischen und protestantischen, demokratischen und humanistischen Geist durchdrungen, der das Opfer des Kreuzes zum Verschwinden bringt.
Wer die Mysterienthoeologie Casels ohne einen Hauch von Selbstzweifel zuerst vom Tisch wischt, um sie danach auch noch als offenbar systemimmanente Ursache diverser soziologischer Prädikate zu buchstabieren, der hat nicht nur Casel nicht verstanden, sondern der beleidigt auch die Liturgie der Väterzeit.

Freitag, 28. Juni 2013

Das Frustometer läuft mal wieder etwas über

Hin und wieder werden in der Blogozese diverse Scharmützel gefochten, die Frontlinie verläuft hierbei in der Regel zwischen Bloggern, die einerseits eine lehramtskonforme Definition dessen ver- (und dafür ein-) treten, was mit Fug und Recht "katholisch" genannt werden kann, und andererseits den Anderen. Aktuell erleben wir ein solches Scharmützel zwischen Pulchra et luna und Frechfrommfrau. Da ich letztere Seite nicht verlinke, zugleich hier aber Fairness walten lassen möchte, weise ich darauf hin, daß "Pula" über die Seitenleiste erreichbar ist, jener andere Auftritt aber über Suchmaschinen.
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Es geht mir ohnehin nicht um die derzeitige Debatte, was es mit dem Kommen des Kyrios zum Gericht auf sich habe. Die Ekklesia vermittelt hier auf der Grundlage von Schrift und Überlieferung einige ebenso deutliche wie verbindliche Anhaltspunkte. An die kann man sich halten - oder auch nicht. So wie man die Wahl hat, katholisch zu sein - oder auch nicht. Das schließt nicht aus, daß man persönlich um dogmatische Vorgaben ringen kann; dies kann auch sogenannt "kirchentreuen" Katholiken widerfahren. Es ist nur so ... hat zum Beispiel ein Mann fortlaufende Schwierigkeiten, auf Sex zu verzichten, dann ist dies nicht unbedingt die optimale Disposition, um in ein Kloster einzutreten. Aber zurück zu dem, was mich hier eigentlich interessiert.
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Am Rande jenes Disputs kamen die Umgangsformen in der Blogozese einmal mehr zur Sprache. In der Regel sind es die (nennen wir sie mal:) Progressiven, die einen rauhen Ton bekritteln. Fürwahr, das kommt vor. Mir stellen sich beim Lesen mancher Beiträge der (nennen wir sie mal:) Kirchentreuen auch gelegentlich die Nackenhaare auf. Womöglich lösen auch meine Texte hin und wieder Schüttelfrost aus. Nebenbei bemerkt: Pula formuliert zwar gelegentlich mit gespitzter Zunge, bleibt meines Ermessens aber im Rahmen des Vertretbaren.
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Keineswegs falsch ist freilich die Beobachtung, daß manche der Kirchentreuen manchmal etwas (nennen wir es mal:) Aggro drauf sind.
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Muß man sich - dies nun ausdrücklich abseits jener am aktuellen Disput Beteiligten gesprochen - darob wundern?
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Wenn der eigene blog jenes quasi unitäre Forum ist, wo man seinen Frust über diese ganze halb- und viertelgläubige Belegschaft, die in der deutschen Kirche das (nennen wir es mal:) mittlere Management dominiert, ablassen kann? Ein Frust, der sich nicht zuletzt auch daraus speist, daß kirchentreue Katholiken von eben dieser Belegschaft in den Gemeinden und "vor Ort" gerne ausgegrenzt werden. Ein Frust, der sich aus den teils sehr sublimen Strategien speist, die hierzu angewendet werden und von denen die Denunziation als "Gestriger" noch eine harmlose Spielart ist. 
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Ein Beispiel: Mehrfach begegnete mir in letzter Zeit ein besonders perfides Argument, jüngst hat Sophophilo (hier) eine Spielart davon präsentiert. Wer, so behaupten es progressive Strategen zwischenzeitlich fintenreich, an römischen Vorgaben festhalte und diese gegen lokale Gegebenheiten, Praktiken, Auffassungen, Gepflogenheiten, Optionen oder Wolkenkuckucksheime zur Geltung bringen möchte, der spalte die Kirche. Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen! Da kommen also diese Strategen daher, die seit Jahrzehnten die Gläubigen in die Irre führen, die anstelle des anstößigen depositum fidei ihre zeitgeistigen Weichspülphilosophien propagieren, die keine Ahnung haben von der Größe, von der Schönheit, von der über die Zeit ausgreifenden Weite und vom herausfordernden Wesen der Ekklesia, die hingegen die Catholica mit dem Gift ihres Spaltpilzes zersetzen ... und drehen den Spieß einfach um: Nicht sie seien die Spalter! Nein! 
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Gewiß: Die Kirchentreuen tragen tatsächlich ein Spaltpotential in sich, deswegen bläst ihnen auch regelmäßig eine steife Brise ins Gesicht. Sie könnten nämlich mit ihren ungemütlichen Ansichten jene Kuschelecken, die einem der Ekklesia erfolgreich entfremdeten Kirchenvolk als Kirchensurrogat "liebevoll" eingerichtet wurden, in Unordnung bringen. Deswegen ist jede Strategie recht, diese Zeitgenossen mundtot zu kriegen, und kein Mittel dreckig genug, um die eigenen Ziele durchzusetzen - je nach Fall helfen Schweigespirale ("denen geben wir kein Forum"), Denunziantentum ("die melden wir mal vorsichtshalber nach oben"), Boykott von zart bis hart ("kein Platz in der Herberge" bis "die lassen wir so richtig auflaufen"), aufgeblasene Empörung ("über sowas diskutieren wir hier nicht. Basta"), Unterstellungen ("klingt wie Piusbrüder") und bzw. oder Insinuationen ("die Tradition ist antisemitisch") weiter. Und dann gibt es noch die bewährte Strategie, alles, was nach Treue zum Lehramt riecht, in der Vormoderne zu verorten und ins Lächerliche zu ziehen.
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Der rauhe Ton, der hin und wieder in der Blogozese zu vernehmen ist, taugt gewiß nicht als Ideal christlicher Kommunikation. Er scheint mir aber ehrlicher als das Geschwätz von Liebe, wo diese letztlich fehlt.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Ließ sich in Texas gerade die Fratze des Todes blicken?

Von der Bildunterschrift sollte man sich nicht irreführen lassen. Und so glaubt man, von Zeit zu Zeit in den Gesichtern von Mitmenschen die Fratze des Todes zu sehen (hier).

Familiäres

Der Annuntiator weist auf aktuelle Langzeitstudien hin, welche die Folgen der Krippenbetreuung von Kleinstkindern in den Blick fassen. Dabei unterbreitet er die sympathische Idee einer "Art CSD für Mütter. Also Straßenumzüge, wo werdende Mütter und Mütter mit ihren Kindern einen bunten Straßenumzug gestalten" (hier).
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Assoziativ fiel mir dabei wieder ein, daß sich hier in Freiburg vor einigen Jahren einige Eltern zu einer Initiative, in der man sich auch gegenseitig unterstützen wollte, zusammengetan hatten - keine Ahnung, was daraus geworden ist. Interessant genug schien den Medien damals der Kreis der Beteiligten - diese kamen keineswegs aus sozial absteigenden "Milieus" oder waren mit "Hintergründen" gleich welcher Art behaftet. Hier artikulierte sich schlicht und einfach die Mittelschicht. Die Medien fragten dann bei der Gründung natürlich näher nach, worin denn dann der nähere Zweck dieser Initiative bestehe und welche Ziele man verfolge wolle. 
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Ich erinnere mich noch gut an die Antwort, in der auch eine ordentliches Portion an Frustration mitschwang: Während vielen Randgruppen und Minderheiten ein großes Maß an Förderungen und Angeboten unterbreitet würde, lasse man "normale" Familien mit deren spezifischen Problemen überwiegend allein ...

Dienstag, 25. Juni 2013

Seht das Lamm Gottes

Dem Schaffen des zeitgenössischen Bildhauers Helmut Lutz stehe ich in der Regel eher kritisch gegenüber - das liegt auch ein wenig daran, daß er mit diversen Werken in nicht wenigen Kirchen der Region präsent ist; mitunter kann dies auch zu einem gewissen Überdruss führen. Auch ist Lutzens ausgeprägter Personalstil nicht immer mein Fall. Bei meiner Pfarrkirche bin ich mir zum Beispiel bis heute noch nicht sicher, ob die nachkonziliar erzeugte Öde letztlich doch von kleinerem Übel war - angesichts der jüngeren Neugestaltung durch Lutz, auch wenn dabei einige Bilder und Skulpturen eingearbeitet (und somit wieder in die Kirche zurückgeholt) wurden, die man Ende der 1960er-Jahre hinausgeworfen hatte. 
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Sehr eindrücklich fand ich dieser Tage jedoch seinen Kreuzweg in der Kirche St. Nikolaus in Schluchsee. Für die 12. Station kombinierte er zum Beispiel einen alten Crucifixus mit Maria und Johannes dem Täufer, der auf das "Lamm Gottes" weist - meines Ermessens eine Reminiszenz an das Kreuzigungsbild des Isenheimer Altars in Colmar, auf das die Ankerperlenfrau gestern auch schon zu sprechen kam (hier) ...

Montag, 24. Juni 2013

Der große Mensch

Der hl. Johannes der Täufer - am Hochaltar der Pfarrkirche
St. Johannes Baptist, Saig im Schwarzwald

Vere dignum et iustum est, 
æquum et salutare, 
nos tibi semper et ubique gratias agere: 
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Domine, sancte Pater, 
omnipotens æterne Deus: 
per Christum Dominum nostrum.
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Quem Johannes precessit nascendo, 
et in desertis heremi predicando, 
et in fluentis Jordanicis baptizando, 
et ad inferna descendo. 
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Cuius venerande nativitatis 
proxime ventura sollemnitas 
ita nos, quesumus, (tibi) placitos reddat,
 ut cum fructu honorum operum 
ad regna cælestia introducat. 
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Ut parando in cordibus vestris 
viam domino, 
fructusque dignos paenitentiae faciendo, 
per predicationem Johannis, 
obtemperemus monitis nostri salvatoris. 
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Sicque perveniamus per filium sterilis 
ad filium virginis, 
per iohannem hominem magnum 
ad eundem dominum nostrum 
hominem deum, 
Qui sicut venit 
ad nos redimendum ocultus, 
ita iustificet quum 
ad iudicandum venerit manifestus.
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In Wahrheit ist es würdig und recht,
angemessen und heilsam,
dir immer und überall Dank zu sagen:
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Herr, Heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
durch Christus, unseren Kyrios.
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Ihm ging Johannes voran in seiner Geburt,
in seiner Predigt in der einsamen Wüste,
in seinem Taufen in den Jordanfluten,
in seinem Abstieg zur Unterwelt.
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Das nahe Hochfest
der verehrungswürdigen Geburt Christi
mache uns dir so wohlgefällig,
daß er uns mit der Frucht guter Werke
in die himmlischen Reiche einführe.
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Auf daß wir in unseren Herzen 
dem Herrn den Weg bereiten
und würdige Früchte der Buße bringen,
laßt uns auf die Predigt des Johannes hin den
Weisungen unseres Erlösers gehorchen.
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So mögen wir durch den Sohn der Unfruchtbaren
zum Sohn der Jungfrau,
durch Johannes, den großen Menschen,
zu unserem Kyrios,
der Gott ist und Mensch, gelangen,
und der so, wie er als der Verborgene kam,
uns zu heilen,
uns rechtfertige, wenn er 
offenbar kommt zum Gericht.
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 Präfation für den vierten Sonntag im Advent im Leofric Missale (Exeter, 10./11. Jahrhundert).

Verweltlichung von innen

Man habe hier "das Dokument eines spektakulären Versuchs der Verweltlichung von innen", befindet Jan Fleischhauer in seiner Kolumne Der schwarze Kanal auf Spiegel online angesichts der neuesten Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema Familie. Ferner: 
Die Evangelische Kirche will nicht mehr urteilen, sondern nur noch verstehen. "Fühl dich wohl", heißt die frohe Botschaft ihrer Vertreter. Alle sind ihr gleichermaßen lieb: Das treusorgende Paar ebenso wie der Ehebrecher oder die Geschiedene, die vier Kinder von fünf Männern hat. Selbst der Talib kann in dieser Stuhlkreis-Theologie noch auf Anteilnahme hoffen. Mit ein paar guten Worten beziehungsweise ein wenig mehr "Phantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen", wird schließlich alles besser, wie es die unvergessene Margot Käßmann in heiliger Teestubeneinfalt schon vor Jahren verkündete.
Der ganze Text findet sich hier.

Sonntag, 23. Juni 2013

Euro-Flanke am Opferkerzenstock

"... leider geht's nicht ohne Geld" steht zwar so direkt nicht in den hochhirtlichen Formbriefen, die Pfarrer an Zeitgenossen senden sollen, die aus der Kirche ausgetreten sind - manchmal scheint aber Klartext fällig, wie in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Saig im Schwarzwald. Ein "Lichtlein" entzünden, ohne dafür zu löhnen? "Gott schaut Dir zu!" Nun gut, das Opfer im Wort Opferkerze soll sich ja bemerkbar machen. Aber bezog sich das nicht ohnehin mehr auf den Mesner, der alle Tage die Wachsreste der fromm dargebrachten Kerzen wegkratzen mußte?
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Schließlich wurden weiland richtige Opferkerzen mit Wachsschaft  und offenkundig eingebauter Tropfneigung feilgeboten, heute hingegen findet man mehrheitlich aufgepeppte Teelichtlein vor. Dafür war die Opferkerze traditioneller Provenienz in der Regel für 50 Pfennig zu haben; heute werden 50 Cent "erbeten" - typische Euro-Flanke, sag ich da nur. Daß die Stiftung Warentest noch nicht drauf angesprungen ist, mag beinahe verwundern ... "Kleinere Kerze für den doppelten Preis" oder so. Oder Report: "Zappenduster ohne Kohle - Wie die Kirche ihre Gläubigen bei Opferlichtern abzockt". Christian Weisner von Wisiki, wer möchte es bezweifeln, würde bereitwillig Rede und Antwort stehen ...
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Ich habe gestern trotzdem ein Lichtlein angezündet und vorneweg selbstverständlich die erbetene Summe erbracht; jetzt hoffe ich natürlich, daß Gott in jenem Augenblick, als der fünzigfache Cent in den Kasten sprang, nicht eben woanders hingeguckt hat ... ;-)

Wo ich heute ...

... eigentlich auch ganz gerne mit dabei wäre, nicht nur der Rosse und der Reiter wegen oder weil es offenkundig auch was zu Futtern gibt ("Weihe des Eulogibrotes"):
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Neckische Belauschung am Rande: Gestern im Bus durch - das bereits mit Fahnen und sonstigem Schmuck durchdekorierte - Lenzkirch unterhielten sich hinter mir zwei weitere Fahrgäste: Sie war wohl aus der Gegend, er berlinerte hingegen deutlich rum. Sie: Morgen ist hier Reiterprozession. Er: Ah ja, so Wild-West ... Sie: Nein, das ist von der Kirche. Er: Ach ja? ;-)

Samstag, 22. Juni 2013

Halbtagsurlaub mit angeschrägten Impressionen

Heute mal wieder einen ganz herzlichen Gruß ...
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... vom Titisee, einem Ort, an dem der black forrest so wenig unzweifelhaft, wie überdies unsäglich authentisch ist! Da kauft man ...
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... etwa Honig, den fleißige Bienen in der EU gesammelt haben! Da trifft der wäldertypische Bollenhut auf die beiden Amigos, und trotzdem sieht man nirgends Untote mit Bollenhüten rumlaufen (jedenfalls keine singenden) ... die Amigos kommen übrigens tatsächlich aus Villingen! ( ... allerdings nicht aus Villingen im Schwarzwald, sondern aus Villingen in Mittelhessen). Immerhin scheint die Landschaft echt, der Himmel blau und das Wasser aus H2O zu bestehen. Was will man mehr erwarten?
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Freitag, 21. Juni 2013

Nachhaltig indoktriniert

Schnipsel aus dem Kundenblättchen der
Freiburger Verkehrs AG
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Im Rahmen des deutschen Hangs zu nachhaltig politkorrektem Dummbratz finde ich (nicht nur vom 15. bis 21. Juli) solche nachhaltig aufgeblasenen Strategien und Aktionen zum Kotzen, und das in einer Nachhaltigkeitstour, die über 2013 garantiert hinausgreifen dürfte. Angesichts dreier heimgesuchter Städte sehe ich mich überdies nachhaltig inspiriert, diese gutmenschlichen Handlungs-Appelle nachhaltigst samt all ihrer Aufdringlichkeit in die Tonne zu kloppen ...

Donnerstag, 20. Juni 2013

Bessere Stimmung mit Fluchpsalmen

Im Nachmittag war irgendwie der Wurm drin. Auf der Arbeit lief nichts rund. Nach Feierabend begann sich die Stimmung auf einem fortwährenden Tiefpunkt einzupendeln, alldieweil mir der Bus vor der Nase wegbretterte. 20 Minuten warten, umplanen, Frust schieben. Der nächste Bus lieferte mich natürlich nicht da ab, wo ich eigentlich hinwollte; stattdessen landete ich wieder vor der Kirche der hl. Maria Magdalena, zur Stunde der Vesper. Nun soll man, erlaubt es die Zeit und kreuzt man eine Kirche, eintreten, sofern die Tore offen stehen - wurde jedenfalls neulich in einer Predigt eingeschärft, alles andere sei angesichts der Gegenwart Christi im Tabernakel für einen Katholiken ein Armutszeugnis.
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Das Eintreten habe ich trotzdem auf die lange Bank geschoben ... mir war so garnicht danach und mir nichts, dir nichts jetzt die Vesper zu beten fand ich angesichts der Gemütslage irgendwie ebenso unehrlich, wie ich im Augenblick auf "den da oben" etwas sauer war aufgrund der missratenen Fügungen. Statt einzutreten habe ich mir ein paar Meter weiter einen Kaffee geholt und mich gleich wieder rumgeärgert - denn kaum hatte man mir den Pott zugeschoben, sah ich meinen Lieblingstisch frisch okkupiert. Jetzt war nur noch der Katzenplatz frei. Sch...!
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Auf dem Rückweg kam ich wieder an der Kirche vorbei und bin dann doch rein. Drinnen übte der Pfarrer mit zwei Mädchen ministrieren, derweil ich die Vesper aufblätterte und mich durch die Psalmen wurstelte. Die Aufmerksamkeit bestand zu einem Drittel im Versuch, mich auf das Gebet zu besinnen, die anderen beiden Drittel verteilten sich auf das Trio beim Altar und auf die noch immer miese Stimmung ...
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Babylon - Glasbild in der
Pfarrkirche St. Gallus,
Merzhausen
... bis ich zu jenem Psalm kam, bei dem mich gelegentlich die Frage beschlich, warum ausgerechnet er am Donnerstag in der Vesper gelandet ist - Psalm 136, einer der "Fluchpsalmen": Ad flumina Babylonis, illic sedimus et flevimus, cum recordaremur Sion - "An den Flüssen Babylons saßen wir herum und weinten, da wir an Sion dachten". Recht derb die abschließenden Verse dieses Gebets: "Tochter Babylon, du Verwüsterin! Gesegnet, wer dir vergilt, was du uns Böses angetan hast! Gesegnet, wer deine Kinder schnappt und sie an einen Felsen klatscht!"
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Natürlich kann man nun sagen, die betenden Ekklesia erinnert uns jeden Donnerstagabend beim Gedächtnis des Herrenmahles daran, daß sie sich noch auf dem Weg durch dieses Aion, mehr noch: daß sie sich in dieser Weltzeit im Exil befindet, die finsteren Anfechtungen und Anfeindungen der Welt inbegriffen. Daß das Mysterium der Eucharistie, dessen Stiftung die Wahl der weiteren Psalmen offenkundig bestimmt hat, letztlich "nur" viaticum, "Weg-Zehrung" ist, nur "Unterpfand" künftiger Herrlichkeit im Exil, Gegenwart des Kommenden verborgen unter Zeichen. Natürlich wird man die Schlußverse als radikal wehrhafte, rhetorisch überhöhte Absage an diese Weltzeit lesen, die sich immer wieder gegen das anbrechende Gottesreich auflehnt und es zu unterdrücken sucht, wie Disteln und Dornen den guten Samen zu ersticken trachten.
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"Mein Babylon" heute war aber, dessen wurde ich mir bei diesem Psalm bewußt, sozusagen unmittelbarer: Gefangen so tief in Missmut, Ärger und Frust, daß ich um die Nähe Gottes geradezu einen Bogen machen wollte ... gehabe du dich in deiner Kirche, ich gehe jetzt einen Kaffee trinken und wir sehen uns zur Komplet wieder. Das mag jetzt banal klingen, trifft aber den Punkt recht gut. Oder um es mit dem Psalm zu sagen:
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Ich habe meine "Harfen in die Weiden" gehängt und fand keinen Ansporn mehr - angesichts des Hick und Hacks am Nachmittag, von dem ich mich habe gefangen nehmen lassen - nun noch "von Sion ein Lied" zu singen. All diese versammelten gekackten Korinthen hatten mich so sehr in Beschlag genommen, daß mir die Möglichkeit, der Stachel, die Lust, Gott auch zwischen all dem Mist begegnen zu können, gehörig vergangen war: "Tochter Babylon, du Verwüsterin!" ...
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Der Psalm befreite mich ein gutes Stück aus diesem Hamsterrad, indem er mir in Erinnerung rief, worauf es letztlich ankommt:
Jerusalem, wollte ich deiner vergessen, vergessen auch sei meine Rechte. Es klebe mir die Zunge am Gaumen, sollte ich deiner nimmer gedenken; wollte ich nicht erheben Jerusalem über all meine Freude ...
... und über allen meinen Ärger erst recht! Den sollte ich vielleicht öfter an einen Felsen klatschen.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Blumiges ...


Bei heissem Wetter bieten Betonkirchen nur bedingt erfrischende Zuflucht; die Unserer Lieben Frau herbeigebrachten Blumen lassen Architektur und Hitze aber nachrangig erscheinen - in St. Maria Magdalena, Freiburg-Rieselfeld ...
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... und mobiles Bloggen klappt auch "zubloggend" besser ... ;-)

Frühstückspause ...

... nein, diesmal nicht mit Brevier, sondern mit Brötchen. Die streckten, um Wurst und Marmelade angereichert,  zwei Mädels im Auftrag eines Radiosenders heute Morgen an einer Kreuzung den wartenden Autofahrern hin. Ein ganzer Schwung dieser Vespertüten wurde auch dem Busfahrer durchs Fenster gereicht, so daß der gemeine ÖPNV-Kunde auch was abbekam ...

Dienstag, 18. Juni 2013

Von der Genesis bis zur Offenbarung: ein Neues Testament

"Fleischlich" erscheint den Vätern jene Haltung, die immer noch die zeitbedingten Gegebenheiten des Alten Testamentes allein festhält, obwohl diese der Umhüllung einer Nuß gleichen, die abfällt, sobald der reife Kern sie gesprengt hat. Was vom Alten Testamente bleibt, ist allein die Frucht, die aus ihm hervorgewachsen ist: Christus! Der Christus, der die Ekklesia in sich umfaßt!
Es verging das Geschichtliche; unvergänglich aber bleibt, was teilhat an Christus: das Schriftwort, insofern es ihn trägt und sein Mysterium spiegelt. Der Alte Bund, insofern er Buchstabe und Gesetz ist, ist abgetan; insofern er aber als Abglanz des erfüllten und enthüllten Christusmysteriums erkannt wird, nimmt er teil an der Überzeitlichkeit und Unvergänglichkeit des Neuen Bundes. Unter diesem Aspekt wird nun sogar - nach einem paradoxen Väterwort - der Alte Bund neu.
Aus ihrem tiefen Einblick in das Ganze der einen göttlichen Schrift machten die Kirchenväter keinen Unterschied in der Wertung der beiden Testamente. "Nur für jene", schreibt Origenes, "wird das Gesetz zu einem 'Alten' Testament, die es fleischlich verstehen wollen: für solche mußte es notwendig veralten und vergreisen, weil es [in sich] seine Kräfte nicht erhalten kann. Für uns aber, die wir es pneumatisch und dem Evangelium entsprechend verstehen und auslegen, ist es immer 'neu'. Beide Testamente sind uns 'Neues' Testament, nicht hinsichtlich ihres Alters, sondern durch die Neuheit der Einsicht" (In Num. hom. 9, 4).
Synkletika Grün OSB: Psalmengebet im Lichte des Neuen Testamentes. Regensburg 1959. S. 62 f.

Mittagspause ...


Montag, 17. Juni 2013

Entflammende Epiphanie

"Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Wege mit uns redete und uns die Schrift aufschloß?" (Lk 24, 32) Aber dieses Feuer durchglühte erst jetzt beim gemeinsamen Mahle mit dem geheimnisvollen Weggenossen alle Sinne und Kräfte der Schauenden, und sie erfuhren eine Epiphanie, die plötzlich vor dem blinden Menschengeist die Abgründe göttlicher Wirklichkeit aufbrechen ließ.
Im Lichte der Ewigkeit stand Christus vor ihnen, und sie wurden der Wahrheit inne: Er ist das für die Welt gekreuzigte und aus dem Tode zurückgekehrte "Wort" des Vaters; er die Gottesmacht, die die Blätter der Schrift durchwest; er der Sinn und die Fülle all ihrer Mysterien. Von da an ließen die Bildersprache der Prophezeiungen und die Berichte der alttestamentlichen Heilsereignisse in den begnadeten Jüngern nur noch eines aufscheinen: die vom Finger Gottes gezeichnete und vom Pneuma des Logos beseelte Gestalt des Kyrios Christus Jesus.
Synkletika Grün OSB: Psalmengebet im Lichte des Neuen Testamentes. Regensburg 1959. S. 57 f.

Sonntag, 16. Juni 2013

Netze lösen und hinaus auf die hohe See

Der Regel entsprechend streicht die Magnificat-Antiphon des vierten Sonntags nach Pfingsten ein Wort aus dem Evangelium (Lk 5, 1-11) heraus. Lukas berichtete uns, wie Petrus und seine Gefährten nach einem vergeblichen Fischzug von Christus, nachdem dieser zum Volk gesprochen hatte, aufgefordert werden, erneut auf den See Genesareth auszufahren. Die Antwort des Petrus rahmt das Magnificat ein:
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Fischzug - Glasfenster
in der Pfarrkirche 
St. Georg, Freiburg 
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Præceptor, 
per totam noctem 
laborantes
nihil cepimus:
in verbo autem tuo
laxabo rete.
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Lehrer,
die ganze Nacht hindurch 
haben wir gearbeitet
und nichts gefangen.
Aber auf dein Wort hin
werde ich das Netz auswerfen.
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Betrachtet man dieses Wort, das uns die betende Ekklesia heute Abend nochmals in den Mund gelegt hat, einmal abseits der großen Themen wie dem reichen Fischzug, der sich auf das Wort des Kyrios hin alsdann ereignete und der verheißendes Sinnbild ist für das Apostolat der erstberufenen Jünger wie überhaupt der Christen, dann erwischt mich dieses Wort auch im Blick auf ganz persönliche Lebenssituationen und gelegentliche Krisenstimmungen.
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Wie oft sitzt man abends da, läßt den Tag nochmals vor dem geistigen Auge vorbeiziehen und stellt fest, wie wenig man von dem erreicht hat, was man doch als wichtig erkannt und sich vorgenommen hatte, in geistlichen wie in zwischenmenschlichen Fragen! Wie oft die gleiche Leier, die gleiche Ernüchterung, der gleiche Fehler, die gleiche Nachlässigkeit, die gleiche Unterlassung, die gleiche Sünde; das leichtfertig nicht recht gesammelte Gebet, die laue Liebe, das bloße Lippenbekenntnis, die Trägheit des Herzens, die Schwäche des Fleisches, die unterdrückte und verspielte Gnade und und und ... Es gibt Tage, da sitzt man da und könnte nicht einmal ehrlichen Herzens - wie Petrus - behaupten, man habe ... in diesem Fall an sich selbst ... "gearbeitet". 
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"Herr, gehe weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch" - dieses andere Wort des Petrus ist mir dann manchmal näher als die Worte aus der Magnificat-Antiphon. Gott aber will nicht, daß wir uns in die Ecke verkrümmeln. Duc in altum heißt es ebenfalls im Evangelium dieses Sonntags, "fahre hinaus auf die hohe See", mache dich nochmals auf, stelle dich erneut den Wellen und Wogen und Verwerfungen im Leben, seien sie um dich herum oder in dir selbst!
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In verbo autem tuo laxabo rete - "auf dein Wort hin werde ich das Netz auswerfen" antwortet Petrus, obgleich ihm die ganze Mission sinnlos vorkommt: "Die ganze Nacht haben wir gearbeitet und nichts gefangen" ... auf das Wort Christi aber, durch den Logos, wendet sich das Geschick, gegen alle Erwartung, gegen alle Frustration.
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Bei der Wendung laxabo rete mußte ich überdies noch an eine andere Sache denken. Wörtlich übersetzt sagt Petrus, er werde auf Jesu Wort hin "das Netz lösen" - vielleicht können wir dies in einem übertragenen Sinn auch auf die Netze und die Verstrickungen unseres Lebens beziehen ... daß wir diese lösen sollen und lösen werden, indem wir immer wieder neu anfangen und mit der uns Tag um Tag geschenkten Gnade mitwirken.

Samstag, 15. Juni 2013

Advesperascit ... vorhin aus dem Fenster geschaut


Iam sol recedit igneus:
Tu, lux perennis, Unitas,
Nostris, beata Trinitas,
Infunde lumen cordibus.
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Te mane laudum carmine,
Te deprecamur vespere;
Digneris ut te supplices
Laudemus inter cælites.
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Patri, simulque Filio,
Tibique, Sancte Spiritus,
Sicut fuit, sic iugiter
Sæclum per omne gloria.
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Der feurige Sonnenball fällt!
Du, immerwährendes Licht, 
du, der Eine und Dreifaltige,
gieße Licht
in unsere Herzen!
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Wir lobten dich morgens im Lied,
wir flehen zu dir in der Stunde des Abends:
Laß uns demütig Lob dir singen -
zugezählt den
Himmlischen!
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Dem Vater, gleich auch dem Sohn
und dir, Heiliger Geist,
wie es war und ist und währen wird
durch alle Zeiten:
Herrlichkeit!
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Amen
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Hymnus zur ersten Vesper der Herrentage im Breviarium Romanum.

Freitag, 14. Juni 2013

Donnerstag, 13. Juni 2013

Im Spiegel des Kreuzes

Der Jesusknabe erscheint dem hl. Antonius von Padua -
Antoniusaltar, Pfarrkirche St. Johann, Freiburg
Christus, dein Leben, hängt hier vor dir, damit du auf das Kreuz schauest wie in einen Spiegel. So wirst du erkennen können, wie tödlich deine Wunden waren, die keine Arznei heilen konnte, außer jener, die besteht im Blut des Gottessohnes. Siehst du nun genau hin, so wirst du erkennen können, wie groß deine Menschenwürde ist und dein Wert! Nirgendwo anders kann sich der Mensch besser dessen bewusst werden, wie viel er wert ist, als wenn er sich selbst im Spiegel des Kreuzes betrachtet (aus einer Predigt des hl. Antonius von Padua).

Dienstag, 11. Juni 2013

Der Ring des Theobald

Wie kamen Finger und Ring von St. Theobald (Ubald) von Gubbio nach Thann? Die Legende klärt auf ... es verhielt sich nämlich, daß der heilige Bischof seinen Diener zwar nicht im Testament bedacht, ihm aber versprochen hatte, er dürfe sich nach seinem Tod den Bischofsring aneignen. Als der Diener nun den Ring von der Hand des Verstorbenen abziehen wollte, geschah ein kleines Malheur ...
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Der Diener barg nun Ring samt Finger im Schaft seines Wanderstocks und macht sich auf den langen Weg zurück in seine Heimat. Müde lagerte er eines Abends in jener Gegend unter den Tannen, in der sich nunmehr das Städtchen Thann erhebt. Als er wieder aufbrechen wollte, musste er feststellen, daß sein Stock zwischenzeitlich fest im Boden der so gesegneten Erde verwachsen war.
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Himmlische Erscheinungen leuchtet über dem Wald an jener Stelle, wo der Stock Wurzeln geschlagen hatte. Der Graf einer nahegelegenen Burg wurde darauf aufmerksam, sah sich die Geschichte näher an und bestimmte, daß zu Ehre Theobalds eine Kapelle errichtet werde. Heute erhebt sich an dieser Stelle das Münster von Thann.
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Diese Darstellung mag etwas salopp ausgefallen sein; was aber nichts, wie bereits geschrieben, an der Tatsache ändert, daß man in den 1970er-Jahren einen Hautpartikel, welchen man am in Thann aufbewahrten Ring isolieren konnte, mit für authentisch erachteten Reliquien des heiligen Theobald abglich und zum Ergebnis kam, daß es sich wohl in der Tat um einen Ring des Heiligen gehandelt haben müsse ... wie auch immer dieser Ring alsdann den Weg nach Thann gefunden haben mag.
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¶ Die drei Reliefbilder gehörten einst zur mensa eines neogotischen Altars im Thanner Münster.

Und jetzt Weihnachten mitten im Sommer

Sacerdos vienennsis - der übrigens vor wenigen Tagen seinen Weihetag feiern konnte (hier) und obendrein regelmäßig wirklich hinreißende Bilder schießt (gerade wieder hier oder hier), die schon längst einen Blogozesenpreis verdienten - hat gefragt, ob ich vom Westportal des Theobaldmünsters zu Thann auch einige Details auf Lager hätte. 
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Das ist jetzt so eine Sache - einerseits geize ich manchmal mit Bildern, um sie nicht vorschnell zu verbraten (wer weiß, zu welchem Beitrag sie später einmal taugen mögen), andererseits verfüge ich auch nicht über eine Ausrüstung, mit der man solchen Portalen und Bauwerken wirklich beikommen könnte; die Preise spezieller Objektive lassen mir die Haare zu Berge stehen, ein Stativ mitzunehmen bin ich ohnehin zu faul und überdies wäre, etwa bei solchen Portalarchitekturen wie in Thann, eine hydraulische Arbeitsbühne schwer von Vorteil.
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Insofern habe bei den folgenden (Detail-) Aufnahmen teilweise mit Bildbearbeitung etwas / deutlich nachgeholfen. Sie stammen allsamt aus dem rechten unteren Tympanon, in welchem das Weihnachtsgeheimnis illustriert ist - wunderschön in der Komposition mit Engelskonzert über den "Hügeln" mit Bethlehems Hürden und lauschenden Hirten, darunter der Stall mit einem segnenden Jesusknaben, Unserer Lieben Frau im Wochenbett und einem verschlafenen Joseph, während auf der anderen Seite die Weisen aus dem Morgenland sozusagen den gotischen Halbbogen herunter heranziehen ...
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In den umgebenden Archivolten sind nächst diesem Geschehen vor allem Martyrien diverser Heiliger zu sehen. Beim Rosenkranz kam mir kürzlich der Gedanke, ob nicht die Geißelung Jesu - das geschundene Fleisch, die Striemen und Wunden am ganzen Körper - vielleicht das krasseste Gegenbild zur Inkarnation ist, zum Einsenken des Logos in unser Fleisch? Die Geißeln werden auch noch immer geschwungen, mitunter bis in den Tod, unzählige Brüder und Schwestern bezeugen den Gott, der Mensch geworden ist und gelitten hat, auch heute mit ihrem Leben.
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Einige Szenen scheinen aber kein Martyrium zu zeigen. Hier etwa scheint mir zum Beispiel eher die Versuchung des hl. Antonius dargestellt ...

Montag, 10. Juni 2013

Chez Thiébaut

Was macht man, wenn ein Wochenende ins Haus steht, an dem man viel unterwegs ist? Man nimmt den Montag frei. Und was macht man nun? Sich erneut auf die Socken - zumal es heute trotz des Urlaubstages (fast) nicht geregnet hat.
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Das Städtchen Thann im Elsaß mit seinem Theobaldsmünster (fr. Collégiale Saint-Thiébaut) stand auf dem Programm; überdies eine gute Gelegenheit, die jüngst reanimierte Bahnverbindung zwischen dem badischen Mülheim und dem elsässischen Mulhouse mal auszuprobieren.
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Die Hauptbauteile (Chor, Schiff, Turm) des recht kompakten Münsters wurden zwischen 1351 und 1516 errichtet.
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Besonders bemerkenswert ist die Westfassade: Zwei kleinere Tympana werden von einem größeren Tympanon überfangen. Insgesamt sind rund 150 Szenen der Heilsgeschichte mit über 500 Figuren dargestellt.
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Der Patron Sankt Theobald ist besser bekannt als Ubald von Gubbio, von dem eine Reliquie (Ring und ein Fingerstück) auf legendarisch sehr bemerkenswerte Weise den Weg nach Thann fand. Die vergleichende wissenschaftliche Untersuchung eines Hautstückes am Ring mit weiteren Reliquien kam immerhin zum Ergebnis, daß es sich tatsächlich um ein Stück Haut des Heiligen handelte.
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Ein Blick aus dem Langschiff in den Chor ...
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... und aus dem Seitenschiff auf die (halbe) Orgel (2001 von Michel Gaillard in französisch-romantischer Klanggestalt im Originalgehäuse von 1888 erbaut - Disposition hier).
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Sonntag, 9. Juni 2013

¶ Sententiæ XXXV

Der gemeinsame Glaube, der das Bindemittel, gleichsam der Mörtel ist, der das abendländische Gefüge zusammenhält, ist so schwer erschüttert worden, daß manche bereits offen die Frage aufwerfen, (...) ob dieser Mörtel noch hält. Es kann kein Zweifel bestehen, daß es mit Europa endgültig vorbei ist, wenn diese letzte Säule der Einheit zusammenbricht, wenn die katholische Kirche sich von Europa zurückzieht (Hilaire Belloc).

Samstag, 8. Juni 2013

Sommerliches Requiem

Seit gestern die meiste Zeit unterwegs, habe ein paar Bilder vom historischen Friedhof der Stadt Waldshut und den heiligen Joseph mitgebracht ...
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Unter einer "Hängebuche" ...
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Der Zahn der Zeit ...
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Skulpturales in der Natur ...
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Engel im Efeu ...
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Zudem lief ich einem Flohmarkt über den Weg, traf dabei den heiligen Joseph (etwas angekratzt) und habe ihn gleich mit nach Hause genommen (so eine Statue suchte ich schon lange, gehört meines Dafürhaltens schlicht und einfach zum typischen Alte-Messe-Molch-Wohnambiente):
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