Donnerstag, 31. Januar 2013

Los Wochos ... mit Johannes, Alipius und Johannes Paul II.

Männer sind bekanntermaßen eigentlich nicht multi-tasking-fähig - und doch muß sich meinereiner plötzlich mit zwei Los Wochos-Aktionen herumschlagen. Johannes sucht hier Teenieschlager und Don Alipio hier Treuebekundungen an Christus und die Kirche. 
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Nun gut, bei allen Vorbehalten bezüglich des Musikgeschmacks des sel. Johannes Paul II. und betreffs der Kompositionen dessenselben Hofkompositeurs Marco Frisina ... aber das Video birgt eine Prise Gänsehautfaktor. Die Melodie hätte meinereiner überdies als Teenie garantiert gefallen ... hätte das Frisina damals bereits komponiert ... ;-)
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Mittwoch, 30. Januar 2013

Los Wochos ... mit Manuela

Ich nähere mich eher langsam der von Johannes vorgegebenen Los Wochos-Parole Meine Teeniehits und Antihits. Noch nicht Teenie, aber doch älter als zu Zeiten erster nachgebrabbelter Melodien war ich, als ich Manuela gerne hören mochte. Der Schlager war zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber der Bub mit Zielberuf Lokführer kam natürlich auch am Eisenbahnwaggon des Monsieur Dupont schwerlich vorbei ... 
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Das waren jene Zeiten, als vornehmlich Oma mit mir auf die Eisenbahnbrücke stehen mußte, bis ein Zug kam, dem ich dann mit meinen Signalstab winken konnte. Manche Lokführer haben einen Pfiff abgelassen und mein Tag war perfekt! Herrliche Zeiten!
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Bemerkenswert ist auch die szenographische Zurichtung des Videos ...

Dienstag, 29. Januar 2013

Sichtweisen

Gott sieht uns in Christus. Sollten wir selber uns nicht auch in Christus sehen? Was nützt es uns, wenn wir uns nur selber in uns betrachten! Dann sind wir wahrhaft "disiecta membra", zerstreute Glieder, elend und wertlos und ziellos, ohne Kraft und der Verwüstung überantwortet.
Sehen wir uns aber in Christus, dann sich wir im Blickfelde Gottes, eingeordnet in seinen ewigen Heilsplan, Glieder des Königs der ganzen Schöpfung, geliebte Söhne und Töchter, ja, die geliebte Braut, die durch Christus mit Gott verbunden ist. Lohnt es sich da nicht, sich selbst dem Fleisch nach aufzugeben und sich pneumatisch in Christus zu finden?
¶ Odo Casel OSB in einem Exerzitienvortrag im Jahr 1929. In: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 170.

Montag, 28. Januar 2013

Los Wochos ... mit Danyel Gerard

Johannes hat hier neue Los Wochos! ausgerufen; das Motto lautet: Meine Hits aus der Teenagerzeit. Ich (über-) dehne das mal ein wenig in das erste Lebensjahrzehnt hinein und breche es auf mein zweites oder drittes Lebensjahr herunter; da gibt es einen Schlager aus dem Jahr 1971. Offenbar lief der zuhause oft genug, daß ich irgendwann auf den Text "Gagagei mei gagagei" inbrünstigst mitgesungen habe, was mir zum einen gar noch selbst in Erinnerung ist und andererseits lange Zeit zudem auf Tonband dokumentiert war. 
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Hier also ein Beitrag zu Los Woch0s! mit Danyel Gerard und Butterfly, my Butterfly - eigentlich ziemlicher Hippieshit, aber ich kann nicht leugnen, daß mich der Singsang in den Zauber der Erinnerung zieht:

Sonntag, 27. Januar 2013

Ein Blick in den Hinterhof

Circumdederunt me gemitus mortis,
dolores inferni circumdederunt me:
et in tribulatione mea invocavi Dominum,
et exaudivit de templo sancto suo
vocem meam.
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Es umraunte mich Stöhnen des Todes,
Qualen der Unterwelt umdrängten mich.
In meiner Bedrängnis schrie ich auf zum Herrn
und er hörte von seinem heiligen Tempel aus
meine Klage.
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(Antiphon zum Introitus am Sonntag Septuagesima)
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Das Meßformular des Sonntags Septuagesima wird der bewegten Zeit der Völkerwanderung zugeschrieben und mit der Eroberung großer Teile Italiens durch die Langobarden (um die Mitte des 6. Jahrhunderts) in Verbindung gebracht - eine Epoche, die von Unsicherheit gezeichnet und von Gefahren geprägt war. Ein Horizont der Angst begrenzte des fallende Imperium Roms. Die Kirche hat sich diese Texte bewahrt; der Introitus bildet noch heute den Auftakt zur Vorfastenzeit - die konkrete geschichtliche Erfahrung der Alten wird in den Kontext des pilgernden Gottesvolkes, der streitenden Kirche, eingespiegelt und definiert den Bezugsrahmen der Christen zu ihrer Weltzeit - vom Stöhnen des Todes ist die Rede und von den Qualen der Unterwelt.
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Man muß in der Welt nicht weit schauen, um dieses Stöhnens und dieser Qualen gewahr zu werden, trotz der vielen glanzvoll polierten Fassaden. Oft reichen wenige Schritte, reicht ein Blick in die Hinterhöfe der Städte, der Länder oder der Kontinente, in denen sich das Elend an Leib und Seele sammelt. Doch müssen wir überhaupt soweit gehen? Offenbart nicht ein Blick in die eigenen Abgründe jene Bilder allzu oft im Kleinen, die wir im Großen beklagen?
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In meiner Bedrängnis schrie ich auf zum Herrn - eine erste Reaktion und (oft) die einzige, zu der wir fähig sind, wenn uns die Worte fehlen oder uns unsere Worte selbst peinlich werden, weil wir Gott schon so oft mit eben diesen Worten um Vergebung gebeten haben und trotz eben dieser Worte wieder neu gefallen sind: Schreien, Aufstöhnen - hier Gebet in elementarster Form. Gott aber hörte immer wieder von seinem heiligen Tempel aus unsere Klage - sammelt uns um seinen Altar und heilt in der Feier der heiligen Mysterien unsere Wunden. So führt uns dieser Introitus heute unmittelbar hinein in die Eucharistie:
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Muneribus nostris, quæsumus, Domine,
precibusque susceptis:
ut cælestibus nos munda mysteriis,
et clementer exaudi.
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Unsere Gaben, so bitten wir, Herr,
und unsere Gebete nimm entgegen;
läutere uns durch die himmlischen Mysterien
und höre uns gnädig.
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(Gebet über die Opfergaben)

Samstag, 26. Januar 2013

Non blasphemetur - eine Mahnung des hl. Polykarp

Der hl. Polykarp von Smyrna, dessen Fest heute in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gefeiert wurde, zählt zu den apostolischen Vätern und mithin zu jener Gruppe der Kirchenväter, deren Lebensdaten noch nahe an denen der Apostel lagen. Polykarp gab als Bischof von Smyrna (dem heutigen Izmir) mit 86 Jahren sein Leben für Christus etwa um das 155 hin. Erhalten ist sein Brief an die Gemeinde von Philippi. Ich habe mir den bei der Bibliothek der Kirchenväter heruntergeladen (hier, eine griechisch-lateinische Fassung gibt es da) und bin bei den folgenden Worten gestern abend noch etwas hängen geblieben ...
Omnes vobis invicem subiecti estote, conversationem vestram irreprensibilem habentes in gentibus, ut ex bonis operibus vestris et vos laudem accipiatis et dominus in vobis non blasphemetur. Vae autem per quem nomen Domini blasphematur.
Seid alle einander untertan, führet einen untadeligen Wandel unter den Heiden, damit durch eure guten Werke einerseits ihr Ruhm erlanget, andererseits der Herr in euch nicht gelästert werde! Weh dem, durch den Gottes Name gelästert wird (10, 2 f.).
Das Wort kann uns zu denken geben. Wir kennen das Unding "Ärgernis geben" - jene Tatsache, daß wir den Menschen durch unser Handeln immer wieder ein zerrissenes und die Sache verdüsterndes Bild unseres Glaubens vermitteln, welches nicht besonders einladend wirkt. Diese Tatsache wird von Polykarp mit dem Begriff der Blasphemie in Verbindung gebracht, mit etwas also, das wir heute "Gotteslästerung" nennen: Dominus in vobis non blasphemetur - "der Herr werde in euch nicht gelästert". Es geht also nicht nur um irgendwelche public relations, sondern ganz fundamental um die Ehre des Namens Gottes vor den Menschen und um die Tatsache, daß Gott die Ehre seines Namens in die Hand von Menschen gelegt hat - auch in unsere Hände.
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Es wird einen Grund haben, warum die zweite Bitte im Gebet des Herrn jene um die Heiligung seines Namens ist - von der Schöpfung als dem ursprünglichen Schmuck Gottes herunter bis in unser Herz ...

Freitag, 25. Januar 2013

Die Herrlichkeit im Antlitz Christi - Bekehrung des hl. Paulus

Christus erscheint Paulus vor den
Toren von Damaskus - Glasfenster
in der Kirche St. Peter zu Endingen
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Ewiger Vater,
laß unsere Gedanken 
nicht so verblendet werden,
daß wir das Licht
der Frohbotschaft
von der Herrlichkeit Christi,
der Dein Bild ist,
nicht wahrnehmen.
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Du, Gott, hast 
bei der Erschaffung der Welt
gesprochen:
"Aus Finsternis soll Licht
aufleuchten!"
Du hast es auch 
in unseren Herzen aufleuchten
lassen zum Licht
der Erkenntnis Deiner Herrlichkeit
im Antlitz Christi.
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Doch wir tragen diesen Schatz
in irdenen Gefäßen,
damit das Übermaß der Kraft
Dir, Gott, und nicht uns
zuerkannt werde.
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Äußerlich sind wir zwar
allenthalben bedrängt,
doch wir sind nicht erdrückt;
ratlos, doch 
nicht verzeifelt;
verfolgt, doch 
nicht verlassen;
niedergeworfen, doch 
nicht vernichtet.

Ständig tragen wir das Todesleiden Jesu, Deines Sohnes, an unserem Leibe, damit auch Jesu Leben offenbar werde an unserem Leib ...
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 ... formuliert nach 2 Kor 4, 4 f. in: Paul Hilsdale: Gebete aus den Paulusbriefen. München / Luzern 1966. S. 111 f.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Soirée ... Martha, Martha


  
Zu den schönsten deutschen Spielopern zählt unzweifelhaft Martha oder Der Markt von Richmond von Friedrich von Flotow, der heute vor 130 Jahren starb; das Werk erfreute sich weiland so großer Beliebtheit, daß davon sogar eine "international" (wir sind in der Welt der Oper!) brauchbare italienische Fassung erstellt wurde. Ab und zu ist das Werk heute noch auf Spielplänen zu finden, Loriot hatte es zum Beispiel am Münchner Gärtnerplatztheater inszeniert, wo auch ich mal in den Genuß davon kam. Als kleinen Höreindruck und zu Flotows seligem Angedenken gibts heute Abend das hübsche Finale dieser Oper in alter und dennoch frischer Aufnahme mit Erna Berger und Peter Anders in den Hauptrollen (Berlin 1944).
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Die Handlung kurz umrissen: Lady Harriet, ihres adeligen Alltags etwas überdrüssig, besucht mit ihrer Freundin Nancy den Gänsemarkt von Richmond. Aus einer Laune heraus verdingen sich die Damen als Mägde: Lady Harriet bei Lyonel und Nancy bei dessen Freund Plumkett. 
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Wie es so kommt: Lyonel verliebt sich auf den ersten Blick in seine neue "Magd Martha" und trägt ihr die Ehe an - ein Ansinnen, welches die Lady von Stand natürlich ausschlägt, ohne sich zu erkennen zu geben, obschon auch ihr Lyonel gefällt. Aber wie zuvor abgesprochen fliehen Lady Harriet und Nancy in der Nacht aus ihren neuen Jobs. 
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Lyonel wird in Folge zunehmend unglücklicher, zumal ihn bald darauf die Lady bei einem zufälligen Zusammentreffen rundweg verleugnet. Er beharrt schier aus Verzweiflung darauf, daß Lady Harriet seine entlaufene Magd sei und wandert, für irre gehalten, kurzzeitig in den Bau. 
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Nun plagen die Lady Gewissensbisse und sie sucht sich bei Lyonel zu entschuldigen. Wie es der Zufall so will, kommt zur selben Zeit ans Licht, daß Lyonel gleichfalls von Stand ist - sein Vater war ein in die Verbannung geschickter Graf. Einer Hochzeit stünde nun nichts mehr im Wege, jedoch weist der deprimierte Lyonel nunmehr Lady Harriet ab. 
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Plumkett und Nancy schmieden einen Plan: Der Markt von Richmond, jener Gänsemarkt, wird - und hier setzt das Finale ein - nachgestellt ... 
Hier die Buden , dort die Schenke, / hier die Zelte, dort die Bänke, / hier der Tisch für den Notar, / grade wie es damals war ...
... und die Uhr sozusagen zurückgedreht. Wieder verdingen sich Lady Harriet und Nancy als Mägde ...
Ich kann nähen, ich kann mähen, / ich kann säen, Fäden drehen, / ich kann bügeln, ich kann striegeln, / und versehen Hof und Haus!
... diesmal aber gesteht die Lady sogleich Lyonel ihre Liebe:
Ich kann entsagen / dem Glanz, dem Schimmer, / kann ohne Zagen sie fliehn auf immer. / Ich kann dem Treuen mein Dasein weihen, / Ich kann ihm sagen: Nur dir allein / will ich auf ewig sein.
Die Rechnung geht auf (Lyonel: "O Himmelglück!") - und da sich auch Plumkett und Nancy ineinander verliebt haben, steht einer Doppelhochzeit ganz offenkundig nichts mehr im Weg ...
Der Lenz ist gekommen, die Rosen erblühn. / Es strahlet die Zukunft in freundlichem Grün. / Es flattern die Bänder in heiterer Luft, / zum Heile, zum Glücke das Dasein uns ruft.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Der Martin, die Toren und das Tor

Das Tor rechts im Bild unten links ist das Martinstor von Süden aus. Das Martinstor ist eines der zwei erhaltenen Freiburger Stadttore aus dem Mittelalter; genauer: die untere Hälfte ist original, der oberer Teil wurde in der Epoche des Historismus drauf gesetzt. Auf der nördlichen Seite des Tores befindet sich über dem Bogen eine ehemals mit einem ansehnlichen Wandbild bemalte Fläche. Zu sehen war der hl. Martin. Das letzte Martinsbild stammte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und befand sich Ende der 1960er-Jahren in so beklagenswertem Zustand, daß man es herunterklopfte. Seither rätselte man in der Stadt und riet, wer einen neuen Martin malen solle oder könne, und man rätselt und rät im Durchschnitt alle zehn Jahre auf Neue - bis dieser Tage.
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Denn nun brachte die Arbeitsgemeinschaft Stadtbild das Thema wieder aufs Parkett: Das Bild solle nach einem Entwurf des spätbarocken Freiburger Malers Simon Göser ausgeführt werden. Gösers Entwurf sei, da ist man sich sicher, für das Martinstor entstanden; ob er je ausgeführt wurde, ist derweil ungewiß. Aber gut; die Idee findet aktuell sogar eine Ratsmehrheit aus CDU, SPD, den Freien Wählern und der FDP.
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Der linksgrünen Kulturschickeria schmeckt das garnicht: Unzeitgemäß, dieses Ansinnen, so tönt es, weder ästhethisch noch inhaltlich. Ästhetisch nicht, da Göser kein wirklich bedeutender Künster gewesen sei. Das mag stimmen. 
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Göser war sozusagen ein Vertreter der hiesigen freien Kunstszene vor rund 200 Jahren; seine Bedeutung - oder eben Unbedeutsamkeit - teilt er geradezu mit der Freiburger Kulturschickeria unserer Tage. Ob allerdings von deren Schaffen in 200 Jahren noch die Rede sein wird, steht derweil auf einem anderen Blatt. Für Maria Viethen jedenfalls, Fraktionsfrontfrau der GrünInnen im Freiburger Gemeinderat, ist Gösers Bild "ein Werk, das von seiner Entstehungszeit im späten 18. Jahrhundert her und dem künstlerischen Kontext mit dem Martinstor und seiner mittelalterlichen Ausgestaltung nicht in Einklang zu bringen" sei. Erinnern wir uns mal kurz: Das halbe Martinstor ist ein Kind des 19. Jahrhunderts - wenngleich aufs deutsche Butzenglasmittelalter getrimmt. Frau Viethen nimmt überdies auch wahr, daß Gösers Bild eine "süßliche Darstellung" sei. Ja weiß Gott, was Fraktionsfrontfrau Viethen so alles raucht ...
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Ich vermute, daß dies nur vorgeschobene Argumente sind. Das Bild des seinen Mantel teilenden Soldaten, ein Heiligenbild obendrein, scheint weder ob seines militaristischen Hintergrundes, noch der Botschaft wegen gelitten. Es illustriere, so Viethen, ein "nicht mehr zeitgemäßes Verständnis der sozialen Probleme in einer Gesellschaft und der Haltung, die der Freiburger Gemeinderat dazu entwickelt hat", und reduziere soziales Handeln auf "die Barmherzigkeit der oberen Zehntausend". Selbst ein Freiburger Lokalblatt konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, man müsse bei letztgenannter Ablehnung "schon etliche Gehirnwindungen bemühen". 
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Aber natürlich haben Viethen und die GrünInnen auch Alternativen auf Lager: Den südbadischen Bauernführer Jos Fritz könnte man ans Tor malen, und "wenn es denn ein Martin sein soll, warum nicht Martin Luther King? Ein Kämpfer für Bürger- und Menschenrechte auf dem Martinstor, welch schönes Zeichen!" Aus einer anderen Ecke der Kulturschickeria kam überdies der Vorschlag, man könne auch Jahr um Jahr einen Graffiti-Contest am Martinstor durchführen ...

Dienstag, 22. Januar 2013

Anderswo aufgeschnappt: Religionssoziologisches

Der Wille zur Macht macht vor Transzendentem nicht Halt. Es darf somit nicht verwundern, dass es gerade das vor-christliche Heidentum, die animistischen Naturreligionen und die fernöstlichen Spiritualitäten sind, die dem modernen Menschen attraktiv erscheinen: Götter, Geister, Engel und Naturwesen sind als metaphysische Werkzeuge zu Diensten und nach Belieben verfüg- und manipulierbar ...
... schreibt T.C. hier auf seiner Seite What Else Is There? Für diesen Text muß man sich ein klein wenig Zeit nehmen, aber es wäre schade, wenn er im Alltagsumtrieb der Blogozese zu rasch an uns vorüberginge.

Montag, 21. Januar 2013

Chorführerin

Die heilige Agnes - Pfarrkirche
St. Leonhard, Niederwinden im Elztal
Congaudete mecum,
et congratulamini,
quia cum his omnibus
lucidas sedes 
accepi.
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Freut euch mit mir,
wünscht einander Glück,
denn mit all diesen
erstieg ich die
lichtstrahlenden Throne.

(fünfte Antiphon zu
den Psalmen 
der Laudes 
und der Vesper 
im Offizium 
der hl. Agnes)
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Chorführerin ist die hl. Agnes - gemeinsam mit "all diesen" im Canon Romanus genannten Jungfrauen Felicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Cäcilia und Anastasia - zu den lichtstrahlenden Thronen: Chorführerin einer großen Schar. Nach ihrem Tod, so weiß die Überlieferung, sei sie ihren Eltern mit einem Lamm zu ihren Füßen erschienen - Zeichen der Lauterkeit und der Jungfrauschaft, die nachzuahmen wir im Herzen zumindest versuchen sollten, damit auch wir jenem großen Chor - "all diesen" mehr - zuzählen: 
Sie folgen dem Lamm, wohin es geht. Sie allein unter allen Menschen sind freigekauft als Erstlingsgabe für Gott und das Lamm. Denn in ihrem Mund fand sich keinerlei Lüge. Sie sind ohne Makel (Offb 14, 4-5).

Willkommen im Mittelalter!

... Es wird vielleicht einmal dazu kommen, daß auf diese Weise das Wort "Mittelalter" einen ganz neuen Sinn erhält. "Mittelalter" nannte man bisher mehr oder weniger verächtlich jene Zeit, die nur ein Übergang zwischen zwei Lichtzeiten des Menschengeschlechtes war, ein Zwischenzustand zwischen der Antike und ihrer angeblichen Wiedergeburt in der Zeit, die sich nach dieser Wiedergeburt stolz als Renaissance bezeichnete. Was dazwischen lag, galt als das "finstere Mittelalter" (medium aevum, Zwischenzeit). 
Vielleicht wird man einmal in neuer Erkenntnis des wahren Wesens der Dinge gerade diese scheinbar so lichtvolle Zeit der Renaissance, dieses Zeitalter der Befreiung des Individuums, der "Aufklärung", der Naturwissenschaft und Technik, des Fortschritts, als die eigentliche Verfinsterung des Menschengeschlechtes bezeichnen und ihr mit größerem Recht den Namen eines Mittelalters geben, einer Zwischenzeit zwischen den Zeiten des Glaubens. 
Zeiten des Glaubens sind nach Goethe und nach uralter Erfahrung aufstrebende, große, schöpferische Zeiten, Zeiten, in denen der Mensch in seiner ewigen Ordnung steht und aus dem Gemeinschaftsgeist heraus große, überindividuelle Werke schafft ...
Odo Casel OSB: Die Kirche als Braut Christi nach Schrift, Väterlehre und Liturgie in: Mysterium der Ekklesia. Mainz 1961. S. 59 f.

Sonntag, 20. Januar 2013

Sancte Sebastiane adiuva!

So ganz verstanden habe ich bislang nicht, warum ausgerechnet der hl. Sebastian, dessen Fest heute - neben dem hl. Papst Fabian - auch im Kalender steht, zum Patron der Schützen erkoren wurde. Nun gut, er war Soldat, ein hochrangiger gar, wie überliefert wird. Und entgegen landläufiger Meinung ist er auch nicht an den Pfeilen gestorben, die man im ersten Anlauf des Martyriums auf ihn abgeschossen hatte, obschon er laut der Legenda Aurea "so mit Pfeilen durchbohrt" wurde, "daß er wie ein Igel aussah". Einige Tage später stand er jedenfalls, so liest man weiter, erneut vor Kaiser Diokletian: "Der Herr hat mich für würdig befunden aufzuerstehen, um zu euch zu kommen und euch zu schelten wegen der Untaten, die ihr den Dienern Christi antut". Geholfen hat das offenkundig kaum, Diokletian ließ ihn als nächstes totschlagen mit Knüppeln. In die christliche Ikonographie eingegangen ist Sebastian aber als der von Pfeilen durchbohrte Blutzeuge um Christi willen; ein wenig Treppenwitz ist schon dabei, gerade Sebastian zum Fürsprech jener zu machen, die früher Pfeile und heute meist diverse Kaliber verschießen. 
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Was übrigens auch meinereiner, wie das zur Feier des Tages darein gegebene, wenngleich nicht ganz taufrische Poserbild nahelegt, reizvoll findet. Pulver und Blei rieche ich fast so gerne wie Weihrauch - leider komme ich derzeit eher selten in den Genuß erstgenannter gaudia
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Ehe wir also zur Abrundung dieses Festes noch einen Blick in eines der wahrhaft durchgeknallten Videos des Country Singers Steve Lee werfen (man beachte: der Knob Creek Machine Gun Shoot wird mit einem gemeinschaftlichen Gebet eröffnet!), sei es erlaubt, daß ich des hl. Sebastian Fürsprache im Blick auf ein irdisch gaudium jetzt und nachmals die gaudia cælorum erbitte - in diesem Sinne also: Sancte Sebastiane adiuva! Und jetzt ab zu Steve Lee: Die einen werden Spaß dran haben, anderen werden die Haare zu Berge stehen, politisch korrekte Zeitgenossen sollten besser jetzt schon weggucken ...
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Medienmanipulation mal anders

Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke ... eine kleine
Hommage an meinen "Lieblingssender"
Der SWR zählt zu den größten und miesesten Rundfunkanstalten der ARD; im Gegensatz zu anderen Sendern war er - als meinereiner noch reingehört hatte - nicht in der Lage, ein reines Klassikprogramm auf die Beine zu stellen, sondern alles, was Kultur war (oder was die Redaktion dafür hielt), wurde in SWR2 reingestopft. Zu jener Zeit war der Empfang von SWR2 in Freiburg aber ohnehin eine Katastrophe; eine Mitarbeiterin gestand meinereiner dann auch ein, das Programm werde im Stadtgebiet auf "nicht optimaler" Frequenz gesendet, weil die besseren Frequenzen mit anderen Programmen besetzt seien - etwa mit dem oben beworbenen Dudelfunk. Mag sein, daß der Empfang zwischenzeitlich besser ist. 
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Zu meinereiner jüngstem Überdruß fusioniert der Sender nun aber zwei Orchester, weil Orchester zu teuer sind und man das Geld lieber für den Dudelfunk im Radio und für banale Schunkel- oder dröge Laberrunden in der Glotze ausgibt. Und dann diese Werbung! Dem ursprünglichen Slogan läßt sich ein gewisser Esprit nicht absprechen, aber der überwiegend gesendete Müll schreit nach Manipulation ... wahrscheinlich heißt der Zwangsobolus deswegen jetzt auch "Rundfunkbeitrag" und nicht mehr "Rundfunkgebühr"; letztere erinnerte doch zu sehr an Abfallgebühren!

Einwurf ... Kindesmißbrauch mal anders gesehen

So wie sich unsere Zeit mit Vorliebe auf Themen wie "Mißbrauch in der Kirche" stürzt, um sich angesichts der Kinder- und Familienfeindlichkeit oder der Abtreibungszahlen im Land die Absolution erteilen zu können, so scheint sie auch mehr Energie darauf zu verwenden, Kinderbücher politisch korrekt umzufabulieren, statt sich mit dem weit größeren Dreck auseinander zu setzen, den diverse Medien - gedruckt oder gesendet - über Kinder und Jugendliche ausschütten.

Weit mehr als nur Wasser zu Wein - die Ekklesia im Brautglanz

"So machte Jesus zu Kana in Galiläa den Anfang mit seinen
Wundern und offenbarte seine Herrlichkeit" (Joh 2, 11). -
Hochaltar (Detail), Pfarrkirche St. Martin, Freiburg
Das Evangelium des zweiten Sonntags nach Epiphanie läßt uns nochmals auf das Hochfest der Epiphanie des Kyrios Christus zurückschauen. Der Bericht von der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-11) wird überwiegend auf das Zeichen hin ausgelegt, welches der Kyrios setzte, um unseren Glauben zu wecken und zu stärken. Zugleich zählt die damit verbundene Offenbarung des Logos in diesem Zeichen zu den Festmysterien der Epiphanie.
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Eine nochmals vertiefende Deutung dieses Geschehens begegnet uns mit der Antiphon zum Benedictus in den Laudes am Erscheinungstag:
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Hodie cælesti sponso iuncta est Ecclesia,
quoniam in Iordane lavit Christus eius crimina;
currunt cum muneribus Magi ad regales nuptias,
et ex aqua facto vino lætantur convivæ,
alleluia.
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Heute ist dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt worden,
denn im Jordan abgewaschen hat Christus ihre Sünden;
es eilen mit Geschenken die Weisen zur königlichen Hochzeit
und durch den aus Wasser gewonnenen Wein
werden die Gäste erfreut.
Alleluia.
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Die Menschwerdung des Logos wäre vergeblich, gäbe es nicht ein empfangendes Gegenüber: Die Ekklesia. Sie sammelt die einzelnen Erlösten zur Gemeinschaft des Leibes Christi und sorgt für das Wachsen des Reiches Gottes in der Zeit. Von dieser Ekklesia schreibt Paulus:
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Ekklesia geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie durch das Wort in der Wassertaufe zu reinigen und zu heiligen. Auf diese Weise wollte er sich die Ekklesia bereiten, strahlend rein, ohne Flecken, ohne Runzeln oder dergleichen, sondern heilig und makellos (Eph 5, 25-27).
Wie der Kyrios als Mensch in der Vereinigung mit der göttlichen Natur die Schuld des Menschen stellvertretend am Kreuz sühnen konnte, so konnte der Kyrios als Mensch  in der Vereinigung mit der göttlichen Natur auch die Taufe des Johannes "zur Vergebung der Sünden" (vgl. Mk 1, 4) stellvertretend für die Ekklesia empfangen; denn für sich selbst bedurfte er dieser Taufe nicht.
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Gab er sich am Kreuz für alle dahin, so vollzieht sich die Heiligung des Einzelnen in der Ekklesia nun an den Vielen, die ihrer Stimme und der Stimme ihres Bräutigams folgen und zu Gast sind am Tisch der königlichen Hochzeit, an dem Christus und die Ekklesia aus Wasser gewonnenen Wein ausschenken: Das aus dem Wein gewonnene Blut Christi, das - und nun blicken wir etwas voraus - gemeinsam mit dem Brot des Lebens Frucht ist der österlichen Mysterien. Die Taufe der Ekklesia wird ihren Abschluss und deren Sendung den Anfang finden im Myron: der Gabe des Heiligen Pneumas am Pfingsttag.
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Aber ist die Ekklesia wirklich ohne Flecken, ohne Runzeln, heilig und makellos? Sie es es heute bereits als triumphierende Kirche, sie wird es als leidende Kirche in fortwährender Läuterung. Sie ist als streitende Kirche aber stets angefochten vom Bösen und fällt in ihren Gliedern. Deswegen hat uns der Kyrios die Sakramente geschenkt, welche sein heilendes Handeln am Menschen immer wieder gegenwärtig setzen und erneuern - auf den einzelnen Christen bezogen in der Taufe, der Buße, der Firmung und der heiligen Ölung, auf das Gesamt der Ekklesia bezogen in der Eucharistie, in der Ehe und im Priestertum. 
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Diese Mysterien werden von der Ekklesia in Treue und Liebe zu ihrem Bräutigam fortwährend gefeiert und in ihr gespendet in Erwartung und Bereitung der Wiederkunft des Kyrios. Er wird alsdann durch die Ekklesia der Schöpfung Anteil geben an der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes (vgl. Röm 8, 21), die ja Kinder der Ekklesia: "Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind" (Offb 19,9) - "Der Geist und die Braut sollen einstimmen: Komm" (Offb 22, 17).
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Heute ist dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt worden,
denn im Jordan abgewaschen hat Christus ihre Sünden;
es eilen mit Geschenken die Weisen zur königlichen Hochzeit
und durch den aus Wasser gewonnenen Wein
werden die Gäste erfreut.
Alleluia.

Samstag, 19. Januar 2013

In figuris præsignatur

Wie diese Gottheiten dem Menschen den wahren Adel, die echte Größe nicht durch Gebote und Lehren, sondern durch ihr bloßes Sein offenbaren, so eröffnen sie ihm durch dieses Sein auch die Tiefen und Weiten der Welt.
Damit treffen wir das Wesen der griechischen Gotteserfahrung. Die Götter zeigen dem, der ihnen ins Antlitz blickt, den unendlichen Reichtum des Seins. Sie zeigen ihn ein jeder nach seiner besonderen Art:
Apollon zeigt das Sein der Welt in seiner Klarheit und Ordnung, das Dasein als Erkenntnis und wissenden Gesang, als Reinheit von dämonischen Verstrickungen. Seine Schwester Artemis offenbart eine andere Welt von Reinheit und Dasein, die ewig jungfräuliche, spielende und tanzende, den Tieren befreundete und sie fröhlich jagende, die kühl abweisende und hinreißend bezaubernde. Aus Athenes Augen blitzt die Herrlichkeit der männlich-sinnvollen Tat, des Ewigkeitsaugenblicks alles siegreichen Vollbringens. Im Geiste des Dionysos tritt die Welt als Urwelt ans Licht, als uralte Wildheit und grenzenlose Beseligung. Im Namen Aphrodites ist die Welt golden, alle Dinge zeigen das Gesicht der Liebe, des göttlichen Zaubers, der zur Hingabe einlädt, zur Verschmelzung und Einswerdung.
So könnten wir fortfahren. Aber diese Bilder genügen. Sind das nicht alles Urgestalten des unendlichen Lebens der Welt, seiner Entzückungen und seiner dunklen Geheimnisse? (...) Und immer ist es die ganze Welt, die einer der Götter eröffnet. Denn in seiner besonderen Offenbarung sind alle Dinge beschlossen.
Walter F. Otto: Theophania. Der Geist der altgriechischen Religion. Hamburg 1956. S. 84 ff.

Folge zu einseitiger Lektüre?

Die Freiburgbärin ist (oder war es zumindest zeitweilig) voll Anti-Odo. Vielleicht sollte ich in der Tat etwas weniger die Nase in die Schriften Casels halten. Denn wohin soll das noch führen, wenn man an der Haltestelle die elektronische Anzeigetafel beglotzt und feststellt, die Bahn müsse jeden Augenblick anrollen, indem man spontan bei sich denkt: "Ah ja, die Straßenbahn wird als kommend verkündigt" ... ?!?

Freitag, 18. Januar 2013

¶ Sententiæ XX

In jenen ersten Zeiten waren auch die Häuser Kirchen; heutzutage ist die Kirche zu einem gewöhnlichen Hause geworden. Damals konnte man in den Häusern keine weltlichen Reden hören und heutzutage in der Kirche keine geistlichen ...
aus des hl. Johannes Chrysostomus Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus, Homilie 32, 7.

Benedictus ... qui venit ;-)


Da weiland am heutigen Tag das Fest In Cathedra Sancti Petri Apostoli Romæ gefeiert wurde und mir Benedikt XVI. von allen Päpsten, von denen ich bislang "live" etwas mitbekommen habe, der liebste ist, versuche ich mich einmal ein wenig im "Papsting" am Abend - Screenshots aus Youtube helfen dabei ... Oremus pro pontifice!

Keine anderen Probleme?

Der päpstliche Zeremoniar Guido Marini hat sich, wie hier auf Katholisches zu lesen ist, zu einigen mehr oder minder aktuellen liturgischen Phänomenen geäußert. 
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Die Gedanken zum Kalenda-Vortrag ist berechtigt. Das Problem läßt sich meines Ermessens umschiffen, wenn er als Element der Andacht der Mitternachtsmesse vorgelagert wird; der Priester sollte dann nicht das Meßgewand, sondern ein Pluviale (alternativ Chorrock samt Stola) tragen, um die Abgrenzung zur nachmaligen Meßfeier deutlich zu machen.
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Ein responsorial angelegtes Gloria scheint mir immer noch besser als irgendein anderes Tralala, das mit dem Text des Glorias eher wenig zu tun hat (Engel auf den Feldern singen usf.). Ich hoffe aber, das dieses Lourdes-Gloria nicht auf die Melodie des Lourdes-Lieds gesungen wird (Aua, aua, aua Gloriaaaa~aua, aua, aua Ma-ri-hi-ja oder so ;-)
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Gerade in traditionsfreudigen Kreisen feiert Volksfrömmigkeit in der Liturgie manchmal seltsame Urständ. Interessanterweise betrifft das eher die ordentliche Form des Römischen Ritus, die auch nach dieser Seite hin leichter mißbraucht werden kann; auch da können einem gelegentlich die Haare zu Berge stehen.
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Insgesamt kann ich mir aber - bei aller hohen Wertschätzung für Msgr. Guido Marini - eine Anmerkung nicht verkneifen: Haben wir wirklich keine anderen Probleme in der Liturgie? Ohne das eine gegen das andere ausspielen zu wollen ... aber ein klares Wort zu Lesungen aus Der kleine Prinz oder Der Prophet scheint mir wichtiger als das Thema Kalenda.

Hermeneutik der Bedeutungslosigkeit

Während meiner Studienjahre machte der Marburger Theologe Rudolf Bultmann Furore; er erklärte, vom historischen Leben Jesu könne man nichts Sicheres wissen - das sei auch ganz unerheblich für den Glauben, dem es nur um die "Bedeutung für mich" zu gehen habe, ein Verfahren, das er existenziale Hermeneutik nannte ... 
Klaus Berger: Jesus. München 2007. S. 21.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Der hl. Antonius und die Wüste

Der hl. Eremit Antonius
Kirche St. Sebastian, Obersimonswald
Gedenke des ganzen Wegs, den dich der Herr, dein Gott, seit vierzig Jahren in der Steppe geführt hat, dich zu demütigen und zu prüfen, um zu erfahren, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten wirst oder nicht! 
Er beugte dich, ließ dich hungern, aber dann speiste er dich mit Manna, das dir und deinen Vätern unbekannt war, um dich so zu lehren, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebe, sondern daß der Mensch von allem lebt, was durch des Herrn Mund entsteht. 
Dein Kleid zerfiel nicht an dir, und dein Fuß schwoll nicht, diese vierzig Jahre. So erkenne in deinem Herzen, daß dich der Herr, dein Gott, so erzieht, wie jemand seinen Sohn erzieht! (Dt 8, 2-5).
Die Wüste - Durchgangsstation, Ort von Erprobung und Versuchungen, Raum der Gefährdung, des Gebetes und der Gnade: all dem hat sich der hl. Antonius ausgesetzt, in die Wüste geführt - wie vor ihm Christus (vgl. Mt 4, 1) - durch das Pneuma. Die Wüste hat viele Gesichter, von der Unwirtlichkeit der Hitze bis zur schier unendlichen Verheißung der Sterne, die über ihr in der Nacht leuchten. Die Fürsprache des heiligen Wüstenvaters mag uns begleiten, wenn auch wir durch Wüsten, Welten und Gestalten wandern: Durch jene um uns herum und durch jene in uns.

Einwurf ... die zentrale Frage

Zu den gewieften Einflüsterungen heutiger Theologie gehört die These, seit der Menschwerdung Gottes stehe der Mensch im Mittelpunkt der Theologie - eine perfide Verdrehung, denn tatsächlich ist Gott im wahrsten Sinn des Wortes in die Mitte der Menschen getreten. 
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Wenn also etwas im Mittelpunkt der Theologie steht, dann weiterhin: Gott - und jetzt erst recht!

Mittwoch, 16. Januar 2013

Soirée ... nur vier Verse

Wir aßen Brot, wir tranken Wein.
Sturm schlug uns ins Gesicht.
Die Woge griff nach uns herein.
Wir fürchteten uns nicht.
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Hans Carossa

Dienstag, 15. Januar 2013

Die Festankündigung - zum Nachsingen

Die Festankündigung während der päpstlichen Liturgie in St. Peter am Hochfest Epiphanie ist einigen Mitblogozesanen bereits aufgefallen. Feierlich wurden - rund um den zentralen Ostertermin - die wichtigsten kommenden Daten des aktuellen Kirchenjahres proklamiert. Das Liturgische Institut Trier schreibt dazu: 
Die Festankündigung am Hochfest der Erscheinung des Herrn geht auf das 4. Jahrhundert zurück, als das 1. Konzil von Nizäa 325 für das ganze Römische Reich einen einheitlichen Ostertermin bestimmte. Die Berechnung dieses Datums (später auch der davon abhängigen beweglichen Feste) wurde der Kirche von Alexandrien übertragen, die es allen anderen Kirchen, auch dem Bischof von Rom, mitteilte, und zwar im so genannten Osterfestbrief, der alljährlich an Epiphanie veröffentlicht wurde.
Von alters her wird die Festankündigung im Ton des Exsultet, dem großen Lichtgesang der Osternacht, vorgetragen. Dankenswerter Weise stellt das Institut hier eine entsprechend für Gesang eingerichtete deutsche Fassung zum Herunterladen bereit, die man (mit kleinen Modifikationen bei den Datumsangaben) auch in den kommenden Kirchenjahren wird verwenden können.

Aus einer alten Taufkatechese

Taufe Jesu - Glasfenster,
Münster Unserer Lieben Frau
zu Villingen im Schwarzwald
Kommt herbei, alle ihr Geschlechter der Heiden, zur Unsterblichkeit der Taufe! Leben verkündige ich euch, die ihr im Dämmer der Ungewißheit verweilet; kommt herbei zur Freiheit aus der Sklaverei, zur Gottesherrschaft aus der Tyrannei, zur Unverweslichkeit aus der Verweslichkeit.  
Und wie, wird man sagen, werden wir dorthin kommen? Wie? Durch Wasser und heiliges Pneuma. Dies aber ist das Wasser, das teilhat am Pneuma, von dem das Paradies getränkt wird, wodurch die Erde fett wird, wodurch die Pflanzen wachsen, wodurch die Tiere sich vermehren, und um alles in einem zu sagen, wodurch der wiedergezeugte Mensch belebt wird; in ihm ließ sich Christus taufen, dort hinein stieg das Pneuma in Taubengestalt.
Dies ist das Pneuma, das von Urbeginn über den Wassern schwebte, wodurch die Welt bewegt wird, wodurch die Schöpfung besteht und alles belebt wird, das in den Propheten wirkte und auf Christus herabflog. Das ist das Pneuma, das den Aposteln gegeben wurde in Gestalt von Feuerzungen. Dieses Pneuma suchte David, indem er betete: "Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott, und ein gerades Pneuma erneuere in meinem Inneren" (Ps 50, 12). Von diesem sprach Gabriel zu der Jungfrau: "Heiliges Pneuma wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten" (Lk 1, 35). 
Durch dieses Pneuma sprach Petrus jenes beseligende Wort aus: "Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" (Mt 16, 16). Durch dieses Pneuma wurde der Felsen der Ekklesia gefestigt. Anwalt ist dieses Pneuma, ... 
... das deinetwegen gesandt wurde, damit es dich als Kind Gottes bezeuge.
Auszug aus einer (Tauf-) Katechese Auf die Heilige Theophanie, dem hl. Hippolyt von Rom zugeschrieben, jedoch orientalischer Provenienz - in: Odo Casel OSB: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [nach 1952]. S. 222 f.

Montag, 14. Januar 2013

Rex absconditus

Alleluia. Alleluia.
Vere 
tu es rex absconditus,
Deus Israel Salvator.
Alleluia.
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Alleluia. Alleluia.
Fürwahr,
du bist ein verborgener König,
du Gott Israels, Erlöser.
Alleluia.
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(aus der Messe zum Fest der Heiligen Familie)
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Man könnte zeitweilig jener Anfechtung erliegen, die in der Frage liegt, warum Gott in Christus nicht viel sichtbarer, deutlicher, sozusagen "affektiv überzeugender" Mensch geworden ist. Er aber zeigt sich uns als rex absconditus, mithin als deus absconditus, als der verborgene Gott. Es ist vielleicht ein Spiegel der Größe und des Elendes des Menschen, daß Gott einerseits unsere Natur bis in den Tod hinein teilt und wir ihn andererseits gerade deswegen so oft nicht erkennen. Vielleicht, weil wir uns selbst oft fremd sind?
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Romano Guardini hat ein betrachtenswertes Büchlein verfasst, welches den Titel Theologische Gebete trägt. Ein Gebet ist mit Die Urschuld überschrieben. Darin heißt es am Ende:
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... Nun hast Du uns gelehrt,
die Wahrheit zu sehen,
und darin hat schon neues Leben begonnen.
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Laß mich immer tiefer verstehen,
was ich bin, aber auch, wer Du bist, 
Du Gott der Liebe.
Wecke in mir den Ernst, der im Glauben belehrt ist,
und die Zuversicht, die auf Deine Gnade vertraut.
Amen.

Advent ist vorerst immer

Impulskauf gegen den Jahres-zeit-geist ...
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Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes!
Jesaja 35, 2

Sonntag, 13. Januar 2013

Wir feiern das Konzil 5: Weiterhin wonnigliche Weihnacht

"... froh, froh, froh! Benedicamus
Domino!" ... erfreuter Hirte,
Krippe in St. Nikolaus, Elzach
Alldieweil zum Abschluß dieses Tages der Weihnachtszeit Ende (zumindest gemäß Kalender der ordentlichen Form des römischen Ritus) wahlweise hier festgestellt und dort auch ein wenig beklagt wird, hier ein Posting aus der närrischen Ätsch, früher vor Annibale war ja alles sowieso viel schöner-Reihe. Und natürlich nutzt meinereiner auch diese ziemlich sinnfreie Gelegenheit, um wieder einmal das Konzil zu feiern! Es soll schließlich niemand sagen können, auf dieser Seite würde dem Konzilsjubiläum nicht hinreichend Rechnung getragen.
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Stellen wir also fest: Alte-Messe-Molche mußten zwar heute damit leben, daß das Fest der Heiligen Familie (das Offizium sollte man vielleicht doch einmal überarbeiten; die Lesungen der zweiten Nocturn kommen doch etwas arg zeitgebunden herüber) das Gedächtnis der Taufe des Herrn aus dem Rennen geschmissen hat, aber dafür weihnachtet es bei meinereiner mit dem Segen der Kirche noch bis zum Fest Mariä Lichtmeß ... in dulci jubilo sag ich da mal ;-)

Nochmals zu den Heiligen Drei Königen

Hotel "Les Trois Rois" in Basel am Rhein
Myrrhe und Weihrauch müssen nicht zwingend das Portfolio bereichern, ein wenig Gold auf der hohen Kante schadet aber nicht, wenn man sich im Les Trois Rois einquartieren möchte.  Bleibt man eine Nacht, so kostet aktuell - man gönnt sich ja sonst nichts - die "Suite Rhein" gerade mal 1.283 Euro. Im Gegenzug kann man alsdann behaupten, man wäre Gast der Heiligen Drei Könige gewesen - wie weiland Königin Elisabeth II. oder der Dalai Lama, der auch kein Kostverächter zu sein scheint ...

Das Kreuz mit der Heiligen Familie

Die Heilige Familie - Glasfenster
in der Pfarrkirche St. Stephan, Oberwinden

Samstag, 12. Januar 2013

Der geliebte Sohn

Taufstein - Kirche St. Marien, Gengenbach im Schwarzwald
Indem der Mensch Jesus sich selbst versteht (und immer mehr verstehen lernt) als das, was er ist: das an die Welt gerichtete Wort des Vaters, in dessen Sendung das Schicksal des Weizenkorns, für die Welt zu sterben und dadurch Frucht zu bringen liegt, erfährt er Gott, nicht in einer "gegenständlichen", von seiner eigenen Wirklichkeit getrennten Schau, sondern in seiner auf sich selbst nicht reflektierenden Demut, die allen Raum in sich Gott überlässt und in der eigenen Funktionalität die Wirklichkeit des ihn sendenden, über ihn verfügenden, ihn ewig aus sich gebärenden Gottes erfährt. Deshalb wird ihm die Demut, Armut und Einfalt immer die Bedingung sein dafür, dass er anderen an seiner Gotteserfahrung teilgeben kann.
 Hans Urs von Balthasar:Herrlichkeit. Eine theologische Ästhetik. Erster Band. Schau der Gestalt. Einsiedeln 1961. S. 313f.

Freitag, 11. Januar 2013

Von grünen Basilisken, grünen Bahnen und grollenden GrünInnen

Basler Bahnen wollen weiter grünen!
Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) stehen, so las meinereiner jüngst, "aktuell vor der größten Fahrzeugbeschaffung ihrer Geschichte: Dies ist eine historische Chance, ein Grün für die nahezu gesamte BVB-Tramflotte zu definieren". 
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Das klingt zuerst einmal nach einem Problem, von dem Bahngesellschaften hierzulande mutmaßlich träumen. So manche Zeitgenossen in unseren Breiten kriegen beim Thema Grün allerdings wahlweise Albträume oder das große Kotzen. Das Basler Grün kann da freilich nichts für, denn es rührt vom Basilisken, einem biblisch gewürdigten Minimonster, und der Basilisk ist in Basel aus Tradition grün. Basilisk, grün, Monster, grün - geradezu prophetisch, diese Kombination! Tanti Auguri ...!
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Ich hoffe nur, die Basler ... die Farbe wird, man ist ja in der Schweiz, per Abstimmung ermittelt; wer zufällig in der aktuell herumkurvenden Farbwahlbahn sitzt und ein Smartphone in der Tasche hat, kann etwa direkt mittels QR-Code mitmischen ... also ich hoffe, die Basler entscheiden sich für - oder, wie das heute so schön heißt: "definieren" - das richtige Grün. Sonst könnte am Ende Streß draus grünen mit den hiesigen GrünInnen, denn die können bei Identitätsgrusel rasch ein schiefes Maul ziehen und Justitia auf den Plan rufen: Toleranz in sehr eigenwilliger Graduierung war diesem Volk ja immer schon eigen.
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Glaubt jetzt keiner? Ist aber so. Nachdem sich, nur ein Beispiel, vor geraumer Zeit von den einen Freiburger GrünInnen einige andere Freiburger GrünInnen separiert hatten, weil die herkömmlichen GrünInnen den separatistischen GrünInnen nicht mehr grünInig genug waren, waren die herkömmlichen GrünInnen den separatischen GrünInnen überhaupt nicht mehr grün. Diese Zeitgenossen verfügen nämlich allsamt über ein einmaliges specificum: Sie können grün anlaufen, ohne daß irgendwas im grünen Bereich bleibt. 
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Wird also grün draufgepinselt, dann dürfen, obacht! nur herkömmliche GrünInnen drin sein - wer sich alternativgrün (oder so) nennen mag, soll das nicht tun dürfen, ohne daß die anderen zumindest greinen oder grollen oder gar bei Gerichte grasen. Herkömmliche GrünInnen glauben nämlich, ein Monopol auf Grün zu haben, und das scheint nicht allein in Freiburg, sondern auch andernorts der Fall. Daher sollte man gar Vorsicht walten lassen, ehe man Straßenbahnen begrünt.
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Nun gebe ich zu, daß mir und meinereiner vor den herkömmlichen GrünInnen kaum minder graut wie vor den separat-alternativen GrünInnennamgrapschern. Sollte ich die BVB nicht besser warnen?

Donnerstag, 10. Januar 2013

Mit Macheten gegen den Glauben

Auch wenn ich mein Radio heute morgen am liebsten aus dem Fenster geschmissen hätte, nachdem irgendeine Cornelia oder Corinna von Irgendwas auf DRadio Kultur das publikumswirksame Kommentarformat mißbraucht hatte, um die Kirche durch geschickt kombinierte und künstlich aufgeschäumte Mutmaßungen und Versatzstücke möglichst schlecht aussehen zu lassen, sollte man fair genug sein, auch zu erwähnen, wenn die Programme überdies andere Stimmen zu Wort kommen lassen oder noch andere Themen setzen.
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DeutschlandRadio schickte heute auch ein Interview mit dem Vorsitzenden des Forums Deutscher Katholiken, Prof. Hubert Gindert (hier aktuell noch nachzulesen), zum Thema Pfeiffer vs. Kirche über den Äther. Derweil sendete DRadio Kultur zwei hörenswerte Features in Folge über die Verfolgung von Christen (hier und hier aktuell nachzulesen und nachzuhören) - aus einem der beiden Beiträge:
Wie gefährlich es sein kann, doch wieder Kontakt aufzunehmen, hat Ahmed gerade erst bei einer Freundin gesehen. Sie wurde von Brüdern in ihrer Wohnung überfallen und mit Macheten schwer verletzt, weil sie eine Bibel auf dem Nachttisch liegen hatte.

Nachschub


... links Exerzitienvorträge aus Casels letzten Lebensjahren, rechts ein Sammelband mit Texten quer durch das Kirchenjahr, beides in den letzten Tagen endlich in der Post.

Hier geht's zu Lioba

Die Rubrik Follower in der Seitenleiste bietet unter anderem den Vorteil, daß man von Zeit zu Zeit auf Blogs gestoßen wird, von denen man bislang nichts wußte. Heute habe ich Lioba entdeckt. 
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Lioba bloggt gleich zweifach aus dem Erzgebirge und im wahrsten Sinn des Wortes von Gott (hier ihre Seite mit geistlicher Ausrichtung) und der Welt (hier ein Reiseblog mit schönen Bildern aus dem Heiligen Land). Willkommen auf Pro Spe Salutis und in der Blogozese!

Mittwoch, 9. Januar 2013

O tönet fort - das Lieblingsthema der Medien ist zurück!

Gewöhnlich achtet man im Radio, wo die stündlichen Nachrichtensendungen zwischen 5 und 7 Minuten dauern, ziemlich darauf, Meldungen prägnant und konzis zu formulieren und dabei Informationsredundanzen zu vermeiden. Allerdings war eine Meldung heute in der Früh DRadio Kultur offenbar wichtig genug, um die Schröcklichkeit ihrer Provenienz sowohl in der Anmoderation als auch am Ende der eigentlichen Meldung mit den so ziemlich gleichen Informationen auszumalen. 
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Ohne daß man es direkt sagt, wird so unterschwellig vermittelt, daß es sich nicht nur um eine sehr schwerwiegende und wahrhaft erschütternde Sache handelt, sondern daß die Angelegenheit auch einer Art Flächenbrand gleichkäme, der da in den Mauern der Kirche gewütet habe und der nun - hol's der Pfeiffer! - unter die finstre Decke gezogen werden soll ... alles in allem frei nach Goethe geknittelt der Redaktionen Jubelsang:
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"O tönet fort, ihr süßen Skandalieder,
der Busen schwillt, den "Mißbrauch" ham'wa wieder!"

Der Alltag und das Licht

Illustra oculos meosne obdormiam in morte ...
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Erleuchte meine Augen, 
aufdaß ich nicht entschlafe im Tod.
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(Psalm 12 - Komplet vom Dienstag)
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Advent und Weihnachten liegen hinter uns. Mit Blick auf die Feier der Menschwerdung des Logos hat uns die Kirche im Advent wieder neu die Sinne geschärft für die zweite Ankunft des Kyrios. An Weihnachten sind wir eingetaucht in die Mysterien des Lichtes und wir schauten die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater.
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Jetzt holt uns, im wahrsten Sinn des Wortes, "zusehends" der Alltag mit seinem eher verwaschenen Hin und Her wieder ein. Es fehlt der Glanz. Wir laufen Gefahr, "schläfrig" zu werden - der geistliche Enthusiasmus geht womöglich zurück, stirbt im schlimmsten Fall Stufe um Stufe ab. 
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Bitten wir, daß uns jenes Licht des fleischgewordenen Logos, das uns an Weihnachten durchströmte (vgl. Oratio der zweiten Weihnachtsmesse), auch weiterhin ins Auge falle.
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Erleuchte meine Augen,
aufdaß ich nicht entschlafe im Tod.

Dienstag, 8. Januar 2013

Salz und Licht statt Öl und Honig

Würziges Salz sollten sie sein, aber sie sind lieber das Öl im Getriebe oder der Honig im Kuchen. Statt die christliche Alternative sichtbar zu machen, lieben sie den Kompromiss. Durch Nivellierung möchten sie unauffällig erscheinen und (ausgerechnet) um Gottes Willen keinen Anstoß erregen. (...) Sie erkennen nicht, dass man Menschen nicht durch Nachgeben, sondern durch Forderungen gewinnt. Der Verlust an Gewicht, den die Kirchen in der Geschichte erleiden müssen, hat darin ihren Ursprung, dass man zu wenig von der einschneidenden Härte der christlichen Botschaft gesprochen hat. Und zu wenig begeistert von der Verheißung. (...)
Die Worte vom Salz und vom Licht enthalten für sich genommen keine Forderungen. Vielmehr spricht Jesus über das, was die Jünger schon sind. Ausgerechnet hier, wo es um die äußere und äußerste Aktivität der Christen geht, spricht Jesus im Indikativ. Er warnt nur davor, die Kraft zu verlieren. Das Problem ist daher offenbar nicht die Kommunikation mit den anderen, sondern die Identität der Christen. Im Verhalten "auf dem Markt" kommt es nur darauf an, dass wir ohne Scheu ins Spiel bringen, was wir immer schon sind. Dass wir sichtbar werden lassen, wovon wir immer schon leben. Das Wort vom Salz der Erde spricht daher keineswegs von missionarischem Aktivismus, sondern von der Bewahrung der christlichen Identität, vom Erhalt der uns geschenkten Kraft.
¶ Klaus Berger: Jesus. München 2007. S. 34 ff.

Montag, 7. Januar 2013

Memento


Surge, flores apparuerunt
- 
sicut in cælo, et in terra.

Kennt ihr schon den Blog von ...

... Pater Joseph Pandiappallil? Mir ist sein Predigtblog jedenfalls noch nicht begegnet und ich habe den Eindruck, der aktuell in der Münchner Pfarrei Heilige Familie wirkende Priester bloggt mit seinen Predigten seit einigen Jahren munter neben der Blogozese her. Wer Lust hat, kann ja mal hier hinüber klicken. Grundsätzlich, und damit sei auch ein Dank an alle bloggenden Priester vernüpft, freue ich mich, wenn Kleriker in der Blogozese mitmischen ...

Groll am ... Mittag: Das Liturgische Biedermeier oder: Die fiesen Rubriken

Fällt dieses Jahr flach: Taufe Jesu
Pfarrkirche St. Nikolaus, Elzach
Auch der Alte-Messe-Molch hat manchmal seine Probleme mit der "alten Liturgie", oder, in diesem Falle, mit dem liturgischen Kalender der außerordentlichen Form des römischen Ritus.
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Pater Alex kündigte gestern vor der Predigt das Fest der Heiligen Familie für den kommenden Sonntag an. Ich zuckte innerlich zusammen, denn den (ehemaligen) Oktavtag von Epiphanie verbinde ich untrennbar und mit einer gewissen freudigen Erwartung mit dem Gedächtnis der Taufe des Herrn. Zuhause habe ich in den Kalender geschaut - tatsächlich: Familienfest. 
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Alsdann versuchte ich, mir im feinen Gespinst der Rubriken mit ihren Klassifizierungen samt Okkurenztabelle einen Durchblick zu verschaffen. Nun scheint die Sache so, daß das Fest der Heiligen Familie (bewegliches Herrenfest 2. Klasse) das Gedächtnis des Taufe des Herrn (festes Herrenfest 2. Klasse) allein ob seiner "Beweglichkeit", die sich in diesem Falle aber recht unbeweglich ausnimmt, verdrängt. Das Familienfest ist beweglich, weil es stets am nächstfolgenden Sonntag nach Epiphanie gefeiert werden soll, das Gedächtnis der Taufe des Herrn hingegen fällt immer auf den 13. Januar. Beide Anlässe sind als "Herrenfeste" gleichwertig klassifiziert, in einer Rubrik jedoch werden bewegliche Feste den festen vorgeordnet, sofern beides aufeinander trifft. Warum das Fest der Heiligen Familie als Herrenfest gewertet ist, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. Ich würde es - halt aus dem Bauch heraus - als ein normales Fest 2. Klasse betrachten; dann übrigens müßte es seinen Platz räumen.
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Auch wenn das - mit Blick auf das Thema - nicht ein übermäßig angemessener Ausdruck sein mag: Das stinkt mir jetzt. Wir haben auf der einen Seite eine ehrwürdige und theologisch sehr bedeutsame wie inhaltsreiche Gedächtnisfeier, quasi ein Schlußstein im engeren Zyklus der Weihnachtsfestereignisse: Das Kind von Bethlehem, das sich als erwachsener Mensch unter die taufende Hand des Johannes beugt, ist der Sohn Gottes, wie der Geist und die Stimme vom Himmel bezeugen (vgl. Mt 3, 13-17). Was aber wird gefeiert? Ein, so bedenkenswert das auch sein mag, Ideenfest aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts! Ich wäre beinahe versucht zu sagen: liturgisches Biedermeier - was natürlich nicht dem Festmysterium gerecht wird, leider aber oft dem Drumherum in der Liturgie. Soviel dazu: Mein Testament hat nun ein End' ... *grrr*