Sonntag, 24. November 2013

Das BamS ... und ein Wort dazu

Selbst auf dem heimischen Friedhof entdeckt man immer wieder Neues im Gewohnten - so gestern einen Grabstein, etwas abseits gelegen ... mit Fenster. Mithin keineswegs von gängiger Gestalt, erhob er sich über einem Grab, dem offenbar schon länger eine pflegende Hand fehlt. Die widersprüchliche Zeichenhaftigkeit fand ich bemerkenswert - einerseits der ausgesucht besondere Stein, andererseits die Vernachlässigung. Welche Geschichte mag dahinter stecken? Mahnt der Stein nur an einen Toten? Oder indirekt an weitere (zwischenzeitlich) Verstorbene, die nicht mehr da sein mögen, das Grab zu pflegen?
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Der zunehmend überwucherte Stein mit dem gläsernen Durchbruch rief mir zudem den Gedanken wieder in Erinnerung, daß wir als Christen berufen sind, Gott in uns durchscheinen zu lassen. Diese Transparenz gibt uns Anteil an der Heiligkeit Gottes, die ihren Weg durch uns in die Schöpfung nehmen möchte. Am Allerheiligentag hatte ich dazu aus einem früheren Buch unseres geliebten Papstes Benedikt XVI. zitiert: 
In der Welt der Heiligen, der wir im Kirchenjahre begegnen, wird gleichsam das einfache, unanschaubare Licht Gottes zerlegt in das Prisma unserer menschlichen Geschichte hinein (vgl. hier).
Verlieren wir diese Berufung aus dem Auge, so scheinen wir vielleicht wie dieser Stein: Das Fenster, durch das Gottes Licht in die Welt fallen möchte, wird immer mehr überwuchert von anderen Dingen, die uns wichtiger scheinen, angenehmer, weniger anstrengend, nützlicher, notwendiger, sinnvoller und so fort. Kein Regen, kein Tau erreicht mehr das Glas, es trübt ein, wird stumpf und verschmutzt. Zuletzt läßt es, ob verwachsen oder nicht, kaum mehr einen Lichtstrahl durch. 
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Im Gericht, an das dieser letzte Sonntag des Kirchenjahres besonders erinnert, werden all die Überwucherungen unseres gnadenhaften Lebens weggeschnitten. Wie sieht es darunter aus? Bitten wir Gott, daß das getrübte Glas dann doch zu etwas mehr tauge, als daß man es nur noch zerbreche und zerstöre, und daß Sein Licht dann neu durch uns strahlen kann und wir Anteil finden "am Erbe der Heiligen im Licht" (Kol 1, 12).
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Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Das ist eine sehr berührende und inspirierende Meditation geworden! Danke!

Severus hat gesagt…

Dank auch von mir!