Donnerstag, 3. Oktober 2013

Sich-offen-halten, vermufften Zuckerguß abkratzen und angelegentlich Danke sagen

Die hl. Theresia von Lisieux -
Pfarrkirche St. Stephan, Freiburg-
Munzingen
Aufs Geradewohl habe ich vorher in der Selbstbiographie der hl. Theresia von Lisieux herumgeblättert und bin auf eine, denke ich, bedenkenswerte Stelle gestoßen. Es geht um den Empfang der Kommunion. Zeitweilig konnte die Heilige den Leib des Herrn, entgegen damaliger Gepflogenheit, täglich empfangen, und diese - für uns so selbstverständliche, vielleicht zu selbstverständliche - Möglichkeit sei für sie, so Theresia, ein "unsagbarer Trost" gewesen. Schön, könnten wir nun sagen und uns wünschen, daß uns dies doch auch immer tiefer zuteil werde.
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Und während wir uns mit dieser frommen Erwägung begnügen mögen, unterläuft Theresia, nur eine Seite weitergeblättert, genau das, wenn sie plötzlich schreibt:
Ich kann nicht sagen, daß ich bei meinen Danksagungen oft Tröstungen erhielt, es ist vielleicht der Augenblick, da ich ihrer am wenigsten habe.
Das erscheint mir ganz natürlich, denn ich bot mich Jesus an nicht wie jemand, der seinen Besuch zum eigenen Trost empfangen möchte, sondern vielmehr um der Freude Dessen willen, der sich mir schenkt. - Ich stelle mir meine Seele als einen freien Platz vor und bitte die Seligste Jungfrau, allen Schutt fortzuräumen, der verhindern könnte, daß er wirklich frei sei; dann flehe ich sie an, ein großes, des Himmels würdiges Zelt aufzurichten, es mit ihrem eigenen Schmuck zu zieren, und dann lade ich alle Heiligen und Engel ein, zu kommen und ein wunderbares Konzert zu geben. Wenn dann Jesus in mein Herz herabsteigt, so ist er, glaube ich, zufrieden, so wohl empfangen zu werden, und ich bin es dann auch ... 
Therese vom Kinde Jesu: Selbstbiographische Schriften. Einsiedeln (5) 1964. S. 175 f.
Kein Leistungsdenken, kein verbissenes Sich-Hinein-Knien in die Gegenwart des Kyrios, sondern zuerst ein Sich-offen-halten für das, was Gott - was er selbst oder was er durch Maria und die Engel und die Heiligen - in uns wirken könnte, wirken möchte. Auch das kann ein Trost und gewissermaßen ein Ansporn sein, geistlich fortzukommen, auch wenn uns unsere Unzulänglichkeit und unsere Sünden lähmen möchten.
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Noch eine ganz andere Bemerkung zum heutigen Fest der hl. Theresia. Ich hatte oder habe mit dieser Heiligen meine Schwierigkeiten. Auf den ersten Blick schmeckt so vieles um sie herum nach vermufftem Zuckerguß, überfrömmelt irgendwie - andererseits faszinierte mich das Phänomen "Theresia" trotzdem, denn irgendetwas mußte (jenseits aller potentiellen Bigotterie) an der Intensität der Verehrung, die der "kleinen heiligen Theresia" zuteil wird, ja dran sein. Hans-Urs von Balthasar redet im Vorwort zum oben benannten Band von einem "wahren Grab von Schminke", aus dem die Züge der Heiligen zu heben waren: "... als die entstellten Schichten wegfielen, trat, wie nicht anders zu erwarten war, das Gnadenwunder von Lisieux mit dem ganzen Glanz und der schlichten Evidenz des Ursprünglichen zutage". 
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Bereits bevor mir diese Worte unter die Augen kamen, nahm ich (gerade meiner Vorbehalte wegen) Theresia in eine kleine persönliche Litanei einiger Heiliger auf, um deren Hilfe ich täglich bitte. Vielleicht hat sie mich dafür, wer weiß, ein wenig belohnt? Gerade heute - an ihrem Fest - wurde mir ein lang gehegter Wunsch erfüllt und ich bekam das Lexikon für Theologie und Kirche ... geschenkt (Danke!).

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