Freitag, 29. November 2013

Novembergedanken

Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen ... Auch nicht gegen den Schmerz des Abschieds von den Unsern. Ist der Sarg aus dem Hause, ist ein Platz am Tische leer, sind Kleider, Bücher, Geräte, die im Leben ein Stück ihrer selbst waren, für immer verlassen und geht unsere Stimme, unser Blick ins Leere, wenn wir sie rufen, sie suchen, dann überfällt uns die Wahrheit: gestorben!
Was man uns zum Troste sagt, ist alles hohl und falsch, das einzige Wirkliche ist der Schmerz, der einzige Helfer ein wahrhaft liebender Mensch, der aus dem Glauben lebt. Er mag schweigen und still für sich sein: genug, daß er da ist und seine wohltätige Kraft aussendet. 
Tage, ja Wochen vergehen, bis wir auf Trostgründe der üblichen Art in den Reden der Menschen uns sammeln können. Sind es Weltlinge, so sind sie bald am Ende mit ihrem Spruch vom unabwendbaren Schicksal oder einem gutgemeinten "Vielleicht, daß es so besser gewesen". Ihnen steht am besten an, wenn sie das natürlich teilnehmende Herz uns fühlen lassen. Sind es aber in Wahrheit religiöse Menschen, so ist ihr Händedruck, ihr Blick, ihr Wort wie Spendung aus einer anderen Welt. Aber ihnen begegnen wir selten; denn auch unter den Frommen sind mehr Berufene als Auserwählte.
So muß das verwundete Herz fast immer in seiner Einsamkeit genesen und den großen Fragen über die letzten Dinge des Menschen aus sich selbst Antwort stehen. Wehe dem, der alsdann zum erstenmal das Haupt in die Hand stützt: Woher? Wohin? Warum das alles und dann der Tod? 
(Joseph Bernhart)
An diesem Vorabend in dankbarem Gedenken an meine verstorbenen Eltern und Großeltern ... und im Vertrauen auf Gottes erbarmende Liebe.

Kommentare:

Huppicke hat gesagt…

Durch diesen Text lass ich mich heute gerne von all dem Adventstrubel mit den Kindern zurück zum beschaulicheren Warten auf seine Ankunft rufen.

Weil er in die Welt gekommen ist, ist der Tod nicht endgültig und wir dürfen hoffen alle unsere Lieben auch in der Ewigkeit bei uns zu haben - das Vertrauen auf Gott ist der beste Trost. Immer. Aber, ach, manchmal so schwierig.

Andreas hat gesagt…

Stimmt, liebe Huppicke, geht mir auch so. Vieles scheint uns so weit weg ... was gewiß auch eine Frage unseres "Standpunktes" ist, eine Frage der Unzulänglichkeiten, denen wir im Glauben bei uns selbst und bei anderen begegnen. Aber auch eine Frage Gottes, der sich oft - und für uns rätselhaft - zu verbergen scheint.