Samstag, 23. November 2013

Ein Lieblingslied aus dem Gotteslob

Welches Lied singen wir am liebsten, sobald wir zum vertrauten und bald scheidenden Gotteslob greifen - dies möchte Andrea (hier) gerne wissen. Eine Weile habe ich hin und her überlegt - keineswegs einfach, will man sich wirklich auf ein Lied festlegen. Und auch jetzt kann ich mich nicht entscheiden ... vielleicht Die Nacht ist vorgedrungen (GL 111), Jochen Kleppers adventliches Trostlied, in ungetrösteter Zeit gedichtet und wie gemacht für Zeiten, die so trostlos sind wie die unsere? Oder Nun bitten wir den Heiligen Geist (GL 248), gerade der Thurmaier'schen Strophen wegen, welche eine "unerschaffne Glut" anrufen, die in uns beten möge, "wo wir stumm bleiben"? Dann Kommt herbei, singt dem Herrn (GL 270) - erinnert mich an meine Erstkommunion, unter diesen Klängen sind wir in die Kirche eingezogen ... very processional!
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Ich könnte jetzt noch weitere Nummern erwähnen und anreißen, beschränke mich aber vorerst auf die Bemerkungen, daß etwa das blogozesan beliebte Ich will dich lieben, meine Stärke (GL 558) trotz seiner geradezu "bekennenden" Augustinus -Reminiszenzen nicht zu meinen Lieblingsliedern zählt (zu sehr sitzt mir der zerdehnte Gesang dieses Liedes in den Knochen, unter dem ich jahrelang allzu oft schier gelitten habe) und daß unter meinen Lieblingsliedern - für einen traditionsfrohen Alte-Messe-Molch mag das eher ungewöhnlich sein - auch zwei Texte von Huub Oosterhuis ihren Platz gefunden haben.
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Ich habe mich für das folgende Lied entschieden - es steht im hiesigen Anhang, ist aber auch in anderen Diözesen heimisch: Ein Danklied sei dem Herrn für alle seine Gnade (GL Freiburg 832). Die Melodie ist von sanfter Spannung, da sie im Mittelteil in eine andere Tonart moduliert, um sogleich leicht rabiat in den Grundton zurück gezwungen zu werden; komponiert hat sie Joseph Venantius von Wöß, der auch die Noten zu Gelobt seist du, Herr Jesus Christ (GL 560, auch so ein "Lieblingslied") zu Papier brachte; gemeinsam ist beiden Liedern auch der Dichter: Guido Maria Dreves, Jesuit und bedeutender Hymnologe seiner Zeit. 
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Warum dieses Lied? Es mag pathetisch klingen, bringt die Sache aber halbwegs auf den Punkt: Nach vierzig Lebensjahrzehnten hat das Leben bereits genug Freude bereitet und genug Beklemmung ausgelöst, hat sich genug Hoffnung breit gemacht, aber auch schnürende Angst eingefressen, hat man Gutes getan oder Gutes unterlassen und Böses getan oder Scheiße gebaut und mit Gottes Hilfe selbst aus der Scheiße doch noch etwas Gutes gewonnen, daß diese Verse von Dankbarkeit und Gottvertrauen mit ihren mannigfachen Reminiszenzen an Worte der Heiligen Schrift, die uns ohnehin unmittelbar berühren können, ans Herz fassen.
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Was immer geschieht - wir dürfen alle Zeit zu Ihm kommen, mit unserem Glück, mit unserem Elend ... wenn wir uns begünstigt wissen oder zurückgesetzt sehen ... wenn all unsere Pläne und Träume zerbersten und sich der Horizont verfinstert ... wenn unser Glaube schwach war und hohl und schwach ist ... wenn wir in der Versuchung fallen, vielleicht kaum gekämpft haben ... jedes Alleluia und jedes Miserere können wir vor Ihn bringen, unseren Vater im Himmel: Und sei gewiß, er meint es gut ...
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Ein Danklied sei dem Herrn für alle seine Gnade;
er waltet nah und fern, kennt alle unsre Pfade.
Ganz ohne Maß
ist seine Huld
und allbarmherzige Geduld.
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O sei zu seinem Lob nicht träge, meine Seele,
und wie er dich erhob, zu seinem Lob erzähle;
drum sei am Tage
wie zur Nacht
sein Name von dir groß gemacht!
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Er ist's, auf dessen Ruf wir in dies Leben kamen,
und was er rief und schuf, er kennt und nennt mit Namen.
Auf unserm Haupt
ein jedes Haar,
er hat's gezählt, er nimmt sein wahr.
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Er ist es, der uns trägt in Händen und erwählet,
der seine Huld nicht wägt, noch seine Gnade zählet,
der um uns her
die Flügel schlägt
und uns darunter birgt und hegt.
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Der seinen Sohn uns gab, da wir noch Sünder waren,
der läßt von uns nicht ab in Nöten und Gefahren,
schirmt uns vom Kreuz
mit starker Hand
an Seel und Leib, zur See und Land.
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Drum wirf die Sorge weg, laß allen Kummer fahren,
wie enge gleich der Steg, wie viel des Feindes Scharen:
Dein Name steht
in Gottes Hand;
Gott liest und schaut ihn unverwandt.
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Gib dich in seine Hand mit innigem Vertrauen;
sollst statt auf eitel Sand auf echten Felsen bauen,
dich geben ganz
in Gottes Hut,
und sei gewiß, er meint es gut.
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Kommentare:

Arminius hat gesagt…

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Andreas hat gesagt…

... aber dann doch nicht mit dieser Melodie ... so schön sie auch ist ;-)

tradi.nl hat gesagt…

40 Lebensjahrzehnte? ;)

Huppicke hat gesagt…

*!!!* Das ist auch bei mir in engster Wahl. Kann mich immer noch nicht entscheiden. ;-)