Sonntag, 31. März 2013

Nachrichten im Bad

Gestern, Osternacht, zu vorgerückter Stunde, meinereiner im Bad, zähneputzend. Eine Nachrichtensprecherin von DRadio Kultur erzählt etwas von Papst Franziskus. Sinngemäß: Er habe die Christen gerade aufgefordert, sich Neuem nicht zu verschließen. Nächstes Thema ... 
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Zerknirscht sei zugegeben: Es schrillten ein wenig die Alarmglocken. Domine salvum fac ... was plant Il Santo Padre jetzt schon wieder? 
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Meinereiner unterliegt zunehmend einer leichten Hysterie, sobald mir einerseits die Medien unseren Papst beständig als den Mann unterjubeln wollen, der die Kirche verändern soll und will und wird (klar, welche "Agenda" gemeint ist), derweil andererseits bei einem sonst sehr lieben Mitmenschen die Warnung für Unruhe - und er damit für ebensolche - sorgt (klar, welche "Warnung" gemeint ist) ... stöhn!
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Ich habe mir übrigens 200 Gebetszettel mit Papst Franziskus drauf bestellt* und erwäge, all jene damit zu bewerfen, die sonst noch mit dieser bekloppten "Warnung" um die Ecke kommen. Für die Medien muß ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen. Apropos Medien ...
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Heute, Ostermorgen, zu früher Stunde, meinereiner im Bad, rasierschaumbewehrt. Eine Nachrichtensprecherin von DRadio Kultur erzählt etwas von Papst Franziskus. Sinngemäß: Er habe die Christen gestern aufgefordert, sich dem Neuen nicht zu verschließen, das von Christus komme. Ich fühle mich eindeutig besser ... auch wenn der Kyrios viel unberechenbarer ist, als Papst Franziskus es je sein könnte!
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* Per Antwortmail wurde mir bestätigt, daß ich jetzt "Kunde der Deutschen Bischofskonferenz" bin ... ob die auch zu Weltbild gehört? ;-)

Heute tanzen die Engel - frohe Ostern!

Christus ist auferstanden! Ja, er ist wahrhaft auferstanden!
- Hochaltar des Münsters Unserer Lieben Frau in Freiburg

Friede und Segen
des auferstandenen Kyrios
euch allen!

Worte des hl. Johannes Chrysostomus zur Feier des Heiligen Pascha:
Heute tanzen die Engel, und alle die himmlischen Mächte frohlocken; auch sie sind voll Freude über das Heil des ganzen Menschengeschlechtes. Denn wenn über die Bekehrung eines einzelnen Sünders Freude herrscht im Himmel und auf Erden, dann noch viel mehr über das Heil der ganzen Menschheit. Heute hat Christus die Menschennatur aus der Tyrannis des Teufels befreit und zu ihrem früheren Adel zurückgeführt.
Denn wenn ich sehe, daß mein Erstling so den Tod überwunden hat, dann fürchte ich mich nicht mehr; dann erschauere ich nicht mehr vor dem Kampf; ich schaue nicht mehr auf meine eigene Schwäche, sondern denke an die unaussprechliche Macht dessen, der mir im Kampf beistehen wird. Denn sollte er, der die Tyrannis des Todes gebrochen und ihm all seine Macht genommen hat, nicht auch in Zukunft für sein eigenes Geschlecht wirken?
Bedenke doch, Geliebter, wie groß die Freude ist, daß selbst die Mächte in der Höhe mit uns feiern; sie freuen sich mit uns über unser Glück. (...) Aber was sage ich da? Ja der sogar, der Herr ist über sie wie über uns, schämt sich nicht, mit uns zu feiern. Was sage ich da: er schämt sich nicht? Er verlangt sogar danach, mit uns zu feiern! Woraus geht das hervor? Höre, wie er sagt: "Mit Sehnsucht habe ich danach verlangt, dies Pascha mit euch zu essen" (Lk 22, 15). Wenn er aber danach verlangte, das Pascha zu essen, dann doch auch gewiß danach, mit uns zu feiern. Du siehst also: Nicht allein die Engel und all die Scharen der himmlischen Mächte feiern mit uns, sondern der Herr der Engel selbst.
Was fehlt da noch an deiner Freude?

Samstag, 30. März 2013

In den ewigen Tag hineingezeugt - im Pascha des Kyrios Christus Jesus

Das Volk Israel zieht aus dem Land der Knechtschaft aus - Glasfenster
in der Pfarrkirche St. Wendelin, Altglashütten im Schwarzwald
¶ 
Würdig ist es und recht, billig und heilsam,
daß wir Dir hier und überall Dank sagen,
Dir Lob singen und Opfer darbringen
und Deine Erbarmungen preisen,
Herr,
Heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott!
.
Du hast die Himmel erschaffen in deiner Weisheit,
Du hast die Erde gegründet über den Wassern;
Du hast die großen Leuchten gebildet,
die Sonne zur Herrschaft über den Tag,
den Mond und die Gestirne zur Herrschaft über die Nacht.
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Du hast uns erschaffen, nicht wir uns selbst;
verlaß die Werke Deiner Hände nicht!
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Dein ist der Tag und Dein ist die Nacht.
Am Tage hast Du uns Dein Erbarmen geschenkt
und in der Nacht hast Du es uns kundgetan:
Dein Erbarmen,
das wir heute in der nächtlichen Feier
dieses Lichtes preisend bekennen!
.
Dies ist die Nacht,
die um die Mysterien des Heiles weiß,
.
die Nacht,
in der Du Gnade schenkst den Sündern,
in der Du aus alten Menschen 
neue schaffst und aus
entkräfteten Greisen blühende Kinder:
zu einer neuen Schöpfung wiedergeboren
führst Du sie herauf
aus der heiligen Quelle!
.
In dieser Nacht
werden Völker wiedergeboren
und in den ewigen Tag hineingezeugt!
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Die Hallen des himmlischen Reiches werden entriegelt,
und nach dem seligen Gesetz
wird Menschliches gegen Göttliches
ausgetauscht.
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Dies ist die Nacht, 
voll süßen Frohlockens, in der 
Du uns ergötzt hast, Herr, durch Dein Werk,
die Nacht,
in der die Unterwelt sich öffnete,
die Nacht,
in der Adam freigesprochen,
die Nacht,
da die verlorene Drachme sich wiederfand,
die Nacht, 
in der auf den Schultern des guten Hirten das 
verlorene Schaf heimgetragen wurde,
die Nacht,
in der der Teufel unterging
.
und aufging die
Sonne der Gerechtigkeit,
Christus!
.
Die Banden der Hölle wurden zerrissen
und ihre Riegel zertrümmert;
da brachen viele Leiber der Heiligen
aus ihren Gräbern und 
gingen ein in die Heilige Stadt.
.
O wahrhaft selige Nacht,
die allein Zeit und Stunde wissen durfte,
da Christus auferstand!
.
Von ihr kündete prophetisch der Psalm:
Die Nacht wird hell leuchten wie der Tag:
Nacht, 
in der anbrach
die Auferstehung zu ewigem Leben!
.
Dich, allmächtiger Gott,
preisen die Scharen der himmlischen Mächte
und die ungezählten Chöre der Engel ohne Ende
und rufen:
.
Heilig - Heilig -Heilig 
Herr, 
Gott Sabaoth
-
erfüllt sind Himmel und Erde
von Deiner Herrlichkeit.
Hosanna in der Höhe!
.
Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe!
.
Præfatio (Immolatio) der Missa in Vigiliis sanctæ Paschæ (Missale Gothicum) in den (dem hl. Germanus von Paris zugeschriebenen) De Liturgia Gallicana Libri Tres (PL 72, 250) - Übersetzung nach Sr. Sophronia Feldhohn OSB.

Tiefer als die Erde

Maria und Johannes betten Christus in das Grab -
14. Station des Kreuzwegs in der Pfarrkirche Christ-König,
Titisee im Schwarzwald
Das rascherbrochne Mal, darin 
der tote Herr 
begraben, das Loch, das er bekam,
um seine Nacht zu haben,
bis der Durchbohrte wach und
zum Vater erhoben werde,
.
ist nicht das neue Grab allein,
ist eine andre Rast:
.
Der Mensch ist's,
deine Kreatur,
die tiefer ist als Erde!
.
Und nun, da seine Hände aufgebohrt,
sein Herz die Wunde faßt,
gibt es kein Kreuz mehr unter uns, auf das
sein Leib nicht paßt.
Und keine Sünde bleibt von
seiner Wunde unbetroffen.
.
Komm vom Altar, Verhüllter,
fülle unser Hoffen!
Wie tief ist
dein Geschöpf, o Meister,
und wie offen!
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Der Kreuzweg. Vierzehnte Station in: Paul Claudel: Der Wanderer in der Flamme. Ausgewählte Gedichte. Übertragen von Hans Urs von Balthasar. Einsiedeln 1953. S. 89.

Freitag, 29. März 2013

Karfreitagszauber ...

Auf dem Heimweg grübelte ich ein wenig herum, wann ich zum letzten Mal eine Karfreitagsliturgie in der ordentlichen Form des römischen Ritus mitfeiern konnte, bei der alles so war, wie es sein sollte? Eben so, wie die Liturgie heute bei den Benediktinerinnen von St. Lioba gefeiert wurde - schade nur, daß sich für den Weg dorthin der leicht blaue Himmel und die Sonnenstrahlen, die sich heute morgen in Freiburg sehen ließen, schon wieder verabschiedet hatten ...
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Der "Biblische Kräutergarten" lag noch ziemlich unbekräutert da und auch die Aue dünkte mich so garnicht grün. Ein wenig Karfreitagszauber hatte sich in einer Ecke dann aber doch ans Tageslicht erblüht ...
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Das Zerreissen

Im Presbyterium der Pfarrkirche St. Nikolaus zu Lenzkirch
¶ 
Der Vorhang im Tempel zerriß,
als du am Kreuz
Sieger wurdest über Sünde und Tod!
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Laß uns nun eintreten in
dein großes Pascha,
eintreten in den Durchgang
vom Tod zum Leben,
hindurchgehen aus diesem Aion
in das Heiligtum ewigen Lebens.
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Zerreiße den Schleier unserer Herzen,
damit wir mehr und mehr
fortschreiten und hindurchgehend
dich in deinem Licht schauen,
heute und in allen noch 
kommenden Tagen,
am Ende auch unserer Tage
und am Ende der Zeit!
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Heil unserem Gott,
der auf dem Thron weilt,
und dem Lamm!

Zum Gedächtnis an Odo Casel

Wenn wir wahre Steine zum Aufbau
der Kirche sind, 
haben wir die Sicherheit,
daß wir dem himmlischen Jerusalem
angehören werden,
jener ewigen Gottesstadt,
jener Lichtstadt,
die Gott selbst gründet und erbaut.
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Odo Casel OSB
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Zum Todestag von Odo Casel hatte ich mir vorgenommen, etwas über diesen Benediktiner zu schreiben, der seit geraumer Zeit zu jenen Glaubenszeugen der jüngeren Vergangenheit gehört, die mich geistlich am meisten prägen. Soweit der Vorsatz.
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Jetzt ist das mit Vorsätzen so eine Sache - vor allem, wenn es bereits an der Vorbereitung zur Durchführung hapert. Wann war doch noch dieser Todestag? Ich wußte, daß Casel zusammenbrach, als er während der Osternacht 1948 zum Gesang des Exsultet ansetzen wollte, und am Ostermorgen starb. Gestern Abend nun, zurück vom Abendmahlsamt bei den Benediktinerinnen von der hl. Lioba (hier, wieder sehr der Höhe des Tages angemessen), blätterte ich endlich näher nach, um mir Gewißheit zu verschaffen ... nun denn, der Ostertermin lag 1948 offenbar ähnlich früh wie in diesem Jahr: Casel Todestag jährte sich am gestrigen Gründonnerstag zum 65. Mal.
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So sollen zumindest diese wenigen Zeilen - der ein und andere Gedanke wird in absehbarer Zeit noch folgen - heute an Odo Casel erinnern. Es mag etwas übertrieben daher kommen, aber irgendwie halte ich es nicht für eine bloß zufällige Fügung, daß mir das Thema nach der Liturgie gestern Abend nochmals in den Sinn gekommen ist, ehe es ganz spurlos an mir vorbei gegangen wäre.

Casels Todesgedächtnis trifft auch in diesem Jahr mit dem Triduum Sacrum zusammen. Wenn es einen "schönen Tod" gibt - dann doch wohl ein Sterben, das nach einem Leben, welches sich so sehr diesem Thema zugewandt hatte, dann eintreten durfte in die Stunden der großen Pascha-Feier des Kyrios ... Pax et vita tecum, mystagoge atque pater!

Donnerstag, 28. März 2013

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Eucharistia - das Mahl unseres Kyrios am Abend vor seinem Leiden
Fenster in der Pfarrkirche Christkönig, Titisee im Schwarzwald
Herr,
allmächtiger Gott,
du hast deine unwürdigen Knechte
vor deine Herrlichkeit gestellt,
um deinem Altar zu dienen.
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Stärke sie
durch die Kraft deines heiligen Christus
zu diesem Dienst
und lege in ihren Mund das Wort,
um die Gnade des Heiligen Pneumas
auf diese Opfergaben
herabzurufen.
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(aus der Basilius-Liturgie)

Blühdonnerstag?

Sehe ich von der trüben Wetterlage einmal ab, so hat das Triduum Sacrum ganz gut begonnen. Heute morgen war ich zur Osterbeichte (hier) und danach hat mir der Herr - passend zum heutigen Tag, wie ich finde - eines meiner Leib- und Magengerichte vorgesetzt: Lammragout mit Reis und Bohnen (hier). 
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Dazwischen habe ich den Frühling gesucht - diesmal im Botanischen Garten, der sowieso auf dem Weg lag. Aber außer einigen sich verratzt aus der Erde krümelnden Krokusgewächsen, den Schneeglöckchen vom Dienst und einer Wiese mit deprimierten Osterglocken war draußen nicht viel zu holen. Wenigstens herrschte in den Schaugewächshäusern bei manchem Grünzeug ein wenig Blütenstimmung vor ...
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Wem es aktuell zu kalt ist, kann sich, 
zum Trost, wenigstens auf die Sonnenbank legen ...
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Mittwoch, 27. März 2013

Verhülltes - das Mysterium des Kreuzes

Hochaltar (Mittelteil) - Pfarrkirche St. Antonius, Basel
¶ 
Während der Passionszeit ist es üblich, in den Kirchen Bilder und - vor allem - die Kreuze zu verhüllen. Was aber hat es mit diesem Brauch auf sich? So recht weiß das keiner. Gerne wird auf die im Mittelalter aufkommenden Fastentücher verwiesen und damit die Vermutung in Verbindung gebracht, es solle den Gläubigen - auch sie schließlich Sünder - der Ausblick auf das Heiligtum "entzogen" werden, nachdem die Büßer bereits am Aschermittwoch aus der Kirche gewiesen worden waren. Nach Wilhelm Durandus wiederum, dem für uns heute auskunftsfreudigsten Liturgiker des Mittelalters, deute die Verhüllung der Kreuze an, daß sich die Gottheit des Kyrios durch dessen Leiden verhüllt habe.
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Vor einigen Tagen schien mir ein Sachverhalt etwas widersprüchlich: Man schaut auf das verhüllte Kreuz einerseits und andererseits auf die Hymnen des Stundengebets, in denen seit dem ersten Passionssonntag das Kreuz mitreißend besungen wird. Vor allem im Hymnus der Vesper, wo explizit vom Heraufziehen und Aufstrahlen die Rede ist:
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Vexilla Regis prodeunt:
Fulget crucis mysterium ...
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Des Königs Heerbanner ziehen herauf,
Aufstrahlt das Mysterium des Kreuzes ...
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... das Mysterium des Kreuzes! Sollte mir nicht gerade dieses Wort einen Zugang zu den verhüllten Kreuzen schaffen? Bliebe man bei Betrachtung und Erwägung vielleicht gerne an - gewiß guten und frommen - Details der Kreuzesminne hängen und übersähe jenen Kern der Botschaft vom Kreuz ein wenig, der mit der Rede vom Mysterium des Kreuzes gemeint sein könnte? Was ist dieses Mysterium? Was dessen Botschaft?
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Wie oft sehen wir ein Kreuz? Oft. Und wie oft sind wir über den Begriff des Mysteriums im Blick auf dieses Kreuz gestolpert? Oft?
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Der Begriff Mysterium scheint vordergründig anzudeuten: Es soll etwas in unser Blickfeld geraten, was verhüllt, verschwiegen, uns nicht sofort durchschaubar und kaum verständlich ist. Aber befriedigt diese Antwort? Die folgenden Gedanken sind eine Skizze dazu, ein Versuch, diesem Mysterium ein wenig nachzugehen, mehr nicht.
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Wenn die Liturgie vom Mysterium spricht, dann meint sie mehr als nur ein "Geheimnis", dem wir jetzt allein staunend und fragend gegenüber stehen können und ansonsten auf eine Enthüllung irgendwann im Jenseits hoffen müssten. In der Alten Kirche stand das Wort vom Mysterium vor allem für einen Inhalt, den die westliche Theologie später im Begriff des Sakraments zu fassen versuchte. 
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In diesem Sinn ist Mysterium etwas, was an uns vollzogen wird, eine consecratio sozusagen, an der wir Anteil nehmen sollen: an der Einweihung in die Gottheit, um hier die Tiefe des lateinischen Begriffes consecratio anklingen zu lassen. In je eigener Prägung und Frucht ist jedes der sieben Sakramente - oder in der Sprache der Alten Kirche: jedes Mysterium - mit einer consecratio verbunden. Es handelt sich mithin stets um einen Prozess, einen Vollzug, der an uns geschieht. 
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Die genuine Feier des Kreuzesmysteriums ist die Heilige Messe. Das Mysterium des Kreuzes zu feiern heißt, daß wir uns selbst hineingeben in dieses Geschehen, indem wir nicht nur äußerlich Anteil nehmen, sondern Teil werden im Zentrum der Vergegenwärtigung des Pascha-Ereignisses: letzte und höchste Form der participatio aczuosa. In der Präfation vom Heiligsten Sakrament betet die Kirche:
In diesem Mysterium unerforschlicher Weisheit und unermeßlicher Liebe vollzieht Christus unaufhörlich, was er einmal am Kreuze vollbrachte: er selbst der Opferpriester - er selbst die Opfergabe. Uns aber macht er mit sich zu einer Opfergabe und lädt uns ein zum heiligen Gastmahl, in dem er selbst als unsere Speise genossen wird, in dem das Andenken seines Leidens erneuert ...
Wir sollen aus der Zeit herausschreiten in diese ewige Liturgie, die sich in der Zeit - verhüllt im Mysterium - nun auch unter uns und an uns, an uns als einer Opfergabe mit Christus, vollzieht: die Feier des Leidens und des Todes, der Auferstehung und Verherrlichung des Kyrios, Gott von Gott, Licht vom Licht und doch auch Mensch wie wir.
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Mensch so weit und umfassend, daß er in die Tiefe menschlichen Leidens herabsteigt und all das aufnimmt, was uns von Gott trennt, bis hin zum Tod des Menschen, unseren Tod, den er qualvoll stirbt und dabei, als würde Gott von sich selbst abstrahieren, selbst die Gottverlassenheit des Menschen noch sterbend herausschreit: "Eli, Eli, lama asabtani? - Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
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Dies alles geschieht am Kreuz. Der Ostermorgen ist - so war es in Gottes Plan beschlossen - ohne das Kreuz nicht denkbar, und seit Ostern leuchtet das Licht der Auferstehung auf jedes Kreuz in dieser Welt. Das Kreuz ist der Wendepunkt der Geschichte. Der dritte Tag wird es zeigen: Der verlassene, geschundene, zertretene, gefolterte und in den Tod gekreuzigte Jesus von Nazareth erweist sich als der verherrlichte Kyrios; im Licht von Ostern erstrahlt das Kreuz als Zeichen des Sieges über den Tod. 
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Das Kreuz ist die Revolution Gottes, die Umwälzung von der Macht des Bösen hin zum Wachsen des Reiches Gottes - wir aber müssen uns immer wieder diesem revolutionären Prozess unterziehen, denn der Böse läßt - auch wenn, allem Weltenlauf zum Trotz, sein Untergang besiegelt ist - nichts unversucht, seine alte Macht erneut zu festigen und uns mit sich in den Abgrund zu reißen als lausige Beute des Verlierers. Noch stehen wir dauernd in Versuchung und Kampf, lassen uns Streiche versetzen und Wunden schlagen, die wir leichter hätten parieren können, hätten wir nur fest und kompromisslos zu den Heerbannern des Königs gehalten: Vexilla regis prodeunt, fulget crucis mysterium!  
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Treten wir ein in das Mysterium des Kreuzes, das uns auf Golgatha zu Kindern Gottes konsekriert! Schöpfen wir aus den Quellen der Sakramente, die diesem Mysterium entspringen, allen voran der Eucharistia. Werden wir dort eine Opfergabe mit Christus, dem Kyrios! Treten wir nun ein in das große Pascha, enthüllen wir unserem Auge dieses Heilswerk und schauen dessen Herrlichkeit, wann immer die Ekklesia die heiligen Mysterien feiert - in den kommenden Tagen und bis an das Ende der Zeit ...
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... Für immer darf nun die Kirche ihres Geliebten walten.
Was von Gott her stammt, was er von der Mutter erhalten,
Und was die Menschen noch mit ihm ausgeheckt,
Das alles wird nun für immer von ihrem Mantel bedeckt.
Sie hat ihn, sie betet, sie weint, sie staunt, sie tastet ihn ab.
Sie ist die Salbung, die Myrrhe, das Tuch und das Grab.
Sie ist Priester, Altar und Saal und Gefäß ohne Makel.
Hier endet das Kreuz und erhebt sich der Tabernakel.
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(Paul Claudel: Der Kreuzweg. Dreizehnte Station).

Memento Mortuorum

Die Palmzweige deuten nämlich den Sieg an, der über den Fürsten des Todes errungen werden sollte, die Ölzweige aber verkünden gleichsam, daß die geistliche Salbung gekommen ist ...
... Wohin immer sie gebracht werden, da mögen die Bewohner deinen Segen erfahren. Deine Rechte verjage alle feindliche Gewalt und schütze die, welche dein Sohn Jesus Christus, unser Herr, erlöst hat ...
Auf diese - und einige andere tiefe Segensgebete, die uns den Sinn der Palmsonntagsliturgie erschließen helfen - hatte ich hier bereits hingewiesen. Nachdem nun vom Palmbuschen ein Zweig noch übrig geblieben ist, dachte ich mir, daß, was den Lebenden hilfreich sei, auch den Verstorbenen zum Segen gereichen wird. Nun liegt er auf dem Grab meiner Eltern und meiner Oma in der Hoffnung, daß auch an Ihnen die Fülle der österlichen Mysterien offenbar werde:
Credo in ... Sanctorum communionem, remissionem peccatorum, carnis resurrectionem ... et vitam venturi sæculi!
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Hineingenommen seien nicht nur alle anderen meiner Altvorderen, sondern auch all jene, von denen ihr euch verabschieden mußtet; ab und an liest man davon in der Blogozese, und mancher Abschiede ist uns, die wir zurückbleiben, sehr bitter. So sollen die gesegneten Zweige unseren Verstorbenen den Weg schmücken in die Vollendung ...
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Zum Paradies mögen Engel euch geleiten,
aufnehmen sollen euch die Martyrer
und euch führen in die Heilige Stadt Jerusalem.
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Die Chöre der Engel
mögen euch empfangen,
und mit Lazarus, der einst im Elend war,
geht nun ein in den ewigen Frieden!

Dienstag, 26. März 2013

Der Plan des Heiles und der Plan des Zorns

Die Welthure Babylon -
aus dem Fensterzklus der
Pfarrkirche St. Gallus,
Merzhausen bei Freiburg
Der folgenden Text ist einem Exerzitienvortrag entnommen, den Odo Casel OSB in der Fastenzeit des Jahres 1945 hielt; der Leitgedanke dieser Vorträge lautet Vom Zeugnis. Die Worte selbst - hier entnommen dem ersten Vortrag Die Zeit ist nahe - stehen über aller Tagesaktualität, welche aber eine Rolle gespielt haben dürfte - aktuell scheinen sie mir auch heute und gerade in diesen Tagen vor Ostern wert, sie erneut zu bedenken ...
Wie ist die Menschheit auf den Heilsplan Gottes eingegangen? Wie hat sie auf das Blut des Lammes geantwortet? Hat sie dieses Blut auf ihre Stirn gestrichen? Hat sie sich zu dem Heiland bekannt? Hat sie ihre Sünden im Blute des Sohnes abgewaschen? Hat sie Gott die Ehre gegeben und ihm ihre Danksagung in Buße und Freude dargebracht? Wäre das nicht die allein würdige Antwort auf die übergroße Liebe Gottes gewesen?
Aber nein! Die Menschheit hat sich zu einem großen Teil noch weiter von Gott entfernt, weit mehr als vorher in der Blüte des Heidentums. Sie hat ihren Thron ausgebaut zu gewaltiger Weltmacht und sich Gott gegenüber stolz und frech zur Herrin der Welt ausgerufen. Ja sie kämpft gegen das Werk Gottes, berauscht sich am Blute der Heiligen und wütet gegen die Zeugen Gottes. Selbst jene, die sich nach Christi Namen nennen, zeugen oft nur allzu wenig davon, daß Christi Blut ihre Wangen benetzt hat.
Deshalb ist der göttliche Plan des Heiles für die Menschheit zu einem Plane des Zornes geworden. Ja selbst das Lamm, das sich geduldig für die Sünden der Welt schlachten ließ, muß nun seinen Zorn walten lassen, so daß die Bösen aufschreien, wie es der Herr den weinenden Frauen Jerusalems vorausgesagt hatte: "Dann werden sie zu den Bergen sagen: Fallet auf uns! und zu den Hügeln: Verberget uns!" (Lk 23, 30). "Fallet auf uns", so rufen sie jetzt den Bergen und Felsen zu, "und berget uns vor dem Antlitz dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorn des Lammes; denn gekommen ist der Tag, der große, ihres Zornes, und wer kann da feststehen?" (Offb 6, 16). Die Könige der Erde, die mit der großen Welthure Babylon gehurt und geschwelgt haben, mit jener, die sprach: "Ich sitze hier als Kaiserin und bin keine Witwe, und Trauer sehe ich nicht" (Offb 18, 7.10) - sie klagen nun, da sie untergeht, und rufen, von ferne stehend: "Wehe, wehe, die Stadt, die große, Babylon, die Stadt, die starke! In einer Stunde kam das Gericht über dich!"
Inmitten der furchtbaren Gerichte Gottes aber wohnt die heilige Ekklesia Gottes in Frieden und ohne Furcht. Freilich ist sie nicht unberührt von den Schrecken der Endzeit. Sie wird von der Welt verfolgt, gepeinigt, getötet. Sie legt Zeugnis ab mit dem Blute ihrer Bekenner. Sie wird geprüft und erprobt im Feuer der Trübsal, so sehr, daß "die Seelen der um des Logos Gottes willen und wegen des Zeugnisses, das sie hatten, Erschlagenen" laut unter dem Altare rufen: "Wie lange, heiliger und wahrhaftiger Herr, richtest du nicht und rächest du nicht unser Blut an den Erdbewohnern?" (Offb 6, 9 ff.). Die Propheten Gottes werden, von der Erde aus gesehen, besiegt: "Wenn sie ihr Zeugnis beendet haben, wird das Tier, das aus dem Abgrund steigt, Krieg mit ihnen führen und sie besiegen und sie töten. Und ihre Leichen liegen auf den Straßen der großen Stadt, die im pneumatischen Sinne Sodom und Ägypten heißt, wo auch ihr Kyrios gekreuzigt wurde" (Offb 11, 7 ff.). 
Trotzdem aber schaut der Seher die Heiligen mit dem Lamm auf dem Berg Sion (Offb 14, 11). Sie haben seinen Namen und den Namen seines Vaters auf ihre Stirn geschrieben. Sie allein verstehen und lernen das neue Lied, das beständig vor dem Throne Gottes in der ewigen Liturgie erklingt. Sie sind jungfräulich und folgen dem Lamme, wohin immer es geht. "Sie wurden aus den Menschen erkauft als Erstlinge für Gott und das Lamm, und in ihrem Munde war keine Lüge; sie sind fleckenlos" (Vers 4 f.).
"Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind!" (Offb 19, 9). Eine gewaltige Schau! Auf der einen Seite das ungeheure Strafgericht Gottes über die Welt, die das Blut des Lammes verachtet hat, auf der anderen Seite die Berufung zur Hochzeit!
Odo Casel OSB: Vom wahren Menschenbild. Regensburg 1953. S. 132 ff.

Montag, 25. März 2013

Verkündigung und Pascha

Verheißung der neuen Schöpfung:
Adam und Eva schauen die Wurzel
Jesse - Wandbild im Presbyterium
der Kirche Maria Lourdes, Zürich
Gott habe die Welt im Frühling erschaffen, so glaubte es die Kirche der ersten Jahrhunderte - zu jener Zeit, zu der die Juden das Pascha des Alten Bundes begehen und die Ekklesia die Erfüllung dieses Bundes im Pascha des Kyrios feiert. 
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Die Schöpfung und der Auszug aus Ägypten gelten jeweils als Typos der Neuschöpfung und der Erlösungstat des Logos, der durch den Tod zur Auferstehung schreitet und uns, den zur Erlösung Berufenen, als der verherrlichte Kyrios offenbar wird. 
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Spüren wir diesen Gedanken ein wenig näher nach! Die Pascha-Erzählung des Buches Exodus beginnt mit den folgenden Worten:
Und der Herr sprach zu Moses und Aaron  im Land Ägypten also: Dieser Monat sei für euch der Anfangsmonat! Der Jahresmonde erster sei er für euch! (Ex 12, 1f.).
Dies verknüpft zum Beispiel der hl. Ambrosius mit der Annahme, die Welt sei zu jener Jahreszeit erschaffen worden:
"Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein". Diese Stelle muß freilich auch zeitlich verstanden werden, weil eben vom Pascha des Herrn die Rede war, dessen Feier in den Frühlingsanfang fällt. An diesem "Anfang der Monate" nun hat Gott den Himmel und die Erde geschaffen; denn die Entstehung der Welt sollte zu der Zeit statthaben, da allen Dingen warmer günstiger Frühlingshauch wehte (Exameron 1, 4, 13).
In dieser Parallelität glaubte die Alte Kirche nun auch einen weiteren Zusammenhang zu erkennen: Hierbei fallen die Schöpfung und das Pascha des Alten Bundes mit dem Anfang und dem großen Pascha der Erlösung zusammen - alles wird in einem Datum zusammen geschaut: im heutigen Tag, dem 25. März. So schreibt etwa der hl. Augustinus über die Menschwerdung Christi im Schoß Mariens:
Wir glauben nämlich, daß er am 25. März empfangen wurde, an dem er auch gelitten hat — dem neuen Grabmal, in das er gelegt wurde, in das noch kein Toter gelegt worden war, weder vorher noch nachher, entspricht der Schoß der Jungfrau, in dem er empfangen wurde und sonst kein Sterblicher (De trinitate 4, 5).
Nun wissen wir heute, daß diese Datierung nicht zutreffend ist. Das muß aber kein Grund sein, den Gedanken über die Ordnung des Heils als Ganzes zu verwerfen, zumal der tiefere Sinn dieses Gedankens nicht an bestimmten Daten hängt. Als Neuanfang läßt uns das Erlösungswerk fast zwingend an die Schöpfung zurückdenken, ebenso wie wir von Maria auf Eva zurückblicken, von jener Frau, die Gottes Willen angenommen und erfüllt hat, zu jener Mutter, die sich über diesen Willen einst hinweggesetzt hatte. Im "Ja" Mariens zur Verkündigung des Engels ist das Kreuz bereits inbegriffen, beginnt die freiwillige Erniedrigung des ewigen Logos in der Menschwerdung, wie wir es gestern erst in der Lesung des Palmsonntages gehört haben:
Er, der in Gottesgestalt war, glaubte nicht, sein gottgleiches Sein festhalten zu müssen. Nein, er entäußerte sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich. Er erschien im Äußeren als Mensch, erniedrigte sich und ward gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz (Phil 2, 6 ff.).
Deswegen liegt die betende Kirche so falsch nicht, wenn sie in der Entfaltung der oben angeführten Annahmen die Verkündigung an Maria mit dem Leiden und Sterben Christi sozusagen in einem Atemzug nennt, wie etwa im Fragment eines Salzburger Sakramentars, in dem sich das folgende Gebet über die Opfergaben findet:
Laß, wir bitten dich, Herr, dieses Opfer deiner Volkes, das wir ob der Menschwerdung und zugleich auch des Leidens unseres Erlösers Jesus Christus wegen darbringen, dir angenehm sein ...
Sehr deutlich leuchtet der Zusammenhang zwischen Verkündigung und dem Leiden des Herrn übrigens in jener Oratio auf, die uns als Schlußgebet vom Fest der Verkündigung (das in diesem Jahr - der Karwoche wegen - auf den 8. April "verschoben" ist) sowie von der Messe Unserer Lieben Frau im Advent vertraut ist und die wir täglich beten, wenn wir der Menschwerdung Christi beim Angelus gedenken:
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Wir bitten dich, Herr:
Gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels
haben wir Christi, deines Sohnes, 
Menschwerdung erkannt.
Durch sein Leiden und Kreuz
führe uns zur Herrlichkeit der Auferstehung!

Sonntag, 24. März 2013

Kyrios auf dem Thron des Kreuzes

Christus zieht in Jerusalem ein - Tafel am Hochaltar der
Pfarrkirche Christkönig, Titisee im Schwarzwald
Jesus zieht nach Jerusalem ein, um am Kreuz zu sterben. Und genau hier erstrahlt sein Königsein im Sinne Gottes: Sein Königsthron ist das Holz des Kreuzes! Ich denke an das, was Benedikt XVI. zu den Kardinälen sagte: Ihr seid Fürsten – aber die eines gekreuzigten Königs. Das ist der Thron Jesu. 
Jesus nimmt es auf sich … warum das Kreuz? Weil Jesus das Böse, den Schmutz, die Sünde der Welt – auch unsere Sünde, unser aller Sünde! – auf sich nimmt, und er wäscht es, wäscht es mit seinem Blut, mit der Barmherzigkeit, mit der Liebe Gottes. 
Schauen wir uns um: Wie viele Wunden schlägt das Böse der Menschheit! Kriege, Gewalttaten, Wirtschaftskonflikte, die die Schwächeren treffen; Geldgier – und keiner kann es doch mitnehmen; man muss es zurücklassen! Meine Großmutter sagte zu uns Kindern: Das letzte Hemd hat keine Taschen –, Gewinnsucht, Machtstreben, Korruption, Spaltungen, Verbrechen gegen das menschliche Leben und gegen die Schöpfung! 
Und auch – jeder von uns weiß es und kennt sie – unsere persönlichen Sünden: der Mangel an Liebe und Achtung gegenüber Gott, gegenüber dem Nächsten und gegenüber der gesamten Schöpfung. 
Am Kreuz spürt Jesus das ganze Gewicht des Bösen, und mit der Kraft der Liebe Gottes überwindet er es, besiegt es in seiner Auferstehung. Das ist das Gute, das Jesus uns allen erweist – auf dem Thron des Kreuzes.
Papst Franziskus in seiner Predigt zum heutigen Palmsonntag

Samstag, 23. März 2013

Vom Sinn der Palmen und Ölzweige

Die Taube trägt den Ölzweig zur
Arche des Noah: ein Typos der
Ekklesia -  Filialkirche St. Michael,
Niederrotweil am Kaiserstuhl
Wer in eine ältere Ausgabe des Missale Romanum einen Blick wirft, wird feststellen, wie sehr die Liturgie der Palmweihe bereits vor dem Konzil in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gekürzt (fast mag man sagen: zusammengestutzt) wurde. Weggefallen sind die Lesung, eine Präfation und eine ganze Reihe an Orationes; wunderbare Gebetstexte finden sich darunter, die uns in immer wieder neuen Worten die Mysterien des Heils und den geistigen Sinn der Palmen, der Zweige und der Prozession vor Augen führen. Die Regel des Betens wird hier wirklich zu einer Regel des Glaubens und die Liturgie zur Predigt - eine kleine Auswahl aus diesen alten Weihegebeten:
... wie du als Vorbild für die Kirche Noah reich gesegnet hast, da er aus der Arche ging, und Moses, da er mit den Kindern Israels fortzog aus Ägypten, so laß auch uns nun, Palmen und Ölzweige tragend, mit guten Werken Christus entgegen eilen ...
... Segne und heilige dieses Geschöpf, den Ölzweig, den du aus dem Baumstamm hast hervorsprossen lassen, und den die Taube, als sie zur Arche zurückkehrte, in ihrem Schnabel trug ... laß, Herr, dies Sinnbild deiner Gnade für uns ein Hilfsmittel zum ewigen Heil werden.
... Segne auch diese Palm- und Ölzweige, die deine Diener zur Ehre deines Namens in Empfang nehmen. Wohin immer sie gebracht werden, da mögen die Bewohner deinen Segen erfahren. Deine Rechte verjage alle feindliche Gewalt und schütze die, welche dein Sohn Jesus Christus, unser Herr, erlöst hat.
... Gott, du wolltest nach einer wunderbaren Ordnung deiner Ratschlüsse auch durch leblose Dinge das Werk deiner Erlösung darstellen lassen ... gib, wir bitten dich, daß die dir ergebenen Herzen deiner Gläubigen zu ihrem Heile den geistigen Sinn in jener Tatsache verstehen, daß heute die Volksschar, von himmlischem Licht erleuchtet, dem Erlöser entgegenzog und mit Palm- und Ölzweigen seinen Weg bestreute.
... Die Palmzweige deuten nämlich den Sieg an, der über den Fürsten des Todes errungen werden sollte, die Ölzweige aber verkünden gleichsam, daß die geistliche Salbung gekommen ist ...
... darum brachten sie zur Huldigung jene Dinge herbei, die seinen glorreichen Sieg wie auch den Reichtum seiner Barmherzigkeit versinnbildlichen sollten.
... segne diese Palm- und Ölzweige und gib, daß dein Volk, was es heute äußerlich zu deiner Verehrung tut, geistig mit ganzer Hingebung vollbringe: daß es den Sieg erstreite über den Feind und das Werk deiner Barmherzigkeit aufs höchste liebe.
... verleihe, daß wir ihm durch den Glauben einen Weg bereiten, von dem der Stein des Anstoßes und des Ärgernisses entfernt ist, und auf dem statt dessen unsere Werke vor dir grünen mögen als Zweige der Gerechtigkeit, damit wir so den Fußstapfen dessen zu folgen würdig werden, der mit dir lebt und herrscht ...

Ein Schiff, das sich Gemeinde ...

... nennt, ist offenbar gestrandet: bei der evangelischen Kirche in Sexau.
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Freitag, 22. März 2013

Gedächtnis der Sieben Schmerzen Unserer Lieben Frau

Maria als Schmerzensmutter -
Pfarrkirche Christkönig, Titisee
Ehe die betende Kirche die Schwelle der Heiligen Woche überschreitet, gedenkt sie besonders der Mutter des Herrn - heute, am Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens. Der hl. Johannes von Damaskus schreibt mit Blick auf die schmerzvollsten Stunden Unserer Lieben Frau (Darlegung des orthodoxen Glaubens IV, 14):
Diese selige Jungfrau, der übernatürlichen Gaben gewürdigt, erduldete die Wehen, denen sie bei der Geburt entging, zur Zeit des Leidens, als sie im mütterlichen Mitleiden die Zerfleischung ihres Herzens erlitt. Als sie sah, wie der, den sie bei der Geburt als Gott erkannt hatte, wie ein Übeltäter vernichtet wurde, da wurde sie in ihrem Geist wie von einem Schwert zerfleischt. Und das ist die Prophezeiung: "Deine Seele wird ein Schwert durchdringen" (Lk 2, 35).
Das Bild von den "Wehen" mag gewagt scheinen, aber gebiert die neue Eva nicht ihre Kinder, die im Pneuma zur Ekklesia vereint werden sollen, nicht in der Tat unter dem Kreuz, als der im Tod erhöhte Kyrios ihr den Jünger als Sohn anvertraut und dem Jünger eine Mutter gibt: "Frau, siehe da deinen Sohn!" (Joh 19, 27)? Und gelten nicht auch uns ihre Tränen? Dürfen wir nicht immer wieder zu ihr kommen mitsamt der Armseligkeit des begnadeten Geschöpfs, das diese Begnadung durch Schuld und Sünde so oft verdunkelt und Gefahr läuft, sie zu verspielen? Hält sie uns nicht so weit wie möglich fest, wenn wir zurückfallen zur Welt? Und ist die Liebe zu ihr nicht ein Zeichen der Liebe zu dem, den sie geboren hat, unter dessen Kreuz sie gestanden ist und dessen Auferstehung sie mit Freude schauen durfte? Am Karfreitagmorgen betet die Ostkirche:
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Deine Mutter, Christus,
die im Fleisch ohne Samen dich gebar,
die Jungfrau in Wahrheit ist
und auch nach der Geburt unversehrt blieb,
sie stellen wir als Fürsprecherin vor dich hin,
Gebieter, Erbarmungsreicher,
der Verfehlungen Vergebung
stets denen zu gewähren,
die zu dir schreien: Gedenke unser,
Retter, in deinem Reich!
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Sticheron (Hymnenstrophe) im Triodion der Fastenzeit

Donnerstag, 21. März 2013

"Flinke Verteilabfertigung"?

Vor wenigen Tagen hatte ich einen fb-Eintrag kommentiert, kam in diesem Zusammenhang auch auf die Spendung der heiligen Kommunion zu sprechen und schrieb von einer "flinken Verteilabfertigung". Ein Blogozesen-Kollege schalt mich darob der Respektlosigkeit. Die kann ich aber nicht sehen, denn wenn etwas respektlos ist, dann eher das Beschriebene als die Beschreibung. Aber was meine ich eigentlich?
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Vielleicht formuliere ich es zuerst einmal etwas positiver: Die Art und Weise, wie in manchen Kirchen und Gottesdiensten die heilige Kommunion gespendet wird, ist verbesserungsfähig. Das gilt übrigens für beide Formen des römischen Ritus. Der äußere Vollzug der Spendung steht nicht immer in einem angemessenen Verhältnis zu dem, was wir erhalten: Christus selbst in der Gestalt des Brotes.
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Ich beginne einmal mit der ordentlichen Form des römischen Ritus: Ich sehe da mancherorts diese Schlange im Kirchenschiff, die sich nach vorn wälzt, immer in Bewegung. Vorn wartet der Priester und gibt jedem den Herrenleib in den Mund oder in die Hand. Hält einem die heilige Gabe gegebenfalls schon entgegen, ehe man aus der Bewegung heraus überhaupt Stand gewonnen hat. Erhalten. Zur Seite treten. Wegtreten. Subito. Der Nächste steht schon bei Fuß. Kaum die Möglichkeit des Innehaltens; will man zudem das Knie beugen, tanzt man seltsam aus der Reihe und stört den Fluß. Kaum etwas deutet auf das Besondere dieses Moments hin. Müssen wir uns wirklich wundern, daß der Glaube an die Gegenwart Christi in dieser Brotsgestalt mehr und mehr schwindet, wenn dieses Sakrament mit solcher "Beiläufigkeit" (wie passend ist hier der Begriff!) und, ja eben: "Respektlosigkeit" - rein deutsch etwa: "Un-acht-samkeit" - gespendet wird (um von anderen Gründen hier abzusehen)? 
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Etwas anders steht es in der außerordentlichen Form des römischen Ritus: Hier ist die Gelegenheit, inne zu halten, durch den knienden Empfang an der Kommunionbank oftmals besser gegeben. Dafür habe ich schon Priester erlebt, welche - ohne Punkt und Komma die etwas längere Spendeformel hermurmelnd - in Windeseile die Kommunionbank entlangliefen, als gelte es, einen Marathon zu gewinnen. Auch dieser Vollzug wird der Bedeutung des Augenblicks nicht gerecht und konterkariert all die vielen frommen Predigten über Wert und Würde des Altarsakramentes und über die Verehrung, die zu erbringen angezeigt sei.
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Nun mag jeder selbst entscheiden, ob das Wort von der "flinken Verteilabfertigung" respektlos sei oder vielleicht die Sache doch treffen könnte ...?!?